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Candomblé-Musik
Beide Trommeln spielen i. d. R. das gleiche Begleitmuster, das einen dichten Teppich unter die Phrasen der Rum legt. Im Candomblé de Angola (und im …
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Kern und Bedeutung
Candomblé-Musik ist die Musik der afro-brasilianischen Candomblé-Religion. Sie ist ein elementarer Bestandteil der religiösen Zeremonien und bildet zusammen mit Tanz und Gesang eine Einheit. Im Mittelpunkt stehen Trommeln, gemeinsamer Gesang und ritueller Tanz.
Candomblé entstand im 17. Jahrhundert in Brasilien. Stilistische Vorläufer sind traditionelle afrikanische Musikformen, die versklavte Menschen nach Brasilien brachten. Typische Instrumente sind Atabaque, Gã und früher auch Xekerê. Aus der Candomblé-Musik gingen oder wurden beeinflusst: Afoxé, Maracatú und Axé.
Afrikanische Wurzeln und Verwandtschaften
Der Ursprung des Candomblé liegt in Westafrika. Angehörige vor allem der Yoruba, Ewe, Fon und Bantu brachten im Zuge der Sklaverei ihre Religion und die dazugehörige Musik nach Brasilien.
Die Musiktradition des Candomblé ist deshalb eng verwandt mit der Santería auf Kuba und dem Voodoo auf Haiti. Diese Religionen haben eine ähnliche Entstehungsgeschichte, entwickelten sich aber jahrhundertelang voneinander isoliert und beeinflussten sich nicht gegenseitig. Die gemeinsamen Ursprünge zeigen sich besonders im Liedrepertoire: Viele Lieder werden sowohl im Candomblé als auch in der Santería auf Yoruba gesungen und sind häufig identisch. Die begleitende Trommelmusik kann jedoch unterschiedlich sein.
Auch Macumba und Umbanda in Brasilien haben afrikanische Ursprünge. Ihre Zeremonien werden ebenfalls von Gesang und Trommeln begleitet, besitzen aber eigene Musiktraditionen.
Ritual und Orixás
In der Zeremonie werden die Gottheiten, die Orixás, durch Trommeln, Gesang und Tanz angerufen. Die verschiedenen Rhythmen heißen Toques. Manche Toques werden nur für einen bestimmten Orixá gespielt, andere können mit unterschiedlichen Gesängen für mehrere Orixás verwendet werden.
Insgesamt gibt es mehr als 50 verschiedene Rhythmen. Je nach Gemeinschaft gibt es bis zu 500 verschiedene Gesänge. Die Orixás werden bei jeder Zeremonie in einer festen Reihenfolge angerufen: zuerst immer Exú, der Türhüter. Danach folgen Ogum, Oxóssi, Obaluaiê, Ossaim, Oxumaré, Xangô, Oxum, Iansã, Nanã, Iemanjá und Oxalá.
Ensemble, Rollen und Trance
Das Musikerensemble besteht grundsätzlich aus drei Trommlern und einer Aufschlagglocke. Der Leiter des Ensembles hat die Funktion eines Ogã, also einer ranghohen Persönlichkeit innerhalb der Gemeindehierarchie. Er wird Alabê oder Ogã de atabaque genannt.
In einem Candomblé-Terreiro, also einer Candomblé-Gemeinde oder Kultstätte, können viele hohe und höchste Positionen von Frauen besetzt sein. Der Bereich der Trommler ist jedoch den Männern vorbehalten. Die Gemeinde singt in einem Wechselgesang mit einem Vorsänger: Eine Person singt vor, die Gruppe antwortet.
Die Initiierten, im Artikel als heilige Kinder bezeichnet, können beim Tanz in Trance fallen. Für die Musiker ist dies nicht vorgesehen; es ist sogar ausgeschlossen. Ihre Aufgabe ist es, die musikalische Struktur der Zeremonie zu tragen.
Instrumente und Spielweisen
Gespielt wird auf Atabaques, conga-ähnlichen Trommeln in drei Tonhöhen. Die tiefste Trommel heißt Rum. Sie hat eine leitende Funktion, markiert einzelne Abschnitte von Tanz und Gesang und ist die einzige Trommel mit Freiheit zum geregelten Improvisieren. Die etwas höher gestimmte Trommel heißt Rumpi, die höchste heißt Lê.
Das vierte Instrument ist die Gã, auch Gongue genannt. Sie spielt die Clave, also ein festes rhythmisches Grundmuster. Ursprünglich gehörte auch die Xekerê zum Instrumentarium, sie ist aber im Laufe der Zeit fast überall verschwunden.
Die verschiedenen Nationen, auf Portugiesisch Nações, unterscheiden sich musikalisch besonders in der Spielweise der Atabaques. Im Candomblé de Ketu wird die Rum mit einer Hand und einem Stock gespielt, Rumpi und Lê mit zwei dünnen Stöcken. Rumpi und Lê spielen in der Regel dasselbe Begleitmuster und legen dadurch einen dichten rhythmischen Teppich unter die Phrasen der Rum. Im Candomblé de Angola und im Candomblé de Caboclo werden dagegen alle drei Trommeln mit den Händen gespielt, ähnlich wie auf einer Conga. Dort haben Rumpi und Lê verschiedene Stimmen.
Viele Toques stehen in 6/8 oder 12/8, es gibt aber auch Rhythmen auf 2/4-Basis. Vassi kann für alle Orixás gespielt werden und steht in 6/8. Agueré ist ein Toque für Oxóssi und steht in 2/4.
Einfluss und Beispiele
Die Toques werden in Zeremonien zur Anrufung der Gottheiten verwendet, sind aber nicht ausschließlich religiösen Zwecken vorbehalten. Die Afoxé-Musik Bahias geht unmittelbar aus der Musik des Candomblé hervor. Auch der Maracatú in Pernambuco hat wahrscheinlich Wurzeln im Ritual des Candomblé.
Viele Candomblé-Rhythmen sind außerdem in die música popular brasileira, kurz MPB, eingegangen. Auch die populäre Axé-Musik, wie sie zum Beispiel Daniela Mercury spielt, ist vom Candomblé beeinflusst.
Als weiterführende Materialien nennt der Artikel unter anderem Tiago de Oliveira Pintos Buch „Capoeira, Samba, Candomble. Afro-brasilianische Musik im Reconcavo, Bahia“ von 1991 sowie Musikbeispiele wie „Candomblé - Documentos Folclóricos Brasileiros“, Dudu Tuccis „Orishas“, „Luis da Muricoca: Candomble de Ketu“, „Afro-Brazilian Ritual“ und „Bresil-Candomble de Angola“.