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Finale (Oper)
Finale bezeichnet einen beschließenden Abschnitt der Dramaturgie eines musiktheatralischen Werkes. In der Konfiguration der „Nummern“ innerhalb eines …
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Begriff und Funktion
Ein Finale ist der abschließende Abschnitt in der Dramaturgie eines musiktheatralischen Werkes, besonders einer Oper. Es gehört zur Anordnung der einzelnen musikalisch-dramatischen „Nummern“ innerhalb eines Werkes, hat dabei aber eine Sonderstellung. Anders als manche offene Formen, zum Beispiel eine Introduktion oder ein Ensemblestück mitten in einem Akt, beginnt ein Finale meist nicht ohne Vorbereitung.
Typisch ist, dass vor dem Finale eine Peripetie stattgefunden hat. Eine Peripetie ist ein Wendepunkt der Handlung. Nach diesem Wendepunkt setzt das Finale häufig mit einem Eklat ein, also mit einer auffälligen, konfliktreichen Zuspitzung. Diese entsteht durch eine besondere Personen- oder Handlungskonstellation. Die Lage kann schon vorher vorbereitet worden sein; im Schlussabschnitt eines Aktes oder des ganzen Werkes wird sie dann zu einem vorläufigen oder endgültigen Abschluss geführt.
Arten des Finales
In der Oper sind zwei Arten des Finalensembles möglich: das Finale eines Aktes und das Werk-Finale. Das Aktfinale beendet einen Akt, aber noch nicht die ganze Oper. Das Werk-Finale steht am Ende des gesamten Werkes.
Beide Formen können noch Ausblicke auf spätere Ereignisse eröffnen. Ihre dramaturgische Situation unterscheidet sich aber deutlich: Beim Aktfinale muss die Handlung noch genug Spannung oder „Zündstoff“ enthalten, um weitere Ereignisse zu motivieren. Beim Werk-Finale wird die dramatische Situation dagegen abschließend behandelt. In der Ausgangssituation unterscheiden sich vorläufiges und endgültiges Finale allerdings oft kaum; entscheidend ist, ob danach noch weitere Handlung folgen kann.
Dramaturgische Zuspitzung
Eine häufige und wirkungsvolle Konstellation im Finale besteht darin, dass private Konflikte der Hauptfiguren plötzlich öffentlich werden. Konflikte, die schon in der Exposition und im weiteren Verlauf der Handlung geschwelt haben, werden im Finale an die Bühnen-Öffentlichkeit gebracht.
Dadurch kann etwas, das vorher in Duetten oder kleineren Ensembleformen verhandelt wurde, in großem Rahmen wiederholt und gesteigert werden. Der Ausdruck „coram publico“ bedeutet hier: vor aller Augen, also öffentlich auf der Bühne. Die frühere Konfliktsituation erscheint dadurch nicht nur größer und dramatischer, sondern kann auch neu beleuchtet werden.
Aufbau und musikalische Formen
Finali sind in der Regel vielgliedrige „Nummern“. Das bedeutet, dass sie aus mehreren Teilen oder Situationen bestehen. In ihnen treten die Protagonisten, ihre Vertrauten und oft auch Chöre miteinander oder nacheinander in Beziehung. Die Figuren werden in verschiedenen Situationen konfrontiert.
Im Idealfall entwickelt sich die Handlung im Finale durch überraschende Effekte und neue Informationen unerwartet weiter. Eine besondere musikalische Form ist das „Kettenfinale“, das von Komponisten der Opera buffa entwickelt wurde. Die Opera buffa ist die komische Oper. Beim Kettenfinale werden, ähnlich wie in einem Rondo, einzelne musikalische Themen im Wechsel aneinandergereiht. Manche Themen kehren unmittelbar oder nach einer gewissen Zeit wieder.
Gestaltung in verschiedenen Opern
Eine einheitliche Form für Finalnummern gibt es nicht. Trotzdem finden sich in fast allen Opern des späten 18. und des 19. Jahrhunderts musikalisch-dramatische Großabschnitte, die als Finale bezeichnet werden.
In manchen Opern, besonders in „Zauberopern“ nach Art der Zauberflöte, sind die musikalischen Abschnitte eines Finales stark voneinander getrennt. In solchen Fällen kann es innerhalb eines Finales sogar mehrfach zu Wechseln der Kulissen kommen. Das Finale ist also kein festes Schema, sondern eine dramaturgisch wichtige Schlussform, die je nach Werk unterschiedlich gestaltet sein kann.