Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Catharina von Georgien
Catharina von Georgien ist ein deutsches Drama der Barockzeit von Andreas Gryphius, das exemplarisch den Konflikt zweier Kulturen zeigt, der sich in der …
Inhalt3 Abschnitte
Werk und Grundkonflikt
„Catharina von Georgien oder Bewehrete Beständigkeit“ ist ein deutschsprachiges Trauerspiel der Barockzeit von Andreas Gryphius. Es entstand zwischen 1647 und 1650 und erschien erstmals 1657. Die Handlung spielt an einem einzigen Tag, vom Sonnenaufgang bis zum Ende des Tages, am königlichen Hof in Schiras in Persien.
Im Mittelpunkt steht der Konflikt zwischen der christlichen Königin Catharina und dem muslimischen Perserkönig Schah Abas. Catharinas Beständigkeit bedeutet, dass sie an ihrem christlichen Glauben festhält und ihrem ermordeten Mann treu bleiben will. Dadurch wird sie zur Märtyrerin, also zu einer Person, die wegen ihres Glaubens leidet und stirbt.
Handlung
Catharina, Königin von Georgien, hat ihr Reich zunächst gegen Schah Abas verteidigt. Angesichts der Übermacht geht sie jedoch in das feindliche Lager, um Frieden zu erbitten. Schah Abas verliebt sich in die stolze Königin, nimmt sie gefangen und hält sie mehrere Jahre in einem Kerker fest.
Ein Gesandter des Zaren hat einen Friedensvertrag zwischen Persien und Russland ausgehandelt und bittet um Catharinas Freilassung. Schah Abas sagt sie zunächst zu, bricht sein Versprechen aber, weil er Catharina nicht verlieren will. Er bietet ihr die Ehe und die persische Krone an. Catharina lehnt ab: Sie beharrt auf dem Bekenntnis zu Christus und will ihrem ermordeten Mann nicht untreu werden.
Daraufhin lässt Schah Abas sie foltern und schließlich auf dem Scheiterhaufen verbrennen. Nach ihrem Tod verzweifelt er. Die verklärte Märtyrerin prophezeit ihm Gottes Strafe; sie tritt innerhalb des Stücks jedoch nicht ein.
Historischer Bezug
Als Quelle für das Trauerspiel diente Claude Malingres Geschichtensammlung „Histoires tragiques de nostre temps“. Der historische Schah Abbas I. der Große regierte von 1587 bis 1629 und gehörte dem Geschlecht der Safawiden an. Ab 1620 bekämpfte er Kachetien im Osten der damaligen iranischen Provinz Georgien. Dem Kampf fielen Hunderttausende zum Opfer; 1625 musste Schah Abbas I. das von Teimuras I., Catharinas Sohn, regierte Königreich Georgien anerkennen.
Katharina von Georgien wurde 1565 in eine adlige georgische Familie geboren, heiratete David I., den Prinzen von Kachetien, und wurde 1601 Königin. Erzählungen zufolge stellte sie sich 1614 bei Verhandlungen über Kachetiens Unabhängigkeit als Geisel zur Verfügung. Schah Abbas wollte sie zur Abkehr vom Christentum und zum Übertritt zum Islam bewegen. Als sie sich weigerte, wurde sie mit glühenden Eisenstangen gefoltert und starb 1624 in persischer Gefangenschaft.
Portugiesische Mönche brachten ihren rechten Arm in ein Augustinerkloster in Velha Goa in Indien. Dort wurde er bis zum Einsturz des Klosters 1842 als Reliquie aufbewahrt. DNA-Analysen des Centre for Cellular & Molecular Biology (CSIR) lassen vermuten, dass der Fund tatsächlich von einer westeurasischen Frau stammt. 2021 übergab der indische Außenminister Subrahmanyam Jaishankar die Reliquien in Georgien.