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Agglomerationseffekt

Mögliche Agglomerationsnachteile · Umweltbelastungen · hohe Bodenpreise · Engpässe bei öffentlichen Gütern (z. B. schlechte/überlastete Infrastruktur) · hoher …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Grundidee
  2. 2. Vorteile und Nachteile in Ballungsräumen
  3. 3. Belastungen und betriebliche Ersparnisse
  4. 4. Agglomeration im Einzelhandel

Begriff und Grundidee

Agglomerationseffekte sind Wirkungen, die durch Ballungsräume oder Agglomerationen entstehen. In der Regionalökonomie können sie Vorteile oder Nachteile haben. In der Betriebswirtschaftslehre meint Agglomeration die Ansammlung verschiedener Unternehmen, meist an einem Standort; dies wird Standortagglomeration genannt. Auch sie kann Agglomerationseffekte auslösen.

Ein wichtiger Grundgedanke betrifft öffentliche Infrastruktur: Ihr Nutzen steigt oft mit der Zahl der erreichbaren Haushalte oder Arbeitsplätze, während ihre Kosten eher mit der Fläche zunehmen. Bei hoher Haushalts- oder Arbeitsplatzdichte kann deshalb bei gleichen Kosten mehr Nutzen entstehen. Fern- und Nahwärmenetze sind ein klassisches Beispiel.

Vorteile und Nachteile in Ballungsräumen

Vorteile entstehen durch die räumliche Ballung von Sachkapital, Unternehmen, Konsumenten und Arbeitskräften. Dazu gehören niedrige Transportkosten und ein großer lokaler Markt.

Ein großes Arbeitskräfteangebot erleichtert außerdem das Matching, also das schnelle Zusammenführen von Angebot und Nachfrage nach Arbeitskräften. Dies gilt besonders für Spezialisten und senkt Suchkosten. Die Konzentration von Wissen und Humankapital kann Wissens-Spillover auslösen: Wissen wirkt dabei über einzelne Unternehmen hinaus und wird zwischen ihnen weitergegeben.

Belastungen und betriebliche Ersparnisse

Mögliche Nachteile von Agglomerationen sind Umweltbelastungen, hohe Bodenpreise, Engpässe bei öffentlichen Gütern wie schlechter oder überlasteter Infrastruktur, hoher Wettbewerbsdruck und fehlende Reserveflächen.

Räumliche Ballungen von Unternehmen steigern in der Regel die Attraktivität eines Standorts und können Ersparnisse schaffen. Unterschieden werden Economies of scale, also Skaleneffekte mit betriebsinternen Ersparnissen und sinkenden Stückkosten. Localization Economies sind betriebs-externe Ersparnisse durch die räumliche Konzentration gleichartiger Betriebe; sie werden in „forward linkages“ und „backward linkages“ aufgeteilt. Dichtevorteile oder Urbanization Economies sind externe Ersparnisse, die aus der räumlichen Konzentration verschiedenartiger Betriebe entstehen.

Agglomeration im Einzelhandel

Für Handelsbetriebe und ihre Kunden erhöht die räumliche Ballung gleichartiger und unterschiedlicher Betriebe meist die Standortattraktivität. Dies zeigt sich beim One-Stop-Shopping: Kunden können mehrere Einkäufe an einem Ort erledigen.

Die Wirkung hängt jedoch von Branche und Kunden ab. Mehrere gleichartige Lebensmitteldiscounter an einem Standort können harten Preiswettbewerb, sogenanntes Limit Pricing, fördern. Bei Schuhgeschäften kann die Ballung dagegen die Attraktivität eines größeren „Marktplatzes“ erhöhen. Der Unterschied wird mit dem produktbezogenen Kaufverhalten erklärt: Bei Shopping Goods wollen Kunden eine große Auswahl vergleichen. Convenience Goods, also Produkte des täglichen Bedarfs, sollen dagegen schnell und mit möglichst geringem Suchaufwand sowie minimalen Transaktionskosten gekauft werden.

Das Agglomerationsgesetz der Handelsbetriebslehre beruht auf der Beobachtung, dass zwei benachbarte branchengleiche Einzelhandelsbetriebe beiden Mehrumsatz bringen können. Weitere gleichartige Betriebe können diesen Effekt steigern, weil der gemeinsame „Marktplatz“ für Konsumenten attraktiver und transparenter wird. Karl Christian Behrens bezeichnete dies als „Gesetz der Agglomeration im Einzelhandel bei verbundenen Bedarfen“, Richard L. Nelson als „Rule of Retail compatibility“.

Für zwei benachbarte branchengleiche Betriebe wurde der gemeinsame Mehrumsatz als berechenbar dargestellt. Der Agglomerationseffekt nimmt direkt proportional zum Grad des Kundenaustauschs zu, also zu den Umsatzanteilen von Kunden, die in beiden Geschäften kaufen. Er nimmt auch direkt proportional zum Verhältnis der Plankäufe zu den Gesamteinkäufen beider Geschäfte zu und indirekt proportional zum Verhältnis des Umsatzes des größeren zum Umsatz des kleineren Geschäfts. Der Kundenaustausch und die Umsatzgrößen sollen gemessen, das Verhältnis von Plan- zu Gesamteinkäufen durch Kundenbefragung ermittelt werden.

Die Allgemeingültigkeit dieser Gesetzmäßigkeit ist umstritten. Der lokale Umsatzerfolg gleichartiger Nachbarbetriebe hängt auch von anderen Faktoren ab und kann durch branchenfremde Dritte oder neue Betriebsformen beeinflusst werden. Daher lässt sich nicht verlässlich vorhersagen, ob oder in welchem Umfang ein zusätzlicher gleichartiger Betrieb jedem einzelnen Anbieter Mehrumsatz bringt. Das Agglomerationsgesetz regte dennoch Standorttheorie sowie städteplanerische und händlerische Standortwahl und -optimierung an, etwa bei Passagen, Einkaufszentren, Gemeinschaftswarenhäusern, Ladengemeinschaften und Quartiergemeinschaften.

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