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Entwicklungsdekade

Die Entwicklungshilfe sollte hauptsächlich durch „Hilfe zur Selbsthilfe“ geschehen, des Weiteren sollten die Entwicklungsländer und Industrieländer in der …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Bedeutung
  2. 2. Industrialisierung und Trickle-Down-Strategie
  3. 3. Grundbedürfnisse und Hilfe zur Selbsthilfe
  4. 4. Krisen, Verschuldung und Armut
  5. 5. Nachhaltigkeit und internationale Zusammenarbeit

Begriff und Bedeutung

Eine Entwicklungsdekade ist in der internationalen Entwicklungspolitik ein Zeitraum von zehn Jahren, in dem zuvor im Rahmen der Vereinten Nationen formulierte entwicklungspolitische Ziele erreicht werden sollen. Die vier Entwicklungsdekaden umfassten den Zeitraum 1961–2000. Ihre Ziele unterschieden sich und bauten jeweils auf den Erfahrungen der vorherigen Dekaden auf.

Die von den UN gesetzten Ziele wurden häufig nur ungenügend erfüllt. Trotzdem beeinflussten die Beschlüsse der Konferenzen die internationale Entwicklungspolitik maßgeblich und gelten oft als allgemein gültige Leitlinien. Auf die vier Entwicklungsdekaden folgten die Millenniums-Entwicklungsziele (2000–2015) und anschließend die Ziele nachhaltiger Entwicklung (2015–2030).

Industrialisierung und Trickle-Down-Strategie

In der ersten Entwicklungsdekade sollten wirtschaftsschwache Entwicklungsländer mit Unterstützung der Industrieländer möglichst schnell auf einen vergleichbaren wirtschaftlichen Stand „gehoben“ werden. Vorgesehen waren ein jährliches Wachstum des Bruttonationaleinkommens (BSP) von 5 % und ein jährliches Wachstum des Pro-Kopf-Einkommens von 3 %.

Als Hauptursache der Armut wurde die Unterentwicklung der Industrie betrachtet. Von den für die Dekade bewilligten 60 Milliarden US$ floss deshalb fast alles in eine Industrialisierung nach westlichem Vorbild. Vor allem Großprojekte wurden gefördert. Dahinter stand die Erwartung, dass die Gelder „von oben“ durch das Wirtschaftssystem bis zur gesamten Bevölkerung „durchsickern“ würden. Dieser sogenannte Trickle-Down-Effekt blieb jedoch aus. Die Förderung von Eliten vergrößerte die sozialen und wirtschaftlichen Disparitäten; in einigen Fällen nahm die Armut sogar zu.

Grundbedürfnisse und Hilfe zur Selbsthilfe

Nachdem die Strategie der ersten Dekade als gescheitert galt, wurde angenommen, dass die Befriedigung der Grundbedürfnisse eine Voraussetzung für wirtschaftliche Entwicklung sei. Als Wachstumsziele galten ein jährliches BSP-Wachstum von 6 % und ein jährlicher Anstieg des Pro-Kopf-Einkommens um 3,5 %.

Im Mittelpunkt standen die Linderung akuter Not sowie die Förderung von Bildung, Arbeitsbeschaffung und Gesundheitsversorgung. Diese Bereiche wurden unter dem Begriff basic needs, also Grundbedürfnisse, zusammengefasst. Von den Entwicklungsländern wurde außerdem mehr Eigeninitiative und Mitarbeit verlangt. Erstmals gewann die „Hilfe zur Selbsthilfe“ als Instrument der Entwicklungshilfe größere Bedeutung.

Krisen, Verschuldung und Armut

Für die dritte Entwicklungsdekade wurde ein jährliches BSP-Wachstum von 7 % angestrebt. Inhaltlich sollte vor allem die Kindersterblichkeit gesenkt sowie Unterernährung und Hunger bekämpft werden.

Die Weltwirtschaftskrise und die Ölkrise führten jedoch zu einer massiven Kürzung der Fördergelder. Viele Entwicklungsländer gerieten in die Schuldenfalle. Der Internationale Währungsfonds (IWF) versuchte, dieser Entwicklung entgegenzuwirken. Dennoch wird die Dekade von Kritikern häufig als „verlorenes Jahrzehnt“ bezeichnet.

Die wirtschaftliche Lage verschlechterte sich so stark, dass der Bevölkerung teilweise nur durch Raubbau und den Anbau von Monokulturen Einnahmequellen geboten wurden. Bei diesen marktorientierten Anbauprodukten, den sogenannten Cash-Crops, stand der Verkaufserlös im Vordergrund. Insgesamt breitete sich die Armut aus.

Nachhaltigkeit und internationale Zusammenarbeit

Nach den Rückschlägen der dritten Dekade wurde kein konkreter Zielwert für das jährliche BSP-Wachstum mehr festgelegt. Stattdessen stand die Nachhaltigkeit im Zentrum. Dieses Thema war für die Entwicklungsländer besonders wichtig geworden, weil der vorherige Raubbau wirtschaftliche und ökologische Probleme verschärft hatte.

Auf Konferenzen über Umwelt und Entwicklung in Rio, Wien, Kairo und Kopenhagen wurden ökologische Schwerpunkte gesetzt. Alle Länder sollten Ressourcen einsparen. Die Entwicklungshilfe sollte vor allem nach dem Prinzip der „Hilfe zur Selbsthilfe“ erfolgen. Außerdem sollten Entwicklungsländer und Industrieländer in der Entwicklungspolitik enger zusammenarbeiten.

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