Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Denkmal für im Nationalsozialismus verfolgte Homosexuelle in Lübeck

Das Denkmal für im Nationalsozialismus verfolgte Homosexuelle ist eine Ergänzung zur zentralen Gedenkstätte für die Opfer der nationalsozialistischen …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und Zweck
  2. 2. Verfolgung im Nationalsozialismus
  3. 3. Entstehung des Denkmals
  4. 4. Standort und Gestaltung
  5. 5. Künstler und Enthüllung

Bedeutung und Zweck

Das Denkmal für im Nationalsozialismus verfolgte Homosexuelle ergänzt die zentrale Gedenkstätte für die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Lübeck. Es erinnert ausdrücklich an Menschen, die wegen ihrer homosexuellen Identität verfolgt und ermordet wurden. Diese Opfergruppe war zuvor in der Lübecker Gedenkstätte nicht berücksichtigt worden.

Die gusseiserne Gedenktafel stammt vom Lübecker Künstler Erich Lethgau und wurde am 23. Januar 2016 enthüllt. Laut Artikel war sie weltweit das achte Denkmal dieser Art in einem innerstädtischen Bereich; weitere standen beispielsweise in Berlin, Köln, Frankfurt, Amsterdam und Tel Aviv. Gedenktafeln gab es außerdem in KZ-Gedenkstätten wie Mauthausen, Neuengamme, Dachau und Sachsenhausen.

Verfolgung im Nationalsozialismus

Die Nationalsozialisten bezeichneten Homosexualität als „widernatürliche Veranlagung“ und als eine den sogenannten „Volkskörper“ schädigende „Seuche“, die „auszurotten“ sei. Bereits im März 1933 wurden Lokale geschlossen, die von Lesben oder Schwulen besucht wurden. Auch Vereine, Verlage und Zeitschriften der ersten deutschen Homosexuellenbewegung wurden aufgelöst, verboten oder zerstört.

Im Herbst 1934 begann die systematische Verfolgung homosexueller Männer. Mehr als 100.000 Männer wurden polizeilich erfasst; ungefähr die Hälfte wurde nach § 175 des Strafgesetzbuches verurteilt. Etwa 10.000 bis 15.000 schwule Männer wurden in Konzentrationslager verschleppt. Mehr als die Hälfte von ihnen überlebte dies nicht.

Auch Lübecker Männer waren betroffen. Am 23. Januar 1937 wurden bei einer der größten Massenverhaftungen von Homosexuellen in der NS-Zeit 230 Männer festgenommen, darunter der 1906 in Lübeck geborene Friedrich-Paul von Großheim. Sie wurden zunächst in das ehemalige Zeughaus am Dom gebracht, das als Gestapo-Zentrale diente. Dort wurden die Gefangenen verhört und gefoltert, damit sie sich gegenseitig denunzierten. Danach kam es unter anderem zu Anklagen wegen Verstoßes gegen § 175, Gerichtsverfahren, Verurteilungen, Haftstrafen und Einweisungen in Konzentrationslager. Eine genauere historische Untersuchung der einzelnen Schicksale steht noch aus.

Entstehung des Denkmals

Die seit 1986 bestehende zentrale Gedenkstätte erinnerte an Lübecker Bürger, die zwischen 1933 und 1945 aus politischen, religiösen oder rassischen Gründen Opfer des Nationalsozialismus wurden. Menschen, die wegen ihrer sexuellen Identität verfolgt worden waren, blieben dabei unberücksichtigt.

Seit 2013 organisierte der Lübecker CSD e.V. jährlich am 23. Januar Kranzniederlegungen. Daraus entstand der Wunsch, die Gedenkstätte zu erweitern. Im September 2014 begann der Verein die Initiative „Ein Denkmal, das nicht allen gedenkt“, die Unterstützung aus der Kommunalpolitik erhielt. Der Ausschuss für Kultur und Denkmalpflege der Lübecker Bürgerschaft behandelte den Vorschlag erstmals am 10. November 2014 und erneut am 9. März 2015.

Erich Lethgau, der bereits die bestehende Gedenkstätte geschaffen hatte, erhielt den Auftrag für eine separate Ergänzung. Die Gesamtkosten betrugen 12.000 Euro; der Lübecker CSD e.V. sagte einen durch Spenden finanzierten Beitrag von 4.000 Euro zu. Das Gipsmodell war am 21. Dezember 2015 fertig. Am 14. Januar 2016 wurde die Tafel bei der Gustav Buchholz GmbH in Vienenburg bei Goslar in Grauguss hergestellt und am 22. Januar am Zeughaus montiert.

Standort und Gestaltung

Das Denkmal befindet sich an der Parade zwischen dem Zeughaus und dem Haus der Kulturen. Es ist in die zentrale Gedenkstätte integriert und im Winkel von 90 Grad zu den beiden älteren Tafeln an der Wand des Zeughauses befestigt.

Die Tafel besteht aus grauem Gusseisen. Sie ist 160 cm breit, 60 cm hoch und 4 cm dick. Ihre Form nimmt wie das bestehende Denkmal das Gestaltungselement des Durchbruchs auf. Die Schriftgröße beträgt zwei Drittel der Schriftgröße der beiden vorhandenen Tafeln. Der Text ist in Großbuchstaben, sogenannten Versalien, linksbündig über sechs Zeilen angeordnet.

Die Inschrift lautet: „In Erinnerung an die Menschen, die aufgrund ihrer homosexuellen Identität im Nationalsozialismus verfolgt und ermordet wurden“.

Künstler und Enthüllung

Erich Lethgau wurde 1940 in Danzig geboren. Er studierte von 1962 bis 1965 in Hamburg an der Universität und der Hochschule für bildende Künste. Ab 1966 arbeitete er zunächst als Lehrer; seit 1977 war er freischaffender Künstler. Sein Werk umfasste unter anderem Gemälde, Collagen, Siebdrucke, Plexiglasobjekte, Reliefs und bauverbundene Arbeiten. Er starb am 11. September 2020.

Die Enthüllung des Denkmals fand am 23. Januar 2016 statt, genau 79 Jahre nach der Lübecker Massenverhaftung. An der Übergabe an die Öffentlichkeit nahmen etwa 200 Menschen teil, darunter Vertreter aus Bundes-, Landes- und Kommunalpolitik, Kirche, Vereinen und Organisationen. Es sprachen Stadtpräsidentin Gabriele Schopenhauer, Martin Sölle vom Centrum Schwule Geschichte e.V. und Christian Till, Vorsitzender des Lübecker CSD e.V. Das Lied „Savior“ von Noa im Duett mit Peter Maffay stellte einen Bezug zu der am 10. Januar 2014 in Tel Aviv eingeweihten Gedenkstätte für verfolgte Homosexuelle her.

Weiterlesen