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Akrophonie
Die Akrophonie ist ein Prinzip, das in der Schriftgeschichte eine wichtige Rolle spielte, um Lautzeichen zu entwickeln, die zum Alphabet führten.
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Grundidee der Akrophonie
Akrophonie ist die Anlaut-Methode: Ein Lautzeichen, Zahlzeichen oder Kurzwort wird aus dem Anfang eines Wortes bestimmt oder dargestellt. „Anlaut“ bezeichnet den ersten Laut eines gesprochenen Wortes, „Initiale“ den Anfangsbuchstaben. Das Prinzip war in der Schriftgeschichte wichtig, weil sich aus solchen Lautzeichen schließlich Alphabete entwickeln konnten.
Buchstaben, Zeichen und Kurzwörter
Die Duden-Redaktion definiert Akrophonie als die „Benennung der Buchstaben einer Schrift nach etwas, dessen Bezeichnung mit dem entsprechenden Laut beginnt.“ Beim akrophonischen Prinzip steht der Anlaut eines Wortes für ein Zeichen (Phonogramm) für das ganze Wort oder für eine Kurzform aus mehreren Wörtern.
Beispiele sind die Buchstabennamen Alpha und Beta für A und B. Im römischen Zahlensystem steht M als Anlaut von mille für 1000 und C von centum für 100; MCXI bedeutet 1111. Auch Einheitenzeichen wie l für Liter und m für Meter sind aus Anlauten gebildet, werden aber als vollständige Wörter gesprochen.
Akronyme und Initialwörter wie DB, DRK, ADAC, TÜV, LASER und UNESCO entstehen aus den Initialen einzelner Wörter. Beim Buchstabieren hilft das Prinzip, ähnlich klingende Laute zu unterscheiden, etwa „D wie Dino“ und „T wie Tisch“ oder „B wie Berta“ und „P wie Peter“.
Bedeutung für die Schriftentwicklung
Champollion erkannte mithilfe des Steins von Rosette, dass Hieroglyphen auch phonetische Zeichen für Silben und Anlaute enthielten. Durch den Vergleich von Namen in Kartuschen erschloss er Lautbilder vieler Konsonanten, zum Beispiel bei Ptolemaios das L wie Leo (Löwe).
Die phönizischen Schriftzeichen entstanden nach dem Akrophonie-Prinzip. Vereinfachte Bildzeichen, also Piktogramme, standen für Gegenstände oder Tiere und zugleich für den gleichklingenden Namen dieser Dinge. Dieses Rebus-Prinzip machte aus einer komplizierten Bilderschrift eine Anlautschrift. Die Phönizier legten außerdem die Reihenfolge ihrer Anfangslaute fest; ihre Lautschrift enthielt nur Konsonanten. Die Griechen übernahmen sie und ergänzten Vokale.
Beispiele für die Verbindung von Zeichenform, Gegenstand und Laut sind aleph, das wie ein Rind- oder Stierkopf aussieht und zum A wurde, beth für Haus beim B, gimel für Kamel beim G und dalet für Zelt beim D. Als deutschsprachige Merkhilfen werden etwa H wie Haus, M wie Mund, O wie Oval, S wie Schlange und W wie Wellen genannt.
Auch antike griechische Zahlen nutzten akrophonische Zahlzeichen: Ι von íos („eins“) = 1, 𐅃 von pénte („fünf“) = 5, Δ von déka („zehn“) = 10, Η von hekatón („hundert“) = 100, Χ von chílioi („tausend“) = 1000 und Μ von myriás („zehntausend“) = 10 000. Das System ähnelt den römischen Zahlen.
Anlauttabellen beim Schreibenlernen
Eine Anlauttabelle nutzt Akrophonie zum Erlernen von Buchstaben. Zuerst wird ein gesprochenes Wort phonetisch, also nach seinen Lauten, in Einzellaute zerlegt. Für jeden Konsonanten und Vokal sucht man ein Bild, dessen Wort mit demselben Anlaut beginnt.
Beim Wort „Ast“ lautet die Zuordnung: „A wie Apfel“, „s wie Sofa“, „t wie Tisch“. Daraus wird Ast geschrieben. Diese Anlaut-Wortbild-Zuordnung funktioniert jedoch nur bei lautgetreuen Wörtern, bei denen gesprochene Laute und Schreibweise übereinstimmen.