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Die Aufgeregten

Die Aufgeregten ist ein Fragment gebliebenes politisches Drama in fünf Aufzügen von Johann Wolfgang von Goethe. Es entstand 1793 unter dem Eindruck des …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Kern des Dramas
  2. 2. Entstehung und Veröffentlichung
  3. 3. Handlung und Figuren
  4. 4. Politische Bedeutung
  5. 5. Spätere Wirkung
  6. 6. Wichtige Aussagen

Kern des Dramas

Die Aufgeregten ist ein politisches Drama in fünf Aufzügen von Johann Wolfgang von Goethe. Es blieb ein Fragment, also ein unvollendetes Werk. Goethe schrieb den ersten Entwurf 1793 unter dem Eindruck des ersten Koalitionskrieges gegen das revolutionäre Frankreich; veröffentlicht wurde es erst 1817. Die Originalsprache ist Deutsch.

Das Stück behandelt einen geplanten Aufstand von Landbewohnern gegen die Gutsherrschaft. Im Mittelpunkt steht ein Konflikt um feudale Rechte: Die Bauern besitzen ein Dokument, das ihnen bestimmte Freiheiten verbrieft, doch der gutsherrliche Amtmann hat dieses Dokument bewusst unterschlagen. Dadurch wurden die Bauern übervorteilt und betrogen.

Wichtig ist das Drama vor allem als Ausdruck von Goethes politischer Haltung in den 1790er Jahren. Goethe zeigt Verständnis für die Empörung der Bauern über Unrecht und Unterdrückung, stellt aber zugleich den Aufstand und seine Anführer kritisch dar.

Entstehung und Veröffentlichung

Im Herbst 1792 begleitete Goethe den Herzog Karl August von Weimar auf einem Feldzug der alten europäischen Mächte gegen das revolutionäre Frankreich. Diese Ereignisse beeindruckten ihn stark. Nach seiner Rückkehr nach Weimar verarbeitete Goethe seine Erfahrungen unter anderem in Die Aufgeregten.

Das Werk wurde nicht vollständig ausgeführt. Von den geplanten fünf Aufzügen schrieb Goethe nur den ersten, zweiten und vierten. Erst 1817 entschloss er sich zur Veröffentlichung. Dafür überarbeitete er den ersten Entwurf gründlich und ersetzte die fehlenden Teile durch knappe Inhaltsangaben.

Goethe veröffentlichte das Stück vor allem, weil er es als Dokument seiner politischen Haltung in den 1790er Jahren verstand.

Handlung und Figuren

Eine Gruppe von Landbewohnern plant einen Aufstand gegen die Gutsherrschaft. Angestachelt werden sie von Breme von Bremenfeld, einem Chirurgus. Er tritt als Anführer der Bauern auf, wird aber karikaturhaft überzeichnet: Er ist eitel, großsprecherisch und verfolgt auch eigene Vorteile.

Breme täuscht seine Mitstreiter bewusst, um sie für den Aufstand zu gewinnen. Wenn es ihm nützt, verwickelt er sogar seine Tochter in seine Intrigen. Der Aufruhr entsteht also nicht nur aus berechtigter Empörung, sondern wird auch durch Manipulation und Eigennutz angeheizt.

Den Gegenpart bildet die Gräfin. Sie steht an der Spitze der Gutsherrschaft und ist gerade aus dem revolutionären Paris zurückgekehrt. Durch ihre Erfahrungen in Frankreich ist sie liberal gesinnt. Gegen den Rat ihres Amtmanns will sie die Bauern von der rechtswidrigen Unterdrückung befreien.

Am Ende löst sich der Aufruhr friedlich auf, weil die Gräfin den Bauern von sich aus zu ihrem Recht verhilft.

Politische Bedeutung

Goethe bezeichnete Die Aufgeregten gegenüber Johann Peter Eckermann als sein „politisches Glaubensbekenntnis jener Zeit“. Damit meinte er, dass das Stück seine Haltung zur Französischen Revolution und zu politischer Herrschaft sichtbar mache.

Goethe war nach eigener Darstellung kein Freund der Französischen Revolution. Zugleich wollte er aber zeigen, dass er auch kein Freund herrischer Willkür war. Das Drama stellt die negativen Folgen fürstlicher Unterdrückung dar und macht verständlich, warum die Bauern empört sind.

Die Gräfin zeigt eine mögliche gerechte Lösung: Sie will nicht länger zu Ungerechtigkeit schweigen, weder in der Gesellschaft noch bei Hofe oder in der Stadt, und sie will den Bauern zu ihrem Recht verhelfen.

Spätere Wirkung

Das Drama geriet bald in Vergessenheit. Heute gehört Die Aufgeregten zu den wenig bekannten Dramen Goethes. Es gilt eher als historisches Dokument denn als häufig gespieltes Theaterstück.

Der Schweizer Schriftsteller Adolf Muschg machte 1970 eine spielbare Version daraus und ergänzte die fehlenden Teile. Diese Bearbeitung trug den Titel Die Aufgeregten von Goethe und wurde am 10. Oktober 1970 im Schauspielhaus Zürich uraufgeführt. Die deutsche Erstaufführung folgte am 17. April 1971 im Schlosspark Theater in West-Berlin.

Wichtige Aussagen

Mehrere Zitate verdeutlichen die politischen Spannungen des Stücks. Der Hofrat sagt: „Ein jeder kann nur seinen eigenen Stand beurteilen und tadeln. Aller Tadel heraufwärts oder hinabwärts ist mit Nebenbegriffen und Kleinheiten vermischt.“ Damit wird die Schwierigkeit angesprochen, andere gesellschaftliche Stände gerecht zu beurteilen.

Breme vertritt eine auf Veränderung und Gewalt zielende Haltung. Er sagt: „Ihr guten Leute wisst nicht, dass alles in der Welt vorwärts geht, und dass heute möglich ist, was vor zehn Jahren nicht möglich war.“ Außerdem erklärt er: „Da sag’ ich nun, was man in Güte nicht haben kann, soll man mit Gewalt nehmen.“

Luise kritisiert eigennützige Berufung auf Freiheit und Gleichheit: „So viele nehmen sich der Sache der Freiheit, der allgemeinen Gleichheit an, nur um für sich eine Ausnahme zu machen, nur um zu wirken, es sei auf welche Art es wolle.“

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