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Clave

Alle Intros, Outros und Breaks (Cierres) orientieren sich ebenso wie Melodien und Begleitmuster und die Musiker selbst an der „Richtung“ der Clave. Die …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und Formen
  2. 2. 6/8 und 4/4
  3. 3. Übergänge und ungerade Metren
  4. 4. Brasilien und Popmusik
  5. 5. Musikalische Bedeutung
  6. 6. Scheinbares Drehen

Grundidee und Formen

Die Clave ist ein rhythmisches Muster in afrikanisch geprägter lateinamerikanischer Musik. In ihrer elementarsten traditionellen Form wird sie durch das Gegeneinanderschlagen zweier Klanghölzer erzeugt, die ebenfalls Claves heißen. Sie dient als Fundament oder „Schlüssel“ vieler Musikstücke: Sie ordnet den Rhythmus über zwei Takte und gibt Musikerinnen und Musikern Orientierung.

Alle Clave-Variationen sind sich ständig wiederholende zweitaktige Rhythmusmuster. Sie können als 3-2 oder 2-3 gespielt werden. Bei 3-2 stehen im ersten Takt drei Schläge und im zweiten Takt zwei Schläge; bei 2-3 ist die Reihenfolge umgekehrt. Unterschieden werden Claven vor allem nach der Taktart, also 4/4 oder 6/8, und danach, ob die drei Schläge der 3er-Seite gleichmäßig verteilt sind oder ob der dritte Schlag um ein Achtel nach hinten verschoben ist. Dadurch kann dieser Schlag auch wie eine vorgezogene Eins des zweiten Taktes wirken.

Zu den genannten Arten gehören Son-Clave, Rumba-Clave und Bossa-Nova-Clave. Die Terminologie ist laut Artikel nicht einheitlich und nicht eindeutig: So gibt es die „Rumba-Clave“ in der hier verwendeten Bedeutung nur in der verbreitetsten Form der afrokubanischen Rumba, dem Guaguancó.

6/8 und 4/4

Die 6/8-Clave gilt als die ursprüngliche Clave. Sie soll von Sklaven aus Afrika nach Lateinamerika gebracht worden sein, besonders von Menschen aus dem Kongo nach Kuba. Sie wird heute noch in der Musik verschiedener afrikanischer Völker als Glockenfigur und als musikalisches Konzept verwendet. In der afrokubanischen Folklore kommt sie in der rituellen Musik der Santería und in der Rumba-Variante Columbia vor. Eine gängige Variante wird auch als 6/8-Glocke gespielt, in der kubanischen Columbia parallel zur auf Klanghölzern gespielten Clave. Auffällig ist die Ähnlichkeit zur Rumba-Clave; der Artikel nennt die Annahme, dass sich die Rumba-Clave ursprünglich aus der 6/8-Clave entwickelt hat.

Rumba-Clave und Son-Clave werden im 4/4-Takt gespielt. Auf ihnen, meistens, aber nicht immer auf der Son-Clave, basiert ein großer Teil der kubanischen und daraus entwickelten lateinamerikanischen Populärmusik, zum Beispiel Son, kurz für Son Cubano, Bolero, Salsa und Timba.

Im Bereich der Rumba ist die Bezeichnung besonders kompliziert. Die Columbia basiert auf einem 6/8-Rhythmus und verwendet die 6/8-Clave. Der Yambú lässt sich im 4/4-Takt notieren und verwendet die Son-Clave. Nur der Guaguancó im 4/4 verwendet die hier so genannte Rumba-Clave. Ein anderer Sprachgebrauch nennt jede Clave, deren dritter Schlag auf das letzte Achtel vor dem zweiten Takt fällt und dadurch wie eine vorgezogene Eins wirken kann, Rumba- oder Afro-Clave. Dann können sowohl die 6/8-Clave als auch die hier Rumba-Clave genannte 4/4-Clave gemeint sein.

Wie die 6/8-Clave hat auch die 4/4-Clave fünf Schläge, die auf zwei Takte verteilt sind. Spielt man zuerst die drei Schläge und dann die zwei, heißt sie 3-2-Clave; vertauscht man die beiden Takte, entsteht die 2-3-Clave. Die Rumba-Clave unterscheidet sich von der Son-Clave nur dadurch, dass ein Schlag im Takt von der 4 auf die 4+ verschoben wird.

Übergänge und ungerade Metren

Zwischen 6/8-Clave und 4/4-Claven gibt es einen wichtigen Unterschied: In der 6/8-Clave ist das Zeitintervall zwischen dem 3. und 4. Schlag genauso lang wie das Zeitintervall zwischen dem 4. und 5. Schlag. Das unterscheidet sie grundlegend von den 4/4-Claven. Trotzdem können Hörerinnen und Hörer 6/8- und 4/4-Claven als „gleich“ empfinden, wenn in einem Stück die Taktart unmittelbar von 4/4 zu 6/8 oder umgekehrt wechselt. Der Artikel beschreibt dies als eine Art „akustische Täuschung“.

In den 90er Jahren wurde die Clave weiterentwickelt. Besonders Vertreter der New Yorker Latin-Jazz-Szene erweiterten sie für ungerade Metren, also Taktarten mit ungerader oder ungewöhnlicher Zählweise. So entstanden Claven im 7/4- oder 10/4-Takt. Als wichtige Vertreter dieser Richtung nennt der Artikel Danilo Pérez mit der CD „Central Avenue“, David Sánchez mit „Melaza“, Sebastian Schunke mit „Symbiosis“, Antonio Sánchez und den Bassisten John Benitez.

Brasilien und Popmusik

Auch traditionelle afrobrasilianische Musikstile, zum Beispiel die Musik des Candomblé, werden von einer Clave strukturiert. Diese wird üblicherweise auf einer Cowbell gespielt, die Gã oder Gonguê genannt wird.

In der moderneren populären brasilianischen Musik, darunter Samba und Samba Reggae, gibt es laut Artikel dagegen keine wirkliche Clave. Stattdessen wird im Samba eine linha rítmica, also eine rhythmische Leitlinie oder Guideline, verwendet. Beispiele sind der Partido Alto oder die sogenannte „Bossa-Clave“. Solche Patterns werden von Agogôs gespielt oder von Caixas oder Repiques akzentuiert. Der wesentliche Unterschied zu einer Clave ist, dass die linha rítmica variationsreich umspielt wird und dadurch weniger fest als ein unverändertes Clave-Pattern wirkt.

In westlicher Popmusik kommt vor allem die 3-2-Clave häufig vor. Sie erscheint oft als Begleitmuster, manchmal nur angedeutet, manchmal deutlich ausgespielt. Ein bekanntes Beispiel ist der auf der Gitarre gespielte Bo Diddley Beat, der als eine Art Signatur-Rhythmus des Rock-’n’-Roll-Pioniers Bo Diddley beschrieben wird. Als Beispiele nennt der Artikel die von den Rolling Stones eingespielte Bo-Diddley-Komposition „Mona“ und George Michaels Stück „Faith“.

Musikalische Bedeutung

Die Clave ist mehr als ein einzelnes Rhythmusmuster. Der Artikel beschreibt sie als grundlegendes Konzept der afrikanisch geprägten Musik Lateinamerikas. Besonders wichtig ist ihre Zweitaktigkeit. Die 3er-Seite baut Spannung auf, die auf der 2er-Seite wieder abgebaut wird. Dieser Spannungsbogen prägt das Arrangement des gesamten Stücks.

Intros, Outros und Breaks, im Artikel auch Cierres genannt, orientieren sich ebenso an der „Richtung“ der Clave wie Melodien, Begleitmuster und die Musiker selbst. In der Regel läuft die Clave durch das ganze Stück hindurch und verändert sich nicht. Das eigentliche Clave-Pattern muss dabei nicht immer hörbar gespielt werden. Es kann in der Musik mitpulsieren und aus den Percussionrhythmen oder aus den vom Piano gespielten Montunos herausgehört werden.

Geübte Musiker wissen intuitiv, ob sie sich auf der 2er- oder 3er-Seite der Clave befinden. So behalten sie auch bei Variationen oder Improvisationen ihre rhythmische Orientierung. Spielt jemand in der falschen oder verdrehten Clave, sagt man, er spiele cruzado, spanisch für „über Kreuz“. Der Artikel erklärt diesen störenden Effekt mit zwei besonders wichtigen Stellen: dem 2. Schlag der 3er-Figur, der eine Synkope ist, und dem ersten Schlag der 2er-Figur, der auf dem Beat liegt. Eine Synkope ist eine Betonung gegen die erwartete Zählzeit. Wenn Beat und Synkope hier ungünstig aufeinandertreffen, entsteht ein Bremseffekt, der den Rhythmus stört.

Scheinbares Drehen

Obwohl die Clave in einem Stück normalerweise unverändert weiterläuft, kann der Eindruck entstehen, sie wechsle plötzlich von 2-3 zu 3-2 oder umgekehrt. Der Artikel nennt dies ein scheinbares „Drehen“ der Clave. Es tritt auf, wenn einzelne Teile eines Stücks eine ungerade Anzahl von Takten haben. Beim Wechsel in den nächsten Teil verschiebt sich dann der gefühlte Beginn der musikalischen Einheit gegenüber der weiterlaufenden Clave.

Ein typischer Fall findet im Son beim Übergang vom erzählenden Teil zum Montuno-Teil statt. Dieser Montuno-Teil ist im Call-and-Response-Muster aufgebaut, also als Wechsel zwischen Solosänger und Chor. Häufig fehlt im letzten Durchgang eines 4-, 8- oder 16-Takt-Musters ein Takt. Die Clave läuft unverändert weiter, aber der rhythmische Schwerpunkt verschiebt sich auf den 2er-Teil. Dadurch wirkt der Rhythmus treibender.

Dieser Eindruck wird durch mehrere musikalische Mittel verstärkt: den Wechsel zum repetitiven Call-and-Response-Muster, die „Beschleunigung“ durch den fehlenden Takt, oft zusätzlich durch Akzente der ganzen Band auf den letzten beiden Clave-Schlägen oder durch einen Auftakt eines Instrumentalsolisten, meist Trompete. Außerdem kann der Bongo-Spieler auf die Glocke wechseln, meist erst nach dem ersten Call-and-Response-Durchgang. In Salsa kann ein Timbales-Spieler von der Cáscara auf die lautere Timbales-Glocke wechseln, und oft gibt es eine allmähliche Temposteigerung. Im traditionellen Aufbau geschieht dieser Übergang nur einmal.

In der Salsa wird der traditionelle Aufbau teilweise durch das aus der Popmusik übernommene Strophe-Refrain-Muster ersetzt. Dann kann ein solcher Wechsel mehrmals im Stück zwischen Strophe und Refrain auftreten. Beginnt ein Stück zum Beispiel in 3-2 und führt nach vier Takten Intro in eine Strophe, bleibt diese zunächst ebenfalls in 3-2. Hat die Strophe aber fünf Takte, also eine ungerade Anzahl, beginnt der folgende Refrain auf der 2er-Seite der Clave. Dadurch entsteht beim Hören der Eindruck, die Clave habe sich gedreht, obwohl sie tatsächlich weiterläuft.

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