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Einleitung in das Alte Testament
Die Einleitung in das Alte Testament ist eine theologische Fachbezeichnung für die Darstellung der Entstehung, Sammlung und Überlieferung der Schriften der …
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Gegenstand und Ziel
Die Einleitung in das Alte Testament ist ein Teilgebiet der theologischen Bibelwissenschaft. Sie untersucht, wie die Schriften der Hebräischen Bibel beziehungsweise des Alten Testaments entstanden, gesammelt und überliefert wurden. Damit behandelt sie drei Hauptbereiche: die Textgeschichte, also die Überlieferung der Texte; die Kanongeschichte, also ihre Sammlung zu einer verbindlichen Heiligen Schrift; und die Entstehungsgeschichte der einzelnen biblischen Bücher.
Ein wichtiges Ziel ist, die Entwicklung von der mündlichen Überlieferung zum schriftlich festgelegten Text nachzuzeichnen. Dabei wird berücksichtigt, dass viele Schriften eine komplizierte Vorgeschichte haben. Einleitungsfragen werden teilweise auch in Bibelübersetzungen vor dem jeweiligen biblischen Buch behandelt.
Von der wissenschaftlichen „Einleitung“ ist die „Einführung“ zu unterscheiden: Eine Einführung soll zum Lesen und Erforschen des Alten Testaments anleiten.
Entwicklung der Einleitungswissenschaft
Die kritische Bibelwissenschaft entstand vor allem im Zeitalter der Aufklärung. Einzelne textkritische Beobachtungen gab es allerdings schon vorher, besonders bei den Reformatoren und bei Martin Luther.
Für die historisch-kritische Einleitungswissenschaft war Johann Gottfried Eichhorns Werk bahnbrechend. Seine Einleitung erschien zunächst zwischen 1780 und 1783 in drei Bänden und 1823 und 1824 in überarbeiteter und erweiterter Form unter dem Titel „Einleitung in das Alte Testament“ in fünf Bänden. Eichhorn versuchte, die Entstehungsgeschichte jedes einzelnen biblischen Buches aufzuklären. Damit formulierte er ein wichtiges Arbeitsprogramm für die alttestamentliche Wissenschaft, ähnlich wie Johann David Michaelis dies 30 Jahre zuvor für die neutestamentliche Wissenschaft getan hatte.
Textüberlieferung und Rekonstruktion
Das Alte Testament wurde größtenteils auf Hebräisch verfasst. Das Hebräische war ursprünglich eine Konsonantenschrift, in der die Vokale nicht ausgeschrieben wurden. Als das Bibelhebräisch im frühen Mittelalter nicht mehr gesprochen wurde, entwickelten jüdische Schriftgelehrte, die Masoreten, ein System zur Vokalisierung und Punktierung. Der dadurch ergänzte Text heißt Masoretischer Text.
Die Einfügung der Vokale ist zugleich eine Interpretation: Dieselben Konsonanten können teilweise unterschiedlich vokalisiert werden und dadurch verschiedene Bedeutungen erhalten. Das oberste Ziel der Textgeschichte ist deshalb die Rekonstruktion des Originaltextes.
Die älteste erhaltene Handschrift, die das gesamte hebräische Alte Testament enthält, ist der Codex Leningradensis aus dem Jahr 1008 n. Chr. Weitere besonders wichtige Textzeugen sind die 1947 in Höhlen bei Qumran entdeckten Fragmente hebräischer Bibeltexte. Sie stammen aus dem 2./1. Jahrhundert v. Chr. und sind wegen ihres hohen Alters von besonderem Wert. Nur das Buch Jesaja ist darunter als vollständige Schriftrolle erhalten.
Zur Untersuchung der Textgeschichte werden außerdem alte Übersetzungen herangezogen, besonders die Septuaginta, abgekürzt LXX. Sie ist die älteste durchgehende Übersetzung der aramäisch-hebräischen Bibel in die altgriechische Alltagssprache. Gegenüber dem Masoretischen Text zeigt sie Unterschiede, beispielsweise bei der Anordnung einzelner Textabschnitte.
Entstehung und Umfang des Kanons
Der Kanon ist die als verbindlich anerkannte Sammlung heiliger Schriften. Die Sammlung des Alten Testaments ist historisch gewachsen und besitzt in verschiedenen Religionen und Konfessionen einen teilweise deutlich unterschiedlichen Umfang.
Für die Samaritaner gilt nur der Pentateuch, also die fünf Bücher Mose, als Heilige Schrift. Der bis heute im Judentum gültige Kanon der Hebräischen Bibel umfasst dagegen 24 Bücher. Dieselben Schriften bilden auch in den meisten evangelischen Bibelausgaben das Alte Testament. Dort werden sie jedoch anders gezählt: 1.–2. Samuel, 1.–2. Könige, 1.–2. Chronik und Esra–Nehemia gelten jeweils als zwei Bücher, während das Zwölfprophetenbuch in zwölf Einzelschriften aufgeteilt wird. Deshalb enthält beispielsweise die Lutherbibel 39 Schriften des Alten Testaments, obwohl der zugrunde liegende Bestand dem 24 Bücher umfassenden jüdischen Kanon entspricht.
Neben diesen Büchern gab es weitere antike jüdische Schriften, die hohes Ansehen genossen, aber nicht zum Kanon der Hebräischen Bibel gehörten. Einige von ihnen wurden in der frühen Kirche zusammen mit den griechisch übersetzten Büchern der Hebräischen Bibel als Heilige Schrift angesehen. Diese als Apokryphen bezeichneten Texte gehören in der katholischen Kirche als deuterokanonische Schriften zum Alten Testament. Die Reformatoren schieden sie dagegen aus dem Alten Testament aus oder stellten sie, wie bereits die Vulgata, in einen Anhang.
Einzelbücher und Einführung
Die spezielle Einleitung untersucht die einzelnen Bücher des Alten Testaments. Sie wendet die Einleitungsfragen auf jede Einzelschrift an und fragt insbesondere nach deren Entstehung und Vorgeschichte.
Eine „Einführung“ in das Alte Testament setzt einen anderen Schwerpunkt. Sie betrachtet die zeitgeschichtliche und religionsgeschichtliche Umwelt der Texte und behandelt häufig Methoden für eine historisch sachgemäße Textauslegung. Während die Einleitung somit vor allem Entstehung, Überlieferung und Sammlung erforscht, unterstützt die Einführung das Lesen, Einordnen und wissenschaftliche Untersuchen der Texte.