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Caesars Britannienfeldzüge
Caesars Britannienfeldzüge waren zwei militärische Invasionen in Britannien, die der römische Feldherr und spätere Diktator Gaius Iulius Caesar in den Jahren 55 …
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Ziele und Bedeutung der Feldzüge
Caesars Britannienfeldzüge waren zwei militärische Invasionen der Insel Britannien durch Gaius Iulius Caesar in den Jahren 55 und 54 v. Chr. Sie gehörten zum Gallischen Krieg. Dauerhafte römische Eroberungen gelangen dabei nicht; erst etwa 100 Jahre später, unter Kaiser Claudius, wurde ein Teil der Insel zur römischen Provinz Britannia.
Caesar begründete sein Vorgehen damit, dass Britonen gallische Stämme im Kampf gegen Rom unterstützt hätten. Flüchtige Belger seien auf der Insel aufgenommen worden, und die mit Britannien Handel treibenden Veneter hätten dort 56 v. Chr. um militärische Hilfe gebeten. Weitere mögliche Beweggründe werden in den Quellen und der Forschung unterschiedlich bewertet: die Suche nach Bodenschätzen und Perlen, die Verlängerung seines Kommandos sowie der Wunsch, sein militärisches Ansehen in der römischen Innenpolitik zu steigern. Die Unternehmungen brachten nur geringe militärische und wirtschaftliche Ergebnisse, verschafften Caesar aber Prestige und neue Kenntnisse über Britannien.
Erste Invasion
Caesar begann den Feldzug erst im Spätsommer 55 v. Chr. und setzte relativ wenige Kräfte ein. Wahrscheinlich war zunächst vor allem eine militärisch abgesicherte Erkundung der den Römern wenig bekannten Insel geplant. Kaufleute lieferten keine brauchbaren Angaben über Bevölkerung, Kriegführung oder Landungsplätze. Der Tribun Gaius Volusenus erkundete deshalb vermutlich die Küste Kents mit einem Kriegsschiff, ging jedoch nicht an Land und kehrte nach fünf Tagen zurück. Caesar sandte außerdem den mit Rom verbündeten Atrebatenkönig Commius voraus, um britannische Stämme für ein Bündnis zu gewinnen.
In der Nacht überquerte Caesar mit 80 Transportschiffen und einer unbekannten Zahl von Kriegsschiffen den Ärmelkanal. An Bord befanden sich zwei Legionen, die Legio VII und Legio X. Seine Reiterei sollte auf 18 weiteren Schiffen folgen. Der Ausgangshafen wird nicht genannt; wahrscheinlich handelte es sich um Portus Itius beim heutigen Saint-Omer oder Wissant.
Am zunächst ausgewählten Küstenabschnitt warteten bewaffnete Britonen auf Hügeln und Klippen. Caesar segelte deshalb sieben Meilen weiter. Der traditionell bei Dover vermutete erste Landungsort ist nicht sicher; auch die Gegend bei Deal kommt infrage. Weil die großen Schiffe nicht bis an den Strand fahren konnten, mussten die römischen Soldaten durch tieferes Wasser oder in kleinen Booten an Land gelangen. Britonische Reiter und Streitwagenkämpfer griffen sie dabei an. Ein Adlerträger soll die zögernden Legionäre ermutigt haben, indem er zuerst ins Wasser sprang. Geschütze und Schleuderbleie der Kriegsschiffe drängten die Verteidiger zurück, sodass die Römer landen und sie vertreiben konnten. Eine Verfolgung war ohne die noch fehlende Kavallerie nicht möglich.
Caesar errichtete einen Stützpunkt an der Küste. Britonische Gesandte baten um Frieden und stellten nach Caesars Darstellung Geiseln. Dann trieb ein Sturm die Schiffe der römischen Reiterei nach Gallien zurück. Eine Springflut und derselbe Sturm beschädigten oder zerstörten zahlreiche weitere Schiffe. Da die Britonen nun Caesars schwierige Lage erkannten, nahmen sie den Kampf wieder auf und versuchten, die Römer von Nahrungsmitteln abzuschneiden. Eine fouragierende, also Lebensmittel beschaffende Legion geriet beim Abernten eines Feldes in einen Hinterhalt. Caesar kam ihr mit vier Kohorten zu Hilfe. Später schlug er einen Angriff auf sein Lager zurück und ließ fliehende Gegner verfolgen sowie Gehöfte verbrennen.
Wegen der fortgeschrittenen Jahreszeit und der beschädigten Schiffe schloss Caesar Frieden. Er verdoppelte zwar die Zahl der verlangten Geiseln, ließ aber zu, dass sie später nach Gallien gebracht würden; nur zwei Stämme erfüllten diese Forderung. Anschließend kehrte er zum Festland zurück. Obwohl der Feldzug keinen großen Erfolg gebracht hatte, bewirkte Caesars Bericht in Rom ein zwanzigtägiges Dankfest, eine sogenannte Supplicatio.
Zweite Invasion
Die zweite Invasion war wesentlich besser vorbereitet. Caesar ließ im Winter flachere und breitere Schnellsegler bauen, die leichter beladen und an den Strand gezogen werden konnten. Nach seiner Rückkehr aus Illyrien standen etwa 600 solcher Schiffe und 28 Kriegsschiffe bereit. Im Portus Itius sammelte er fünf Legionen und 2000 Reiter. Viele gallische Adlige nahm er mit, um während seiner Abwesenheit Aufstände zu verhindern; der widerstrebende Dumnorix wurde getötet. Labienus blieb mit einer beträchtlichen Armee zurück, um die gallische Küste zu sichern, Getreidenachschub zu gewährleisten und Gallien ruhig zu halten.
An einem Julitag 54 v. Chr. lief Caesar nach Sonnenuntergang mit angeblich 800 Schiffen aus. Nach einer nächtlichen Abdrift erreichte er mittags den Landungsplatz des Vorjahres. Nach neueren Forschungen lag er vermutlich auf der Isle of Thanet im Nordosten Kents. Die Landung blieb diesmal unangefochten. Caesar ließ Quintus Atrius mit zehn Kohorten und 300 Reitern bei der Flotte zurück. Nach einem Nachtmarsch von zwölf Meilen traf er wahrscheinlich am Fluss Stour auf britannische Streitwagenkämpfer, vertrieb sie und nahm eine befestigte Stellung im Wald ein.
Ein erneuter Sturm zerstörte 40 Schiffe. Caesar unterbrach deshalb die Verfolgung, ließ die gesamte Flotte innerhalb von zehn Tagen an Land ziehen, mit Mauern an das Lager anschließen und möglichst weitgehend reparieren. Danach nahm er den Kampf wieder auf. Die Britonen übertrugen Cassivellaunus, einem Fürsten nördlich der Themse, den Oberbefehl. Bei den folgenden Gefechten fiel der römische Tribun Quintus Laberius Durus. Drei Legionen und die Kavallerie unter Gaius Trebonius schlugen später einen britannischen Angriff während der Nahrungsmittelbeschaffung zurück.
Caesar zog zur Themse, deren einzige seichte Furt wahrscheinlich bei Westminster lag. Die Britonen hatten das gegenüberliegende Ufer befestigt und Spitzpfähle am Ufer sowie im Fluss angebracht. Dennoch überquerten die Römer den Fluss. Cassivellaunus vermied nun den offenen Kampf und setzte 4000 bewegliche Wagenkämpfer ein. Mit Guerillataktik griffen sie verstreute Römer in schwer zugänglichem Gelände an. Gleichzeitig wurden Lebensmittel und Vieh aus dem Zugriffsbereich der Legionen entfernt.
Caesar gewann jedoch britannische Verbündete. Die Trinovanten unterstützten ihn, nachdem Cassivellaunus ihren König gestürzt und dessen Sohn Mandubracius vertrieben hatte. Caesar setzte Mandubracius wieder als Herrscher ein. Danach unterwarfen sich auch Cenimagnen, Segontiaken, Ankaliten, Bibroker und Casser. Sie verrieten die Lage von Cassivellaunus’ Oppidum, einer durch Wall und Graben befestigten Siedlung in schwer zugänglichem Wald- und Sumpfgelände. Caesar eroberte die Anlage und erbeutete viel Vieh. Ihr Standort ist umstritten: Traditionell wird sie bei Wheathampstead nordöstlich von Verulamium, dem heutigen St. Albans, vermutet; alternativ gilt Wallbury Camp bei Bishop’s Stortford als möglicher Ort.
Cassivellaunus befahl daraufhin den vier Königen von Kent – Cingetorix, Carvilius, Taximagulus und Segovax –, das römische Schiffslager anzugreifen. Die römischen Wachmannschaften schlugen den Angriff zurück und nahmen den Häuptling Lugotorix gefangen. Cassivellaunus bat durch Commius um Frieden. Caesar akzeptierte, weil er Aufstände in Gallien befürchtete und wegen der späten Jahreszeit nicht in Britannien überwintern wollte. Er verlangte Geiseln und jährliche Tribute und untersagte Angriffe auf die Trinovanten. Am 26. September berichtete er Cicero, dass er Geiseln, aber keine große Beute gewonnen habe. Er kehrte mit allen Truppen nach Gallien zurück und ließ keine Besatzung zurück. Die Forderungen konnten daher kaum dauerhaft durchgesetzt werden. Militärisch war die Expedition aufwendig und wenig ertragreich, brachte Caesar aber einen innenpolitischen Prestigegewinn gegenüber seinem Rivalen Gnaeus Pompeius Magnus.
Erkenntnisse über Insel und Bevölkerung
Britannien war Griechen und Römern spätestens seit der Reise des Pytheas von Massalia im 4. Jahrhundert v. Chr. bekannt. Caesar sammelte durch eigene Beobachtungen sowie durch Befragungen gallischer Kaufleute und britannischer Fürsten zusätzliche Informationen. Diese Kenntnisse wurden in den folgenden 100 Jahren durch Handel und diplomatische Missionen erweitert, bildeten aber wahrscheinlich eine wichtige Grundlage für die Invasion unter Kaiser Claudius im Jahr 43 n. Chr.
Caesar beschrieb Britannien als dreieckige Insel mit einem Gesamtumfang von 2000 Meilen. Er erwähnte außerdem Hibernia, das heutige Irland, und Mona, die Isle of Man. Das Winterklima sei wärmer als in Gallien. Durch Messungen stellte er fest, dass die Nächte kürzer als auf dem Festland waren.
Die Britonen erschienen ihm als den Galliern ähnliche „Barbaren“. Die Bewohner der südlichen Küstengebiete bezeichnete er als eingewanderte gallische Eroberer. Gleiche Stammesnamen auf beiden Seiten des Ärmelkanals, darunter Atrebaten und Belger, stützten diese Beobachtung. Caesar berichtete, die Britonen lebten polygam, trügen lange Haare und bemalten sich zur Abschreckung im Krieg blau. In den Küstenregionen wurde auf großen Flächen Getreide angebaut; in den gebirgigeren nördlichen Binnengebieten überwog die Viehwirtschaft. Das Druidentum sei aus Britannien nach Gallien gelangt, und die genaue religiöse Ausbildung finde weiterhin auf der Insel statt.
Besonders ausführlich behandelte Caesar die britannische Kriegführung. Für die Römer ungewöhnlich war der Einsatz von Streitwagen, mit denen die Britonen täglich übten. Als Bodenschätze nannte Caesar Zinn, das zur Herstellung von Bronze verwendet wurde und im Binnenland abgebaut werde, geringe Eisenvorkommen an der Küste sowie importiertes Kupfer. Als Zahlungsmittel dienten Kupfer- oder Goldmünzen.