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Arno Herzig
... Geschichte, zur Reformationsgeschichte und Konfessionalisierung sowie zur Geschichte Schlesiens. Er führte das Konzept der Rekatholisierung, das sich an der …
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Überblick
Arno Herzig (geboren am 19. Juni 1937 in Albendorf, Landkreis Glatz, Provinz Niederschlesien) ist ein deutscher Historiker. Sein fachlicher Schwerpunkt ist die Frühe Neuzeit, also die Epoche etwa vom 16. bis zum 18. Jahrhundert. Von 1979 bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2002 lehrte er Geschichte der Frühen Neuzeit am Historischen Seminar der Universität Hamburg. Seine Forschung widmet sich vor allem drei Themen: der deutsch-jüdischen Geschichte, der Reformationsgeschichte und dem Vorgang der Konfessionalisierung sowie der Geschichte Schlesiens. Besondere Bedeutung erlangte das von ihm in die frühneuzeitliche Forschung eingeführte Konzept der Rekatholisierung.
Lebensweg und akademische Laufbahn
Arno Herzig verbrachte seine Kindheit in Grafenort in der Grafschaft Glatz. 1946 wurde er zusammen mit seiner Familie von dort vertrieben. Nach dem Abitur am Gymnasium Josephinum in Hildesheim studierte er Geschichte, Germanistik und Geographie an der Universität Würzburg. Dort wurde er 1966 über die Deutschordenskommende Würzburg promoviert (Doktorprüfung). 1973 folgte die Habilitation, die höchste akademische Prüfung für eine Professur. Von 1979 bis zu seiner Emeritierung (Ruhestand) im Jahr 2002 lehrte er Geschichte der Frühen Neuzeit am Historischen Seminar der Universität Hamburg. Zu seinen Schülern zählt Burghart Schmidt.
Forschungsschwerpunkte und Ehrungen
Herzig hat zahlreiche Forschungsprojekte und Publikationen vorgelegt, unter anderem zur deutsch-jüdischen Geschichte, zur Reformationsgeschichte und Konfessionalisierung sowie zur Geschichte Schlesiens. Konfessionalisierung bezeichnet den Prozess, in dem sich seit der Reformation die christlichen Konfessionen fest ausbilden und prägen. Rekatholisierung meint die Rückführung von Gebieten und Menschen zum katholischen Glauben. Herzig führte das Konzept der Rekatholisierung, das sich an der Konfessionalisierung orientiert, in die frühneuzeitliche Forschung ein. Zu seinem 70. Geburtstag erschien eine Festschrift (eine Sammlung von Fachbeiträgen zu Ehren eines Wissenschaftlers), die nur von polnischen Autoren geschrieben wurde; für einen deutschen Historiker war dies bisher noch nie der Fall. Seit 2002 ist Herzig korrespondierendes Mitglied der Historischen Kommission für Westfalen sowie Mitglied der Historischen Kommission für Schlesien und des Leo-Baeck-Arbeitskreises. 2010 erhielt er insbesondere für seine Aufsätze und Monographien zur Geschichte Schlesiens den Kulturpreis Schlesien des Landes Niedersachsen. Über Gabriel Riesser legte er 2008 ein Lebensbild (Biografie) vor.
Schriften (Auswahl)
Herzig veröffentlichte zahlreiche Monographien (Fachbücher zu einem Thema). Zu seinen Hauptwerken zählen: Judentum und Emanzipation in Westfalen (1973); Der Allgemeine Deutsche Arbeiter-Verein in der deutschen Sozialdemokratie, dargestellt an der Biographie des Funktionärs Carl Wilhelm Tölcke (1817–1893) (1979); Abraham Jacobi. Die Entwicklung zum sozialistischen und revolutionären Demokraten (1980); „In unsern Herzen glüht der Freiheit Schein“ zur bürgerlichen und sozialen Demokratie in Minden 1848–1878 (1981); mit Rainer Sachs: Der Breslauer Gesellenaufstand von 1793 (1987); Unterschichtenprotest in Deutschland 1790–1870 (1988, japanische Übersetzung 1993); Reformatorische Bewegungen und Konfessionalisierung. Die habsburgische Rekatholisierungspolitik in der Grafschaft Glatz (1996); Jüdische Geschichte in Deutschland. Von den Anfängen bis zur Gegenwart (1997, zweite Auflage 2002); Der Zwang zum wahren Glauben. Rekatholisierung vom 16. bis zum 18. Jahrhundert (2000); mit Małgorzata Ruchniewicz: Geschichte des Glatzer Landes (2006, zugleich auf Polnisch erschienen) sowie Kleine Geschichte des Glatzer Landes (2011); Gabriel Riesser (2008); Schlesien. Das Land und seine Geschichte in Bildern, Texten und Dokumenten (2008); Jüdisches Leben in Minden und Petershagen (2012); Das Interesse an den Juden in der Frühen Neuzeit. Studien zur Kontinuität und zum Wandel des Judenbildes (2012); Geschichte Schlesiens. Vom Mittelalter bis zur Gegenwart (2015); 900 Jahre jüdisches Leben in Schlesien (2018); Aspekte der Breslauer Geschichte. Reformation – Judentum – Universität (2020). Als Herausgeber gab er unter anderem folgende Bände heraus: Judentum und Aufklärung. Jüdisches Selbstverständnis in der bürgerlichen Öffentlichkeit (2002); Glaciographia Nova. Festschrift für Dieter Pohl (2004); Schlesische Lebensbilder, Band 8: Schlesier des 14. bis 20. Jahrhunderts (2004); mit Cay Rademacher: Die Geschichte der Juden in Deutschland (2007).