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Drum and Bass
Drum and Bass (Drum 'n' Bass, kurz D'n'B) ist eine Richtung der Elektronischen Musik, die in England Anfang der 1990er-Jahre entstanden ist und auf …
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Grundlagen und Merkmale
Drum and Bass, auch Drum ’n’ Bass oder kurz D’n’B, ist eine Richtung der elektronischen Musik. Sie entstand Anfang der 1990er-Jahre in England und basiert auf beschleunigten Funk-Breakbeats mit etwa 160 bis 190 BPM, also Schlägen pro Minute. Breakbeats sind aus Schlagzeugaufnahmen übernommene oder nachgebildete rhythmische Abschnitte, die geschnitten, neu angeordnet und wiederholt werden. Drum and Bass kann als Weiterentwicklung der Jungle-Musik mit einfacheren und minimalistischeren Beats verstanden werden.
Zu den Kernelementen gehören schnelle, stark bearbeitete Schlagzeugrhythmen und auffällige Basslines, also wiederkehrende Bassfiguren. In fast allen Spielarten wird weitgehend auf Gesang verzichtet; gelegentlich kommen kurze eingespielte Stimm-Samples vor. Mit zunehmender Annäherung an den Mainstream entstanden jedoch häufiger Produktionen mit Gesang, darunter Drum-and-Bass-Versionen bekannter Popsongs. Auch im Deutsch-Rap werden zunehmend Drum-and-Bass-Beats verwendet.
Drum and Bass entwickelte sich hauptsächlich in der DJ- und Clubszene und blieb vielerorts ein Underground-Stil. Viele Künstler veröffentlichen auf eigenen, teilweise sehr kleinen Independent-Labels. In England gelangen regelmäßig Titel in die Top 100 und teilweise auf Spitzenplätze. Im deutschsprachigen Raum blieb die kommerzielle Bedeutung geringer; dort erscheint der Stil außerhalb seiner Szene vor allem als Musik in Werbespots und Fernsehproduktionen.
Entstehung und Weiterentwicklung
Die englische Breakbeat-Szene griff zwischen 1989 und 1994 auf Samples aus Hip-Hop, Ragga, Techno und House zurück. Um 1995 verlagerte sich der Schwerpunkt auf die wesentlichen musikalischen Bestandteile. Labels wie V Recordings mit dem Sublabel Philly Blunt, Moving Shadow, Formation, Reinforced und Suburban Base prägten einen dunkleren Jungle-Sound. Samples wurden im Hauptteil vieler Stücke weggelassen; ältere Synthesizer und Drumcomputer wie Roland Juno 106 und TR-606 sorgten für einen elektrischen, düsteren Klang. Häufig kamen Stimm-Samples aus Raggatunes oder Horrorfilmen hinzu.
Bestimmte Drumloops, besonders der Amen Break, und Bassformen wie Wobble Basslines wurden zu wichtigen Leitlinien. Harte Beats und Bässe gewannen an Bedeutung, zugleich wurden Tanzbarkeit und Strukturen für das Abmischen verbessert. Goldies Track „Terminator“ auf Reinforced gilt im Artikel als Blaupause des Drum and Bass. Gemeinsam mit den DJs Kemistry & Storm gründete Goldie später Metalheadz, eines der wichtigsten und einflussreichsten Labels des Genres.
Ab Mitte der 1990er-Jahre entstanden zahlreiche Untergattungen. Viele trugen „Step“ im Namen, abgeleitet vom Two Step, einer reduzierten Form des Drum-and-Bass-Beats. Verbesserte Sampler und Sequenzerprogramme ermöglichten eine immer komplexere Bearbeitung der Standard-Breaks. Beats und Basslines wurden weiter verschachtelt und fortlaufend verändert. Moderne Grooves bestehen daher oft nicht mehr aus direkt gesampelten Schlagzeugloops, sondern werden neu programmiert und ahmen deren geschnittenen rhythmischen Charakter nach.
Seit etwa 1996 wurde Drum and Bass auch außerhalb Englands populärer. Eigene Szenen entstanden unter anderem in Deutschland, den USA und Südamerika. Das Zentrum blieb dennoch in englischen Großstädten, besonders London und Bristol.
Rhythmischer Aufbau
Die meisten Drum-Patterns, also Schlagzeugmuster, beruhen auf dem Zusammenspiel von Hi-Hat, Snare und Bassdrum. Ein einfacher 2-Step-Beat setzt die Snare regelmäßig auf zwei markante Zählpositionen, während die Bassdrum weniger gleichmäßig verteilt ist und dadurch den gebrochenen, antreibenden Rhythmus erzeugt. Die Hi-Hat gliedert das Raster mit kürzeren Schlägen.
Eine zweite Variante ergänzt zusätzliche Hi-Hat- und Bassdrum-Schläge. Dadurch wirkt der Rhythmus dichter, behält aber die grundlegende 2-Step-Struktur. Ein am Amen Break orientiertes Muster enthält zusätzliche und unterschiedlich starke Snare- sowie Bassdrum-Schläge; es klingt bewegter und komplexer. In düsteren Untergattungen wie Darkstep wird außerdem häufig ein aus dem Jungle stammendes Pattern in verschiedenen Abwandlungen eingesetzt. Die konkreten Rhythmen können stark bearbeitet werden, doch der Eindruck geschnittener und neu zusammengesetzter Breakbeats bleibt ein zentrales Merkmal.
Wichtige Untergattungen
Im Lauf der Entwicklung entstanden zahlreiche Untergattungen mit unterschiedlichen Schwerpunkten:
• Jump Up ist schnell, treibend und stark auf Beats und Bassline reduziert. Die von 1995 bis 1998 besonders populäre Variante wird oft von einem MC begleitet.
• Hardstep kam 1994 auf und ist die Urform der Step-Varianten. Kennzeichnend sind schnelle, teilweise verzerrte und rhythmisch reduzierte Beats sowie harte Basslines.
• Techstep etablierte sich 1997. Er ist noch stärker reduziert, übernimmt Synthesizerklänge aus dem Techno und erzeugt mit rollenden, aggressiv wirkenden Basslines eine düstere, hypnotische Stimmung.
• Darkstep ging Ende der 1990er-Jahre aus Techstep hervor und orientierte sich zunächst noch stärker am düsteren Jungle-Subgenre Darkside. Typisch sind rollende Breakbeats und Bassformen wie der Reese Bass.
• Jazzstep verwendet Jazz-Samples und jazztypische Harmonien. Aus ihm entwickelte sich später Liquid Funk, eine melodische Form des Drum and Bass.
• Atmospheric, Ambient oder Intelligent Drum and Bass ist ruhiger. Flächige Pad-Sounds, Ethno-Elemente und für das Genre relativ langsame Beats von 140 bis 160 BPM erzeugen eine hypnotische, tranceartige Stimmung. Als bekanntester Vertreter gilt LTJ Bukem. Anfang der 2000er-Jahre führten Leadsounds und ein stärker treibender Charakter zur Weiterentwicklung Trancestep.
• Neurofunk entstand Ende der 1990er-Jahre aus der Verbindung mit Techno und Acid. Prägend war unter anderem der Klang des Synthesizers Roland TB-303.
• Drumfunk, auch Edits oder Choppage, entstand Anfang 2000 und konzentriert sich besonders auf das Schlagzeug. Klassische Funkbreaks werden zu komplexen Beats angeordnet.
• Sambass verbindet Drum and Bass mit Samba und wird sowohl von DJs wie DJ Marky als auch von Samba-Gruppen gespielt. Drumstep kombiniert Drum and Bass mit Dubstep.
Einflüsse und regionale Szenen
Drum and Bass beeinflusste mehrere experimentelle Richtungen elektronischer Musik. Mitte der 1990er-Jahre führte Atari Teenage Riot Digital Hardcore ein, eine Verbindung aus Drum and Bass, Hardcore Punk und Gabber, ergänzt durch Noise-Elemente und Soundscapes. In der zweiten Hälfte der 1990er-Jahre entwickelten Künstler wie Squarepusher, Aphex Twin und Tim Exile eine besonders komplexe Interpretation. Im sogenannten Drill ’n’ Bass werden Beats extrem zerschnitten, in Sekundenschnelle zerlegt, neu zusammengesetzt und variiert. Das Tempo liegt oft über dem üblichen Drum and Bass, und die Stücke besitzen häufig keine repetitive Struktur. Aus Digital Hardcore und diesen rhythmischen Experimenten entstand durch Alec Empires Soloprojekte Breakcore. Als bekanntester Breakcore-Künstler wird Venetian Snares genannt; auch die Cybergrind-Gruppe The Berzerker ist stark von Drum and Bass beeinflusst.
In Deutschland wurde der Mannheimer Milk!-Club zu einem frühen Zentrum und war vermutlich der erste deutsche Club, der ausschließlich dieser Musik gewidmet war. Britische Künstler traten dort auf; aus seinem Umfeld gingen Labels, Sampler und Großveranstaltungen hervor. Das Groove-Magazine wählte das Milk! 1992 zum Club des Jahres. Weitere wichtige Impulse kamen vom Vibration-Club bei Bruchsal und der daraus entstandenen Meditation-Reihe. Parallel entwickelte Berlin eine stärker vom Underground-Gedanken geprägte Szene mit vielen kleinen Clubs, aber ohne vergleichbare Großveranstaltungen. Der Artikel kennzeichnet die Angaben zur deutschen Verbreitung allerdings als nicht hinreichend belegt.
Die österreichische Szene konzentriert sich besonders auf Wien, ist aber auch in Linz, Graz, Salzburg, St. Pölten, Innsbruck, dem Tiroler Unterinntal, Kufstein und Dornbirn vertreten. Eine wichtige Rolle spielt das Flex in Wien. Das Urban Art Forms Festival fand von 2005 bis 2015 zunächst in Wiesen und später am Schwarzlsee nahe Graz statt und gehörte zu den größten europäischen Drum-and-Bass-Festivals. Seit 2016 heißt es Nu Forms Festival und findet wieder im Burgenland statt. D.Kay wurde 2003 vom britischen Knowledge Magazine als „Best Breakthrough Producer“ nominiert. Camo & Krooked erzielten internationale Erfolge und wurden 2011 bei den Drum and Bass Arena Awards als beste Produzenten des Jahres ausgezeichnet.