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Diana Ivanova (Journalistin)

Diana Ivanova (bulgarisch Диана Иванова; * 19. März 1968 in Michailowgrad (heute Montana)) ist eine bulgarische Journalistin, Autorin und Dokumentarfilmerin …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Person und beruflicher Hintergrund
  2. 2. Arbeitsweise und Themen
  3. 3. Kulturfestival und Erinnerungsprojekte
  4. 4. Straßen, Identität und Kuba
  5. 5. Filme und Arbeit mit Gruppen

Person und beruflicher Hintergrund

Diana Ivanova (* 19. März 1968 in Michailowgrad, heute Montana) ist eine bulgarische Journalistin, Autorin und Dokumentarfilmerin. Sie lebt und arbeitet in Bonn und Sofia. Ihr wichtiges Arbeitsfeld ist der interkulturelle Dialog zwischen Menschen in Bulgarien und anderen Ländern, besonders Deutschland.

Sie studierte Kulturanthropologie und Massenkommunikation an der Universität Sofia und erwarb dort 1991 den Magister in Journalismus. Bis 1995 arbeitete sie unter anderem als Reporterin und Moderatorin beim Bulgarischen Nationalfernsehen, anschließend bis 2003 als Radiojournalistin bei Radio Free Europe in Prag. Seit 2003 ist sie freie Journalistin, unter anderem für n-ost, Dnevnik, Capital, Abitare und Foreign Policy. Außerdem ist sie Managerin der New Culture Foundation.

2003 schloss sie eine Ausbildung zur Kulturmanagerin am International Centre for Culture and Management in Salzburg ab; 2014 beendete sie die Ausbildung zur Gruppenanalytikerin bei der Internationalen Arbeitsgemeinschaft für Gruppenanalyse in Altaussee. In ihrer Dissertation untersucht sie die Beziehung zwischen älteren Italienern und bulgarischen Frauen, die wegen fehlender Arbeit ihre Heimatdörfer verlassen und in Italien alte Menschen pflegen.

Arbeitsweise und Themen

Ivanova bezeichnet ihre Arbeitsweise als „langsamen Journalismus“. Für sie stehen Authentizität und gründliche, zeitaufwendige Recherche im Mittelpunkt. Daraus entstehen Artikel, Filme und Kulturprojekte.

Ein Schwerpunkt sind individuelle und kollektive Traumata, die Menschen in Bulgarien und Deutschland durch politische Verhältnisse vor der Wende erlitten. Als kollektives Trauma versteht sie mit dem Soziologen Kai Erikson eine „Verletzung des sozialen Gewebes und der Verbindungen der Menschen untereinander“. Sie verbindet die Aufarbeitung der Vergangenheit mit Kulturaustausch und Selbsterfahrungsgruppen. Dabei soll der Blick auf geschichtliche Ursachen helfen, gegenwärtige Erfahrungen besser zu verstehen.

Seit 2012 recherchierte sie im bulgarischen Innenministerium über 1.000 Filme der Staatssicherheit. Darunter waren Spielfilme, Dokumentationen, Beobachtungen und Verhöre. Sie zeigte diese Aufnahmen in Bulgarien, um die Auseinandersetzung mit der kommunistischen Vergangenheit anzuregen. 2016 kuratierte sie beim Dresdener Film-Festival die Retrospektive „Filme für die Sicherheit“ und präsentierte unter anderem Aufnahmen aus den 1980er Jahren.

Kulturfestival und Erinnerungsprojekte

Seit 2004 organisierte Ivanova mit dem Team der New Culture Foundation jährlich im Mai das internationale Kulturfestival Goatmilk („Ziegenmilch“) in Gorna Bela Rechka im Nordwesten Bulgariens. Das Festival bringt die knapp hundert über siebzigjährigen Dorfbewohner mit Künstlern aus verschiedenen Ländern zusammen. Durch gemeinsames Gestalten sowie den Austausch von Geschichten, Erfahrungen und Erinnerungen soll Begegnung über kulturelle Unterschiede hinweg möglich werden. Zugleich sollte das Festival die von Armut und Einsamkeit geprägte Region beleben.

2008 stand die Wiederbeschaffung einer gestohlenen Dorfglokke im Mittelpunkt. Obwohl Bela Rechka keine Kirche hatte, war die Glocke für die Bewohner wichtig. Mit Unterstützung des Goethe-Instituts in Sofia erhielt das Dorf 2009 eine neue Glocke. Im Mai 2020 beendete Ivanova nach 16 Jahren ihre Beteiligung, weil sich das Festival nach ihrer Auffassung nicht mehr mit ihrer Philosophie und ihren Überzeugungen vereinbaren ließ.

Im Projekt „Ich habe den Sozialismus gelebt“ sammelte sie von 2004 bis 2006 gemeinsam mit Georgi Gospodinow und Rumen Petrov 171 Geschichten von Bulgaren unterschiedlichen Alters. Untersucht wurde, welche Spuren der Sozialismus in Gefühlen und Identität der Menschen hinterlassen hatte. Das Projekt „Trauma und Wunder“ dokumentierte ab 2008 mit Babak Salari Geschichten und Porträts von 50 Bewohnern aus acht Dörfern im wirtschaftlich besonders schwachen Nordwesten Bulgariens.

Straßen, Identität und Kuba

Das Projekt „My street“ entstand im Zusammenhang mit der Müllkrise von 2005 in Bulgarien. Ivanova brachte zunächst in Bulgarien, später auch in Kuba Menschen dazu, ihre eigene Straße zu beschreiben, zu fotografieren und ihre Ergebnisse persönlich miteinander zu teilen. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Umgebung und persönliche Erlebnisse die Identität prägen.

„My street Bulgaria“ entwickelte sich aus Workshops für junge Menschen zum Thema „Die EU und Ich“. Statt allgemein über Europa zu sprechen, sollten die Teilnehmenden ihre unmittelbare Lebenswelt wahrnehmen. 2009 sammelte Ivanova in Kuba gemeinsam mit dem iranisch-kanadischen Fotografen Babak Salari Geschichten und Fotos über Menschen und ihre Straßen. Daraus entstanden 2010 ein erstes und 2012 ein zweites Buch.

Filme und Arbeit mit Gruppen

Ivanova schrieb das Drehbuch für Stephan Komandarevs Film „The Town of Badante Women“ (2009). Zu Ivan Bogdanovs Film „Father“ (2012) lieferte sie Idee und Interviews. Ihr 76 Minuten langer Dokumentarfilm „LISTEN“ wurde am 14. November 2014 in Sofia uraufgeführt. Er behandelt Radio Free Europe, das bis 1995 aus München sendete und vor der Wende in Bulgarien verboten war. Ivanova hatte dort von 1995 bis 2003 gearbeitet. Für „LISTEN“ erhielt sie 2014 den Regiepreis für den besten Erstlingsfilm.

Seit 2012 organisiert und seit 2013 leitet sie Selbsterfahrungsgruppen in Bonn und Sofia. Dabei nutzt sie Gruppenanalyse, also eine Methode, bei der Erfahrungen und Beziehungen innerhalb einer Gruppe gemeinsam betrachtet werden. Die Gruppen sollen Menschen einen Ort geben, an dem Leid aufgrund politischer Verhältnisse gehört und möglicherweise gelindert werden kann.

Seit 2018 gehört Ivanova dem Netzwerk für Traumasensibles Yoga an. Im September 2019 unterrichtete sie ehrenamtlich Flüchtlinge beim Projekt „Yoga for Peace in Bekaa Valley“ im Libanon.

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