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Count Basie Orchestra

Das Count Basie Orchestra ist eine US-amerikanische Big Band, die von Count Basie geleitet wurde. Die Basie Band war neben dem Duke Ellington Orchestra und …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Einordnung und musikalisches Profil
  2. 2. Entstehung und frühe Jahre
  3. 3. Durchbruch in New York
  4. 4. Krise und musikalischer Wandel
  5. 5. The Second Testament und die Zusammenarbeit mit Sängern
  6. 6. Späte Geschichte, Auszeichnungen und Dokumentation

Einordnung und musikalisches Profil

Das Count Basie Orchestra ist eine US-amerikanische Big Band, die von Count Basie geleitet wurde. Es gehörte neben den Orchestern von Duke Ellington, Woody Herman, Lionel Hampton und Benny Goodman zu den berühmten Jazz-Formationen der Swingära. Die Band ging aus dem Orchester von Bennie Moten hervor und war zusammen mit den Orchestern von Harlan Leonard, Jay McShann und Andy Kirks Twelve Clouds of Joy ein bedeutender Vertreter des Kansas-City-Jazz.

Kennzeichnend war zunächst die Verbindung aus ausgedehnten Improvisationen, geistreichen Soli und einer relaxten, auf Riffs beruhenden Begleitung. Ein Riff ist eine kurze, wiederholte musikalische Figur. In den späteren Jahrzehnten verlagerte sich der Schwerpunkt zunehmend auf ausgearbeitete Arrangements und ein straffes Ensemblespiel. Das Orchester überlebte das große Bigband-Sterben Ende der 1940er Jahre, arbeitete in den 1960er Jahren mit Frank Sinatra, Ella Fitzgerald und Tony Bennett und wurde nach Count Basies Tod 1984 als Ghost Band weitergeführt. Mit 17 gewonnenen Grammy Awards gehört es zu den erfolgreichsten Big Bands der Geschichte.

Entstehung und frühe Jahre

Count Basie kam 1927 mit einer Vaudeville-Truppe nach Kansas City. Dort spielte er zunächst mit den Blue Devils seines späteren Bassisten Walter Page und wurde 1930 Mitglied der rivalisierenden Band von Bennie Moten. Nach Motens Tod 1935 setzten Basie und andere ehemalige Moten-Musiker die Engagements zunächst unter der Leitung von Motens Bruder Buster fort. Als diese Formation auseinanderfiel, gründete Basie für ein Engagement im Reno Club ein eigenes Orchester.

Die zunächst neunköpfige Formation, die sich The Barons of Rhythm nannte, bestand unter anderem aus Joe Keyes, Hot Lips Page, Buster Smith, Jack Washington, Lester Young, Eddie Durham, Jo Jones und Walter Page; Basie spielte Klavier. Sie übertrug den Stil der Kansas-City-Jamsessions in die Clubs. John Hammond hörte die Band im Dezember 1935 bei einer Radioübertragung und besuchte sie im Mai 1936 in Kansas City. Er vermittelte einen Plattenvertrag, der jedoch eine Erweiterung auf 13 Mitglieder verlangte, und brachte die Band nach New York.

Vor dem Decca-Vertrag nahm Hammond am 8. Oktober 1936 mit einem Quintett aus der Big Band und Jimmy Rushing fünf Stücke auf. Diese Aufnahmen erschienen unter der Bezeichnung Jones-Smith Inc. auf Vocalion. Die frühen Aufnahmen wurden wegen teilweise unsauberer Intonation kritisiert; im Artikel wird dies auch mit minderwertigen, für viele schwarze Musiker erschwinglichen Instrumenten erklärt. 1937 gehörten unter anderem Buck Clayton und der Blues-Sänger Jimmy Rushing zur Band. Billie Holiday kam im März 1937 hinzu, verließ das Orchester aber Anfang 1938 wieder.

Durchbruch in New York

Der Durchbruch gelang 1937 in New York City, auch wenn das erste Engagement im Roseland Ballroom zunächst enttäuschend verlief. Die Band hatte nur wenige Arrangements, war nicht immer gut aufeinander abgestimmt und musste auch kommerzielles Material für das Tanzpublikum spielen. Nach Umbesetzungen wurde im März 1937 Freddie Green Gitarrist. Er spielte keine Soli, gab der Rhythmusgruppe aber große Stabilität; Basie nannte ihn deshalb „Mr Hold-Together“.

Besonders wichtig waren die gegensätzlichen Tenorsaxophonisten Lester Young und Herschel Evans. Young spielte leicht, luftig und flüssig, während Evans für einen weicheren und gefühlvolleren Klang stand. 1937 und 1938 entstanden mit One O’Clock Jump und Jumpin’ at the Woodside große Erfolge. One O’Clock Jump wurde zum Themensong der Band. Beide Stücke beruhten weitgehend auf sogenannten Head Arrangements: Die musikalischen Abläufe waren nicht vollständig ausgeschrieben, sondern bestanden aus Riffs, die die Musiker auswendig kannten. Daneben lieferte etwa Eddie Durham auch ausgeschriebene Arrangements wie Topsy und John’s Idea.

Nach einem knappen Sieg gegen das Chick Webb Orchestra im Savoy Ballroom wurde die Basie Band als eine der besten Formationen der Swingära angesehen. Die zwischen Januar 1937 und Februar 1939 für Decca aufgenommenen Titel gelten als stilistisch ausgereift. Ihr Klang war rau, kraftvoll, hinreißend und relaxt und unterschied sich durch einen ökonomischen, nicht von durchgehenden Fortissimo-Passagen bestimmten Stil von vielen anderen Swingbands. 1939 trat das Orchester erstmals in der Carnegie Hall auf; 1940 folgte ein Auftritt im Apollo Theater mit Harry James, Coleman Hawkins, Benny Goodman und Gene Krupa.

Krise und musikalischer Wandel

In den 1940er Jahren prägten zunehmend professionelle Arrangeure das Klangbild. Musiker wie Eddie Durham und Buck Clayton schrieben weiterhin Arrangements, hinzu kamen unter anderem Andy Gibson, Tab Smith, Buster Harding und Jimmy Mundy. Arrangements wie I Never Knew, Louisiana und Harvard Blues entfernten die Band allmählich von ihren Wurzeln im Kansas-City-Jazz. Die Head Arrangements und Riffs verloren an Bedeutung; das Ensemblespiel wurde zum vorherrschenden Merkmal.

Die Band trat in führenden Theatern und Clubs auf, unternahm 1943 ausgedehnte Tourneen und wurde durch Filme wie Stage Door Canteen, Mr. Big und Crazy Horse in den Vereinigten Staaten bekannter. Zu den Erfolgstiteln gehörten 9:20 Special, Feedin’ the Bean, Harvard Blues, Rusty Dusty Blues und Taps Miller. Der Eintritt der USA in den Zweiten Weltkrieg führte jedoch zum Verlust wichtiger Musiker, darunter Jo Jones und Lester Young. Mit lauteren Schlagzeugern wie Sonny Payne veränderte sich der weiche und relaxte Stil zu einem härteren, glamouröseren Blechbläserklang.

Zusätzlich belastete der Schallplattenstreik von 1942 bis 1944 die wirtschaftliche Lage aller Big Bands. Basie musste das Orchester 1948 vorübergehend auflösen und reaktivierte es 1949 mit Shoutin’ Blues. Zwischenzeitlich spielte er auch in kleineren Besetzungen mit sechs bis neun Musikern und versuchte kurz, Bebop-Elemente einzubeziehen. 1950/51 arbeitete er vor allem im Septett, unter anderem mit Clark Terry und Wardell Gray.

The Second Testament und die Zusammenarbeit mit Sängern

Anfang 1951 gründete Basie eine neue Big Band; Marshall Royal wurde künstlerischer Leiter. 1952 schloss Basie einen Vertrag mit Norman Granz’ Label Clef, und Eddie Lockjaw Davis kam in die Band. Ab 1952 wurde das Orchester erneut umbesetzt und ging auf Tourneen; 1954 trat es auch in Europa auf. Das erste Clef-Album war Dance Session.

Das neue Klangbild entstand vor allem durch Arrangeure wie Manny Albam, Quincy Jones, Johnny Mandel, Sammy Nestico, Chico O’Farrill, Neal Hefti, Frank Wess, Frank Foster und Ernie Wilkins. Die neue Band wurde The Second Testament oder The New Testament genannt, im Gegensatz zur Old Testament Band der Zeit ab 1937. Mit Alben wie The Atomic Mr. Basie von 1958 erlangte sie große Popularität. Erfolgsnummern waren unter anderem Li’l Darling, Going to Chicago Blues, Alright, Okay, You Win, Shiny Stockings und April in Paris. Von 1954 bis 1961 sang Joe Williams mit der Band; sein Hit Every Day I Have the Blues erschien 1955.

Der Klang der späten 1950er und frühen 1960er Jahre war ein straffes, schwereres und kräftigeres Ensemblespiel. Im Vergleich zur früheren, auf Riffs beruhenden Band standen nun die Arrangements stärker im Mittelpunkt. Das Album The Atomic Mr. Basie wurde im Oktober 1957 für Roulette aufgenommen. In den 1960er Jahren arbeitete das Orchester mit Frank Sinatra, Ella Fitzgerald, Tony Bennett, Sarah Vaughan und Sammy Davis Jr.; in den 1970er Jahren entstanden zahlreiche Alben für Norman Granz’ Pablo Records.

Späte Geschichte, Auszeichnungen und Dokumentation

Die Zusammenarbeit mit Frank Sinatra dauerte von 1962 bis 1983 und umfasste Studio- und Live-Alben, Fernsehsendungen und Tourneen. Sinatra–Basie. An Historic Musical First erschien 1963 und erreichte Platz 5 der Billboard-Charts. 1964 folgte Sinatra–Basie: It Might As Well Be Swing. A Meeting of Giants, das bis auf Rang 13 kam. Das Stück Fly Me to the Moon wurde 1969 auf dem Flug von Apollo 10 und bei der Mondlandung von Apollo 11 verwendet. Zu den gemeinsamen Höhepunkten gehörten Konzerte in Las Vegas, beim Newport Jazz Festival, in der Londoner Royal Festival Hall sowie das Live-Doppelalbum Sinatra at The Sands von 1966. 1974 und 1975 trat Basie außerdem gemeinsam mit Sinatra und Ella Fitzgerald auf; die Zusammenarbeit mit Ella Fitzgerald endete 1983 in der Carnegie Hall.

Krankheiten verhinderten zwischen 1970 und Anfang der 1980er Jahre wiederholt, dass Basie selbst das Orchester leitete. Ab 1981 dirigierte er es vom Rollstuhl aus. Nach seinem Tod am 26. April 1984 wurde die Band als Ghost Band fortgeführt: zunächst unter Thad Jones (1984–1986), danach unter Dennis Wilson, Frank Foster (1986–1995), Grover Mitchell (1995–2003), Bill Hughes (2003–2010), Dennis Mackrel und schließlich Scotty Barnhart. Zu späteren Veröffentlichungen gehören Vocalese mit Manhattan Transfer (1985), At Long Last mit Rosemary Clooney (1997/98), Basie is Back (2006) und Basie Swings the Blues (2023).

Die Band gewann 17 Grammy Awards, zuletzt 1997 für Live at Manchester Craftsmen’s Guild und 1999 für Count Plays Duke. Seit 1983 erhielt sie im Down Beat Reader’s Poll elfmal die Auszeichnung als beste Big Band. Weitere Auszeichnungen waren der Down Beat Critic’s Poll 1984, 1986, 1991, 1993 und 1994 sowie der JazzTimes Critic’s und Reader’s Poll 1994 und 1995. Zu den wichtigen Aufnahmesammlungen und Alben zählen The Original American Decca Recordings (1936–1939), Shoutin’ Blues (1949/50), Dance Session, April in Paris, The Atomic Mr. Basie und mehrere Sinatra- und Ella-Fitzgerald-Produktionen. Im Film trat die Band erstmals 1938 in Policy Man auf; weitere Auftritte folgten unter anderem in Stage Door Canteen, Cinderfella und 1974 in Blazing Saddles.

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