Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Elke Gaugele

Ihre Forschungsschwerpunkte umfassen die Themen Moden und Styles mit dem Fokus auf Ästhetik, Ethik, globale und soziale Gerechtigkeit sowie Politik.

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Person und Bedeutung
  2. 2. Leben und Berufsweg
  3. 3. Forschungsschwerpunkte
  4. 4. Schriften, Ausstellungen und Mitgliedschaft

Person und Bedeutung

Elke Gaugele (geboren 1964) ist eine deutsche Kulturwissenschaftlerin und Universitätsprofessorin. Im Mittelpunkt ihrer Arbeit stehen Mode und Styles. Sie untersucht diese nicht nur als Fragen des Geschmacks oder der Kleidung, sondern als kulturelle und politische Ausdrucksformen. Dabei betrachtet sie Ästhetik, Ethik, globale und soziale Gerechtigkeit sowie Politik. Besonders wichtig ist die Frage, welche Rolle Mode, Design und Kunst im Zusammenhang mit globaler Migration und Rechtsextremismus spielen.

Gaugele erforscht, wie Kleidung, Stil und Bilder gesellschaftliche Vorstellungen prägen. Mode kann dabei mit Fragen von Geschlecht, Körper, Konsum, Migration, Macht und politischen Ideologien verbunden sein. Ihre Arbeit verbindet kulturwissenschaftliche Analyse mit der Untersuchung von Kunst und Design.

Leben und Berufsweg

Elke Gaugele studierte von 1983 bis 1993 Kulturanthropologie und empirische Kulturwissenschaften an der Freien Universität Berlin. Ihren Masterabschluss erwarb sie an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen. Ab 1994 arbeitete sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin und kuratorische Assistentin im Stadtarchiv Tübingen.

Von 1996 bis 1999 forschte sie für ihre Dissertation in Kulturanthropologie am Institut für Volkskunde der Universität Wien. Sie wurde mit summa cum laude zum Thema „Schurz und Schürze. Kleidung als Medium der Geschlechterkonstruktion“ promoviert. Eine Dissertation ist eine wissenschaftliche Arbeit, mit der ein Doktorgrad erworben wird. Das Thema zeigt bereits ihr Interesse daran, wie Kleidung Vorstellungen von Geschlecht hervorbringt oder sichtbar macht.

Von 1997 bis 2006 hatte Gaugele eine Assistenzprofessur am Institut für Kunst und Kunsttheorie der Universität Köln inne. Von 2002 bis 2007 war sie Mitglied des bildwissenschaftlichen Kollegs „Bild, Körper, Medium“ an der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe. Im Department für Visuelle Kunst der Goldsmiths-Universität London forschte sie von 2003 bis 2004.

Ihre wissenschaftliche Arbeit wurde durch die Maria-Goeppert-Mayer-Gastprofessur an der Universität Vechta (2004) und das Lise-Meitner-Habilitationsstipendium des Landes Nordrhein-Westfalen (2005) gefördert. Zum Oktober 2006 wurde sie als Professorin für das künstlerische Lehramt/Textiles Gestalten an die Akademie der bildenden Künste in Wien berufen.

Von 2017 bis 2021 leitete sie das Austrian Center for Fashion Research (ACfFR). Von 2018 bis 2022 war sie beteiligte Forscherin und Mitglied im DFG-Netzwerk „Verflochtene Geschichten von Kunst und Migration: Formen, Sichtbarkeiten, Akteure“. Seit 2023 leitet sie das Forschungsprojekt „Fashion and the Far Right: The New Complexity in Style“, das bis 2027 vom österreichischen Forschungsfonds gefördert wird.

Forschungsschwerpunkte

Gaugele untersucht Mode und Styles unter den Gesichtspunkten Ästhetik, Ethik, globaler und sozialer Gerechtigkeit sowie Politik. Ein Schwerpunkt ist der Paradigmenwechsel in der Mode, also eine grundlegende Veränderung ihrer Denk- und Funktionsweisen. Sie fragt, wie sich Mode mit Ökonomie und Politik neu verbindet.

Dabei analysiert sie, welche neuen Produktionsfelder sozialer und globaler Unterschiede entstehen. Außerdem untersucht sie, ob neo-koloniale oder neo-feudale Repräsentationsmodelle wirksam sind. Neo-koloniale Modelle bezeichnen dabei Formen, in denen koloniale Macht- und Darstellungsweisen unter neuen Bedingungen fortbestehen; neo-feudale Modelle beziehen sich auf neue Formen stark ungleicher, hierarchischer Repräsentation.

Ein weiterer Schwerpunkt sind verflochtene Geschichten von Kunst, Design und Migration. Gaugele befasst sich insbesondere mit Flucht und erzwungener Migration in Mode, Kultur und Designtheorie. Sie veröffentlichte Aufsätze über die postmigrantische Situation in Mode, Kultur und Modetheorie.

Darüber hinaus untersucht sie die Schnittstelle von Design, Kunst, Politik und globalem Kapitalismus. Mode versteht sie als ästhetische Metapolitik, also als politische Wirkung und Auseinandersetzung, die über Gestaltung, Bilder und Stil vermittelt wird. Sie erforscht außerdem ethische Mode, Design und Nachhaltigkeit als mögliche Strategien globaler Governance, also als Formen der Steuerung weltweiter gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Prozesse.

Schriften, Ausstellungen und Mitgliedschaft

Zu Gaugele relevanten Büchern und Schriften gehören ihre Dissertation „Schurz und Schürze: Kleidung als Medium der Geschlechterkonstruktion“ (Böhlau, Köln 2002), „Jugend, Mode und Geschlecht. Die Inszenierung des Körpers in der Konsumkultur“ (mit Kristina Reiss, 2003) sowie „Technonaturen. Design & Styles“ (mit Petra Eisele, 2008). Gemeinsam mit Monica Titton veröffentlichte sie „Fashion and Postcolonial Critique“ (2019). Mit Sarah Held gab sie 2021 „Rechte Angriffe - toxische Effekte. Umformierungen extrem Rechter in Mode, Feminismus und Popkultur“ heraus. 2024 erschien, herausgegeben mit Monica Titton, „Fashion Knowledge: Theories, Methods, Practices and Politics“. „Fashion und Faschismus. Zur Ästhetik neurechter Gewalt“ erschien 2026.

Ihre Ausstellungsbeiträge und Projekte behandeln unter anderem Frauensportbekleidung, Künstlerinnen, Konsumkultur sowie textile Kunst. Beispiele sind „Ästhetisch, Elastisch, Aerodynamisch. Bewegungsstrukturen in der Geschichte der Frauensportbekleidung“ (1998), „KulturKerle&KissenKunst“ im Rheinischen Industriemuseum Ratingen (2002), „I have to have it. Interventionen in die Konsumkultur“ (2003), „Vienna Zocalo. Textile Art as (post)colonial Strategy“ (2012) und „The hidden Fashion Libray“ in der Alten Post Wien (2017).

Im Ulmer Verein – Verband für Kunst- und Kulturwissenschaften e.V. ist Elke Gaugele Mitglied der AG Kunst und Kunstproduktion im Zeichen globaler Migration.

Weiterlesen