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Der Leben- und Sterben-Check | Reportage für Kinder | Checker Tobi
Das Wichtigste aus dem Video
Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.
Transkriptautomatisch erstellt · 203 Zeilen
- Untertitelung: BR 2016 # Achtung! Hier kommt Checker Tobi.
- # Das ist Tobi, Checker Tobi. Der ist cool, hey, ziemlich groovy. # Der, der immer fragt. Der die Action mag.
- # Der, der alles wagt. Der, der niemals klagt. # Das ist Tobi, Checker Tobi. Der ist cool, hey, ziemlich groovy.
- # Der, der ständig rennt. Der, der niemals pennt. # Der auch manchmal flennt. Der tausend Leute kennt.
- # Das ist Tobi, Checker Tobi. Checker Tobi! Das ist Haselnuss, mein Hamster.
- Wir haben viel gemeinsam und machen auch viel zusammen. Haselnuss und ich sind richtig gute Freunde.
- Aber eines Tages lag er im Käfig und hat sich nicht mehr bewegt. Ich hab eine Weile gebraucht, um zu kapieren,
- dass Haselnuss tot ist. Dann hab ich beschlossen, ihn zu begraben.
- Tschüss, Haselnuss. Echt traurig, wenn jemand stirbt.
- Das hat mich auch nachdenklich gemacht. Warum müssen alle Lebewesen sterben? Und was passiert dabei?
- Und was kommt danach? Darum geht's heute. Heute geht's um den Tod.
- Jeder Mensch wird irgendwann älter und stirbt. Das ist so. Aber was kommt danach?
- Viele Menschen glauben, dass es einen Körper gibt, also die Hülle, und eine Seele.
- Der Körper stirbt, aber die Seele lebt weiter. Vielleicht geht sie in den Himmel zu Gott,
- wie es z.B. die Christen und Muslime glauben. Oder sie kommt als etwas anderes wieder zurück auf die Erde.
- Daran glauben z.B. die Buddhisten. Eine sichere Antwort darauf gibt es nicht,
- denn niemand kommt von den Toten zurück, um davon zu erzählen. Aber sicher ist: Der Tod gehört zum Leben.
- Ich selber hab Tote bisher nur im Fernsehen gesehen. Aber ich glaube, das hat mit dem echten Sterben nicht viel zu tun.
- Ich hab noch nie einen Verwandten oder Freund verloren. Aber ihr vielleicht schon.
- Ich hab ein bisschen Angst davor. Gegen die Angst hilft nur drüber reden und Fragen stellen.
- Das mach ich heute. Dafür treffe ich Anna.
- Sie hat jeden Tag mit dem Tod zu tun. Und ich sehe zum ersten Mal einen toten Menschen.
- Ich besuch Ulrich, der weiß, dass er bald sterben wird. Und ich treffe Kinder, die einen geliebten Menschen verloren haben,
- und frage sie, wie sie damit umgehen. Ihr merkt schon, keine leichten Fragen.
- Eindeutige Antworten gibt's da wohl auch nicht. Deshalb hab ich heute keine Checkerfragen.
- Meine Checkerbude ist auch anders als sonst: Ich bau sie im Wald auf, nicht weit weg vom Grab von Haselnuss.
- Also, kommt mit. Das wird eine spannende Reise. Hier kommt:
- Wenn jemand stirbt, den man gut kannte und sehr gern hatte, ist man mehr als nur traurig. Man vermisst die Person so sehr,
- dass man vielleicht nichts mehr isst, dass einem alles sinnlos vorkommt,
- dass man aus dem Nichts einfach so losweint. Dazu sagt man: Man trauert.
- Das ist ganz normal und auch logisch, weil dieser Mensch kommt nicht mehr zurück.
- Damit muss man erst mal klarkommen. Trauer geht auch nicht einfach so wieder vorbei.
- Das kann mehrere Monate oder sogar über ein Jahr dauern. Ich treffe Kinder, denen was ganz Schlimmes passiert ist:
- Bei ihnen ist die Mama oder der Papa gestorben. Leute, ich bin echt nervös. Wie soll ich mit denen reden?
- Bestimmt sind die alle total traurig. Okay, also eins verstehe ich schon mal:
- Wenn man trauert, ist man nicht die ganze Zeit traurig, weil das Leben geht ja weiter.
- Und man kann ganz normal mit den Trauernden reden, wenn sie das denn wollen.
- Die Kinder vom SABU-Club der Nicolaidis Stiftung in München spielen gerade ein kleines Theaterstück.
- Und ich bastle jetzt was mit ihnen: Erinnerungsstücke. Mein Vater wollte immer nur bei mir sein.
- Der hat sich immer abends in mein Bett reingelegt und dann ... * Kind macht Schnarchgeräusche. *
- ... geschlafen. Neben dir geschnarcht. Ja.
- Und die alten Sachen von eurem Papa oder eurer Mama, guckt ihr die euch manchmal noch an?
- Ja. Warum? Damit wir wieder dran denken können.
- Weil ich vergess manchmal, dass ich eine Mama hatte, und die schon tot ist. Also das ist total komisch.
- Warum ist deine Mama gestorben? Weil sie Krebs hatte, Bauchweh und so.
- Bist du sauer, weil du allein gelassen wurdest? Nö. - Ich war am Anfang schon sauer,
- weil ich wollte ihm davor noch was zeigen. Da war's aber abends noch so spät.
- Am nächsten Tag konnte ich es ihm nicht mehr zeigen. Das ist dein Papa? - Ja. Das bist du? - Ja.
- Wie alt bist du da? Zwei oder drei. Also ist es schon fünf Jahre her. Ja.
- Als mein Papa gestorben ist, bin ich erst mal zwei Tage zu Hause geblieben
- und hab die ganze Zeit geweint. Musst du manchmal immer noch weinen deswegen? - Ja.
- Aber das ist voll okay, oder? Ja, das ist okay. Und bei dir sind ganz viele verschiedene Farben, Philipp?
- Ja, weil vom meinem Papa war Grün die Lieblingsfarbe. Und Rot mag ich halt.
- Und auf dem Foto ist dein Papa? Ja. Tobi, ich hab ein selbst erfundenes Braun.
- Das ist ein selbst gemachtes Braun? Ja. Voll cool. Wollen wir uns das hier kurz angucken? - Ja.
- Ist das dein Papa? Ja. Immer wenn wir was von Papa erzählen,
- dann werden wir immer ganz traurig. Findest du das blöd, dass du deswegen traurig bist? - Ja.
- Ja? Vermisst du ihn auch? Ja, sehr doll. Aber Silas, trotzdem, dein Braun ist ungeschlagen.
- Übrigens hast du meinen ganzen Arm angemalt mit deinem Kittel. Und meine Hand übrigens auch.
- Eins ist mir schon mal klar geworden: Trauern hat viel mit Erinnern zu tun.
- Und dass man traurig sein darf, manchmal sogar muss. Und dass Reden hilft.
- So wie es die Kinder hier machen, die sich jeden Monat einmal treffen. Zu ihnen komm ich später noch mal zurück.
- Jetzt treffe ich erst mal jemanden, der täglich mit dem Tod zu tun hat: Anna. Sie ist Bestatterin.
- Das heißt, sie kümmert sich um die Beerdigung von Verstorbenen und um die Angehörigen.
- Zuerst gucken wir uns einen Sarg an, auch den bereitet Anna vor. Er hat innen eine weiche Matratze, damit der Tote geschützt ist.
- Und am Rand kann man ihn schmücken. Wenn ein Sarg fertig vorbereitet wäre,
- was passiert als Nächstes? Je nachdem, was die Familie für einen Sarg ausgesucht hat,
- wird der oder die Verstorbene in diesen Sarg eingebettet. D.h., der wird vorher gewaschen, wird angezogen.
- Das machst du am toten Körper? Ja, genau. Die Herren werden evtl. rasiert, wenn sie keinen Bart hatten.
- Und manchen Damen werden die Locken gedreht. Die werden noch mal schön gemacht für den letzten Weg? - Genau.
- Ist das für dich nicht gruselig? Wenn ich mich daran erinnere,
- als ich das erste Mal diesen körperlichen Kontakt hatte, war es schon komisch irgendwie.
- Aber es ist eine Ehre sich darum zu kümmern, jemanden vorzubereiten, jemanden schön zu machen.
- Das strahlt Ruhe aus für mich persönlich. Und derjenige von vorhin, der Verstorbene,
- für den du die Halle da vorne gartenähnlich dekoriert hast, liegt diese Person dann hier drin?
- Genau dieser Sarg wird es nicht, da hat sich die Familie einen anderen ausgesucht.
- Sie steht jetzt in unserem Verabschiedungsraum. Okay, und dann sieht man die tote Person?
- Also diese verstorbene Frau liegt offen in dem Sarg. Und die Angehörigen können noch mal kommen und Tschüss sagen? - Genau.
- Können wir mal zu ihr gehen, also nur wenn das in Ordnung ist, sie treffen und ansehen irgendwie?
- Wir können gerne zusammen rübergehen. Okay, dann machen wir das jetzt. Ja.
- (flüstert) Krass. (flüstert) Das sieht so unwirklich aus, aber auch so friedlich.
- (flüstert) Ja, als würde sie schlafen, oder? Voll.
- Wir zeigen ihr Gesicht jetzt nicht, weil sie ja schon verstorben ist und wir sie nicht mehr fragen konnten,
- ob das für sie okay ist. Ich glaube, so ist es irgendwie in Ordnung. - Ja.
- Man guckt die ganze Zeit so unweigerlich, denkt man, dass ... Ich guck und frag mich, warum sich der Brustkorb nicht hebt.
- Das ist ganz ... ... unwirklich. - Total. Kann ich sie mal anfassen, berühren?
- Mach das gerne, ja. Echt? - Ja. Krass, ist ganz kalt. Ja, das Blut zirkuliert nicht mehr.
- Das merkt man gerade so krass, dass kein Leben mehr in ihr drin ist. Wie alt ist sie geworden? Sie ist fast 90 geworden.
- Wahnsinn. - Ein langes Leben. Voll, ja klar. - Ja. Sie hat bestimmt viel erlebt in den Jahren.
- Sprichst du manchmal mit den Verstorbenen? Ja, regelmäßig sogar. Ja? - Ja.
- Was sagst du denn? Ich unterhalt mich ganz normal mit ihnen über alltägliche Dinge,
- bereite sie darauf vor, erzähl ihnen, wer gleich zur Verabschiedung vorbeikommt,
- was geplant ist und was die nächsten Tage passiert. Ich mach das ganz automatisch.
- Das find ich schön, so hält man sie noch eine Weile bei sich. Ja, du hast recht.
- Okay, d.h., wir können uns noch irgendwie von ihr verabschieden. Dann kommt der nächste Schritt.
- War schön, Sie kennengelernt zu haben, irgendwie. Danke. Gehen wir? Ja. - Okay.
- Nach dem Abschiednehmen kommt der Sarg in einen sog. Leichenwagen.
- Darin wird er entweder direkt zum Friedhof gebracht und in der Erde bestattet,
- oder er kommt, wie in unserem Fall, ins Krematorium. Das Krematorium ist ein Gebäude, in dem Menschen eingeäschert werden,
- also verbrannt. Auf dem Sarg liegt ein feuerfester Stein.
- Darauf steht eine Nummer, die zu dem Verstorbenen gehört. Wenn später alles verbrannt ist,
- bleibt der Stein mit der Nummer übrig. So weiß man auch nach Jahren noch, zu wem die Asche gehört.
- Aber in dem Sarg ist ja der Mensch noch drin. Also der wird komplett da reingeschoben. - Ja.
- Warum verbrennt man den mit dem Holz? Der Körper des Menschen muss ja irgendwie transportiert werden.
- Man kann ihn nicht einfach reinwerfen oder reinlegen. In diesem Sarg ist der Körper, diese Hülle des Menschen, noch beschützt.
- In diesem Sarg wird er direkt in den Ofen reingeschoben. Krass, heftig. Aber es ist ja, wenn man so drüber nachdenkt,
- auch "nur" ein toter Körper und gar nicht mehr der Mensch, den man da verbrennt. - Genau.
- Du spürst ja auch keine Schmerzen mehr, weil du es gar nicht merkst. Ja. Also egal, was passiert, es tut niemandem weh.
- Es ist nur eine Art des Abschiednehmens von diesem Körper. Genau. Okay.
- Der Ofen ist rund 1300°C heiß. Bei einer solchen Hitze entzündet sich das Holz von ganz allein.
- Alter, das fand ich aber schon irgendwie krass zu sehen, dass dieser Sarg so in Flammen aufgeht.
- Und da liegt ja nun mal noch ein Mensch drin. Und man spürt voll, wenn das Ding aufgeht,
- wie einem die Hitze so entgegenkommt. - Absolut, ja. Heftig irgendwie. Wie lange dauert das,
- bis das so weit verbrannt ist, dass es in eine Urne kann. Es wird so etwa zwei Stunden dauern. Okay.
- Wir warten so lange draußen. Schon ein komischer Gedanke, wenn man sich vorstellt,
- dass da drin gerade ein Körper eingeäschert wird. Dabei ist das eine uralte Methode.
- Schon in der Bronzezeit, also vor rund 3000 Jahren, haben die Menschen ihre Toten auf einem großen Holzstoß verbrannt.
- Sie benutzten keine Särge, sondern hüllten sie in ein Tuch. Auch die Wikinger vor etwa 1000 Jahren
- verbrannten zum Teil ihre Toten. Die wurden dafür in festliche Kleidung gehüllt.
- Und in Indien ist die Einäscherung bis heute die bei Weitem häufigste Form der Bestattung.
- Hi. - Hi Krass, das ist die Urne jetzt, ja? Das ist die Urne.
- Da ist die Asche von der Verstorbenen drin? - Richtig. Kann ich mal sehen? Mit dem Originalstein und Asche.
- Aber es sieht gar nicht aus wie Asche, sondern Sand am Strand mit so kleinen Muschelstückchen.
- Darf ich das mal halten? Ja, klar. Es ist so leicht, man kann es mit einer Hand halten.
- Aber gleichzeitig finde ich das so verrückt, dass ein Mensch, der vorher noch in so einem Riesensarg war
- und so groß ist wie ich, größer vielleicht, da reinpassen soll. Ja. Aber weil der Körper eben auch aus sehr viel Wasser besteht ...
- Wenn man sich das mal vorstellt: Das verdampft ganz schnell durch die Hitze.
- Und das bleibt dann von jemandem. Was passiert dann mit der Urne und Asche?
- Diese Urne würde jetzt im Boden beigesetzt werden. Weltweit gibt's die unterschiedlichsten Bräuche,
- wie man mit Verstorbenen umgeht. In Ghana in Westafrika sind die Särge was ganz Besonderes.
- Wenn eine Familie sich das leisten kann, kann sie sich vom Schreiner einen Sarg in jeder möglichen Form anfertigen lassen
- Guckt mal, das kann alles sein: Z.B. ein Löwe,
- ein Fisch, ein Auto
- oder sogar ein Filmprojektor. Je nachdem, was der Verstorbene eben gern mochte
- oder auch beruflich gemacht hat. Wenn er z.B. Förster war,
- kann er in einem Sarg in Baumform beerdigt werden. Anna und ich gehen jetzt auf den Friedhof,
- wo die Urne beigesetzt wird. Dort treffen wir gleich Edu. Er ist hier Friedhofsgärtner.
- Guten Tag. Hallo, ihr beiden. Tobi, freut mich. Was machst du gerade?
- Ich heb ein Urnengrab aus. Das wird ein Urnengrab? Ja.
- Kann ich dir was helfen? Ja, gerne. Einfach weitergraben? Genau.
- Ja, ganz locker dabei gehen, pfeifen dabei. * Tobi pfeift. *
- Ja, genau. Du pfeifst, wenn du auf dem Friedhof bist und Gräber gräbst?
- Ich pfeife dabei, ja. Ich mach das auch gerne. Macht es dich nicht traurig, hier Löcher auszuheben für Verstorbene?
- Nicht unbedingt. Es kann auch eine Erlösung sein. Dann kann man sich auch freuen.
- Man muss den Friedhof auch als Park sehen, als Ruhe. Wenn du mal richtig grantig bist, dann geh auf den Friedhof.
- Du kommst runter. du wirst diese Ruhe spüren. Kannst du gut pfeifen? Ja. - Mach mal!
- * Edu pfeift. * * Tobi stimmt mit ein. *
- Mit dem Gerät hier kann man noch tiefer graben. Am Schluss ist das Loch etwa 80 cm tief.
- Danke, Edu. Anna und ich dekorieren das Grab jetzt noch.
- Wenn wir diesen letzten Schritt vorbereitet haben, der Mensch jetzt gleich beerdigt wird,
- was glaubst du für dich selbst, was wirklich danach kommt? Ich glaub irgendwie an das Gute.
- Deswegen kann ich mir nicht vorstellen, dass danach wirklich rein gar nichts kommt,
- oder irgendwas, was einem wehtut oder nicht guttut. Entweder fühlt man einfach nichts oder es kommt was Gutes.
- Anna dekoriert jetzt noch allein zu Ende, denn gleich kommen die Trauergäste. Und die will ich nicht stören.
- Später hat mir Anna erzählt, dass die Trauerfeier sehr schön war. Ich frag mich: Wie ist das, wenn jemand stirbt?
- Was empfindet er? Ein paar Monate später hab ich versucht, das herauszufinden.
- Dafür hab ich mich mit Holger im Christophorus Hospiz in München verabredet.
- Ein Hospiz ist ein Ort, wo Menschen hingehen, denen kein Arzt mehr helfen kann.
- Und die wissen, dass sie sterben werden. Was sind das für Steine hier?
- Auf die Steine werden alle Namen draufgeschrieben von den Hospiz-Bewohnern, die verstorben sind.
- Die Menschen kommen ja ins Hospiz, um hier zu sterben, oder? Genau, wir hören ungern, dass es ein Sterbehaus ist.
- Das ist es eigentlich nicht. Natürlich sterben die Menschen hier. Wir versuchen aber, denen noch Lebensqualität
- oder Zeit zu schenken, dass schon auch Leben stattfindet. Es darf gelacht werden, es wird Musik gemacht, all das.
- Dann sind die Steine, die hier alle liegen, so eine Art Geschichte des Hospiz auch.
- So kann man's auch sehen, ja. "Omatante". "Omatante", genau.
- Das ist auch schön. Hier noch ein Smiley im "O". "Papa, jetzt bist du wieder bei Mama."
- Schon krass, dass jeder dieser Steine für ein Menschenleben steht. Ich darf jetzt Ulrich treffen.
- Er hat Krebs und nur noch wenige Wochen zu leben. Wie geht's dir im Moment hier?
- Gut, ich fühle mich heute sehr wohl. Und hier fühle ich mich sowieso sehr wohl.
- Es ist ein sehr angenehmer Ort, um hier zu sein. Ganz viele verlieren ihre Omas und Opas, wenn sie achtzig sind.
- Du bist aber erst fünfzig. Hast du das Gefühl, dass du ganz viel verpasst im Leben?
- Überhaupt nicht. Ich hatte ein sehr, sehr reiches Leben, ein sehr vielfältiges Leben.
- Ich hab eigentlich genau das gemacht, was ich wollte. Deswegen vermiss ich da auch nichts.
- Für dich kommt jetzt als nächste große Erfahrung der Tod. Du wirst dann jetzt bald sterben.
- Und was glaubst du, passiert dann mit dir? Was kommt denn danach?
- Also das ist jetzt reine Fantasie, sozusagen. Ich persönlich hab das Gefühl,
- ich geh wieder zurück nach da, wo ich hergekommen bin. Ich hab das Gefühl, da bin ich wieder wer anders, was auch immer.
- Vielleicht bin ich dann auch ein Krokodil. Hast du Angst vor dem Tod?
- Wirklich Angst hab ich nicht. Es ist eher ein Loslassen und auch so eine gewisse Freude,
- den Körper auch gehen zu lassen. Was glaubst du, wie wird sich das anfühlen, wenn du stirbst?
- Das kann ich überhaupt nicht sagen. Bevor ich nicht gestorben bin, kann ich ja nix drüber sagen, wie es ist.
- Gibt's etwas, wo du dir sagst: Das mag ich besonders gern, das werde ich vermissen.
- Ein Lieblingsessen, das du nicht mehr essen kannst? Pfirsichsaft. Wirklich?
- Es ist gerade so eines meiner Favoriten, also ich trinke wahnsinnig gerne Pfirsichsaft.
- Pfirsiche hat Ulrich als Kind schon immer gerne gegessen. Und: Ulrich malt gerne. Jeden Tag mindestens ein Bild.
- Heute malt er einen prächtigen Vogel. Einige Wochen später ist Ulrich gestorben.
- Und ein paar Monate später bin ich noch mal hingegangen und hab mich verabschiedet.
- Danke, Ulrich, für deine Zeit. Jetzt zum Schuss bin ich noch mal
- bei den Kindern vom SABU-CLUB der Nicolaidis Stiftung. Dass du traurig bist, dass deine Mama tot ist, ist ganz normal, oder?
- Jeder Mensch stirbt halt. Wir alle. Was glaubst du, passiert dann mit uns?
- Also wir bleiben im Grab, unsere Seele geht in den Himmel. Kannst du dir vorstellen, wie das im Himmel aussieht?
- Ich bin ja ganz oft geflogen, aber eigentlich sieht's da ganz normal aus.
- Wie unter den Wolken. Bloß dass da halt keine Häuser sind.
- Ich glaube, da oben sind nur Wolken und mehr nicht. Und die Verstorbenen, die Seele.
- Die Seelen von allen Leuten, die tot sind, sind im Himmel? Ja, glaube ich.
- Wenn man dann lang genug im Himmel war, was passiert dann so? Oder bleibt man da für immer?
- Ich glaube, man kommt als was anderes wieder auf die Welt. Als Tier oder so, oder als Pflanze.
- Leute, ich weiß nicht, was nach dem Tod passiert, ob's einen Himmel gibt und wie der aussieht.
- Aber eins weiß ich jetzt: dass man vor dem Tod keine Angst haben muss. Und dass das Leben schön ist.
- Danke, Anna, Edu
- und Holger. Danke, Ulrich.
- Danke, Toni, Silas, Madline und all die anderen. Und danke euch, dass ihr dabei wart. Tschau, macht's gut.
- * Titelsong * Untertitelung: BR 2016
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