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Buch der Chronik
Beginn der Chronik als letztes Buch der Bibel in einer aschkenasischen Handschrift. Im Zentrum der Mikrografik steht das erste Wort des Buches, „Adam“.
Inhalt4 Abschnitte
Gegenstand, Aufbau und zentrale Themen
Die Chronik ist ein Buch der Hebräischen Bibel. Sie erzählt die Geschichte Israels vor allem als Geschichte Davids, seiner Dynastie und des Jerusalemer Tempelkultes. Besonders wichtig sind genealogische Zuordnungen, also Abstammungs- und Verwandtschaftsverhältnisse, sowie die Aufgaben der Leviten im Tempel. Das Buch verbindet drei Hauptthemen: das Volk Israel, die davidische Dynastie und den vor allem von den Leviten getragenen Kult.
Die Darstellung gliedert sich in vier Hauptteile:
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- Chronik 1–10: eine überwiegend genealogische Einleitung;
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- Chronik 11–29: die Regierung Davids;
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- Chronik 1–9: die Regierung Salomos;
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- Chronik 10–36: die Geschichte der Könige Judas bis zum Kyrusedikt.
Die Genealogien beginnen mit Adam und ordnen Israel in die gesamte Menschheit ein. Im Mittelpunkt stehen Juda, der Stamm Davids, Levi mit den Leviten sowie Benjamin, der Stamm Sauls. David erscheint unmittelbar nach Sauls Tod als von allen Stämmen anerkannter König. Anders als das Samuelbuch erzählt die Chronik nicht ausführlich von der langen Konkurrenz zwischen Saul und David.
Davids Herrschaft wird besonders durch seine Sorge für den richtigen Kult geprägt. Er teilt die Leviten zum Tempeldienst sowie als Sänger und Türhüter ein und übergibt Salomo einen Plan für den Tempelbau. Damit erklärt die Chronik, welche Aufgaben die Leviten nach der Errichtung eines ortsfesten Tempels übernehmen: In der Tora sollten sie vor allem das bewegliche Heiligtum transportieren. Der Altardienst bleibt den Nachkommen Aarons vorbehalten. Die Zuordnung des Tempelgesangs zu David passt zu seiner Darstellung als Musiker und Verfasser vieler Psalmen.
Bei Salomo steht der von David vorbereitete Tempelbau für JHWH, den Gott Israels, im Zentrum. Die Leviten begleiten die Einweihung mit Gesang, und Salomo hält sich genau an Davids Kultordnung. Der letzte Hauptteil behandelt nur die Könige Judas von Rehabeam bis Zedekia; die Könige des Nordreichs werden ausgelassen. Dennoch gilt Juda als Fortsetzung des gesamten Volkes Israel: Benjamin gehört zu Juda, Leviten kommen aus ganz Israel nach Jerusalem, und Hiskia lädt die Nordstämme zum gemeinsamen Passafest ein. Die Rückkehrerlaubnis und die Ankündigung des Tempelwiederaufbaus durch Kyrus in 2 Chr 36,22–23 bilden schließlich die Grundlage für eine Erneuerung Israels.
Name, Kanon und Buchteilung
Der traditionelle hebräische Titel lautet (סֵפֶר) דִּבְרֵי הֲיָּמִים, (sefær) divrê hǎjjāmîm, auf Deutsch „(Buch der) Worte / Begebenheiten der Tage“. Der Ausdruck bezeichnet Annalen oder Tagebücher und erinnert an die im Königebuch erwähnte „Chronik der Könige von Juda“. In der Septuaginta, der griechischen Übersetzung, heißen die Bücher Biblia ton paraleipomenon, „Bücher der übriggelassenen (Dinge)“. Hieronymus übernahm in der Vulgata sowohl diesen griechischen als auch den übersetzten hebräischen Titel und beschrieb das Werk als Chronik der gesamten göttlichen Geschichte. Martin Luther verwendete daraus abgeleitet die Überschrift „Chronica“; daraus setzte sich der heutige Titel „die Chronik“ durch.
Im Tanach gehört das Buch zu den Ketuvim, den „Schriften“. In den ältesten masoretischen Handschriften steht es am Anfang dieses Kanonteils, in sefardischen und aschkenasischen Handschriften dagegen am Ende und damit am Schluss der gesamten Bibel. Diese Schlussstellung wurde durch frühe hebräische Bibeldrucke allgemein üblich. Eine ursprünglich beabsichtigte feste Position ist jedoch sehr unwahrscheinlich, weil es vor der Einführung des Codex keine verbindliche Reihenfolge der einzelnen Schriften gab. In der Septuaginta und der Vulgata wurde die Chronik den Geschichtsbüchern zugeordnet und hinter Samuel und Könige eingeordnet. In den meisten christlichen Bibeln folgen darauf Esra und Nehemia.
Der hebräische Text war ursprünglich nicht in Kapitel eingeteilt, sondern nur optisch durch Petucha und Setuma gegliedert. Alte masoretische Handschriften kennen 25 Sedarim, also traditionelle Leseabschnitte, sowie eine Einteilung in insgesamt 1765 Verse. Die Septuaginta verteilte den Text vermutlich wegen seines größeren Umfangs auf zwei Buchrollen: Der hebräische Text im Codex L umfasst etwa 99.500 Buchstaben, der griechische Text im Codex Vaticanus etwa 182.000. Die Teilung erfolgte nach Davids Tod. Obwohl beide Teile stets als zusammengehörig galten, setzte sich seit dem Buchdruck die von Stephan Langton für die Vulgata geschaffene Einteilung durch. Deshalb werden Stellen heute als 1. Chronik (1 Chr) oder 2. Chronik (2 Chr), jeweils mit Kapitel und Vers, angegeben.
Entstehungszeit und Quellen
Die Chronik kann frühestens im 4. Jahrhundert v. Chr. abgeschlossen worden sein. Grundlage dieser Datierung ist die Genealogie der Davididen in 1 Chr 3,17–24. Sie führt die Linie über Jojachin, der 597 v. Chr. im Alter von 18 Jahren ins babylonische Exil gebracht wurde, und dessen Enkel Serubbabel, der um 520 v. Chr. Statthalter in Jerusalem war, noch mindestens sieben Generationen weiter.
Auch Anachronismen weisen auf eine spätpersische oder frühhellenistische Entstehungszeit hin. So werden für Davids Zeit 10.000 Dareiken als Tempelspende genannt, obwohl diese Währung frühestens im Achämenidenreich geprägt wurde. Sprachlich gehören Vokabular, Syntax und Rechtschreibung zum spätbiblischen Hebräisch, wie es auch in Esra–Nehemia und Esther vorkommt.
Die Chronik ist innerhalb der Hebräischen Bibel besonders bedeutsam, weil ihre Quellen weitgehend bekannt sind und unmittelbar mit dem fertigen Werk verglichen werden können. Verwendet wurden Genesis, Numeri, Josua, Samuel, Könige, Jesaja, Jeremia, der Psalter sowie Esra–Nehemia. Die Hauptquellen sind Samuel und Könige: Das Samuelbuch liefert insbesondere die Erzählung von Sauls Tod und die Davidgeschichte, das Königebuch die Grundlage für 2. Chronik 1–36. Genesis, Numeri und Josua wurden besonders für die Genealogien genutzt; der Psalter für 1 Chr 16,8–36.
Ob zusätzlich weitere Quellen aus der Königszeit vorlagen, ist umstritten. Dies wurde etwa für die Berichte über Hiskias Bautätigkeit und Wasserversorgung erwogen. Sicher ist, dass der Verfasser genaue Kenntnisse der genealogischen Traditionen Judas und besonders der Davididen sowie des Kultpersonals am zweiten Tempel besaß.
Bearbeitung und Deutung der Geschichte
Der Chronist übernimmt seine Quellen nicht vollständig, sondern wählt aus, lässt aus, ordnet neu und verändert einzelne Aussagen. Sein literarischer Plan stellt den von David begründeten Jerusalemer Tempelkult als Existenzgrundlage des nachexilischen Israel dar. Deshalb fehlen große Teile über Sauls Königtum und das Nordreich. Davids Nachfolge auf Saul und Salomos Nachfolge auf David erscheinen als eindeutige, durch Gottes Wort bestimmte Entscheidungen.
Ein wichtiges Deutungsmuster ist der Tun-Ergehen-Zusammenhang: Handeln und Schicksal eines Menschen müssen einander entsprechen. Weil der im Königebuch negativ beurteilte Manasse dennoch lange und friedlich regierte, ergänzt die Chronik eine Bestrafung und spätere Bekehrung des Königs.
In der Forschung wird der literarische Charakter verschieden bewertet. Thomas Willi versteht die Chronik vor allem als Auslegung der prophetisch autoritativen Quellen. Benjamin Ziemer betont dagegen, der Chronist habe selbstbewusst Unwahrscheinliches ausgelassen oder verändert und den Anspruch erhoben, eine vollständige Chronik Davids, Salomos und der Könige Judas vorzulegen. Isaac Kalimi beurteilt ihn als ernstzunehmenden Geschichtsschreiber, der ältere Texte bewahrte, aber auch korrigierte, Widersprüche harmonisierte und schwierige Stellen verständlicher machte.
Ein Beispiel ist der Widerspruch um Goliat: Nach 1 Sam 17 und 21,10 besiegt David Goliat, nach 2 Sam 21,19 dagegen Elhanan. In 1 Chr 20,5 wird die zweite Aussage so geändert, dass Elhanan den Bruder Goliats erschlägt. David bleibt dadurch der Besieger Goliats, obwohl die Chronik den Kampf selbst auslässt.
Ein weiteres Beispiel betrifft den Tempelbau. Das Samuelbuch sagt einerseits, David habe Ruhe vor allen Feinden, berichtet anschließend aber von weiteren Kriegen und verheißt die Ruhe erst für die Zukunft. Nach Dtn 12,10 ist diese Ruhe Voraussetzung für das Zentralheiligtum. Die Chronik löst das Problem, indem sie erst Salomo die vollständige Ruhe zuschreibt. David darf den Tempel nicht bauen, weil er als Kriegsmann zu viel Blut vergossen hat. Salomo dagegen ist der Mann des Friedens; dabei besteht ein Wortspiel mit dem hebräischen שָׁלוֹם, šalôm, „Frieden“. Deshalb errichtet Salomo den von David vorbereiteten Tempel.