Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Differenzenfolge

Die Differenzenfolge einer gegebenen Zahlenfolge entsteht in der Mathematik durch Bilden der Differenzen von je zwei benachbarten Folgengliedern.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und Definition
  2. 2. Einfaches Beispiel
  3. 3. Differenzen höherer Ordnung
  4. 4. Wichtige Eigenschaften
  5. 5. Anwendungen

Grundidee und Definition

Die Differenzenfolge beschreibt, wie sich die Glieder einer Zahlenfolge von einem Schritt zum nächsten ändern. Ist (aₙ) = a₀, a₁, a₂, a₃, … eine Zahlenfolge, werden jeweils zwei benachbarte Glieder voneinander abgezogen. Die entstehenden Differenzen bilden eine neue Folge (dₙ).

Formal gilt:

dₙ := aₙ₊₁ − aₙ.

Damit lautet die Differenzenfolge a₁ − a₀, a₂ − a₁, a₃ − a₂, … . Sie ist besonders nützlich, um regelmäßige Veränderungen in einer Folge zu erkennen.

Einfaches Beispiel

Bei der Folge der ungeraden natürlichen Zahlen

1, 3, 5, 7, 9, 11, …

beträgt die Differenz zweier aufeinanderfolgender Glieder stets 2. Ihre Differenzenfolge ist daher die konstante Folge

2, 2, 2, 2, 2, … .

Eine konstante Differenzenfolge zeigt hier, dass die ursprüngliche Folge bei jedem Schritt um denselben Betrag wächst.

Differenzen höherer Ordnung

Auch von einer Differenzenfolge kann erneut eine Differenzenfolge gebildet werden. Das Ergebnis heißt Differenzenfolge 2. Ordnung oder zweite Differenzenfolge. Wird das Verfahren weitergeführt, entstehen die dritte, vierte und allgemein die k-te Differenzenfolge.

Die rekursive Definition lautet:

dₙ⁽¹⁾ = dₙ = aₙ₊₁ − aₙ

und

dₙ⁽ᵏ⁾ = dₙ₊₁⁽ᵏ⁻¹⁾ − dₙ⁽ᵏ⁻¹⁾ für k ≥ 2.

„Rekursiv“ bedeutet, dass jede neue Differenzenfolge aus der unmittelbar vorherigen berechnet wird. Ein Differenzenschema ordnet die Ausgangsfolge und die aufeinanderfolgenden Differenzen übersichtlich untereinander an.

Ein Beispiel beginnt mit

(aₙ) = (4, 7, 11, 18, 31, 54, 92, 151, …),

aₙ = (96 + 70n − n² + 2n³ + n⁴)/24.

Daraus entstehen nacheinander:

• (dₙ) = (3, 4, 7, 13, 23, 38, 59, …), mit dₙ = (18 + 2n + 3n² + n³)/6

• (dₙ⁽²⁾) = (1, 3, 6, 10, 15, 21, …), mit dₙ⁽²⁾ = (2 + 3n + n²)/2

• (dₙ⁽³⁾) = (2, 3, 4, 5, 6, …), mit dₙ⁽³⁾ = n + 2

• (dₙ⁽⁴⁾) = (1, 1, 1, 1, …), mit dₙ⁽⁴⁾ = 1

• (dₙ⁽⁵⁾) = (0, 0, 0, …), mit dₙ⁽⁵⁾ = 0.

Alle weiteren Differenzenfolgen sind ebenfalls konstante Nullfolgen.

Wichtige Eigenschaften

Für Folgen, deren Glieder durch ein Polynom beschrieben werden, sinkt der Polynomgrad bei jeder Differenzenbildung um eins: Die Differenzenfolge eines Polynoms k-ten Grades ist vom Grad k − 1. Deshalb entsteht nach genügend vielen Schritten eine konstante Folge und anschließend eine Nullfolge. Der Artikel weist darauf hin, dass dieser Abschnitt nicht hinreichend mit Belegen ausgestattet ist.

Nach Newton kann jede Folge aus dem ersten Glied der Ausgangsfolge und den jeweils ersten Gliedern ihrer Differenzenfolgen dargestellt werden:

aₙ = a₀ + n·d₀ + (n über 2)d₀⁽²⁾ + (n über 3)d₀⁽³⁾ + (n über 4)d₀⁽⁴⁾ + ⋯ + (n über n)d₀⁽ⁿ⁾

= a₀ + ∑ₖ₌₁ⁿ (n über k)d₀⁽ᵏ⁾.

Dabei sind (n über k) die Binomialkoeffizienten. Bei Polynomfolgen treten nur endlich viele von null verschiedene Startwerte d₀⁽ᵏ⁾ auf.

Nicht jede Folge führt durch wiederholte Differenzenbildung zu Nullfolgen. Für die geometrische Folge aₙ = 2ⁿ gilt:

(aₙ) = (1, 2, 4, 8, 16, 32, …),

(dₙ) = (1, 2, 4, 8, 16, …),

(dₙ⁽²⁾) = (1, 2, 4, 8, …), … .

Jede Differenzenfolge stimmt hier, abgesehen von der geringeren Anzahl dargestellter Glieder, wieder mit der ursprünglichen Folge überein.

Anwendungen

Mit der ersten Differenzenfolge lässt sich prüfen, ob eine gegebene Folge eine arithmetische Folge ist: Bei einer arithmetischen Folge ist die Differenz benachbarter Glieder konstant. Durch wiederholte Differenzenbildung lassen sich außerdem arithmetische Folgen höherer Ordnung charakterisieren. Daher sind Differenzenfolgen auch bei der Untersuchung figurierter Zahlen wie Polygonalzahlen von Bedeutung.

In der mathematischen Forschung werden insbesondere die Differenzen zwischen aufeinanderfolgenden Primzahlen untersucht. Terence Tao und Ben Green bewiesen 2004 im Satz von Green-Tao, dass es beliebig lange arithmetische Progressionen aus Primzahlen gibt. Die nach dem Stand von 2010 längste bekannte Progression dieser Art bestand aus 26 Elementen und wird AP-26 genannt.

Außerhalb der mathematischen Forschung werden Differenzenfolgen in Intelligenztests und Denksportaufgaben verwendet, um die Regel hinter einer Zahlenfolge zu erkennen.

Weiterlesen

Mathematik An deutschen Universitäten gehört die Mathematik meistens zur selben Fakultät wie die Naturwissenschaften, und so wird Mathematikern nach der Promotion in der … Subtraktion Die Subtraktion (von lat. subtrahere „wegziehen“, „entfernen“), umgangssprachlich auch Minusrechnen genannt, ist eine der vier Grundrechenarten der … Konstante Funktion In der Mathematik ist eine konstante Funktion (von lateinisch constans „feststehend“) eine Funktion, die für alle Argumente stets denselben Funktionswert … Polynom Exponenten der Potenzen sind natürliche Zahlen. Die Summe ist außerdem stets endlich. Unendliche Summen von Vielfachen von Potenzen mit natürlichzahligen … Isaac Newton Auf der Grundlage des physikalischen Kraftbegriffes werden erstmals die Bewegungsgesetze der irdischen und der himmlischen Körper mathematisch vereinheitlicht, … Binomialkoeffizient Der Binomialkoeffizient ist eine mathematische Funktion, mit der sich eine der Grundaufgaben der Kombinatorik lösen lässt, nämlich auf wie viele … Geometrische Folge Eine geometrische Folge ist in der Mathematik eine Zahlenfolge, bei der benachbarte Folgenglieder stets im selben Verhältnis zueinander stehen. Arithmetische Folge Eine arithmetische Folge (auch: arithmetische Progression) ist in der Mathematik eine Zahlenfolge, bei der benachbarte Folgenglieder stets den gleichen … Figurierte Zahl Die Folgen von figurierten Zahlen bilden so genannte arithmetische Folgen. Zur Bestimmung der expliziten Formel untersucht man die Differenzen zwischen … Primzahl Eine Primzahl (von lateinisch numerus primus ‚erste Zahl') ist eine natürliche Zahl, die genau zwei Teiler hat (und somit größer als 1 ist).