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Buddenbrooks (2008)

Das Familiendrama Buddenbrooks (2008) ist die vierte Verfilmung des gleichnamigen Romans (1901) von Thomas Mann. Regisseur Heinrich Breloer hatte sich zuvor …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Film und Romanadaption
  2. 2. Herstellung und Veröffentlichung
  3. 3. Umgang mit dem Roman
  4. 4. Inszenierung und Gestaltung
  5. 5. Schauspiel, Auszeichnungen und Hörfilm

Film und Romanadaption

Buddenbrooks ist ein deutsches Familiendrama aus dem Jahr 2008. Es ist die vierte Verfilmung des 1901 erschienenen gleichnamigen Romans von Thomas Mann. Regie führte Heinrich Breloer, das Drehbuch schrieben Breloer und Horst Königstein. Die Kinofassung dauert 150 Minuten; für das Fernsehen gibt es eine 180-minütige Fassung als Zweiteiler mit je 90 Minuten. Der Film ist ab 6 Jahren freigegeben (FSK 6, JMK 6).

Im Mittelpunkt steht die Familie Buddenbrook. Wichtige Figuren sind Tony Buddenbrook (Jessica Schwarz), Thomas Buddenbrook (Mark Waschke), Christian Buddenbrook (August Diehl), Konsul Jean Buddenbrook (Armin Mueller-Stahl), Konsulin Bethsy Buddenbrook (Iris Berben), Gerda Buddenbrook (Léa Bosco) und Hanno Buddenbrook (Raban Bieling). Musik komponierte Hans Peter Ströer, die Kamera führte Gernot Roll, den Schnitt übernahm Barbara von Weitershausen.

Die Verfilmung übernimmt nicht die gesamte Figurenfülle des Romans: Die erste Generation der Familie wurde weggelassen, die Kinder des Konsuls wurden auf drei reduziert. Außerdem enthält der Film erfundene Elemente, etwa die Ballszene zu Beginn.

Herstellung und Veröffentlichung

Frühere Verfilmungen des Romans entstanden 1923, 1959 und 1979. Gernot Roll hatte bereits bei der Produktion von 1979 als Kameramann gearbeitet. Für die Fassung von 2008 entwickelten Roll und Breloer ein neues Kamerakonzept. Moderne, beweglichere Technik sollte laut Breloer ermöglichen, den Gefühlen der Darsteller intensiver nahezukommen.

Breloer war zuvor vor allem durch Dokudramen bekannt, darunter der Fernsehmehrteiler Die Manns über Thomas Manns Familie. Buddenbrooks war sein erster fiktionaler Spielfilm. Die Herstellung kostete 16,2 Millionen Euro und war für die mitproduzierende Bavaria Film das teuerste Projekt seit Das Boot. Unter anderem konnte das Buddenbrooks-Haus dafür in einem Kölner Studio rekonstruiert werden.

Die Uraufführung fand am 16. Dezember 2008 in der Lichtburg in Essen statt, in Anwesenheit von Bundespräsident Horst Köhler. Bis Ende Juli 2009 sahen den Film in deutschen Kinos über 1,2 Millionen Besucher. Die deutsche Erstausstrahlung der TV-Fassung erfolgte am 23. Dezember 2010 auf Arte. Das Erste zeigte die beiden Folgen am 27. und 28. Dezember 2010: Folge 1 erreichte 3,44 Millionen Zuschauer und 9,9 % Marktanteil, Folge 2 4,24 Millionen Zuschauer und 12,7 % Marktanteil.

Umgang mit dem Roman

Die deutschsprachige Filmkritik beurteilte die Bearbeitung des Romans unterschiedlich. Die Neue Zürcher Zeitung hielt die Kürzungen gegenüber dem Roman für treffend gewählt. FAZ und film-dienst kritisierten dagegen, dass zu viele Figuren fehlten und dem Roman durch die Streichungen Gewalt angetan werde.

Mehrere Kritiken sahen eine Folge der Kürzungen darin, dass der Film gehetzt wirke. Die taz vermisste längere Alltagsszenen und damit die Epik des Romans, also dessen breiten, ausführlichen Erzählcharakter. Epd Film beanstandete besonders, dass die reflektierenden Passagen des Romans nicht filmisch umgesetzt seien. Nach Ansicht der FAZ folgen vor allem Todesfälle zu schnell aufeinander; Die Presse fand, beim Endschnitt sei so viel weggefallen, dass einige Szenen unverständlich blieben. Die taz hielt die Motivation der Figuren oft für unklar. Die Zeit bemängelte zudem, dass die im Roman angeblich sichtbare Abneigung Thomas Manns gegen die gesellschaftliche Unterschicht ausgeblendet worden sei.

Inszenierung und Gestaltung

Einigkeit bestand unter den Kritikern über den großen Aufwand bei Ausstattung und Kostümen sowie über die pittoresken Landschaftsbilder. Die Produktion sei stark auf Schauwerte und Überwältigung ausgerichtet. Die NZZ bewertete diese Betonung der äußeren Gestaltung jedoch als im Einklang mit dem Roman.

Kritisiert wurden der beengte Kamerablickwinkel und eine als fernsehhaft oder konventionell empfundene Bildgestaltung. Besonders negativ fiel vielen Rezensenten die Musik auf: Sie galt als aufdringlich, überdeutlich, charakterlos oder süßlicher Kitsch. Mehrere Kritiken sahen im Film vor allem eine äußerliche Bebilderung des Romans und vermissten eine eigene Sicht Breloers sowie die „existenziellen Tiefen“ des Werks. Andere Urteile waren milder: Die Frankfurter Rundschau fand die Inszenierung zwar steif und musterschülerhaft, insgesamt aber „gar nicht schlecht“ und wegen der Darsteller vergnüglich.

Zur Übertragung von Thomas Manns Leitmotivik, also wiederkehrenden erzählerischen Motiven, gab es gegensätzliche Einschätzungen. Die FAZ meinte, sie sei gekappt worden; Die Presse fand sie gut ins Filmmedium übertragen, kritisierte aber einen zu plakativen Stil. Die im Roman nicht vorkommende Sexszene zwischen Thomas und Gerda Buddenbrook wurde von Kritikern als unpassend, frech oder lachhaft beurteilt.

Schauspiel, Auszeichnungen und Hörfilm

Auch die Darstellungen wurden unterschiedlich bewertet. Die NZZ lobte die präzise psychologische Figurenzeichnung, die Frankfurter Rundschau die Leistung aller fünf Hauptpersonen. Epd Film sah die stärksten Momente dort, wo Breloer den Schauspielern vertraue. Dagegen kritisierten taz und Berliner Zeitung die Schauspielerführung.

Jessica Schwarz als Tony erhielt die positivste Würdigung. FAZ und Berliner Zeitung bemerkten, dass Tony zur Hauptfigur des Films gemacht werde; Epd Film nannte sie das „lebendige Zentrum des Films“. Mark Waschke als Thomas wurde teils als konturlos, überwiegend aber als glaubhaft, tief und eindringlich beurteilt. August Diehl als Christian wurde entweder stark gelobt oder als maskenhafte Karikatur abgewertet. Armin Mueller-Stahl als Konsul und Iris Berben als Konsulin wurden von FAZ und Berliner Zeitung kritisiert.

Die Filmbewertungsstelle Wiesbaden verlieh dem Film das Prädikat „besonders wertvoll“. Szenenbildner Götz Weidner und Kostümbildnerin Barbara Baum erhielten für die Ausstattung den Bayerischen Filmpreis 2008. Die von Arte für Fernsehausstrahlungen produzierte und von Hans Mittermüller gesprochene Audiodeskription wurde 2011 für den deutschen Hörfilmpreis nominiert.

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