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David Einhorn (Rabbiner)

David (Meyer) Einhorn (geboren am 10. November 1809 in Diespeck; gestorben am 2. November 1879 in New York) war ein aus Deutschland stammender …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und reformjüdische Positionen
  2. 2. Ausbildung und Wirken in Deutschland
  3. 3. Wirken in den Vereinigten Staaten
  4. 4. Schriften und Werkausgaben

Bedeutung und reformjüdische Positionen

David (Meyer) Einhorn (10. November 1809 in Diespeck – 2. November 1879 in New York) war ein aus Deutschland stammender US-amerikanischer Rabbiner und ein bedeutender Vertreter der jüdischen Reformbewegung. Als Anhänger Abraham Geigers setzte er sich bereits in Deutschland für Reformen des Synagogengottesdienstes und für Gebete in der jeweiligen Landessprache ein.

In den Vereinigten Staaten wurde Einhorn zu einer führenden Persönlichkeit des Reformjudentums. Seine Arbeit prägte besonders die Gestaltung des Gottesdienstes und die religiöse Bildung. Auch gesellschaftspolitisch bezog er deutlich Stellung: 1861 predigte er in Baltimore offen gegen die Sklaverei.

Ausbildung und Wirken in Deutschland

Von 1825 bis 1827 lernte Einhorn bei Rabbiner Wolf Hamburger und Rabbiner Joshua Moses Falkenau an der Jeschiwa in Fürth. Eine Jeschiwa ist eine jüdische Hochschule, die vor allem dem Studium religiöser Texte dient. Ab 1827 erhielt er Privatunterricht in Würzburg; 1829 wurde er in Fürth zum Rabbiner ordiniert. Im Januar 1832 begann er in Würzburg ein Philosophiestudium und studierte von 1832 bis Oktober 1834 in München. Im Februar 1834 promovierte er in Erlangen mit einer Arbeit über philosophische Stellen im ersten Teil von Maimonides’ „Moreh Nefuchim“.

1838 verhinderte die bayerische Staatsregierung wegen seiner liberalen Ansichten seine Berufung zum Rabbiner der Gemeinde Wellhausen bei Uffenheim. Von Februar 1842 bis Februar 1847 war er Rabbiner in Hoppstädten und Landesrabbiner im Fürstentum Birkenfeld.

Im März 1847 folgte er Samuel Holdheim als Landesrabbiner von Mecklenburg-Schwerin nach; seine Amtseinführung fand am 4. September statt. Gleichzeitig gehörte er dem Oberrat der Israelitischen Landesgemeinde an. Ein Konflikt entstand mit dem Rostocker Theologieprofessor Franz Delitzsch: Dieser warf Einhorn Häresie, also eine Abweichung von der anerkannten Glaubenslehre, vor, weil Einhorn einen unbeschnittenen Säugling gesegnet hatte. Eine Berufung nach Pest im Dezember 1851 scheiterte 1852 an der fehlenden Zustimmung der österreich-ungarischen Regierung.

1844 heiratete Einhorn Henriette Ochs (1817–1909). Das Paar hatte neun Kinder. Zwei Töchter heirateten ebenfalls bedeutende Vertreter des Reformjudentums: Johanna Einhorn (1848–1932) heiratete 1870 Kaufmann Kohler, Mathilda Einhorn den Rabbiner Emil Gustav Hirsch (1851–1923).

Wirken in den Vereinigten Staaten

Nach seiner Emigration in die Vereinigten Staaten wirkte Einhorn von September 1855 bis Mai 1861 als Rabbiner des radikal-reformerischen Har Sinai Vereins in Baltimore. Dort gab er außerdem die Zeitschrift „Sinai“ heraus.

1858 veröffentlichte er das Gebetbuch „Olat Tamid“. Der Titel bezieht sich auf Numeri 28,3 und bedeutet „beständiges Ganzopfer“. Das Buch enthielt die meisten Gebete auf Deutsch, ließ umstrittene Bestandteile wie das Kol Nidre weg und führte neue Gebete ein. Das Kol Nidre ist ein Gebet, das traditionell am Vorabend des jüdischen Versöhnungstages gesprochen wird. „Olat Tamid“ wurde über Generationen hinweg stilprägend für Reformgemeinden.

Baltimore lag im Bundesstaat Maryland, der zu den Südstaaten gezählt wurde. Als Einhorn 1861 in einer Predigt offen gegen die Sklaverei auftrat, bedrohte ihn die zuhörende Menge. Er musste deshalb nach Philadelphia gehen. Dort war er von Juni 1861 bis Juli 1866 Rabbiner der Gemeinde „Keneseth Israel“.

Anschließend wirkte Einhorn in New York City: vom 31. August 1866 bis 1874 in der Gemeinde „Adath Yeschurun“ und vom 7. März 1874 bis 12. Juli 1879 in der Gemeinde „Beth-El“. Danach trat er in den Ruhestand. 1869 leitete er gemeinsam mit Samuel Adler als Vorsitzender die Rabbinerversammlung von Philadelphia.

Schriften und Werkausgaben

Zu Einhorns Schriften gehören eine 1847 in Schwerin gehaltene Predigt mit dem Titel „Das vom Judenthum gebotene Verhalten des Israeliten gegenüber seiner stiefväterlichen Behandlung von Seiten des Vaterlandes“ und das 1866 in Philadelphia erschienene Werk „Ner Tāmīd (Beständige Leuchte). Die Lehre des Judenthums, dargestellt für Schule und Haus“.

Sein wichtiges Gebetbuch „Olat Tamid. Gebetbuch für Israelitische Reform Gemeinden“ erschien 1858 in Baltimore und New York. Es wurde mehrfach neu aufgelegt und ins Englische übersetzt; genannt werden unter anderem die zweite Auflage von 1862 und eine hebräisch-englische Ausgabe von 1872.

Für den Religionsunterricht veröffentlichte Einhorn 1869 das „Biblische Lesebuch für den deutschen Unterricht in isr. Religions-Schulen nebst den hebräischen im Reform-Gottesdienste vorkommenden Gebeten und einer deutschen Deklinations- und Conjugations-Tabelle“. Eine zweite Auflage erschien 1877.

Nach seinem Tod gab Kaufmann Kohler 1880 „Dr. David Einhorn’s ausgewählte Predigten und Reden“ heraus. 1911 folgte der englischsprachige „David Einhorn Memorial Volume. Selected Sermons and Addresses“ mit einem biografischen Essay von Kaufmann Kohler und einer Gedenkrede von Emil G. Hirsch.

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