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Der Stoff aus dem die Träume sind
Der Stoff aus dem die Träume sind ist eine Verfilmung des gleichnamigen Romans von Johannes Mario Simmel. Regie führte Alfred Vohrer. Die Hauptrollen sind …
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Film und Ausgangslage
Der Stoff aus dem die Träume sind ist ein deutscher, deutschsprachiger Thriller aus dem Jahr 1972. Der 142 Minuten lange und ab 16 Jahren freigegebene Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Johannes Mario Simmel. Alfred Vohrer führte Regie, Manfred Purzer schrieb das Drehbuch und Luggi Waldleitner produzierte den Film für die Münchner Roxy Film. Die Hauptrollen spielen Hannelore Elsner, Herbert Fleischmann, Edith Heerdegen und Paul Neuhaus.
Im Mittelpunkt stehen der Journalist Walter Roland und der Fotograf Bertie Engelhardt. Aus einer geplanten Reportage über ein tschechisches Flüchtlingskind entwickelt sich eine gefährliche Spionageaffäre. Der Film verbindet eine Agentengeschichte mit Kritik an den Arbeitsweisen der Boulevardpresse und zeigt den Konflikt zwischen journalistischer Aufklärung, wirtschaftlichen Interessen und staatlicher Geheimhaltung.
Vom Flüchtlingslager zur Spionageaffäre
Die Handlung beginnt während der gewaltsamen Beendigung des Prager Frühlings in der Tschechoslowakei. In der Redaktion der Boulevard-Illustrierten BLITZ möchte Chefredakteur Herford die Auflage mit Sexgeschichten erhöhen. Er beauftragt Walter Roland mit der Serie „Mann total“. Roland interessiert sich jedoch stärker für die Geschichte eines elfjährigen tschechischen Flüchtlingskindes. Er darf darüber berichten, muss dafür aber auch die gewünschte Serie schreiben.
Roland und Engelhardt besuchen ein Flüchtlingslager bei Bremen. Dort pflegt die Jugendfürsorgerin Luise Gottschalk das fiebernde Kind. Die Journalisten beobachten, wie der Hamburger Zuhälter Concon versucht, die geflüchtete Tschechin Irina zu entführen. Irina ist ihrem Geliebten Jan Bilka gefolgt, von dem sie schwanger ist. Roland und Engelhardt helfen ihr, Bilka anzurufen, doch dieser beendet das Gespräch, sobald er sie erkennt. Kurz darauf flieht der festgenommene Concon; dabei wird das Flüchtlingskind erschossen.
Die Journalisten fahren mit Irina nach Hamburg und setzen ihre Nachforschungen fort. Zeugen werden ermordet, deutsche Behörden verhalten sich unkooperativ, und die Beteiligten geraten zunehmend in Gefahr. Der Grund dafür ist Bilkas Geheimnis: Er ist aus der Tschechoslowakei desertiert und besitzt die mitteleuropäischen Aufmarschpläne der Staaten des Warschauer Paktes. Diese will er an den US-amerikanischen Geheimdienst CIA verkaufen. Dadurch geraten Roland, Engelhardt und Irina zwischen die Interessen des sowjetischen KGB, der CIA und des deutschen Verfassungsschutzes.
Auch innerhalb der Redaktion stößt Roland auf Widerstand. Sein Kollege beziehungsweise Vorgesetzter Seerose unterhält gute Beziehungen zu den Amerikanern und möchte seine Stellung nicht durch eine Veröffentlichung gefährden. Roland bezahlt Irina 5.000 DM für die Genehmigung, ihre Geschichte zu veröffentlichen. Beide verlieben sich ineinander, doch Irina kann sich wegen ihrer Schwangerschaft nicht vollständig von Bilka lösen. Gleichzeitig warnt der KGB-Agent Vladimir Monerow gemeinsam mit Bilkas Bruder Vaclav vor einer Veröffentlichung: Nicht nur Bilka und seine Familie würden darunter leiden.
Geheimdienstkampf und Ausgang
Bilka übergibt an einem Strand bei Helsinki Mikrofilme mit den geheimen Plänen an amerikanische Agenten. Engelhardt folgt ihm in einem Taxi und fotografiert die Beteiligten. Andere Agenten überfallen das Fahrzeug der Amerikaner, töten zwei Männer und nehmen die übrigen gefangen. Ihr Anführer Michailow erhält das Material, erschießt dessen bisherigen Besitzer und lässt ihn aus dem Fahrzeug werfen. Nach einem Feuergefecht mit der Polizei auf dem Flugplatz von Helsinki entkommen die Agenten, indem sie ihr Auto über die Heckklappe in eine Frachtmaschine fahren und abfliegen.
Im Flugzeug stellt sich heraus, dass Bilka nur die Hälfte des Materials ausgehändigt hat. Er erklärt, George Bradshaw in New York besitze die andere Hälfte. Dort werden die Pläne an Seerose übergeben. Zwei Männer nehmen ihn auf offener Straße fest, werden jedoch unmittelbar danach von einem Schützen mit schallgedämpftem Gewehr getötet. Seerose entkommt. Später wird bekannt, dass er seit 20 Jahren für die Sowjetunion arbeitet.
Herford stoppt den Druck von Rolands Geschichte und behauptet, sich künftig aus der Politik heraushalten zu wollen. Roland vermutet weitere Gründe, weigert sich, nur noch „Mann total“ zu schreiben, und trennt sich im Streit von seinem Vorgesetzten. Engelhardt wird gezwungen, sein Bildmaterial abzugeben. Roland besitzt allerdings noch Tonbänder mit Interviews und versucht, die Reportage anderweitig zu verkaufen. Ein Mittelsmann bietet ihm ohne schriftlichen Vertrag 20.000 DM Vorschuss an. Roland lehnt ab, weil ihm das Angebot verdächtig großzügig erscheint.
Parallel dazu verschlechtert sich der geistige Zustand von Luise Gottschalk. Sie leidet an Schizophrenie, sucht in Hamburg und Frankfurt nach Irina sowie nach überwiegend verstorbenen Menschen aus ihrer Vergangenheit und bricht schließlich auf der Straße zusammen. Im Krankenhaus lebt sie geistig vollständig in einer anderen Welt bei ihren früheren Freunden.
Als Roland nach Hause kommt, findet er Engelhardt ermordet und die Wohnung durchwühlt vor. Irina konnte sich im Badezimmer verstecken. Nachdem Roland außerdem nur knapp einem Sprengstoffanschlag entgeht, verlassen beide Deutschland mit falschen Pässen. Sie heiraten, und Roland zieht Irinas Kind wie sein eigenes auf. Jahre später übergibt er seine Aufzeichnungen einem Kollegen, der als Johannes Mario Simmel erscheint. Dieser veröffentlicht sie unter dem Titel Der Stoff aus dem die Träume sind als Schlüsselroman, also als Roman, dessen erfundene Figuren und Ereignisse auf erkennbaren realen Vorbildern beruhen.
Entstehung und Veröffentlichung
Die Dreharbeiten fanden vom 6. März bis zum 6. Mai 1972 statt. Gedreht wurde in Hamburg und Umgebung, Helsinki, der Umgebung von Bremen, New York City, Frankfurt am Main, Sankt Peter-Ording und Prag. Die Uraufführung erfolgte am 20. September 1972 in Saarbrücken.
Die Filmmusik stammt von Peter Thomas, die Kamera führte Charly Steinberger, und Susanne Paschen war für den Schnitt verantwortlich.
Bewertung, Auszeichnung und Titel
Die Kritiken bewerteten den Film überwiegend als aufwendig inszenierte und spannende Agentengeschichte, die zugleich Einblicke in Geheimdiensttätigkeit und die Praktiken der Boulevardpresse geben wolle. Jean Lüdeke bezeichnete ihn für deutsche Verhältnisse als bahnbrechenden Thriller. Adolf Heinzlmeier und Berndt Schulz kritisierten dagegen Effekthascherei und mangelnde Glaubwürdigkeit, lobten aber die wirkungsvolle, routinierte Umsetzung; sie vergaben 2 von 4 Sternen und damit die Wertung „durchschnittlich“.
Paul Neuhaus erhielt 1973 für seine Darstellung des Walter Roland das Filmband in Gold als bester Nachwuchsschauspieler.
Der Titel Der Stoff aus dem die Träume sind ist ein Bonmot, also eine geistreiche Redewendung, aus William Shakespeares Schauspiel Der Sturm.