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Eine Faust-Ouvertüre
Die Faust-Ouvertüre d-Moll WWV 59 ist ein Orchesterwerk von Richard Wagner. Es entstand zum Jahreswechsel 1839/1840 in Paris; die Uraufführung fand am 22.
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Überblick und Entstehung
Die Faust-Ouvertüre d-Moll WWV 59 ist ein Orchesterwerk von Richard Wagner. Sie entstand zum Jahreswechsel 1839/1840 in Paris und geht auf den Plan zurück, eine Symphonie über den Fauststoff zu schreiben. Angeregt wurde Wagner durch Hector Berlioz’ «Roméo et Juliette»-Symphonie sowie durch Probenbesuche zu Ludwig van Beethovens Sinfonie Nr. 9.
Von der geplanten Symphonie vollendete Wagner nur den ersten Satz: Er schildert Fausts Einsamkeit in seinem Studierzimmer. Außerdem entstanden Skizzen für einen zweiten Satz mit dem Titel «Gretchen». Der fertige erste Satz wurde später zur Faust-Ouvertüre. Wagner überarbeitete das Werk 1843 und 1855; dabei wirkten Ratschläge von Franz Liszt und dessen 1854 komponierte Faust-Sinfonie mit.
Aufführungen und Besetzung
Die erste Aufführung fand am 22. Juli 1844 im Palais im Großen Garten in Dresden statt; Wagner leitete sie selbst. Die überarbeitete Fassung wurde am 23. Januar 1855 in Zürich uraufgeführt.
Das Orchester umfasst Piccolo, 2 Flöten, 2 Oboen, 2 Klarinetten, 3 Fagotte, 4 Hörner, 2 Trompeten, 3 Posaunen, Tuba, Pauken und Streicher.
Musikalische Gestaltung
Die Satzbezeichnung lautet «Sehr gehalten – sehr bewegt». Kennzeichnend ist ein leitmotivischer Charakter: Leitmotive sind wiederkehrende musikalische Gedanken, die mit einer Figur oder Idee verbunden werden.
Die langsame Einleitung wird besonders von Kontrabässen und Tuba geprägt. Das Hauptthema erklingt in Oktaven und chromatischen Zwischenschritten, also in kleinen Schritten von Halbton zu Halbton. Es stellt Fausts Seelenqualen dar und beeinflusste später den dritten Satz von Anton Bruckners Sinfonie Nr. 9. Das Seitenthema in den Holzbläsern deutet Gretchen an. Erst am Schluss löst sich die dargestellte seelische Anspannung in verhauchendem Dur.
Aufnahme und Kritik
Hans von Bülow bezeichnete die dargestellte Thematik als «Leiden allgemein menschlichen Inhalts». Die Dresdner Uraufführung von 1844 und eine Aufführung 1852 in Weimar durch Franz Liszt – jeweils in der ersten Fassung – wurden positiv aufgenommen.
Pjotr Tschaikowski schrieb 1872: «Die Faust-Ouvertüre ist die beste Komposition Wagners und gleichzeitig eines der ausgezeichnetsten Werke der deutschen symphonischen Literatur». Kritik kam dagegen von Eduard Hanslick und anderen Kritikern sinfonischer Programmmusik, also von Musik, die einen außermusikalischen Inhalt oder Ablauf schildern soll.