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Das Ich
Das Ich ist ein deutschsprachiges, elektronisch-sinfonisches Musikprojekt, das besonders in der Schwarzen Szene rezipiert wird.
Inhalt6 Abschnitte
Einordnung und Besetzung
Das Ich ist ein deutschsprachiges, elektronisch-sinfonisches Musikprojekt aus Bayreuth. Es wird besonders in der Schwarzen Szene rezipiert und gehörte Anfang der 1990er Jahre zu den wichtigsten Vertretern der Neuen Deutschen Todeskunst. Dieser Begriff bezeichnet hier eine frühe Stilphase der Band, bevor sie sich musikalisch in andere Richtungen weiterentwickelte. Als Genres nennt der Artikel Elektro, Electronica, Ambient für die Jahre 1996 bis 2008 sowie Neue Deutsche Todeskunst für 1990 bis 1994.
Gegründet wurde Das Ich offiziell 1989 von Bruno Kramm, der für Musik, Instrumente, Produktion und Backvocals steht, und Stefan Ackermann, der Texte und Gesang übernimmt. Als Plattenfirma dient das Bruno-Kramm-eigene Label Danse Macabre. Zur aktuellen Besetzung gehören Stefan Ackermann, Bruno Kramm und seit 2016 Kevin Groß als Live-Keyboarder. Über die Jahre gab es mehrere weitere Live-Musiker an Keyboard und Schlagzeug.
Entstehung und frühe Entwicklung
Die Vorgeschichte von Das Ich beginnt 1984, als Bruno Kramm unter dem Projektnamen Decorated Style musikalisch aktiv wurde. 1986 gründete er Fahrenheit 451; mit diesem Projekt nahm der später für Das Ich bekannte Sound allmählich Gestalt an. Aus Fahrenheit 451 ging später Alva Novalis hervor, dessen Titel bislang nur auf einzelnen Compilations erschienen.
Bruno Kramm und Stefan Ackermann lernten sich 1986 in der Bayreuther Diskothek „Crazy Elephant“ kennen. 1987 gründeten sie zusammen mit wechselnden Mitstreitern, darunter Stefan Pickl und Peter Meier, das Projekt Dying Moments. Dessen Musik lag zwischen Wave- und elektronischer Punk-Musik. Die Texte wurden auf Deutsch, Englisch, Französisch oder Latein vorgetragen. In dieser Phase entstanden zwei Musikkassetten in geringer Auflage.
Das Ich wurde 1989 offiziell in Bayreuth gegründet. Einige Titel, die später wichtig wurden, entstanden in Rohfassungen bereits 1988, darunter „Lügen und Das Ich“, „Sodom und Gomorrha“ und „Gottes Tod“.
Wichtige Veröffentlichungen
1991 erschien mit Die Propheten das erste Album, nachdem einige Stücke zuvor auf der EP Satanische Verse veröffentlicht worden waren. Die Propheten enthält viele Stücke im synthetischen Neoklassik-Stil. Die Titel „Gottes Tod“ und „Kain und Abel“ gelten in der Schwarzen Szene als „Everblacks“, also als dauerhaft bekannte Stücke analog zu „Evergreens“.
Das zweite Album Staub erschien 1994. Die dreijährige Pause erklärt der Artikel mit Bruno Kramms beruflicher Situation: Das erste Danse-Macabre-Label brach auseinander, und Kramm musste durch Auftragsarbeit Restschulden abarbeiten. Staub gilt vielen Fans als besonders nihilistisches und düsteres Werk. Musikalisch verband es Klassik und Elektronik in einer Form, die bis heute als typisch für Das Ich beschrieben wird.
1995 erschien Feuer, das einzige Live-Album der Gruppe. 1996 folgte Das Innere Ich, der Soundtrack zum experimentellen Film Das Innere Licht; außer „Bin ich es denn“ enthält er keine gesungenen rhythmischen Stücke. Die Erstauflagen dieser Werke sind wegen des Konkurses des Plattenvertriebs EFA heute nur schwer erhältlich.
1998 veröffentlichte Das Ich Egodram über das Major-Label Motor Music, was bei manchen Anhängern Kritik auslöste. Das Lied „Destillat“ ist laut Artikel das bekannteste Lied der Gruppe und beendet normalerweise ihre Liveauftritte. Dafür entstand auch erstmals ein Videoclip; außerdem wurde das Stück von VNV Nation geremixt. Da Egodram kommerziell hinter den Erwartungen von Motor Music zurückblieb, endete die Zusammenarbeit danach. Ebenfalls 1998 erschien Morgue, eine Vertonung des gleichnamigen Gedichtbands von Gottfried Benn.
Texte und Themen
Das Ich schreibt seine Liedtexte durchgehend auf Deutsch. Die einzige Ausnahme ist „The Awakening“, eine englische Übersetzung des Titels „Krieger“, die 1997 für den Soundtrack des Computerspiels Wing Commander: Prophecy produziert wurde. Die deutsche Sprache soll nach Darstellung des Artikels eine möglichst direkte Ausdrucksweise ermöglichen; außerdem schätzt die Band ihre harte Artikulation.
Der Arbeitsprozess ist klar verteilt: Bruno Kramm komponiert die Lieder, danach schreibt Stefan Ackermann die Texte. Vorher besprechen beide die Thematik des gesamten Albums. Für Ackermann ist die Musik Inspiration und Bedingung für den sprachlichen Stil. Die Texte arbeiten mit sehr bildlicher Sprache, etwa in der Formulierung „unser Mutter Erde hängt am letzten zuckend Nerv“, und lassen dem Hörer Raum für Interpretation.
Seit der Anfangszeit beschäftigt sich Das Ich stark mit dem Christentum und mit Texten der Bibel. Nach Satanische Verse und Die Propheten griff die Band diese Themen 2002 auf Anti’christ erneut auf. Auch der Einfluss Friedrich Nietzsches wird als deutlich beschrieben; Kramm misst Nietzsches Werk große Bedeutung bei. In neueren Alben treten zunehmend persönlichere Gefühle hinzu. Mit Morgue vertonte Das Ich 1998 Texte aus Gottfried Benns Morgue und andere Gedichte von 1912. Schon auf Staub und Egodram hatte die Band einzelne Gedichte vertont: „Verfall“ von Georg Trakl und „Blutquell“ von Charles Baudelaire.
Spätere Entwicklung und Fanal
2011 erkrankte Sänger Stefan Ackermann so schwer, dass das Eröffnungskonzert auf dem Leipziger Wave-Gotik-Treffen und der Auftritt beim Amphi Festival ohne ihn stattfinden mussten. Die Band wurde dabei von befreundeten Künstlern unterstützt. Anfang 2012 wurde gemeldet, dass es Ackermann wieder besser gehe und er die Hirnblutungen weitgehend gut überstanden habe. Nach seiner Genesung gab die Band im Mai 2013 im Rahmen des Wave-Gotik-Treffens ihr Comeback bekannt.
Am 20. Juni 2025 kündigte Das Ich in einem kurzen Video in den sozialen Medien das Datum „31.10.2025“ an. Zugleich wurde bekannt, dass nach fast zwei Jahrzehnten ohne neue Musik ein neues Album mit dem Titel Fanal am 31. Oktober erscheinen solle. Im August und September 2025 folgten die Singles „Lazarus“ und „Brutus“. Anfangs enthielten sie eine weibliche Stimme, die erklärte, dass Fanal nicht auf Spotify oder anderen Streaming-Plattformen veröffentlicht werde; diese Stimme wurde später entfernt.
Fanal behandelt laut Artikel Themen wie Misanthropie, Nihilismus, gesellschaftlichen Verfall und Machtkritik. Als direkte Einflüsse nennt die Band Friedrich Nietzsche, Gottfried Benn und die deutsch-expressionistische Bewegung. Bruno Kramm erklärte, Fanal sei eine Reaktion auf das postfaktische Zeitalter und auf eine Zeit, „in der Glaube mehr zählt als Fakten“.
Diskografie und Nebenprojekte
Die Veröffentlichungen von Das Ich umfassen Demos, Alben, EPs und Singles, Split-Veröffentlichungen, Best-of-Zusammenstellungen und Beiträge zu Kompilationen. Als Demo erschien 1990 Satanische Verse auf MC. Zu den Alben gehören Die Propheten (1991), Staub (1994), Feuer (1995), Das innere Ich (1996), Egodram (1997), Morgue (1998), Anti’christ (2002), Lava (2004), Cabaret (2006) und Fanal (2025). Wichtige EPs und Singles sind unter anderem Satanische Verse, Stigma, Kindgott, Destillat, Kannibale sowie 2025 Lazarus und Brutus.
Daneben nennt der Artikel Veröffentlichungen außerhalb von Das Ich. Zu Alva Novalis erschienen mehrere Kompilationen-Beiträge, darunter „As Thou Came (To The Torture Garden)“ und „Demimonde“. Auch Fahrenheit 451 war auf Samplern vertreten, etwa mit „Scared Colours“, „The Tempest Romanesque“ und „Sorrow and Pain“. Unter dem Namen Kramm veröffentlichte Bruno Kramm 2001 Coeur sowie die Maxi-Single Blasses Kind / Der Nachtmahr.
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