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Conrad Felixmüller

Conrad Felixmüller. deutscher Maler des Expressionismus und der Neuen Sachlichkeit. Artikel · Diskussion. Sprache; PDF herunterladen; Beobachten · Bearbeiten.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Überblick und künstlerisches Profil
  2. 2. Ausbildung und expressionistische Anfänge
  3. 3. Sozialkritik und sachlich-realistische Phase
  4. 4. Verfolgung im Nationalsozialismus und Neubeginn
  5. 5. Werke, Auszeichnungen und Nachlass

Überblick und künstlerisches Profil

Conrad Felixmüller, seit 1968 amtlich Konrad Felixmüller, hieß bei seiner Geburt am 21. Mai 1897 in Dresden Konrad Felix Müller. Er starb am 24. März 1977 in Berlin-Zehlendorf. Er war ein deutscher Maler des Expressionismus und der Neuen Sachlichkeit.

Sein Gesamtwerk umfasst etwa 2.500 Arbeiten aus Malerei, Zeichnung und Graphik. Der Mensch ist darin das Hauptmotiv. Als sozialkritischer Expressionist stellte er Szenen des Alltags kraftvoll dar. Typische Merkmale seiner Figuren sind hervorgehobene Stirnen und großformatige Augen. Sein Stil wird als individuell geprägter Expressiver Realismus bezeichnet. In den 1920er-Jahren wählte er zunehmend Motive aus dem Familienkreis.

Ausbildung und expressionistische Anfänge

Felixmüller begann bereits mit zwölf Jahren ein Musikstudium am Dresdner Konservatorium, gab es 1911 jedoch auf. Im Herbst 1912 studierte er an der Dresdner Kunstgewerbeschule, die insbesondere Menschen aus mittellosen Schichten auf einen graphischen Beruf vorbereiten sollte. Mit 15 Jahren trat er in die Dresdner Kunstakademie ein; mit 17 wurde er Meisterschüler von Carl Bantzer. Holzschnitt, Kupfer- und Stahlstich sowie Radierung eignete er sich selbst an.

Seit 1915 arbeitete er freischaffend. 1916 stellte er in der Berliner Galerie Sturm und 1917 in der Münchner Galerie Hans Goltz aus. Der Kunsthändler Emil Richter vertrieb seit 1915 seine Graphiken und sicherte ihn damit materiell relativ ab. 1917 verweigerte Felixmüller den Militärdienst und wurde als Krankenwärter zwangsverpflichtet. Von 1918 an förderte ihn der Kunstsammler Heinrich Kirchhoff zwei Jahre lang; in diesem Zusammenhang entstand das Familienbildnis Kirchhoff (1920, heute Museum Wiesbaden).

1919 wurde er mit Lasar Segall, Otto Dix und Otto Griebel Gründungsmitglied und Präsident der Dresdner Sezession Gruppe 1919. Außerdem gehörte er der Novembergruppe an. Von 1919 bis 1924 war er Mitglied der KPD. Den Künstlernamen „Felixmüller“ nahm er 1924 auf Anraten eines Kunsthändlers an.

Sozialkritik und sachlich-realistische Phase

1920 erhielt Felixmüller den Sächsischen Staatspreis, der gewöhnlich mit einem zweijährigen Romaufenthalt verbunden war. Stattdessen hielt er sich länger im Arbeitermilieu des Ruhrgebiets auf. Die dort entstandenen sozialkritischen Bilder zeigen teils prekäre Arbeits- und Lebensbedingungen des Proletariats.

Seit 1917 lieferte er Bildbeiträge für die linken Zeitschriften Die Aktion und Menschen. Fast alle Holzschnitte und Zeichnungen, die er von 1919 bis 1924 an Die Aktion gab, wurden unmittelbar für diese Zeitschrift geschaffen. Er verstand seine Kunst damals als gesellschaftliche Aufgabe und als Parteinahme für den Kommunismus. Später löste er sich von den Klassenkampfidealen und verbrannte oder übermalte einen Teil dieser Werke. Das 1920 entstandene Ruhrrevier II wurde von seinem Sohn Titus wieder in den Originalzustand zurückversetzt und befindet sich heute im LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster.

Nach einer neusachlich ausgerichteten Zwischenphase zu Beginn der 1930er-Jahre wandte er sich idyllischen und eher sentimentalen Themen zu. Diese wurden teils als kitschig, teils als harmlos-unauffällig empfunden. Die von ihm mutmaßlich angestrebte Gunst des Nationalsozialismus gewann er dennoch nicht, weil führende NS-Kulturpolitiker seine frühere linkssozialistische Kunstauffassung gegen ihn verwendeten.

Verfolgung im Nationalsozialismus und Neubeginn

Die nationalsozialistische Machtübernahme hatte schwere Folgen für Felixmüller. 1933 wurden zahlreiche Werke in Dresden in der Ausstellung „Entartete Kunst“ geächtet. 1937 wurde sein Gemälde Klarinettenübung zunächst vom Verein Berliner Künstler ausgezeichnet; danach erzwangen die Nationalsozialisten seinen Ausschluss aus dem Verein. Seine Bilder wurden aus allen öffentlichen Sammlungen entfernt. Etwa 40 Werke waren 1937 in der Münchner Ausstellung „Entartete Kunst“ vertreten, und zwischen 1938 und 1939 wurden insgesamt 151 seiner Werke vernichtet.

Felixmüller zog 1934 nach Berlin-Charlottenburg und wählte eine innere Emigration, also einen Rückzug aus dem öffentlichen politischen Leben bei fortgesetzter künstlerischer Arbeit. Auf Reisen nach Norwegen und England malte er vor allem Landschaften. Wegen drohender Bombardierungen zog er 1941 nach Darmsdorf, nachdem sein Berliner Wohnsitz 1944 zerstört worden war nach Tautenhain bei Leipzig. Nach kurzem Kriegsdienst 1944/45 geriet er 1945 in sowjetische Kriegsgefangenschaft.

Nach seiner Rückkehr 1945 stellte er erstmals wieder in Altenburg aus. Ab 1948 leitete er den Arbeitskreis sorbischer bildender Künstler und wirkte am Aufbau des sorbischen Kunstlebens mit. 1949 wurde er Professor an der Pädagogischen Fakultät der Universität Halle und lehrte dort bis 1961. Nach der Emeritierung lebte er wieder in Berlin-Köpenick, siedelte 1967 nach Berlin-Zehlendorf in West-Berlin über und ließ 1968 Vor- und Familiennamen amtlich in Konrad Felixmüller ändern.

Werke, Auszeichnungen und Nachlass

Zu den wichtigen Werken gehören Raoul Hausmann (1920, Lindenau-Museum Altenburg), Titus im Herbstwald (1924), Luca im Papierhut (1926), Selbstbildnis mit Frau (1927, Stiftung Museum Kunstpalast, Düsseldorf), Hochofenarbeiter (1927, Deutsches Historisches Museum, Berlin) und Zeitungsjunge (1928, Lindenau-Museum Altenburg). Außerdem schuf er 1951/52 Emporenbilder für die Jacobuskirche in Tautenhain sowie 1957 ein etwa 145 × 265 cm großes Wandbild für den dortigen alten Kindergarten.

Er erhielt 1920 den Sächsischen Staatspreis (Rompreis) für Frauenbild Schwangere im Herbstwald, 1928 den Großen Preis für Malerei des Sächsischen Kunstvereins für Liebespaar von Dresden, 1931 erneut den Sächsischen Staatspreis für Malerei und 1974 die Goldmedaille der Internationalen Grafik-Biennale Florenz.

Sein schriftlicher, ebenfalls künstlerisch bedeutender Nachlass befindet sich seit 1980 im Deutschen Kunstarchiv des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg. Das Museum Gunzenhauser in Chemnitz besitzt über 114 Werke; weitere Bestände liegen unter anderem im Lindenau-Museum Altenburg, in der Neuen Nationalgalerie, im Berliner Kupferstichkabinett und in der Berlinischen Galerie.

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