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Der Leben- und Sterben-Check | Reportage für Kinder | Checker Tobi

CHECKER WELT24:29 4 Mio. Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

Das Wichtigste aus dem Video

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Transkriptautomatisch erstellt · 203 Zeilen
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  1. Untertitelung: BR 2016 # Achtung! Hier kommt Checker Tobi.
  2. # Das ist Tobi, Checker Tobi. Der ist cool, hey, ziemlich groovy. # Der, der immer fragt. Der die Action mag.
  3. # Der, der alles wagt. Der, der niemals klagt. # Das ist Tobi, Checker Tobi. Der ist cool, hey, ziemlich groovy.
  4. # Der, der ständig rennt. Der, der niemals pennt. # Der auch manchmal flennt. Der tausend Leute kennt.
  5. # Das ist Tobi, Checker Tobi. Checker Tobi! Das ist Haselnuss, mein Hamster.
  6. Wir haben viel gemeinsam und machen auch viel zusammen. Haselnuss und ich sind richtig gute Freunde.
  7. Aber eines Tages lag er im Käfig und hat sich nicht mehr bewegt. Ich hab eine Weile gebraucht, um zu kapieren,
  8. dass Haselnuss tot ist. Dann hab ich beschlossen, ihn zu begraben.
  9. Tschüss, Haselnuss. Echt traurig, wenn jemand stirbt.
  10. Das hat mich auch nachdenklich gemacht. Warum müssen alle Lebewesen sterben? Und was passiert dabei?
  11. Und was kommt danach? Darum geht's heute. Heute geht's um den Tod.
  12. Jeder Mensch wird irgendwann älter und stirbt. Das ist so. Aber was kommt danach?
  13. Viele Menschen glauben, dass es einen Körper gibt, also die Hülle, und eine Seele.
  14. Der Körper stirbt, aber die Seele lebt weiter. Vielleicht geht sie in den Himmel zu Gott,
  15. wie es z.B. die Christen und Muslime glauben. Oder sie kommt als etwas anderes wieder zurück auf die Erde.
  16. Daran glauben z.B. die Buddhisten. Eine sichere Antwort darauf gibt es nicht,
  17. denn niemand kommt von den Toten zurück, um davon zu erzählen. Aber sicher ist: Der Tod gehört zum Leben.
  18. Ich selber hab Tote bisher nur im Fernsehen gesehen. Aber ich glaube, das hat mit dem echten Sterben nicht viel zu tun.
  19. Ich hab noch nie einen Verwandten oder Freund verloren. Aber ihr vielleicht schon.
  20. Ich hab ein bisschen Angst davor. Gegen die Angst hilft nur drüber reden und Fragen stellen.
  21. Das mach ich heute. Dafür treffe ich Anna.
  22. Sie hat jeden Tag mit dem Tod zu tun. Und ich sehe zum ersten Mal einen toten Menschen.
  23. Ich besuch Ulrich, der weiß, dass er bald sterben wird. Und ich treffe Kinder, die einen geliebten Menschen verloren haben,
  24. und frage sie, wie sie damit umgehen. Ihr merkt schon, keine leichten Fragen.
  25. Eindeutige Antworten gibt's da wohl auch nicht. Deshalb hab ich heute keine Checkerfragen.
  26. Meine Checkerbude ist auch anders als sonst: Ich bau sie im Wald auf, nicht weit weg vom Grab von Haselnuss.
  27. Also, kommt mit. Das wird eine spannende Reise. Hier kommt:
  28. Wenn jemand stirbt, den man gut kannte und sehr gern hatte, ist man mehr als nur traurig. Man vermisst die Person so sehr,
  29. dass man vielleicht nichts mehr isst, dass einem alles sinnlos vorkommt,
  30. dass man aus dem Nichts einfach so losweint. Dazu sagt man: Man trauert.
  31. Das ist ganz normal und auch logisch, weil dieser Mensch kommt nicht mehr zurück.
  32. Damit muss man erst mal klarkommen. Trauer geht auch nicht einfach so wieder vorbei.
  33. Das kann mehrere Monate oder sogar über ein Jahr dauern. Ich treffe Kinder, denen was ganz Schlimmes passiert ist:
  34. Bei ihnen ist die Mama oder der Papa gestorben. Leute, ich bin echt nervös. Wie soll ich mit denen reden?
  35. Bestimmt sind die alle total traurig. Okay, also eins verstehe ich schon mal:
  36. Wenn man trauert, ist man nicht die ganze Zeit traurig, weil das Leben geht ja weiter.
  37. Und man kann ganz normal mit den Trauernden reden, wenn sie das denn wollen.
  38. Die Kinder vom SABU-Club der Nicolaidis Stiftung in München spielen gerade ein kleines Theaterstück.
  39. Und ich bastle jetzt was mit ihnen: Erinnerungsstücke. Mein Vater wollte immer nur bei mir sein.
  40. Der hat sich immer abends in mein Bett reingelegt und dann ... * Kind macht Schnarchgeräusche. *
  41. ... geschlafen. Neben dir geschnarcht. Ja.
  42. Und die alten Sachen von eurem Papa oder eurer Mama, guckt ihr die euch manchmal noch an?
  43. Ja. Warum? Damit wir wieder dran denken können.
  44. Weil ich vergess manchmal, dass ich eine Mama hatte, und die schon tot ist. Also das ist total komisch.
  45. Warum ist deine Mama gestorben? Weil sie Krebs hatte, Bauchweh und so.
  46. Bist du sauer, weil du allein gelassen wurdest? Nö. - Ich war am Anfang schon sauer,
  47. weil ich wollte ihm davor noch was zeigen. Da war's aber abends noch so spät.
  48. Am nächsten Tag konnte ich es ihm nicht mehr zeigen. Das ist dein Papa? - Ja. Das bist du? - Ja.
  49. Wie alt bist du da? Zwei oder drei. Also ist es schon fünf Jahre her. Ja.
  50. Als mein Papa gestorben ist, bin ich erst mal zwei Tage zu Hause geblieben
  51. und hab die ganze Zeit geweint. Musst du manchmal immer noch weinen deswegen? - Ja.
  52. Aber das ist voll okay, oder? Ja, das ist okay. Und bei dir sind ganz viele verschiedene Farben, Philipp?
  53. Ja, weil vom meinem Papa war Grün die Lieblingsfarbe. Und Rot mag ich halt.
  54. Und auf dem Foto ist dein Papa? Ja. Tobi, ich hab ein selbst erfundenes Braun.
  55. Das ist ein selbst gemachtes Braun? Ja. Voll cool. Wollen wir uns das hier kurz angucken? - Ja.
  56. Ist das dein Papa? Ja. Immer wenn wir was von Papa erzählen,
  57. dann werden wir immer ganz traurig. Findest du das blöd, dass du deswegen traurig bist? - Ja.
  58. Ja? Vermisst du ihn auch? Ja, sehr doll. Aber Silas, trotzdem, dein Braun ist ungeschlagen.
  59. Übrigens hast du meinen ganzen Arm angemalt mit deinem Kittel. Und meine Hand übrigens auch.
  60. Eins ist mir schon mal klar geworden: Trauern hat viel mit Erinnern zu tun.
  61. Und dass man traurig sein darf, manchmal sogar muss. Und dass Reden hilft.
  62. So wie es die Kinder hier machen, die sich jeden Monat einmal treffen. Zu ihnen komm ich später noch mal zurück.
  63. Jetzt treffe ich erst mal jemanden, der täglich mit dem Tod zu tun hat: Anna. Sie ist Bestatterin.
  64. Das heißt, sie kümmert sich um die Beerdigung von Verstorbenen und um die Angehörigen.
  65. Zuerst gucken wir uns einen Sarg an, auch den bereitet Anna vor. Er hat innen eine weiche Matratze, damit der Tote geschützt ist.
  66. Und am Rand kann man ihn schmücken. Wenn ein Sarg fertig vorbereitet wäre,
  67. was passiert als Nächstes? Je nachdem, was die Familie für einen Sarg ausgesucht hat,
  68. wird der oder die Verstorbene in diesen Sarg eingebettet. D.h., der wird vorher gewaschen, wird angezogen.
  69. Das machst du am toten Körper? Ja, genau. Die Herren werden evtl. rasiert, wenn sie keinen Bart hatten.
  70. Und manchen Damen werden die Locken gedreht. Die werden noch mal schön gemacht für den letzten Weg? - Genau.
  71. Ist das für dich nicht gruselig? Wenn ich mich daran erinnere,
  72. als ich das erste Mal diesen körperlichen Kontakt hatte, war es schon komisch irgendwie.
  73. Aber es ist eine Ehre sich darum zu kümmern, jemanden vorzubereiten, jemanden schön zu machen.
  74. Das strahlt Ruhe aus für mich persönlich. Und derjenige von vorhin, der Verstorbene,
  75. für den du die Halle da vorne gartenähnlich dekoriert hast, liegt diese Person dann hier drin?
  76. Genau dieser Sarg wird es nicht, da hat sich die Familie einen anderen ausgesucht.
  77. Sie steht jetzt in unserem Verabschiedungsraum. Okay, und dann sieht man die tote Person?
  78. Also diese verstorbene Frau liegt offen in dem Sarg. Und die Angehörigen können noch mal kommen und Tschüss sagen? - Genau.
  79. Können wir mal zu ihr gehen, also nur wenn das in Ordnung ist, sie treffen und ansehen irgendwie?
  80. Wir können gerne zusammen rübergehen. Okay, dann machen wir das jetzt. Ja.
  81. (flüstert) Krass. (flüstert) Das sieht so unwirklich aus, aber auch so friedlich.
  82. (flüstert) Ja, als würde sie schlafen, oder? Voll.
  83. Wir zeigen ihr Gesicht jetzt nicht, weil sie ja schon verstorben ist und wir sie nicht mehr fragen konnten,
  84. ob das für sie okay ist. Ich glaube, so ist es irgendwie in Ordnung. - Ja.
  85. Man guckt die ganze Zeit so unweigerlich, denkt man, dass ... Ich guck und frag mich, warum sich der Brustkorb nicht hebt.
  86. Das ist ganz ... ... unwirklich. - Total. Kann ich sie mal anfassen, berühren?
  87. Mach das gerne, ja. Echt? - Ja. Krass, ist ganz kalt. Ja, das Blut zirkuliert nicht mehr.
  88. Das merkt man gerade so krass, dass kein Leben mehr in ihr drin ist. Wie alt ist sie geworden? Sie ist fast 90 geworden.
  89. Wahnsinn. - Ein langes Leben. Voll, ja klar. - Ja. Sie hat bestimmt viel erlebt in den Jahren.
  90. Sprichst du manchmal mit den Verstorbenen? Ja, regelmäßig sogar. Ja? - Ja.
  91. Was sagst du denn? Ich unterhalt mich ganz normal mit ihnen über alltägliche Dinge,
  92. bereite sie darauf vor, erzähl ihnen, wer gleich zur Verabschiedung vorbeikommt,
  93. was geplant ist und was die nächsten Tage passiert. Ich mach das ganz automatisch.
  94. Das find ich schön, so hält man sie noch eine Weile bei sich. Ja, du hast recht.
  95. Okay, d.h., wir können uns noch irgendwie von ihr verabschieden. Dann kommt der nächste Schritt.
  96. War schön, Sie kennengelernt zu haben, irgendwie. Danke. Gehen wir? Ja. - Okay.
  97. Nach dem Abschiednehmen kommt der Sarg in einen sog. Leichenwagen.
  98. Darin wird er entweder direkt zum Friedhof gebracht und in der Erde bestattet,
  99. oder er kommt, wie in unserem Fall, ins Krematorium. Das Krematorium ist ein Gebäude, in dem Menschen eingeäschert werden,
  100. also verbrannt. Auf dem Sarg liegt ein feuerfester Stein.
  101. Darauf steht eine Nummer, die zu dem Verstorbenen gehört. Wenn später alles verbrannt ist,
  102. bleibt der Stein mit der Nummer übrig. So weiß man auch nach Jahren noch, zu wem die Asche gehört.
  103. Aber in dem Sarg ist ja der Mensch noch drin. Also der wird komplett da reingeschoben. - Ja.
  104. Warum verbrennt man den mit dem Holz? Der Körper des Menschen muss ja irgendwie transportiert werden.
  105. Man kann ihn nicht einfach reinwerfen oder reinlegen. In diesem Sarg ist der Körper, diese Hülle des Menschen, noch beschützt.
  106. In diesem Sarg wird er direkt in den Ofen reingeschoben. Krass, heftig. Aber es ist ja, wenn man so drüber nachdenkt,
  107. auch "nur" ein toter Körper und gar nicht mehr der Mensch, den man da verbrennt. - Genau.
  108. Du spürst ja auch keine Schmerzen mehr, weil du es gar nicht merkst. Ja. Also egal, was passiert, es tut niemandem weh.
  109. Es ist nur eine Art des Abschiednehmens von diesem Körper. Genau. Okay.
  110. Der Ofen ist rund 1300°C heiß. Bei einer solchen Hitze entzündet sich das Holz von ganz allein.
  111. Alter, das fand ich aber schon irgendwie krass zu sehen, dass dieser Sarg so in Flammen aufgeht.
  112. Und da liegt ja nun mal noch ein Mensch drin. Und man spürt voll, wenn das Ding aufgeht,
  113. wie einem die Hitze so entgegenkommt. - Absolut, ja. Heftig irgendwie. Wie lange dauert das,
  114. bis das so weit verbrannt ist, dass es in eine Urne kann. Es wird so etwa zwei Stunden dauern. Okay.
  115. Wir warten so lange draußen. Schon ein komischer Gedanke, wenn man sich vorstellt,
  116. dass da drin gerade ein Körper eingeäschert wird. Dabei ist das eine uralte Methode.
  117. Schon in der Bronzezeit, also vor rund 3000 Jahren, haben die Menschen ihre Toten auf einem großen Holzstoß verbrannt.
  118. Sie benutzten keine Särge, sondern hüllten sie in ein Tuch. Auch die Wikinger vor etwa 1000 Jahren
  119. verbrannten zum Teil ihre Toten. Die wurden dafür in festliche Kleidung gehüllt.
  120. Und in Indien ist die Einäscherung bis heute die bei Weitem häufigste Form der Bestattung.
  121. Hi. - Hi Krass, das ist die Urne jetzt, ja? Das ist die Urne.
  122. Da ist die Asche von der Verstorbenen drin? - Richtig. Kann ich mal sehen? Mit dem Originalstein und Asche.
  123. Aber es sieht gar nicht aus wie Asche, sondern Sand am Strand mit so kleinen Muschelstückchen.
  124. Darf ich das mal halten? Ja, klar. Es ist so leicht, man kann es mit einer Hand halten.
  125. Aber gleichzeitig finde ich das so verrückt, dass ein Mensch, der vorher noch in so einem Riesensarg war
  126. und so groß ist wie ich, größer vielleicht, da reinpassen soll. Ja. Aber weil der Körper eben auch aus sehr viel Wasser besteht ...
  127. Wenn man sich das mal vorstellt: Das verdampft ganz schnell durch die Hitze.
  128. Und das bleibt dann von jemandem. Was passiert dann mit der Urne und Asche?
  129. Diese Urne würde jetzt im Boden beigesetzt werden. Weltweit gibt's die unterschiedlichsten Bräuche,
  130. wie man mit Verstorbenen umgeht. In Ghana in Westafrika sind die Särge was ganz Besonderes.
  131. Wenn eine Familie sich das leisten kann, kann sie sich vom Schreiner einen Sarg in jeder möglichen Form anfertigen lassen
  132. Guckt mal, das kann alles sein: Z.B. ein Löwe,
  133. ein Fisch, ein Auto
  134. oder sogar ein Filmprojektor. Je nachdem, was der Verstorbene eben gern mochte
  135. oder auch beruflich gemacht hat. Wenn er z.B. Förster war,
  136. kann er in einem Sarg in Baumform beerdigt werden. Anna und ich gehen jetzt auf den Friedhof,
  137. wo die Urne beigesetzt wird. Dort treffen wir gleich Edu. Er ist hier Friedhofsgärtner.
  138. Guten Tag. Hallo, ihr beiden. Tobi, freut mich. Was machst du gerade?
  139. Ich heb ein Urnengrab aus. Das wird ein Urnengrab? Ja.
  140. Kann ich dir was helfen? Ja, gerne. Einfach weitergraben? Genau.
  141. Ja, ganz locker dabei gehen, pfeifen dabei. * Tobi pfeift. *
  142. Ja, genau. Du pfeifst, wenn du auf dem Friedhof bist und Gräber gräbst?
  143. Ich pfeife dabei, ja. Ich mach das auch gerne. Macht es dich nicht traurig, hier Löcher auszuheben für Verstorbene?
  144. Nicht unbedingt. Es kann auch eine Erlösung sein. Dann kann man sich auch freuen.
  145. Man muss den Friedhof auch als Park sehen, als Ruhe. Wenn du mal richtig grantig bist, dann geh auf den Friedhof.
  146. Du kommst runter. du wirst diese Ruhe spüren. Kannst du gut pfeifen? Ja. - Mach mal!
  147. * Edu pfeift. * * Tobi stimmt mit ein. *
  148. Mit dem Gerät hier kann man noch tiefer graben. Am Schluss ist das Loch etwa 80 cm tief.
  149. Danke, Edu. Anna und ich dekorieren das Grab jetzt noch.
  150. Wenn wir diesen letzten Schritt vorbereitet haben, der Mensch jetzt gleich beerdigt wird,
  151. was glaubst du für dich selbst, was wirklich danach kommt? Ich glaub irgendwie an das Gute.
  152. Deswegen kann ich mir nicht vorstellen, dass danach wirklich rein gar nichts kommt,
  153. oder irgendwas, was einem wehtut oder nicht guttut. Entweder fühlt man einfach nichts oder es kommt was Gutes.
  154. Anna dekoriert jetzt noch allein zu Ende, denn gleich kommen die Trauergäste. Und die will ich nicht stören.
  155. Später hat mir Anna erzählt, dass die Trauerfeier sehr schön war. Ich frag mich: Wie ist das, wenn jemand stirbt?
  156. Was empfindet er? Ein paar Monate später hab ich versucht, das herauszufinden.
  157. Dafür hab ich mich mit Holger im Christophorus Hospiz in München verabredet.
  158. Ein Hospiz ist ein Ort, wo Menschen hingehen, denen kein Arzt mehr helfen kann.
  159. Und die wissen, dass sie sterben werden. Was sind das für Steine hier?
  160. Auf die Steine werden alle Namen draufgeschrieben von den Hospiz-Bewohnern, die verstorben sind.
  161. Die Menschen kommen ja ins Hospiz, um hier zu sterben, oder? Genau, wir hören ungern, dass es ein Sterbehaus ist.
  162. Das ist es eigentlich nicht. Natürlich sterben die Menschen hier. Wir versuchen aber, denen noch Lebensqualität
  163. oder Zeit zu schenken, dass schon auch Leben stattfindet. Es darf gelacht werden, es wird Musik gemacht, all das.
  164. Dann sind die Steine, die hier alle liegen, so eine Art Geschichte des Hospiz auch.
  165. So kann man's auch sehen, ja. "Omatante". "Omatante", genau.
  166. Das ist auch schön. Hier noch ein Smiley im "O". "Papa, jetzt bist du wieder bei Mama."
  167. Schon krass, dass jeder dieser Steine für ein Menschenleben steht. Ich darf jetzt Ulrich treffen.
  168. Er hat Krebs und nur noch wenige Wochen zu leben. Wie geht's dir im Moment hier?
  169. Gut, ich fühle mich heute sehr wohl. Und hier fühle ich mich sowieso sehr wohl.
  170. Es ist ein sehr angenehmer Ort, um hier zu sein. Ganz viele verlieren ihre Omas und Opas, wenn sie achtzig sind.
  171. Du bist aber erst fünfzig. Hast du das Gefühl, dass du ganz viel verpasst im Leben?
  172. Überhaupt nicht. Ich hatte ein sehr, sehr reiches Leben, ein sehr vielfältiges Leben.
  173. Ich hab eigentlich genau das gemacht, was ich wollte. Deswegen vermiss ich da auch nichts.
  174. Für dich kommt jetzt als nächste große Erfahrung der Tod. Du wirst dann jetzt bald sterben.
  175. Und was glaubst du, passiert dann mit dir? Was kommt denn danach?
  176. Also das ist jetzt reine Fantasie, sozusagen. Ich persönlich hab das Gefühl,
  177. ich geh wieder zurück nach da, wo ich hergekommen bin. Ich hab das Gefühl, da bin ich wieder wer anders, was auch immer.
  178. Vielleicht bin ich dann auch ein Krokodil. Hast du Angst vor dem Tod?
  179. Wirklich Angst hab ich nicht. Es ist eher ein Loslassen und auch so eine gewisse Freude,
  180. den Körper auch gehen zu lassen. Was glaubst du, wie wird sich das anfühlen, wenn du stirbst?
  181. Das kann ich überhaupt nicht sagen. Bevor ich nicht gestorben bin, kann ich ja nix drüber sagen, wie es ist.
  182. Gibt's etwas, wo du dir sagst: Das mag ich besonders gern, das werde ich vermissen.
  183. Ein Lieblingsessen, das du nicht mehr essen kannst? Pfirsichsaft. Wirklich?
  184. Es ist gerade so eines meiner Favoriten, also ich trinke wahnsinnig gerne Pfirsichsaft.
  185. Pfirsiche hat Ulrich als Kind schon immer gerne gegessen. Und: Ulrich malt gerne. Jeden Tag mindestens ein Bild.
  186. Heute malt er einen prächtigen Vogel. Einige Wochen später ist Ulrich gestorben.
  187. Und ein paar Monate später bin ich noch mal hingegangen und hab mich verabschiedet.
  188. Danke, Ulrich, für deine Zeit. Jetzt zum Schuss bin ich noch mal
  189. bei den Kindern vom SABU-CLUB der Nicolaidis Stiftung. Dass du traurig bist, dass deine Mama tot ist, ist ganz normal, oder?
  190. Jeder Mensch stirbt halt. Wir alle. Was glaubst du, passiert dann mit uns?
  191. Also wir bleiben im Grab, unsere Seele geht in den Himmel. Kannst du dir vorstellen, wie das im Himmel aussieht?
  192. Ich bin ja ganz oft geflogen, aber eigentlich sieht's da ganz normal aus.
  193. Wie unter den Wolken. Bloß dass da halt keine Häuser sind.
  194. Ich glaube, da oben sind nur Wolken und mehr nicht. Und die Verstorbenen, die Seele.
  195. Die Seelen von allen Leuten, die tot sind, sind im Himmel? Ja, glaube ich.
  196. Wenn man dann lang genug im Himmel war, was passiert dann so? Oder bleibt man da für immer?
  197. Ich glaube, man kommt als was anderes wieder auf die Welt. Als Tier oder so, oder als Pflanze.
  198. Leute, ich weiß nicht, was nach dem Tod passiert, ob's einen Himmel gibt und wie der aussieht.
  199. Aber eins weiß ich jetzt: dass man vor dem Tod keine Angst haben muss. Und dass das Leben schön ist.
  200. Danke, Anna, Edu
  201. und Holger. Danke, Ulrich.
  202. Danke, Toni, Silas, Madline und all die anderen. Und danke euch, dass ihr dabei wart. Tschau, macht's gut.
  203. * Titelsong * Untertitelung: BR 2016

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