Der Leben- und Sterben-Check | Reportage für Kinder | Checker Tobi CHECKER WELT https://www.youtube.com/watch?v=xA2L0IsC940 Transkript (automatisch erstellt) 0:01 Untertitelung: BR 2016 # Achtung! Hier kommt Checker Tobi. 0:05 # Das ist Tobi, Checker Tobi. Der ist cool, hey, ziemlich groovy. # Der, der immer fragt. Der die Action mag. 0:12 # Der, der alles wagt. Der, der niemals klagt. # Das ist Tobi, Checker Tobi. Der ist cool, hey, ziemlich groovy. 0:20 # Der, der ständig rennt. Der, der niemals pennt. # Der auch manchmal flennt. Der tausend Leute kennt. 0:26 # Das ist Tobi, Checker Tobi. Checker Tobi! Das ist Haselnuss, mein Hamster. 0:35 Wir haben viel gemeinsam und machen auch viel zusammen. Haselnuss und ich sind richtig gute Freunde. 0:46 Aber eines Tages lag er im Käfig und hat sich nicht mehr bewegt. Ich hab eine Weile gebraucht, um zu kapieren, 0:53 dass Haselnuss tot ist. Dann hab ich beschlossen, ihn zu begraben. 1:11 Tschüss, Haselnuss. Echt traurig, wenn jemand stirbt. 1:28 Das hat mich auch nachdenklich gemacht. Warum müssen alle Lebewesen sterben? Und was passiert dabei? 1:34 Und was kommt danach? Darum geht's heute. Heute geht's um den Tod. 1:42 Jeder Mensch wird irgendwann älter und stirbt. Das ist so. Aber was kommt danach? 1:48 Viele Menschen glauben, dass es einen Körper gibt, also die Hülle, und eine Seele. 1:54 Der Körper stirbt, aber die Seele lebt weiter. Vielleicht geht sie in den Himmel zu Gott, 1:59 wie es z.B. die Christen und Muslime glauben. Oder sie kommt als etwas anderes wieder zurück auf die Erde. 2:06 Daran glauben z.B. die Buddhisten. Eine sichere Antwort darauf gibt es nicht, 2:11 denn niemand kommt von den Toten zurück, um davon zu erzählen. Aber sicher ist: Der Tod gehört zum Leben. 2:19 Ich selber hab Tote bisher nur im Fernsehen gesehen. Aber ich glaube, das hat mit dem echten Sterben nicht viel zu tun. 2:26 Ich hab noch nie einen Verwandten oder Freund verloren. Aber ihr vielleicht schon. 2:32 Ich hab ein bisschen Angst davor. Gegen die Angst hilft nur drüber reden und Fragen stellen. 2:39 Das mach ich heute. Dafür treffe ich Anna. 2:44 Sie hat jeden Tag mit dem Tod zu tun. Und ich sehe zum ersten Mal einen toten Menschen. 2:49 Ich besuch Ulrich, der weiß, dass er bald sterben wird. Und ich treffe Kinder, die einen geliebten Menschen verloren haben, 2:59 und frage sie, wie sie damit umgehen. Ihr merkt schon, keine leichten Fragen. 3:04 Eindeutige Antworten gibt's da wohl auch nicht. Deshalb hab ich heute keine Checkerfragen. 3:10 Meine Checkerbude ist auch anders als sonst: Ich bau sie im Wald auf, nicht weit weg vom Grab von Haselnuss. 3:17 Also, kommt mit. Das wird eine spannende Reise. Hier kommt: 3:28 Wenn jemand stirbt, den man gut kannte und sehr gern hatte, ist man mehr als nur traurig. Man vermisst die Person so sehr, 3:35 dass man vielleicht nichts mehr isst, dass einem alles sinnlos vorkommt, 3:40 dass man aus dem Nichts einfach so losweint. Dazu sagt man: Man trauert. 3:44 Das ist ganz normal und auch logisch, weil dieser Mensch kommt nicht mehr zurück. 3:49 Damit muss man erst mal klarkommen. Trauer geht auch nicht einfach so wieder vorbei. 3:55 Das kann mehrere Monate oder sogar über ein Jahr dauern. Ich treffe Kinder, denen was ganz Schlimmes passiert ist: 4:02 Bei ihnen ist die Mama oder der Papa gestorben. Leute, ich bin echt nervös. Wie soll ich mit denen reden? 4:12 Bestimmt sind die alle total traurig. Okay, also eins verstehe ich schon mal: 4:20 Wenn man trauert, ist man nicht die ganze Zeit traurig, weil das Leben geht ja weiter. 4:26 Und man kann ganz normal mit den Trauernden reden, wenn sie das denn wollen. 4:34 Die Kinder vom SABU-Club der Nicolaidis Stiftung in München spielen gerade ein kleines Theaterstück. 4:40 Und ich bastle jetzt was mit ihnen: Erinnerungsstücke. Mein Vater wollte immer nur bei mir sein. 4:47 Der hat sich immer abends in mein Bett reingelegt und dann ... * Kind macht Schnarchgeräusche. * 4:53 ... geschlafen. Neben dir geschnarcht. Ja. 4:57 Und die alten Sachen von eurem Papa oder eurer Mama, guckt ihr die euch manchmal noch an? 5:03 Ja. Warum? Damit wir wieder dran denken können. 5:08 Weil ich vergess manchmal, dass ich eine Mama hatte, und die schon tot ist. Also das ist total komisch. 5:15 Warum ist deine Mama gestorben? Weil sie Krebs hatte, Bauchweh und so. 5:19 Bist du sauer, weil du allein gelassen wurdest? Nö. - Ich war am Anfang schon sauer, 5:25 weil ich wollte ihm davor noch was zeigen. Da war's aber abends noch so spät. 5:29 Am nächsten Tag konnte ich es ihm nicht mehr zeigen. Das ist dein Papa? - Ja. Das bist du? - Ja. 5:35 Wie alt bist du da? Zwei oder drei. Also ist es schon fünf Jahre her. Ja. 5:40 Als mein Papa gestorben ist, bin ich erst mal zwei Tage zu Hause geblieben 5:47 und hab die ganze Zeit geweint. Musst du manchmal immer noch weinen deswegen? - Ja. 5:54 Aber das ist voll okay, oder? Ja, das ist okay. Und bei dir sind ganz viele verschiedene Farben, Philipp? 6:09 Ja, weil vom meinem Papa war Grün die Lieblingsfarbe. Und Rot mag ich halt. 6:16 Und auf dem Foto ist dein Papa? Ja. Tobi, ich hab ein selbst erfundenes Braun. 6:22 Das ist ein selbst gemachtes Braun? Ja. Voll cool. Wollen wir uns das hier kurz angucken? - Ja. 6:28 Ist das dein Papa? Ja. Immer wenn wir was von Papa erzählen, 6:32 dann werden wir immer ganz traurig. Findest du das blöd, dass du deswegen traurig bist? - Ja. 6:38 Ja? Vermisst du ihn auch? Ja, sehr doll. Aber Silas, trotzdem, dein Braun ist ungeschlagen. 6:47 Übrigens hast du meinen ganzen Arm angemalt mit deinem Kittel. Und meine Hand übrigens auch. 6:54 Eins ist mir schon mal klar geworden: Trauern hat viel mit Erinnern zu tun. 6:59 Und dass man traurig sein darf, manchmal sogar muss. Und dass Reden hilft. 7:04 So wie es die Kinder hier machen, die sich jeden Monat einmal treffen. Zu ihnen komm ich später noch mal zurück. 7:11 Jetzt treffe ich erst mal jemanden, der täglich mit dem Tod zu tun hat: Anna. Sie ist Bestatterin. 7:18 Das heißt, sie kümmert sich um die Beerdigung von Verstorbenen und um die Angehörigen. 7:24 Zuerst gucken wir uns einen Sarg an, auch den bereitet Anna vor. Er hat innen eine weiche Matratze, damit der Tote geschützt ist. 7:32 Und am Rand kann man ihn schmücken. Wenn ein Sarg fertig vorbereitet wäre, 7:38 was passiert als Nächstes? Je nachdem, was die Familie für einen Sarg ausgesucht hat, 7:44 wird der oder die Verstorbene in diesen Sarg eingebettet. D.h., der wird vorher gewaschen, wird angezogen. 7:50 Das machst du am toten Körper? Ja, genau. Die Herren werden evtl. rasiert, wenn sie keinen Bart hatten. 7:57 Und manchen Damen werden die Locken gedreht. Die werden noch mal schön gemacht für den letzten Weg? - Genau. 8:04 Ist das für dich nicht gruselig? Wenn ich mich daran erinnere, 8:09 als ich das erste Mal diesen körperlichen Kontakt hatte, war es schon komisch irgendwie. 8:14 Aber es ist eine Ehre sich darum zu kümmern, jemanden vorzubereiten, jemanden schön zu machen. 8:20 Das strahlt Ruhe aus für mich persönlich. Und derjenige von vorhin, der Verstorbene, 8:26 für den du die Halle da vorne gartenähnlich dekoriert hast, liegt diese Person dann hier drin? 8:32 Genau dieser Sarg wird es nicht, da hat sich die Familie einen anderen ausgesucht. 8:37 Sie steht jetzt in unserem Verabschiedungsraum. Okay, und dann sieht man die tote Person? 8:43 Also diese verstorbene Frau liegt offen in dem Sarg. Und die Angehörigen können noch mal kommen und Tschüss sagen? - Genau. 8:50 Können wir mal zu ihr gehen, also nur wenn das in Ordnung ist, sie treffen und ansehen irgendwie? 8:59 Wir können gerne zusammen rübergehen. Okay, dann machen wir das jetzt. Ja. 9:21 (flüstert) Krass. (flüstert) Das sieht so unwirklich aus, aber auch so friedlich. 9:29 (flüstert) Ja, als würde sie schlafen, oder? Voll. 9:34 Wir zeigen ihr Gesicht jetzt nicht, weil sie ja schon verstorben ist und wir sie nicht mehr fragen konnten, 9:41 ob das für sie okay ist. Ich glaube, so ist es irgendwie in Ordnung. - Ja. 9:47 Man guckt die ganze Zeit so unweigerlich, denkt man, dass ... Ich guck und frag mich, warum sich der Brustkorb nicht hebt. 9:55 Das ist ganz ... ... unwirklich. - Total. Kann ich sie mal anfassen, berühren? 10:02 Mach das gerne, ja. Echt? - Ja. Krass, ist ganz kalt. Ja, das Blut zirkuliert nicht mehr. 10:14 Das merkt man gerade so krass, dass kein Leben mehr in ihr drin ist. Wie alt ist sie geworden? Sie ist fast 90 geworden. 10:24 Wahnsinn. - Ein langes Leben. Voll, ja klar. - Ja. Sie hat bestimmt viel erlebt in den Jahren. 10:31 Sprichst du manchmal mit den Verstorbenen? Ja, regelmäßig sogar. Ja? - Ja. 10:36 Was sagst du denn? Ich unterhalt mich ganz normal mit ihnen über alltägliche Dinge, 10:42 bereite sie darauf vor, erzähl ihnen, wer gleich zur Verabschiedung vorbeikommt, 10:48 was geplant ist und was die nächsten Tage passiert. Ich mach das ganz automatisch. 10:53 Das find ich schön, so hält man sie noch eine Weile bei sich. Ja, du hast recht. 10:59 Okay, d.h., wir können uns noch irgendwie von ihr verabschieden. Dann kommt der nächste Schritt. 11:06 War schön, Sie kennengelernt zu haben, irgendwie. Danke. Gehen wir? Ja. - Okay. 11:18 Nach dem Abschiednehmen kommt der Sarg in einen sog. Leichenwagen. 11:22 Darin wird er entweder direkt zum Friedhof gebracht und in der Erde bestattet, 11:28 oder er kommt, wie in unserem Fall, ins Krematorium. Das Krematorium ist ein Gebäude, in dem Menschen eingeäschert werden, 11:37 also verbrannt. Auf dem Sarg liegt ein feuerfester Stein. 11:41 Darauf steht eine Nummer, die zu dem Verstorbenen gehört. Wenn später alles verbrannt ist, 11:47 bleibt der Stein mit der Nummer übrig. So weiß man auch nach Jahren noch, zu wem die Asche gehört. 11:55 Aber in dem Sarg ist ja der Mensch noch drin. Also der wird komplett da reingeschoben. - Ja. 12:01 Warum verbrennt man den mit dem Holz? Der Körper des Menschen muss ja irgendwie transportiert werden. 12:07 Man kann ihn nicht einfach reinwerfen oder reinlegen. In diesem Sarg ist der Körper, diese Hülle des Menschen, noch beschützt. 12:15 In diesem Sarg wird er direkt in den Ofen reingeschoben. Krass, heftig. Aber es ist ja, wenn man so drüber nachdenkt, 12:22 auch "nur" ein toter Körper und gar nicht mehr der Mensch, den man da verbrennt. - Genau. 12:28 Du spürst ja auch keine Schmerzen mehr, weil du es gar nicht merkst. Ja. Also egal, was passiert, es tut niemandem weh. 12:36 Es ist nur eine Art des Abschiednehmens von diesem Körper. Genau. Okay. 12:55 Der Ofen ist rund 1300°C heiß. Bei einer solchen Hitze entzündet sich das Holz von ganz allein. 13:13 Alter, das fand ich aber schon irgendwie krass zu sehen, dass dieser Sarg so in Flammen aufgeht. 13:19 Und da liegt ja nun mal noch ein Mensch drin. Und man spürt voll, wenn das Ding aufgeht, 13:25 wie einem die Hitze so entgegenkommt. - Absolut, ja. Heftig irgendwie. Wie lange dauert das, 13:30 bis das so weit verbrannt ist, dass es in eine Urne kann. Es wird so etwa zwei Stunden dauern. Okay. 13:42 Wir warten so lange draußen. Schon ein komischer Gedanke, wenn man sich vorstellt, 13:47 dass da drin gerade ein Körper eingeäschert wird. Dabei ist das eine uralte Methode. 13:52 Schon in der Bronzezeit, also vor rund 3000 Jahren, haben die Menschen ihre Toten auf einem großen Holzstoß verbrannt. 13:59 Sie benutzten keine Särge, sondern hüllten sie in ein Tuch. Auch die Wikinger vor etwa 1000 Jahren 14:05 verbrannten zum Teil ihre Toten. Die wurden dafür in festliche Kleidung gehüllt. 14:12 Und in Indien ist die Einäscherung bis heute die bei Weitem häufigste Form der Bestattung. 14:22 Hi. - Hi Krass, das ist die Urne jetzt, ja? Das ist die Urne. 14:28 Da ist die Asche von der Verstorbenen drin? - Richtig. Kann ich mal sehen? Mit dem Originalstein und Asche. 14:35 Aber es sieht gar nicht aus wie Asche, sondern Sand am Strand mit so kleinen Muschelstückchen. 14:41 Darf ich das mal halten? Ja, klar. Es ist so leicht, man kann es mit einer Hand halten. 14:49 Aber gleichzeitig finde ich das so verrückt, dass ein Mensch, der vorher noch in so einem Riesensarg war 14:55 und so groß ist wie ich, größer vielleicht, da reinpassen soll. Ja. Aber weil der Körper eben auch aus sehr viel Wasser besteht ... 15:03 Wenn man sich das mal vorstellt: Das verdampft ganz schnell durch die Hitze. 15:09 Und das bleibt dann von jemandem. Was passiert dann mit der Urne und Asche? 15:14 Diese Urne würde jetzt im Boden beigesetzt werden. Weltweit gibt's die unterschiedlichsten Bräuche, 15:21 wie man mit Verstorbenen umgeht. In Ghana in Westafrika sind die Särge was ganz Besonderes. 15:27 Wenn eine Familie sich das leisten kann, kann sie sich vom Schreiner einen Sarg in jeder möglichen Form anfertigen lassen 15:35 Guckt mal, das kann alles sein: Z.B. ein Löwe, 15:39 ein Fisch, ein Auto 15:43 oder sogar ein Filmprojektor. Je nachdem, was der Verstorbene eben gern mochte 15:48 oder auch beruflich gemacht hat. Wenn er z.B. Förster war, 15:52 kann er in einem Sarg in Baumform beerdigt werden. Anna und ich gehen jetzt auf den Friedhof, 16:01 wo die Urne beigesetzt wird. Dort treffen wir gleich Edu. Er ist hier Friedhofsgärtner. 16:07 Guten Tag. Hallo, ihr beiden. Tobi, freut mich. Was machst du gerade? 16:13 Ich heb ein Urnengrab aus. Das wird ein Urnengrab? Ja. 16:17 Kann ich dir was helfen? Ja, gerne. Einfach weitergraben? Genau. 16:23 Ja, ganz locker dabei gehen, pfeifen dabei. * Tobi pfeift. * 16:28 Ja, genau. Du pfeifst, wenn du auf dem Friedhof bist und Gräber gräbst? 16:33 Ich pfeife dabei, ja. Ich mach das auch gerne. Macht es dich nicht traurig, hier Löcher auszuheben für Verstorbene? 16:41 Nicht unbedingt. Es kann auch eine Erlösung sein. Dann kann man sich auch freuen. 16:46 Man muss den Friedhof auch als Park sehen, als Ruhe. Wenn du mal richtig grantig bist, dann geh auf den Friedhof. 16:53 Du kommst runter. du wirst diese Ruhe spüren. Kannst du gut pfeifen? Ja. - Mach mal! 16:59 * Edu pfeift. * * Tobi stimmt mit ein. * 17:16 Mit dem Gerät hier kann man noch tiefer graben. Am Schluss ist das Loch etwa 80 cm tief. 17:22 Danke, Edu. Anna und ich dekorieren das Grab jetzt noch. 17:35 Wenn wir diesen letzten Schritt vorbereitet haben, der Mensch jetzt gleich beerdigt wird, 17:41 was glaubst du für dich selbst, was wirklich danach kommt? Ich glaub irgendwie an das Gute. 17:47 Deswegen kann ich mir nicht vorstellen, dass danach wirklich rein gar nichts kommt, 17:52 oder irgendwas, was einem wehtut oder nicht guttut. Entweder fühlt man einfach nichts oder es kommt was Gutes. 17:59 Anna dekoriert jetzt noch allein zu Ende, denn gleich kommen die Trauergäste. Und die will ich nicht stören. 18:06 Später hat mir Anna erzählt, dass die Trauerfeier sehr schön war. Ich frag mich: Wie ist das, wenn jemand stirbt? 18:13 Was empfindet er? Ein paar Monate später hab ich versucht, das herauszufinden. 18:19 Dafür hab ich mich mit Holger im Christophorus Hospiz in München verabredet. 18:23 Ein Hospiz ist ein Ort, wo Menschen hingehen, denen kein Arzt mehr helfen kann. 18:28 Und die wissen, dass sie sterben werden. Was sind das für Steine hier? 18:37 Auf die Steine werden alle Namen draufgeschrieben von den Hospiz-Bewohnern, die verstorben sind. 18:43 Die Menschen kommen ja ins Hospiz, um hier zu sterben, oder? Genau, wir hören ungern, dass es ein Sterbehaus ist. 18:50 Das ist es eigentlich nicht. Natürlich sterben die Menschen hier. Wir versuchen aber, denen noch Lebensqualität 18:58 oder Zeit zu schenken, dass schon auch Leben stattfindet. Es darf gelacht werden, es wird Musik gemacht, all das. 19:05 Dann sind die Steine, die hier alle liegen, so eine Art Geschichte des Hospiz auch. 19:10 So kann man's auch sehen, ja. "Omatante". "Omatante", genau. 19:16 Das ist auch schön. Hier noch ein Smiley im "O". "Papa, jetzt bist du wieder bei Mama." 19:27 Schon krass, dass jeder dieser Steine für ein Menschenleben steht. Ich darf jetzt Ulrich treffen. 19:34 Er hat Krebs und nur noch wenige Wochen zu leben. Wie geht's dir im Moment hier? 19:44 Gut, ich fühle mich heute sehr wohl. Und hier fühle ich mich sowieso sehr wohl. 19:50 Es ist ein sehr angenehmer Ort, um hier zu sein. Ganz viele verlieren ihre Omas und Opas, wenn sie achtzig sind. 19:57 Du bist aber erst fünfzig. Hast du das Gefühl, dass du ganz viel verpasst im Leben? 20:03 Überhaupt nicht. Ich hatte ein sehr, sehr reiches Leben, ein sehr vielfältiges Leben. 20:10 Ich hab eigentlich genau das gemacht, was ich wollte. Deswegen vermiss ich da auch nichts. 20:17 Für dich kommt jetzt als nächste große Erfahrung der Tod. Du wirst dann jetzt bald sterben. 20:23 Und was glaubst du, passiert dann mit dir? Was kommt denn danach? 20:30 Also das ist jetzt reine Fantasie, sozusagen. Ich persönlich hab das Gefühl, 20:41 ich geh wieder zurück nach da, wo ich hergekommen bin. Ich hab das Gefühl, da bin ich wieder wer anders, was auch immer. 20:49 Vielleicht bin ich dann auch ein Krokodil. Hast du Angst vor dem Tod? 20:55 Wirklich Angst hab ich nicht. Es ist eher ein Loslassen und auch so eine gewisse Freude, 21:01 den Körper auch gehen zu lassen. Was glaubst du, wie wird sich das anfühlen, wenn du stirbst? 21:07 Das kann ich überhaupt nicht sagen. Bevor ich nicht gestorben bin, kann ich ja nix drüber sagen, wie es ist. 21:15 Gibt's etwas, wo du dir sagst: Das mag ich besonders gern, das werde ich vermissen. 21:20 Ein Lieblingsessen, das du nicht mehr essen kannst? Pfirsichsaft. Wirklich? 21:27 Es ist gerade so eines meiner Favoriten, also ich trinke wahnsinnig gerne Pfirsichsaft. 21:36 Pfirsiche hat Ulrich als Kind schon immer gerne gegessen. Und: Ulrich malt gerne. Jeden Tag mindestens ein Bild. 21:49 Heute malt er einen prächtigen Vogel. Einige Wochen später ist Ulrich gestorben. 22:00 Und ein paar Monate später bin ich noch mal hingegangen und hab mich verabschiedet. 22:07 Danke, Ulrich, für deine Zeit. Jetzt zum Schuss bin ich noch mal 22:18 bei den Kindern vom SABU-CLUB der Nicolaidis Stiftung. Dass du traurig bist, dass deine Mama tot ist, ist ganz normal, oder? 22:27 Jeder Mensch stirbt halt. Wir alle. Was glaubst du, passiert dann mit uns? 22:33 Also wir bleiben im Grab, unsere Seele geht in den Himmel. Kannst du dir vorstellen, wie das im Himmel aussieht? 22:42 Ich bin ja ganz oft geflogen, aber eigentlich sieht's da ganz normal aus. 22:48 Wie unter den Wolken. Bloß dass da halt keine Häuser sind. 22:55 Ich glaube, da oben sind nur Wolken und mehr nicht. Und die Verstorbenen, die Seele. 23:02 Die Seelen von allen Leuten, die tot sind, sind im Himmel? Ja, glaube ich. 23:08 Wenn man dann lang genug im Himmel war, was passiert dann so? Oder bleibt man da für immer? 23:13 Ich glaube, man kommt als was anderes wieder auf die Welt. Als Tier oder so, oder als Pflanze. 23:22 Leute, ich weiß nicht, was nach dem Tod passiert, ob's einen Himmel gibt und wie der aussieht. 23:28 Aber eins weiß ich jetzt: dass man vor dem Tod keine Angst haben muss. Und dass das Leben schön ist. 23:35 Danke, Anna, Edu 23:38 und Holger. Danke, Ulrich. 23:42 Danke, Toni, Silas, Madline und all die anderen. Und danke euch, dass ihr dabei wart. Tschau, macht's gut. 23:58 * Titelsong * Untertitelung: BR 2016