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Französisch-osmanisches Bündnis
Das französisch-osmanische oder auch franko-osmanische Bündnis stellte eine in der Frühen Neuzeit über viele Jahre hinweg stetig reaktivierte politische …
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Kern der Kooperation
Das französisch-osmanische oder franko-osmanische Bündnis war in der Frühen Neuzeit keine dauerhaft festgeschriebene Allianz, sondern eine über viele Jahre immer wieder reaktivierte politische und militärische Kooperation. Sie verband zeitweise das katholische Frankreich mit dem Osmanischen Reich, vor allem gegen die Machtstellung der Habsburger. Eine formale, de jure festgeschriebene Allianz bestand entgegen einer verbreiteten Annahme weder im 16. Jahrhundert noch später; passender ist die Bezeichnung eines stets erneuerten Bündnisses.
Die Zusammenarbeit war geopolitisch begründet: Frankreich fühlte sich von habsburgischen Besitzungen im Heiligen Römischen Reich, in den Niederlanden und Belgien sowie von Spanien eingeschlossen. Karl V. und seine Nachfolger führten wiederholt Kriege gegen Frankreich. Die Osmanen wollten ihre europäischen Gebiete ausweiten und gerieten nach 1526 als Gegner der Habsburger ebenfalls in einen Konflikt mit dem Kaiser.
Ausgangslage beider Mächte
Frankreich war seit dem ausgehenden Mittelalter eine der mächtigsten Mächte Westeuropas. Nach dem Ende des Hundertjährigen Krieges 1453 konzentrierte sich staatliche Gewalt zunehmend beim König. Der Konflikt mit den Habsburgern verschärfte sich durch deren Präsenz in den Niederlanden nach dem Tod Karls des Kühnen 1477, durch die Verbindung mit dem vereinigten Spanien und schließlich durch die Personalunion der spanischen und deutschen habsburgischen Besitzungen unter Karl V. In den Italienkriegen ging es besonders um Norditalien und Mailand. Karl V. vertrat, gestützt auf die Eroberungen nach der Entdeckung Amerikas, das Konzept einer christlichen Universalmonarchie; Frankreich war dabei das zentrale Hindernis.
Das Osmanische Reich expandierte seit der Eroberung Konstantinopels 1453 durch Mehmed II. Nach dem Sieg über die Aq Qoyunlu 1473 war die östliche Grenze zunächst gesichert; in Europa wurde Ungarn zum Hauptgegner. Die Schlacht von Mohács 1526 war entscheidend: Der ungarische König starb ohne direkte Erben, die Habsburger erhielten die Thronfolge und wurden damit direkte Konkurrenten der Osmanen. Zugleich erweiterten die Osmanen ihren Einfluss im Mittelmeerraum. Der Sieg über die Mamluken und die Eroberung Ägyptens 1516 sowie die mit der osmanischen Marine verbundenen Barbareskenstaaten stärkten ihre Stellung. Im Osten blieben die Safawiden in Persien ein wichtiger Gegner, obwohl Ismail I. 1514 bei Tschaldiran besiegt worden war.
Kooperation im 16. Jahrhundert
Nach der Niederlage und Gefangennahme Franz’ I. bei Pavia 1525 nahm seine Mutter Luise von Savoyen Kontakt zu Süleyman I. auf, damit dieser Österreich angreife. Süleyman rüstete zwar für einen Ungarnfeldzug, doch ist unklar, ob diese Aufforderung ausschlaggebend war. 1529 belagerten die Osmanen Wien erfolglos; gleichzeitig schlossen Frankreich und die Habsburger den Frieden von Cambrai. Franz I. stellte den osmanischen Rückschlag anschließend öffentlich als Sieg der Christenheit dar.
1534 entsandte Franz I. Jean de La Forêt als ersten ständigen französischen Botschafter an die Hohe Pforte. Süleymans Brief von 1536 erkannte ihn als solchen an. Die Vereinbarung von 1535 richtete sich gegen die habsburgische Vorherrschaft und sah osmanische Angriffe auf habsburgische Besitzungen in Italien sowie den möglichen Einsatz maghrebinischer Korsaren vor. La Forêt sollte außerdem eine Million Golddukaten fordern; nach dem Auftrag Antoine Duprats sollte die osmanische Armee in Sizilien und Sardinien einmarschieren. Es kam jedoch kein formaler Bündnisvertrag zustande, sondern nur eine militärische Kooperation.
Die Vorhaben blieben weitgehend erfolglos. Franz I. hielt einen kurzfristigen Frieden mit Karl V. stets offen, weshalb Süleyman ihm nur begrenzt vertrauen konnte. 1538 verhandelten Frankreich und Habsburg in Nizza. Als der Krieg ab 1542 erneut ausbrach, vereinigten Frankreich und Osmanen 1543 ihre Flotten unter Großadmiral Khair ad-Din Barbarossa zum Angriff auf Nizza. Die osmanische Flotte überwinterte 1543–44 in Toulon; dafür wurde die gesamte Bevölkerung der Hafenstadt umgesiedelt. Französische Truppen unterstützten die Osmanen 1543 außerdem bei der Belagerung von Esztergom in Ungarn.
Nach dem Frieden von Crépy 1544 vermittelte Frankreich 1545 einen Frieden zwischen Habsburg und Osmanen. 1547 wurde erneut ein französisch-osmanischer Waffenstillstand geschlossen. In den frühen 1550er Jahren arbeiteten beide Flotten nochmals vor Malta zusammen, jedoch ohne wirklichen Erfolg. Nach Lepanto 1571 boten die Osmanen Frankreich weiterhin Kooperation an. Die französischen Religionskriege zwischen Hugenotten und Katholiken verhinderten aber eine offensive Außenpolitik. In späteren Jahrhunderten blieb ein Bündnis eine geopolitische Möglichkeit; französische Truppen unterstützten Österreich jedoch teils auch gegen die Osmanen, etwa bei St. Gotthard.
Religiöse und politische Spannungen
Die Kooperation war für Frankreich ideologisch problematisch. Die französischen Könige beanspruchten den Titel der „allerchristlichsten Könige“. Ein Zusammengehen mit den Osmanen, die öffentlich als Feinde der Christenheit galten, bedrohte dieses Selbstbild. Die Vorstellung einer „türkischen Gefahr“ war im 16. Jahrhundert kulturell tief verankert. Konstantinopels Fall und die osmanische Ausdehnung verstärkten diese Wahrnehmung.
Auch der Kreuzzugsgedanke besaß weiterhin große ideelle Kraft. Papst Leo X. rief 1516 zu einem Kreuzzug auf. Franz I. schrieb ihm im Dezember 1517, zunächst müsse Frieden unter den Christen geschaffen werden, und entwarf dann einen Plan für einen gemeinsamen europäischen Angriff auf das Osmanische Reich. Ein möglicher Kreuzzug erschien den Osmanen erneut als Bedrohung, als Karl V. 1538 längere Zeit in Frankreich weilte.
Zeitgenössische Bewertung und Folgen
In der westlichen Christenheit stieß die Kooperation überwiegend auf Vorbehalte. Besonders die Zusammenarbeit mit der osmanischen Flotte wurde abgelehnt, weil Überfälle und die Versklavung christlicher Bevölkerungsteile die Flotte in den Mittelmeerküstengebieten in Verruf gebracht hatten. Die Umsiedlung Toulons wirkte dabei besonders prägend. Kritisiert wurde zudem, dass Frankreich mit osmanischer Hilfe einen katholischen Monarchen angriff, mit dem es religiös keine Differenzen hatte.
Für die Osmanen entlastete die Zusammenarbeit die Westgrenze und erleichterte den Krieg gegen die Safawiden. Über die Bewertung im Osmanischen Reich ist in deutsch- und englischsprachiger Fachliteratur deutlich weniger bekannt. Die große räumliche Entfernung könnte zu Pragmatismus oder Gleichgültigkeit geführt haben; der Krieg gegen das schiitische Persien erhielt möglicherweise mehr Aufmerksamkeit.
Zeitgenössische christliche Literatur beurteilte das Zusammengehen meist kritisch. Für die ersten 50 Jahre des 16. Jahrhunderts nennt Malettke rund 1000 bekannte westeuropäische Schriften über die Osmanen, für die zweite Hälfte dagegen 250. Pierre Belon äußerte sich 1555 abwertend über Piraterie unter osmanischer Schutzherrschaft. Guillaume Postel betonte dagegen die religiöse Toleranz der Osmanen gegenüber Christen und Juden in ihrem Herrschaftsbereich und führte die westeuropäische Abneigung auch auf das Fehlen neutraler Quellen zurück. Insgesamt fiel das Urteil über die französisch-osmanische Kooperation im Mittelmeer in der Regel negativ aus.