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Attersee
Der Attersee (auch Kammersee) ist ein See im oberösterreichischen Teil des Salzkammergutes im Bezirk Vöcklabruck und liegt auf 469 m ü.
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Überblick und Geographie
Der Attersee (auch Kammersee) ist ein See im oberösterreichischen Salzkammergut im Bezirk Vöcklabruck, auf 469 m ü. A. gelegen. Mit einer Wasserfläche von 46,2 km² ist er der größte ganz in Österreich liegende See, mit 169 m Tiefe der nach dem Traunsee zweittiefste See Österreichs und beim Wasservolumen von fast 4 Milliarden Kubikmetern nur vom gesamten Bodensee übertroffen. Der See ist 18,9 km lang, maximal 3,3 km breit, hat einen Umfang von 48,5 km und eine mittlere Tiefe von 85 m. Einzugsgebiet: 464 km². Der See ist nährstoffarm, seit 2006 Natura-2000-Gebiet und ein wichtiges Tourismus-, Bade-, Tauch- und Segelrevier. Am Ufer liegen Überreste jungsteinzeitlicher Pfahlbausiedlungen, die zur UNESCO-Welterbestätte 'Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen' gehören. Größere Orte am Ufer sind Seewalchen und Schörfling im Norden, Weyregg und Steinbach im Osten sowie Unterach, Nußdorf und Attersee im Westen; das Südufer zwischen Unterach und Weißenbach gehört zu Salzburg. Die einzige Insel trägt das Schloss Litzlberg. Einziger Abfluss ist die Ager, die über die Traun in die Donau entwässert. Etwa 87 Prozent des Ufers sind durch Verbauung deutlich beeinträchtigt (Massivverbauung in den 1970er/1980er Jahren), nur 13 Prozent gelten als naturnah. Der See ist im Besitz der Österreichischen Bundesforste. Das Seebecken gliedert sich in drei Teilbecken (Süd-, Zentral- und Nordbecken); die tiefste Stelle (169 m) liegt im Südbecken etwa 1 km nördlich von Weißenbach. 2014 meldeten Taucher nach eigenen Angaben eine Stelle mit 172,6 m Tiefe. Im Zentralbecken liegen drei Unterwassererhebungen, darunter der Laichberg, der von 120 m Beckentiefe bis auf 49 m unter die Wasseroberfläche reicht. Verkehr: West Autobahn (Anschlussstellen Seewalchen und St. Georgen), die Attersee Straße (B151) am Westufer, die Seeleiten Straße (B152) am Ostufer, sowie zwei Nebenbahnen: die 1882 eröffnete, normalspurige elektrische Strecke 'Kammerer Hansl' nach Kammer und die 1913 eröffnete meterspurige Atterseebahn von Attersee nach Vöcklamarkt. Bis 1914 geplante weitere Bahnstrecken wurden wegen des Ersten Weltkriegs nie ausgeführt.
Hydrologie
Der Attersee bildet das Endglied einer Seenkette: Fuschlsee und Irrsee entwässern in den Mondsee, dessen Wasser über die 2,9 km lange Seeache bei Unterach in den Attersee fließt. Die Seeache erbringt 58 Prozent des Gesamtzuflusses; weitere Zuflüsse sind u. a. Weyregger Bach, Alexenauer Bach, Kienbach, Äußerer Weißenbach, Dexelbach und Parschallenbach. Der Abfluss erfolgt am Nordende bei Seewalchen in die Ager. Die Wassererneuerungszeit beträgt 7 Jahre – die höchste theoretische Austauschrate aller oberösterreichischen Seen. Die durchschnittliche Wassertemperatur liegt bei 13,7 °C (Gemessen 2007–2010: Minimum 3,5 °C, Maximum 21,1 °C). Der Wasserstand wird durch ein Klauswehr am Ausrinn reguliert; dadurch liegt der Pegel im Durchschnitt um 20 cm höher und der natürliche Jahresgang ist gedämpft. Frühjahrshochwässer treten heute etwa einen Monat früher auf als früher (März–April statt April–Mai), Niedrigwasser im Herbst. Von 1897 bis 1913 betrug das Mittelwasser 469,02 m ü. A. mit maximalem Schwankungsbereich von 137 cm; 1976–2000 lagen die Werte bei 469,22 m ü. A. und 109 cm. Im August 2026 führte anhaltende Dürre zu einem Pegel von nur 90 cm in Kammer (Mittelwassergrenze: 146 cm); der Abfluss wurde einstweilig auf konstant 4,5 m³/s begrenzt (regulär bis zu 7,5 m³/s).
Geologie und Entstehung
Geologisch liegt der Attersee im Bereich dreier großtektonischer Einheiten: Im Süden die Kalkalpen (Nördliche Kalkalpen aus Staufen-Höllengebirgs-Decke/Tirolikum mit vorgelagerter Langbathzone/Bajuvarikum), dazwischen die Flyschzone mit rhenodanubischem Flysch, der den überwiegenden Teil des Gebiets einnimmt, sowie ein schmaler Streifen des Ultrahelvetikums zwischen Nußdorf und Alexenau. Der See ist wie alle Salzkammergutseen ein Werk eiszeitlicher Gletscher: Der Traungletscher floss vom Dachstein und Toten Gebirge über das Ischtal und Weißenbachtal in das Atterseegebiet und schürfte das übertiefte Zungenbecken aus. Im Spätglazial entstand durch Toteisreste im Süden und einen Moränenwall im Norden ein See auf etwa 550 m ü. A.; die langsame Eintiefung der Ager in die Endmoräne senkte den Seespiegel auf das heutige Niveau. An größeren Zuflüssen entstanden ausgedehnte Deltas (z. B. rund 100 m mächtige Deltasedimente des Äußeren Weißenbachs). Weil Mondsee, Fuschlsee und Zeller See als Geschiebespeicher vorgeschaltet sind, verlandet der Attersee langsamer als andere große Salzkammergutseen; das Seebecken wird in etwa 500.000 Jahren wieder verschwunden sein. Nach der Eiszeit kam es zu großräumigen Massenbewegungen am Hochplettspitz–Hollerberg-Zug; Rutschungen treten bis heute auf. Bei einer Rutschung 1959 zwischen Kammer und Weyregg rutschten bis zu 20 m lange Bäume in 15 bis 30 m Wassertiefe – der unter Tauchern bekannte 'Unterwasserwald'.
Klima und Limnologie
Am Attersee herrscht ein regenreiches, wintermildes Seeklima (Nordrand der Alpen, Nordstaulage). Die Jahresmitteltemperatur liegt im Seebereich bei 7–9 °C; der See wirkt im Winter als Wärmespeicher, das Jännermittel beträgt −1 bis −3 °C (zu den wärmsten in Oberösterreich), bei 100–120 Frosttagen pro Jahr. Das Julimittel liegt bei 16–18 °C; Spätfröste sind bis Mitte Mai möglich. Die jährlichen Niederschläge betragen 1000–1200 mm im Norden und 1400–1600 mm am Südende, mit Maxima von Juni bis August. An der Station Weyregg dominieren tagsüber Nord- bis Nordostwinde (Tagwind, seeaufwärts), nachts besonders im Sommer der Südostwind; die stärksten Winde treten im Jänner auf. Im Winter bildet sich oft wochenlang anhaltender Hochnebel bis etwa 700 m ü. A.; Höhenlagen sind dann nebelfrei. Wetterdaten liefert die Weyregger Station der GeoSphere Austria (Jahresmittel 8,1 °C, Jahressumme Niederschlag 1172 mm). Limnologie: Der Attersee ist ein dimiktischer, tief geschichteter Alpensee – im Frühjahr und Herbst durchmischt der Wind den Wasserkörper vollständig, im Sommer und Winter trennt das Metalimnion Epilimnion und Hypolimnion (über Grund konstant 4,6–4,9 °C). Eine geschlossene Eisdecke ist sehr selten (z. B. 1928/29, 1939/40, 1941/42). Der See ist oligotroph (sehr nährstoffarm); trotz Ringkanalisation (1970er–1980er) gab es 1974–1982 Eutrophierungstendenzen, danach Erholung: seit 1989 liegen die Phosphorkonzentrationen bei 2–3 µg/l. Die Abwässer der Gemeinden gehen zur Kläranlage Lenzing außerhalb des Einzugsgebiets. Mit Sichttiefen bis 20 m ist der Attersee der klarste See Oberösterreichs; die sommerliche milchig-türkise Färbung entsteht durch biogene Entkalkung (11.000–12.000 t Calciumcarbonat pro Jahr). Das Phytoplankton zeigt zwei Maxima: Kieselalgen im Frühjahr (z. B. Tabellaria fenestrata, Asterionella formosa), Grünalgen im Sommer (Geminella minor), dazu Dinoflagellaten (z. B. Ceratium hirundinella). Das Crustaceenplankton besteht aus zehn Arten, überwiegend Ruderfußkrebse (75–80 % der Biomasse); mit durchschnittlich 15 Crustaceen pro Liter ist der See planktonarm.
Tiere, Pflanzen und Naturschutz
Der Attersee gehört zum fischökologischen Typ 'Elritzensee' (große, tiefe Seen in etwa 400–1100 m Seehöhe); Leitfischart ist die Elritze. Weitere Arten sind u. a. Aal, Aitel, Hecht, Flussbarsch, Karpfen, Seeforelle, Seelaube, Seesaibling, Wels und Zander; Vertreter der Gattung Coregonus heißen lokal Reinanken, für Attersee und Mondsee ist die Art Attersee-Reinanke (Coregonus atterensis) beschrieben. Auffälligster Vogel ist der Höckerschwan (1932 angesiedelt), der als einzige Art am Attersee brütet. Häufig sind Stockente, Lachmöwe, Haubentaucher und Zwergtaucher; nur im Winter kommen auch Reiher-, Schell-, Tafel- und Eiderente sowie Blässhuhn (Maximum Jänner–März) vor. Füttern von Wasservögeln ist verboten, wird aber getan und hält den Bestand unnatürlich hoch. Steinkrebs und Edelkrebs waren bis in die 1970er Jahre heimisch, starben aber durch die eingeschleppte Krebspest vom Signalkrebs aus; der Steinkrebs überlebte nur in isolierten Zubringerbächen. Flora: Bei einer Kartierung 2009 wurden 46 Pflanzenarten nachgewiesen, davon 37 submerse, sieben Röhricht- und zwei Schwimmblattarten; die Armleuchteralgen (14 Taxa) dominieren mit 83 % der Pflanzenmasse, häufigste Art ist die Dunkle Glanzleuchteralge (Nitella opaca). Etwa die Hälfte der Arten steht in den Roten Listen Österreichs. Ein geschlossener Schilfgürtel fehlt; das Röhricht wird von der Gewöhnlichen Teichbinse dominiert. Die submerse Vegetation reicht wegen des klaren Wassers bis 22 m Tiefe und zeigt eine deutliche Tiefenzonierung. Schwimmblattvegetation (Weiße Seerose, Gelbe Teichrose) ist nur marginal ausgebildet. Naturschutz: Der Attersee ist Teil des 6134,4 Hektar großen Europaschutzgebiets Mond- und Attersee (AT3117000); Schutzgüter sind oligo- bis mesotrophe kalkhaltige Gewässer mit Armleuchteralgen-Vegetation sowie Perlfisch und Seelaube. 2015 wurde am Klauswehr eine Fischtreppe errichtet. Zwischen Aufham und Altenberg liegt der seit 1987 geschützte Aufhamer Uferwald (N150), ein naturnaher Rotbuchenwald mit 1,8 Hektar Fläche.
Wirtschaft, Tourismus und Sport
Der Attersee ist ein bedeutendes Tourismusziel: Der Sommertourismus (Mai bis September) ist wichtigste Wertschöpfungsquelle; ein Drittel der Gäste kommt aus dem Inland, zwei Drittel aus dem Ausland. Wintertourismus spielt kaum eine Rolle; wegen Wetterabhängigkeit und fehlender Schlechtwetterprogramme sind die Nächtigungszahlen rückläufig, während Tagesgäste aus Linz und Salzburg zunehmen. Seit 1999 existiert die Ferienregion Attersee, seit 2019 tritt der Tourismusverband Attersee-Attergau auf. Einige Seebäder der Bundesforste, des Landes oder der Gemeinden sind öffentlich zugänglich. Schifffahrt: Die kommerzielle Attersee-Schifffahrt wurde 1869 gegründet und wird heute von der Stern Schifffahrt GmbH betrieben (Rundkurs Nord: Seewalchen–Weyregg, Rundkurs Süd: Weyregg–Unterach). Fischerei: kaum noch Hauptberuf, meist Nebenerwerb; der See ist in 56 Fischereirechte gegliedert, der Besatz umfasste 1997 1,5 Mio. Reinanken, 0,5 Mio. Hechte und 350.000 Maränen, der Gesamtfang liegt bei ca. 5–7 kg/ha. Sport: Der Attersee ist ein beliebtes Segel- und Surfrevier mit acht Segelclubs (größter: Union-Yacht-Club Attersee, gegründet 1886). Bekannt ist der 'Rosenwind', eine Thermik, die bei Schönwetter am späten Vormittag eine gleichmäßige frische Brise erzeugt; zweite Hauptwindrichtung ist der böige Westwind. Im Juli und August gilt ein Verbot von Verbrennungsmotoren (Ausnahmen: Berufsfischerei, Linienschifffahrt, Rettung und Feuerwehr). Der Attersee ist auch ein beliebtes Tauchgebiet (gute Sicht, Steilabfälle am Ostufer); an der 'Schwarzen Brücke' wurden zwischen 1971 und Februar 2009 13 tödlich verunglückte Taucher geborgen, 2005 erreichte Hans Brandstätter mit 165 m einen österreichischen Rekord. Jährlich im Mai findet ein autofreier Rad-Erlebnistag statt (48 km Runde; 2018 über 50.000 Teilnehmer), im September das Zeitfahren 'King of the Lake' (2018 ca. 1200 Fahrer). Sicherheit: Fünf Ortsstellen der Österreichischen Wasserrettung (Litzlberg, Seewalchen, Nußdorf, Unterach, Weyregg); die Ortsstelle Nußdorf ist mit über 450 Mitgliedern die größte Oberösterreichs. Geschichte: Jungsteinzeitliche Pfahlbausiedlungen (ältester Fund aus Seewalchen, um 3900 v. Chr., Mondseekultur); 2011 wurden die Fundorte Abtsdorf I und III sowie Litzlberg Süd UNESCO-Welterbe. Auf dem Buchberg stand eine spätbronzezeitliche Höhensiedlung (ca. 1300–800 v. Chr.). Es folgten keltisch-römische Siedlungsspuren (Villa rustica in Weyregg) und die bajuwarische Landnahme; der Königshof 'Atarnhova' auf dem Kirchberg wurde 885 erstmals erwähnt. Die Flößerei war jahrhundertelang ein wichtiger Wirtschaftsfaktor: Ab 1604 wurde Holz für die Saline Ebensee transportiert (rund 400 Raummeter pro Woche), 1877 endete dieser Transport mit der Salzkammergutbahn, die Flößerei insgesamt Mitte des 20. Jahrhunderts. In der Kunst: Landschaftsmaler wie Franz Steinfeld und Rudolf von Alt schufen Atterseebilder; Gustav Klimt verbrachte 1900–1916 die Sommer am See (u. a. Ansichten von Schloss Kammer und der Insel Litzlberg); Gustav Mahler komponierte 1893–1896 in Steinbach, dort stellte er 1894 seine 2. und 1895/96 seine 3. Symphonie fertig. Der Maler Christian Ludwig Attersee (* 1940) machte den Namen des Sees zu seinem Künstlernamen.