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Erbgang (Biologie)

Der Erbgang ist die Bezeichnung eines anhand des Stammbaums nachzuvollziehenden Vererbungsvorgangs einer durch Gene mehr oder weniger festgelegten …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und Grundaufbau
  2. 2. Anzahl und Lage der beteiligten Gene
  3. 3. Genotyp und sichtbare Ausprägung
  4. 4. Ergänzende Merkmale eines Erbgangs
  5. 5. Festlegung des Erbgangs

Bedeutung und Grundaufbau

Ein Erbgang bezeichnet einen Vererbungsvorgang, der sich anhand eines Stammbaums für eine durch Gene mehr oder weniger festgelegte Eigenschaft nachvollziehen lässt. Besonders wichtig ist dies bei Erbkrankheiten. Eine genaue Beschreibung nennt drei Hauptkriterien in fester Reihenfolge: die Anzahl der beteiligten Loci, die betroffenen Chromosomen und den Zusammenhang zwischen Genotyp und Phänotyp.

Anzahl und Lage der beteiligten Gene

Ein Locus ist ein Gen-Ort. Je nach Anzahl der beteiligten Loci heißt ein Erbgang monogen oder einfach (ein Locus), oligogen (wenige Loci) oder polygen (viele Loci).

Nach der Chromosomenlage unterscheidet man autosomale Erbgänge mit Loci außerhalb der Geschlechtschromosomen und gonosomale Erbgänge mit Loci auf einem Geschlechtschromosom. Gonosomal kann X-chromosomal, Y-chromosomal, W-chromosomal oder Z-chromosomal sein. X-chromosomale Loci sind der häufigere Fall. W- und Z-Chromosomen kommen bei Vögeln und einigen Reptilien vor. Bei mitochondrialen Erbgängen liegen die Loci auf der mitochondrialen DNA.

Genotyp und sichtbare Ausprägung

Der Genotyp bezeichnet die genetische Ausstattung, der Phänotyp die beobachtbare Ausprägung einer Eigenschaft. Ihr Zusammenhang wird als dominant, rezessiv, kodominant oder intermediär beschrieben.

Ergänzende Merkmale eines Erbgangs

Zusätzlich kann die Penetranz angegeben werden: Sie ist vollständig oder unvollständig; bei unvollständiger Penetranz wird eine Prozentzahl genannt. Die Expressivität ist invariabel oder variabel. Bei polygenen und gelegentlich bei oligogenen Erbgängen wird außerdem die Heritabilität berücksichtigt.

Bei gonosomalen Loci besteht grundsätzlich geschlechtsgekoppelte Vererbung. Eine geschlechtslimitierte Phänotyp-Ausprägung liegt beispielsweise bei Kryptorchismus vor. Mitochondriale und W-chromosomale Loci werden in maternaler Linie, Y-chromosomale Loci in paternaler Linie vererbt.

Weitere mögliche Angaben sind Epistasie mit anderen Loci, etwa Überdominanz beziehungsweise Superdominanz, Kopplung mit anderen Loci, Pleiotropie, homozygote Letalfaktoren und Semiletalfaktoren. Auch maternale oder paternale Imprinting-Phänomene zählen zu den epigenetischen Interaktionen.

Festlegung des Erbgangs

Die Festlegung und Beschreibung eines Erbgangs erfolgt vor allem mit mathematisch-statistischen Methoden, zum Beispiel der Segregationsanalyse. Sind die beteiligten Loci bekannt, können auch molekulargenetische Methoden verwendet werden.

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