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Creophilus maxillosus
Creophilus maxillosus ist ein Käfer aus der Familie der Kurzflügler. Die Gattung Creophilus ist in Europa nur mit dieser Art vertreten.
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Einordnung und äußere Merkmale
Creophilus maxillosus ist ein Käfer aus der Familie der Kurzflügler (Staphylinidae), Unterfamilie Staphylininae. Die Gattung Creophilus umfasst weltweit 16 Arten, in Europa kommt nur diese Art vor. Dort lebt die Unterart Creophilus maxillosus maxillosus; die vor allem in Nordamerika verbreitete Unterart C. maxillosus villosus wurde früher als eigene Art betrachtet.
Der Käfer ist 15 bis 25 Millimeter lang und durch sein auffälliges Aussehen kaum zu verwechseln. Kopf und Halsschild sind glänzend schwarz, die Flügeldecken stark verkürzt und lassen den größten Teil des Hinterleibs frei. Über die Flügeldecken verläuft eine breite, gezackte Querbinde aus grauen Haaren mit schwarzen Flecken. Der Hinterleib ist oberseits scheckig weißlich oder gelblich grau behaart. Bei C. maxillosus maxillosus ist auch die Unterseite überwiegend hell behaart, bei C. maxillosus villosus nur vorn.
Der Kopf trägt weit auseinanderliegende, fast flache Augen und elfgliedrige, schnurförmige Fühler. Die letzten fünf Fühlerglieder bilden eine behaarte Keule. Die Oberkiefer besitzen unterschiedlich angeordnete Zähne; bei starken Männchen ist ein Zahn des rechten Oberkiefers besonders kräftig. Die Schienen der Beine tragen jeweils zwei ungleich lange Enddornen, die Tarsen sind fünfgliedrig. Die Hinterflügel sind voll entwickelt und werden in Ruhe mehrfach quer gefaltet unter den verkürzten Flügeldecken verborgen.
Entwicklungsstadien
Die weißen bis cremefarbenen, dünnschaligen Eier sind 2 bis 3 Millimeter lang und 1,5 bis 2 Millimeter dick. Die Larve schlüpft nach etwa zwei Tagen. Das erste Larvenstadium ist 5,5 bis 6 Millimeter lang, das letzte 25 bis 30 Millimeter. Der rundliche, abgeflachte Kopf besitzt auf jeder Seite vier Ozellen, also einfache Augen, sowie dreigliedrige Fühler. Die sechs Beine sind gleich gebaut und enden jeweils in einer kräftigen Kralle. Der Körper trägt stark sklerotisierte, also verhärtete, dunkle Platten und am letzten Hinterleibssegment zwei dreigliedrige Cerci.
Die Larvenstadien dauern im Sommer zusammen etwa 23 Tage. Vor der Verpuppung verkürzt und verdickt sich die Larve und formt eine ovale Höhlung im Boden. Die Puppe ist 15 Millimeter lang und 5 Millimeter breit. Anfangs ist sie durchscheinend hellbraun, später schwarz. Das Puppenstadium dauert durchschnittlich zwölf Tage. Insgesamt vergehen von der Eiablage bis zum fertigen Käfer durchschnittlich 37 Tage. Im Labor dauerte die Entwicklung bei 16 °C durchschnittlich 1523 Stunden beziehungsweise 64,4 Tage, bei 24 °C etwa 857 Stunden und bei 32 °C 571 Stunden beziehungsweise 23,8 Tage.
Lebensweise und Ernährung
Creophilus maxillosus lebt hauptsächlich auf Aas im offenen Gelände, kommt aber auch in Wäldern und häufig an Misthaufen vor. Feuchte Kadaver und größere Kadaver werden bevorzugt. Die Art ist ganzjährig zu finden, mit Häufigkeitsmaxima im Frühsommer und Frühherbst; nachts ist sie besonders aktiv. Aas wird meist im Flug anhand seines Geruchs gefunden, gelegentlich lockt der Geruch die Käfer auch aus unterirdischen Verstecken.
Die Hauptnahrung sind Fliegenlarven, die sich im Aas entwickeln. Der Käfer ergreift eine Larve mit den Oberkiefern, hält sie mit den Vorderbeinen fest, durchtrennt ihre Haut und knetet sie, bis nur das Exoskelett übrig bleibt. Bei Hunger werden auch Ameisen, Termiten, Regenwürmer und flugunfähige Fliegen gefressen. Das Aas selbst dient nur bei größter Nahrungsknappheit als Nahrung. Auch Larven der eigenen Art und gelegentlich schwächere erwachsene Käfer werden angegriffen. Die Larven ernähren sich ausschließlich von Fliegenlarven.
Forensische Bedeutung und Abwehr
In der forensischen Entomologie wird die Art zur Eingrenzung des Todeszeitpunkts verwendet. Sie gehört zu den spät an Leichen auftretenden Käfern. Bei Schweinekadavern erschienen ihre Larven im Frühjahr durchschnittlich an 21 Tage altem Aas, im Sommer an 7 Tage altem und im Herbst an 12 Tage altem Aas. Je nach Waldtyp lagen die Werte zwischen 18 bis 20 und 26 bis 28 Tagen. 2006 traten die Larven nach 13 bis 15 Tagen auf, im folgenden Jahr erst nach 18 bis 20 Tagen. Das Preappearance Intervall (PAI), also die Zeit bis zum Auftreten, lässt sich annähernd durch PAI = e^(a-bT) + c beschreiben. Für Larven wurden c = 7,3, a = 7,432066 und b = 0,312329 ermittelt; für adulte Käfer c = 2,4, a = 8,149812 und b = 0,377601.
Bei plötzlicher Störung stellen sich Käfer und Larven für wenige Sekunden tot (Thanatose). Stark gereizte Käfer können außerdem ihren teleskopartig einziehbaren Hinterleib aufrichten und paarige Wehrdrüsen ausstülpen. Deren chemische Sekrete werden zusammen mit einem Flüssigkeitstropfen verteilt und wirken abschreckend; auch das Entleeren des Darms kann die Abwehr verstärken.
Fortpflanzung und Verbreitung
Nach einem kurzen Kontakt mit Fühlern und Mundwerkzeugen erkennen die Tiere vermutlich das Geschlecht. Männchen versuchen sich sofort mit Weibchen zu paaren; gleichgeschlechtliche Tiere können sich dagegen aggressiv bekämpfen. Eine Kopulation dauert gewöhnlich bis über eine Stunde, in Gefangenschaft bei engem Raum jedoch nur drei bis fünf Minuten. Weibchen legen die Eier meist einzeln 1 bis 5 Zentimeter tief im Boden ab. Ein Weibchen kann bis zu etwa 500 Eier legen; gut ernährte Weibchen legen durchschnittlich über acht Eier täglich, schlecht ernährte etwas über zwei.
C. maxillosus maxillosus ist in fast ganz Europa und der Paläarktis verbreitet. Vorkommen im Osten Nordamerikas, in Chile, Argentinien, Peru und auf vielen Atlantikinseln gelten höchstwahrscheinlich als vom Menschen verschleppt. C. maxillosus villosus lebt überwiegend in Nordamerika, auf den Aleuten und Hawaii sowie in Mexiko, Mittelamerika und Teilen der Westindischen Inseln.