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Aachener Königspfalz

Die Königspfalz in Aachen war der wichtigste früh- und hochmittelalterliche Herrschersitz des fränkischen und später ostfränkisch-deutschen Königreiches; …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und erhaltene Teile
  2. 2. Ausbau unter Karl dem Großen
  3. 3. Aufbau und Nutzung der Anlage
  4. 4. Spätere Veränderungen und Krönungstradition

Bedeutung und erhaltene Teile

Die Königspfalz in Aachen war der wichtigste früh- und hochmittelalterliche Herrschersitz des fränkischen und später des ostfränkisch-deutschen Königreiches. Sie war die Lieblingspfalz Karls des Großen und wegen ihrer Größe außergewöhnlich. Die Anlage lag im äußersten Osten der Kernlandschaft der frühen Karolinger, deren Zentrum um Lüttich und Herstal lag.

Erhalten sind vor allem die Pfalzkapelle mit Oktogon und Westwerk als Teil des Aachener Doms. Der Granusturm des Aachener Rathauses stammt ebenfalls aus der Anlage, wurde aber später aufgestockt. Das Rathaus steht auf den Grundmauern der früheren Königshalle, der Aula regia. In der Pfalzkapelle wurden über 600 Jahre mehr als 30 römisch-deutsche Könige gekrönt; sie sahen sich in direkter Nachfolge Karls des Großen.

Ausbau unter Karl dem Großen

Bereits zur Zeit Pippins des Jüngeren gab es im Gebiet der späteren Pfalz Bauten. Sie entsprachen wahrscheinlich eher einem größeren zeitgenössischen Gutshof. Ab etwa 780 ließ Karl der Große daraus eine große Anlage mit Königshalle, Pfalzkapelle, Wohnturm, Garnison und Gerichtssälen schaffen.

Karl wollte mit Aachen ein „Neues Rom“ (Roma secunda) nördlich der Alpen errichten: ein Zentrum seines Fränkischen Reiches, das sich als Nachfolger des Römischen Reiches verstand. Aachen wurde auch wegen nahe gelegener Jagdgebiete und besonders wegen heißer Thermalquellen bevorzugt. Sie sollten Karls Leiden, vor allem die Gicht, lindern; neben der Pfalz entstand deshalb eine Thermenanlage nach römischem Vorbild. Nach 795 verbrachte Karl nur noch drei Winter an anderen Orten.

Die Pfalzkapelle wurde nach einer früheren Wandinschrift von Odo von Metz erbaut und vermutlich 802 geweiht. Die angebliche Weihe durch Papst Leo III. gilt dagegen als Legende aus dem 14. Jahrhundert. Nach seiner Kaiserkrönung in Rom am ersten Weihnachtstag des Jahres 800 bezog Karl die vollendete Pfalz. Bis zu seinem Tod 814 lebte und herrschte er dort zunehmend und stets in den Wintermonaten.

Aufbau und Nutzung der Anlage

Die Aachener Königs- und spätere Kaiserpfalz war größer als alle Güter, die ein Frankenkönig vor Karl dem Großen besessen hatte. Ab dem Winter 794/795 hielt sich der damals fast fünfzigjährige Herrscher regelmäßig dort auf.

In der nach römischen Vorbildern gebauten Königshalle regierte der Frankenkönig. In angrenzenden, heute nicht mehr erhaltenen Gebäuden wohnte Karl vermutlich mit seiner Familie. Der Granusturm wird in der Forschung nicht mehr als Wohnraum gedeutet, sondern als eines der ersten repräsentativen Treppenhäuser nördlich der Alpen. Ein zweigeschossiger Verbindungsbau führte von der Königshalle zur Marienkirche, der Pfalzkapelle im Süden. Sein oberer Teil nahm wohl die Hofschule auf, sein unterer Bereich war wahrscheinlich für die Garnison bestimmt.

Die Pfalzkapelle war das Kernstück und prächtiger als alle damaligen Steinbauten nördlich der Alpen. Karl ließ Säulen und Marmor aus Rom und Ravenna heranschaffen. Ein hölzerner Gang verband vermutlich die Wohnräume des Herrschers mit der Kirche, sodass er sie trockenen Fußes erreichen konnte.

Spätere Veränderungen und Krönungstradition

936 wurde Otto der Große in der Aachener Pfalz gekrönt. Damit begann die Tradition, römisch-deutsche Könige in Aachen zu krönen. Mit dem Ende dieser Königskrönungen im Jahr 1531 verlor die Pfalz ihre Bedeutung als traditioneller Krönungsort.

Im 14. Jahrhundert entstand unter Bürgermeister Gerhard Chorus anstelle der Königshalle das neue Aachener Rathaus, weil das bisher im Grashaus untergebrachte Rathaus nicht mehr repräsentativ genug war. Der Pfalzkapelle wurde damals ein erster gotischer Chor angefügt; später kamen zahlreiche weitere Kapellen hinzu. Nach Bränden von 1624 und 1656 wurden die Dächer der Pfalzkapelle 1664 erneuert. Seit 1802 ist die ursprünglich als Marienkirche errichtete Pfalzkapelle der Zentralbau des Aachener Doms, der Kathedrale des neu gegründeten Bistums Aachen.

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