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Balaton
Blatno aus blato, „Sumpf“) ist der größte Binnensee und der bedeutendste Steppensee Mitteleuropas. Er liegt im Westen Ungarns und ist 79 km lang und im Mittel 7 …
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Überblick und Lage
Der Balaton, deutsch auch Plattensee, liegt in Westungarn in der Mitte Transdanubiens. Er ist der größte Binnensee und der bedeutendste Steppensee Mitteleuropas. Der See ist ein wichtiges Natur-, Wirtschafts- und Erholungsgebiet sowie neben Budapest eines der wichtigsten Tourismusziele Ungarns.
Der Balaton liegt zwischen dem Südostrand des Bakony-Gebirges, dem Somogyer Hügelland und der Landschaft Mezőföld. Er ist 79 km lang, im Mittel 7,8 km und maximal 12,7 km breit. Seine Fläche betrug 2018 etwa 594 km², sein Umfang 195 km und sein Volumen 1,9 km³. Der Wasserspiegel liegt ungefähr 104 m über dem Meeresspiegel. Das Einzugsgebiet, aus dem Wasser in den See gelangt, umfasst 5800 km².
Der See ist mit durchschnittlich 3,25 m sehr flach; seine maximale Tiefe beträgt 12,5 m. Bei der Halbinsel Tihany verengt er sich auf 1,3 km, wobei zwei Drittel seiner Fläche westlich dieser Stelle liegen. Das Südufer fällt sehr flach ab. Am Nordufer befinden sich unter anderem die Weinberge des Tafelbergs Badacsony und Ausläufer des Bakony-Gebirges. Wegen der geringen Tiefe erwärmt sich das Wasser schnell und kann im Sommer mehr als 30 °C erreichen.
Der Balaton entstand vor etwa 15.000 Jahren im Holozän durch Erosion; vermutlich wurde sein Becken durch Wind ausgeweht. Bei Keszthely bildeten sich zunächst mehrere kleine Seen, die sich verbanden und innerhalb von 5000 Jahren nach Nordosten ausdehnten. Basaltsäulen am Badacsonyberg, der Geysirkegel von Tihany und der Thermalsee von Hévíz erinnern an den früheren Vulkanismus der Region.
Wasserhaushalt und Bewegungen
Der wichtigste Zufluss ist die 138 km lange Zala mit einem mittleren Abfluss von 7 m³/s. Sie fließt zunächst in den Kis-Balaton, dessen Sümpfe und Schilfgebiete als natürlicher Wasserfilter wirken. Danach tritt sie mit Sauerstoff angereichert und gereinigt aus dem Sumpfgebiet aus und mündet in den Balaton. Zusätzlich speisen etwa 30 ständige und 20 zeitweise wasserführende Bäche den See. Der künstliche Abfluss ist der Sió-Kanal, der Wasser über die Sió-Schleuse bis in die Donau leitet.
Der Wasserstand hängt von Niederschlag, Zuflüssen, Verdunstung und der Regelung an der Sió-Schleuse ab. Jährlich gelangen knapp eine Milliarde Kubikmeter Regenwasser auf das 5800 km² große Einzugsgebiet. Davon fallen etwa 370 Mio. m³ direkt auf den See; rund 500 Mio. m³ fließen über die Zala und andere Bäche zu. Steigt der Pegel über die obere Marke von 110 cm, kann die Schleuse geöffnet werden. Der Pegel wird gegenüber dem Nullpunkt der Messlatte in Siófok gemessen, der 103,41 m über der Ostsee liegt. Seit 1977 beträgt der vorgesehene Regelbereich 70 bis 110 cm.
Wassermangel tritt zunehmend auf: Zwischen 2000 und 2003 sank der Pegel bis auf 23 cm, 2012 lag er bei etwa 40 cm. Die Verdunstung kann den Wasserstand an einem Tag um bis zu 1 cm beziehungsweise 6 Mio. m³ senken. Projekte sollen den Folgen des Klimawandels entgegenwirken.
Wind erzeugt meist 0,5 bis 2 m hohe Wellen. Durchschnittliche Wellen sind etwa 1 m hoch und 2 bis 12 m lang; nach dem Abflauen des Windes verschwinden sie innerhalb von zwei Stunden. Die größten gemessenen Wellen erreichten nahe dem Ufer 1,82 m und in der Seemitte 1,95 m. Wind kann außerdem große Wassermengen verlagern: Am 14. Mai 1962 sank der Pegel bei Keszthely innerhalb von neun Stunden um 45 cm, während er bei Alsóörs um 52 cm stieg.
Wind und Erdrotation bestimmen auch die Strömungen. An der Oberfläche fließt das Wasser hauptsächlich nach Nordosten, am Grund besteht eine Rückströmung von Ost nach West. Zwischen Tihany und Szántód wurden in der engen Verbindung zweier Seebecken Geschwindigkeiten bis 2 m/s gemessen.
Wetter, Klima und Eis
Am Balaton herrscht gemäßigtes Kontinentalklima mit durchschnittlich etwa 2100 Sonnenstunden im Jahr. Juni, Juli und August sind am wärmsten; die durchschnittlichen Tageshöchsttemperaturen liegen um 26 °C, nachts sind es ungefähr 19 °C. Der Juli bietet knapp zehn Sonnenstunden täglich. In Siófok beträgt die mittlere Jahrestemperatur nach den Daten von 1981 bis 2010 11,3 °C, die jährliche Niederschlagssumme 554 mm. Der August ist mit 69 mm der niederschlagreichste Monat, obwohl der Regen durchschnittlich nur an acht Tagen fällt.
Die Hauptwindrichtung ist im Südwesten um Tihany und Keszthely Nord, im Osten Nordwest. Außerhalb des Frühlings und Sommers treten häufiger Südost- und Südwestwinde auf. Stürme können für die Schifffahrt gefährlich sein: Böen erreichen mitunter innerhalb von 10 bis 20 Minuten 30 bis 35 m/s. Der stärkste gemessene Windstoß betrug am 13. Juli 1961 129,6 km/h. Der April ist der windreichste, der September der windärmste Monat. Vom 1. Mai bis 30. September warnt ein Observatorium in Siófok in zwei Stufen über Leuchtsignale an 24 Stellen rund um den See vor Stürmen.
Wegen seiner geringen Tiefe friert der Balaton normalerweise vollständig zu. Im Durchschnitt besteht die geschlossene Eisdecke 47 Tage, meist von Ende Dezember bis Ende Februar. Das früheste Zufrieren wurde am 24. November 1914, das späteste Aufbrechen am 30. März 1926 beobachtet. Eisfreie Winter benötigen ungefähr eine durchschnittliche Wintertemperatur von +3 °C. Laut einer 2020 veröffentlichten Studie haben eisfreie Winter seit den 1980er Jahren zugenommen; aufgrund der globalen Erwärmung könnte der See bis 2100 nur noch in jedem zweiten Winter zufrieren.
Natur- und Landschaftsschutz
Der Balaton und seine Umgebung sind Lebensraum zahlreicher seltener und geschützter Arten, darunter viele wärmeliebende Pflanzen und Tiere. Fast das gesamte Ufer wird von einem breiten Schilfgürtel gesäumt, der am flachen Südufer mehrere hundert Meter breit sein kann. An den sonnigen Hängen des Nordufers wachsen Mandelbäume; außerdem gedeihen Feigen, Granatäpfel und Wein.
Am See kommen 250 Vogelarten vor, davon 27 streng geschützte Arten. Dazu gehören Waldohreule, Schwarzstorch, Schwarzspecht, Kormorane, verschiedene Reiher und Löffler. Unter den Reptilien ist besonders die für Menschen ungefährliche und geschützte Würfelnatter verbreitet. Außerdem leben dort Ringelnatter, Europäische Sumpfschildkröte, Mauereidechse, Östliche Smaragdeidechse und Zauneidechse. Rund 1000 Insektenarten sind nachgewiesen, darunter ungefähr 800 Schmetterlingsarten.
Der 1997 auf 56.000 ha gegründete Nationalpark Balaton-Oberland schützt seltene Arten und geologische Besonderheiten. Er reicht von der Halbinsel Tihany bis zum Moor des Kis-Balaton. Zu seinen Besonderheiten zählen Geysirkegel, die Steinmeere des Káler Beckens, versteinerte Überreste des Pannonischen Meeres und seltene Pflanzen im Keszthely-Gebirge.
Der Kis-Balaton war früher eine große südwestliche Bucht und diente rund 2000 Jahre lang als biologischer Filter. Ablagerungen der Zala, Torfbildung und menschliche Eingriffe trennten ihn vom Balaton; von 60 km² Wasserfläche blieb nur 0,5 km² übrig. Nachdem die Reinigungswirkung nachließ, verschlechterte sich die Wasserqualität des Balatons. 1966 führte die hohe anorganische Nährstoffbelastung der Zala in der Bucht von Keszthely zu einer Blaualgenblüte. Deshalb begann 1976 die Renaturierung.
Heute erstreckt sich der Kis-Balaton wieder über 22 km und kann 28 Mio. m³ Wasser speichern. Sein Wasserspiegel liegt 1 bis 2 m über dem des Balatons. Das Fenéker und das Hídvéger Becken filtern das Wasser wieder auf natürliche Weise. Der Kis-Balaton gehört seit 1979 zu den Feuchtgebieten der Ramsar-Konvention, seit 1997 zum Nationalpark und außerdem zu Natura 2000. Von insgesamt 18.000 ha Schutzgebiet sind mehr als 1400 ha besonders geschützt und nur mit fachlicher Begleitung zugänglich.
Im Büffelreservat Kápolnapuszta läuft seit 1992 ein Schutz- und Zuchtprogramm. Die Büffelpopulation wuchs dort von 16 auf mehr als 200 Tiere. 2007 wurden 120 Muttertiere und Kälber nach Zalavár verlegt; etwa 100 Büffel blieben im Reservat. Dort lebt auch eine Herde altungarischer Graurinder.
Wirtschaft, Verkehr und Schifffahrt
Tourismus, Weinbau, Fischerei und Schifffahrt prägen die Wirtschaft am Balaton. 2004 wurden in der Region rund eine Million Touristen und 4,3 Millionen Übernachtungen gezählt. Deutsche Gäste stellten 21,3 % aller Besucher und damit etwa die Hälfte der ausländischen Touristen.
Die Fischerei besitzt eine mehr als 2000-jährige Tradition. Im See leben insgesamt 50 Fischarten; ungefähr 15 werden von Berufsfischern gefangen. Zu den wichtigsten gehören Balaton-Zander, Aal, Amur, Blei, Güster, Hecht, Karausche, Karpfen, Schleie und Wels. Der Zander gilt als „König des Balatons“. Fischwilderei und frühere intensive Fischerei ließen die Bestände zurückgehen. Große Welse werden vor allem in der bis zu 13 m tiefen Rinne bei Tihany gefangen.
Auch der Weinbau reicht über 2000 Jahre zurück. Bedeutende Gebiete sind Balatonmellék, Badacsony, Balatonfüred/Csopak, Balatonboglár und Balatonfelvidék. Angebaut werden unter anderem Olaszrizling, Szürkebarát, Kéknyelű, Furmint, Chardonnay, Leányka, Merlot und Cabernet Sauvignon.
Der See ist gut erschlossen. Seit 1861 verläuft am Südufer eine Bahnstrecke, seit 1909 auch am Nordufer. Jeder Ort am Balaton ist per Zug erreichbar; größere Orte sind über InterCity-Verbindungen an Budapest und andere Städte angeschlossen. Hinzu kommen Fernbusse, der Flughafen Hévíz-Balaton, ein regionaler Flugplatz bei Siófok sowie die Autobahn M 7 entlang des Südufers. Die Hauptstraße Nr. 71 folgt dem Nordufer.
Die meisten Uferorte besitzen einen Hafen. Es gibt Ausflugs- und Linienfahrten; zwischen Tihanyrév und Szántód überquert eine Autofähre den See in zehn Minuten. Der Ausbau der Eisenbahn und der zunehmende Tourismus führten besonders seit den 1960er-Jahren zu einem Aufschwung der Schifffahrt.
Freizeit und Tourismus
Der Balaton bietet Baden, Angeln, Segeln, Surfen, Radfahren und Reiten. Das flache Südufer eignet sich besonders zum Baden: Noch 200 bis 300 m vom Ufer entfernt ist das Wasser weniger als 1 m tief und erwärmt sich schnell. Das schwach alkalische Wasser wird im Sommer alle zwei Wochen kontrolliert. Neben kostenpflichtigen Strandbädern bestehen viele frei zugängliche Badestellen.
Angler dürfen außerhalb der Schonzeiten unter anderem Karpfen, Hecht, Wels und Zander fangen. Dafür ist eine Angelkarte erforderlich; geangelt wird von Stegen oder Charterbooten. Der See ist außerdem Ungarns wichtigstes touristisches Segelgebiet. Segelyachten bis 50 Fuß Länge verkehren trotz der geringen Tiefe. Boote mit Verbrennungsmotor sind grundsätzlich verboten; Ausnahmen gelten für Hilfsmotoren beim Ein- und Ausfahren aus Häfen sowie bei weniger als einem Beaufort Windstärke.
Bei durchschnittlich 3 bis 4 Windstärken eignet sich der See zum Surfen. April, Mai, September und Oktober sind besonders windreich, während Juli und August eher für Anfänger geeignet sind. Seit 2004 führt der 200 km lange Balatoni Körút um den See. Fahrradabteile in vielen Zügen und die Fahrradmitnahme auf Schiffen erleichtern Tagestouren.
Zu den regelmäßigen Veranstaltungen gehören die Segelregatta Kékszalag, das Durchschwimmen von Révfülöp nach Balatonboglár, Weinwochen und Winzerfeste, das Balaton Sound Festival, das Kunstfestival Művészetek völgye sowie der rund 220 km lange Ultramarathon Ultrabalaton.