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Ökologische Modernisierung

Ökologische Modernisierung zielt auf eine dauerhaft tragfähige Ko-Evolution von Mensch und Natur, was eine aktive Umweltnutzung und somit auch Umweltgestaltung …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und Bedeutung
  2. 2. Entstehung und Kernelemente
  3. 3. Technologische Strategien
  4. 4. Gesellschaftlicher Stoffwechsel
  5. 5. Nachhaltigkeit und Innovation
  6. 6. Industrielle Ökologie

Grundidee und Bedeutung

Ökologische Modernisierung ist ein analytischer und strategischer Ansatz für Umwelthandeln in Staat, Wirtschaft und Gesellschaft. Sie fragt, wie moderne Gesellschaften Umweltprobleme nicht durch Rückkehr zu früheren Zuständen, sondern mit ihren eigenen Mitteln bearbeiten können: Wissenschaft, Technik, Recht, Geld, Umweltpolitik, Umweltbewusstsein, Umweltethik und umweltorientiertes Verhalten.

Das Ziel ist eine dauerhaft tragfähige Ko-Evolution von Mensch und Natur. Damit ist gemeint, dass sich menschliche Gesellschaft und natürliche Umwelt so gemeinsam entwickeln sollen, dass beide langfristig bestehen können. Der Ansatz schließt aktive Umweltnutzung und Umweltgestaltung durch den Menschen ausdrücklich ein. Er ist daher kein konservatives Naturschutzprogramm, das einen bestimmten Naturzustand bewahren oder wiederherstellen will.

Entstehung und Kernelemente

Der Begriff „ökologische Modernisierung“ wurde erstmals 1982 von Martin Jänicke in einer Rede im Berliner Abgeordnetenhaus verwendet. Danach entstand daraus in der sogenannten „Berliner Schule“ ein interdisziplinärer Ansatz aus Politik-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. Genannt werden unter anderem Volkmar J. Hartje, Joseph Huber, Udo-Ernst Simonis, Volker von Prittwitz und Klaus W. Zimmermann. In den 1990er Jahren erhielt das Konzept eine entwicklungs-, modernisierungs- und innovationstheoretische Grundlage. Seit den 2000er Jahren ist es allgemein in die internationale Fachliteratur eingegangen, auch in Japan und China.

Der Ansatz entstand als Ausweg aus der früheren Debatte über die „Grenzen des Wachstums“, in der sich „grüne“ Wachstumskritiker und altindustrielle Wachstumsverteidiger gegenseitig blockierten. Ökologische Modernisierung geht davon aus, dass industrielle Entwicklung zwar soziale und ökologische Probleme erzeugt, zugleich aber auch Mittel bereitstellt, um diese Probleme später besser zu bearbeiten.

Ein zentraler Gedanke ist die Steigerung der Ressourcen- und Senken-Produktivität. Ressourcen sind Rohstoffe, Energieträger und Umweltmedien wie Boden, Wasser und Luft. Senken sind Umweltbereiche, die Abfälle, Emissionen oder Belastungen aufnehmen. Produktivität bedeutet hier: Mit weniger Belastung und geringerem Verbrauch sollen mehr Nutzen und bessere Ergebnisse erzielt werden.

Dahinter steht die Einsicht, dass Ökologie und Ökonomie keine Gegensätze sein müssen. Wenn ökologische Aspekte in Produktionsfunktionen und Kalkulationen einbezogen werden, also internalisiert statt externalisiert werden, kann Ökologisierung zur Grundlage von weiterem Wachstum und Fortschritt werden. Die Steigerung der Umweltproduktivität soll dann ähnlich wichtig für Gewinne werden wie Arbeits- und Kapitalproduktivität.

Technologische Strategien

Technologisch setzt ökologische Modernisierung auf integrierten Umweltschutz statt nur auf nachgeschaltete Maßnahmen. Nachgeschaltete Maßnahmen werden auch „end-of-pipe“, „downstream“ oder additiv genannt. Beispiele sind Abluftreinigung, Abwasserklärung und Müllverbrennung. Sie behandeln Umweltbelastungen erst, nachdem sie entstanden sind.

Integrierte Lösungen greifen früher an. Dazu gehören Recycling, Effizienzsteigerung, besonders Material- und Energieeffizienz, sowie Produkt- und Prozess-Innovationen. Der Ansatz bevorzugt also technische Veränderungen, die Umweltbelastungen vermeiden oder stark verringern, statt sie nur nachträglich zu kontrollieren.

In den 1980er und 1990er Jahren entstanden mehrere technologische Ansätze, die zur ökologischen Modernisierung von Wertschöpfungsketten beitragen sollen. Dazu zählen Recycling, Kreislaufwirtschaft, industrielle Verbundnutzung von Kuppelprodukten und Abfällen („industrial symbiosis“), nachhaltiges Ressourcenmanagement, saubere Technologien wie Wasser-, Wind- und Solarenergie oder Wasserstoff statt fossiler Brennstoffe, die Substitution von Schadstoffen wie Lösemitteln oder Schwermetallen, ressourcenschonende und umweltgerechte Produktgestaltung, Bionik sowie fortgeschrittene nachgeschaltete Technologien.

Gesellschaftlicher Stoffwechsel

Eine wichtige analytische Grundlage wurde seit den 1990er Jahren das Modell des industriellen Metabolismus nach Robert U. Ayres beziehungsweise des gesellschaftlichen Metabolismus nach Marina Fischer-Kowalski. Metabolismus bedeutet hier „Stoffwechsel“: Gemeint sind die Material- und Energieflüsse zwischen Gesellschaft und Natur.

Mit diesem Ansatz verbunden sind Ökobilanzen, auch „life cycle assessment“ genannt, sowie Material- und Energieflussanalysen. Ökobilanzen untersuchen Umweltwirkungen über den Lebenszyklus eines Produkts hinweg. Material- und Energieflussanalysen betrachten, welche Stoffe und Energiemengen in ein System hineingehen, dort verarbeitet werden und wieder herauskommen.

Der Artikel führt diesen Forschungsstrang auch auf Karl Marx und William Petty zurück: Erde und Arbeit seien unauflöslich in der gesellschaftlichen Produktion verbunden, weil Mensch und Natur in einem notwendigen Stoffwechsel stehen. Später knüpften die Sozialanthropologie der Cultural Ecology und der Cultural Materialism nach Marvin Harris daran an. Danach hängt das Entwicklungsniveau von Kulturen vom Stand ihrer Produktivkräfte ab, also von Technologien, Kommunikations- und Organisationsformen. Gesellschaften mit höherer Produktivität können Ressourcen und Senken besser nutzen und damit die ökologische Tragekapazität ihres Lebensraums erhöhen. Kulturen, die diese Tragekapazität unterminieren, gehen unter.

Nachhaltigkeit und Innovation

Das Konzept der nachhaltigen Entwicklung wurde nach Vorläufern in der Forstwissenschaft des 18. Jahrhunderts ab 1987 durch den Brundtland-Bericht und 1992 durch die Beschlüsse der Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung, den „Rio-Umweltgipfel“, zu einem globalen Leitbild. Nachhaltige Entwicklung soll industrielle Entwicklung, Umweltverträglichkeit und Sozialverträglichkeit dauerhaft verbinden, sodass künftige Generationen nicht schlechter gestellt sind als die heute lebenden. Der Artikel nennt dies ein „magisches Zieldreieck“.

Ökologische Modernisierung und nachhaltige Entwicklung überschneiden sich. Der Artikel beschreibt ökologische Modernisierung als eine Strategie, wahrscheinlich die hauptsächliche Strategie, um die ökologischen Ziele nachhaltiger Entwicklung zu erreichen. Zugleich weist der Text darauf hin, dass ein Abschnitt nicht hinreichend belegt sei; Angaben ohne ausreichenden Beleg könnten entfernt werden.

Nach dem Rio-Gipfel wurde diskutiert, ob ökologische Nachhaltigkeit eher durch Suffizienz oder Effizienz erreicht werden kann. Suffizienz bedeutet Genügsamkeit, freiwilligen Konsumverzicht oder gesetzlich verordnete Begrenzung von Ressourcenverbrauch und Umweltbelastung. Effizienz bedeutet, durch Technik weniger Ressourcen und Senken für denselben Zweck zu verbrauchen. Beide Strategien greifen nach Darstellung des Artikels zu kurz: Suffizienz sei kulturell und politisch für breite Mehrheiten schwer anschlussfähig, besonders in Schwellen- und Entwicklungsländern. Effizienz könne zwar Belastungen verringern, aber auch am falschen Objekt ansetzen, etwa wenn fossile Verbrennungstechniken nur effizienter gemacht werden, statt neue Antriebssysteme einzuführen.

Der Artikel nennt außerdem den Rebound-Effekt: Sinkt der Inputbedarf durch Effizienzsteigerung, wird daraus nicht automatisch weniger Output. Stattdessen kann aus derselben Menge Input mehr Output entstehen, etwa Autos mit größeren Motoren, die mehr Kilometer fahren und dadurch mehr Verkehr erzeugen. Deshalb betont ökologische Modernisierung grundlegende, strukturelle oder systemische Innovationen, nach Schumpeter auch Basisinnovation oder „radical innovation“ genannt. Sie sollen nicht nur alte Systeme schrittweise verbessern, sondern neue, ökologisch besser angepasste Systeme an ihre Stelle setzen. Seit Mitte der 1990er Jahre wurde die Effizienzstrategie daher um ökologische Konsistenz, metabolische Konsistenz oder „Eco-Effectiveness“ ergänzt. Der ökologische Modernisierungsdiskurs wird heute vor allem als Umweltinnovationsdiskurs weitergeführt.

Industrielle Ökologie

Die Industrial Ecology entstand Anfang der 1990er Jahre in den USA. Sie ist wie die ökologische Modernisierung sowohl ein analytischer Untersuchungsansatz als auch ein strategischer Gestaltungsansatz. Ihr Ziel ist es, das Verhältnis von Natur und Gesellschaft durch technologisch-industrielle Innovationen und Reorganisationen dauerhaft tragfähig zu machen.

Der Artikel beschreibt Industrial Ecology und ökologische Modernisierung eher als zwei verschiedene Bezeichnungen für sehr ähnliche Ansätze als als zwei unterschiedliche Paradigmen. Unterschiede bestehen vor allem in Herkunft, beteiligten Disziplinen und Schwerpunktsetzung. Ökologische Modernisierung entwickelte sich in Europa, besonders im deutschsprachigen Raum und in den Niederlanden. Industrial Ecology ist in den USA beheimatet.

In den USA prägten vor allem Ingenieure und Ökonomen die Forschungsrichtung. In Europa spielten zusätzlich Politologen, Soziologen, Historiker, Philosophen, Pädagogen und Psychologen eine wichtige Rolle. Dadurch ist die amerikanische Industrial Ecology stärker wirtschafts- und ingenieurwissenschaftlich ausgerichtet. Ihre Forschung konzentriert sich besonders auf Recycling, Kreislaufwirtschaft, Verbundproduktion, Ökobilanzen, Produktlebenszyklen und Wertschöpfungsketten. In der europäischen Diskussion über ökologische Modernisierung und Umweltinnovationen sind diese Themen ebenfalls wichtig, aber politische, institutionelle, soziale und kulturelle Aspekte werden stärker einbezogen.

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