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Josef Bordat: Die katholische Kirche und der Nationalsozialismus, Teil 1 (halb)

KIRCHE IN NOT Deutschland6:43 3.059 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

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  1. Grüß Gott und willkommen zu Glaubenskompass. Die katholische Kirche insbesondere in Person, das von 1939 bis 1958
  2. amtierenden Papstes Pios des X, habe nichts gegen die Nazis unternommen, viel mehr mit diesen paktiert und trage daher eine Mitschuld an der Judenverfolgung
  3. des Dritten Reiches. Diese Vorwürfe hört man auch heute noch immer wieder. Was dran ist, erläutert uns heute der katholische Philosoph und
  4. Buchautor Dr. Josef Bordart. Herzlich willkommen. Vielen Dank. Herr Dr. Bordat, ich habe die Vorwürfe
  5. genannt, die katholische Kirche als Kollaborateur der Nazis, sozusagen als Versager auf dem Feld des Widerstandes gegen das Dritte Reich. Was ist dran an
  6. diesen Vorwürfen? Also in dieser Schärfe ist da nichts dran. Also man kann sagen, dass das Bild, das die katholische Kirche in Zeit
  7. des Nationalsozialismus abgibt, ein sehr differenziertes ist, ein ambivalentes. Zwischen zähnirschendem Arrangement und
  8. offenem Widerstand gab es ganz ganz viele Facetten des ja nicht so gut dokumentierten geheimen Widerstandes im Untergrund. Es gab natürlich auch
  9. Anpassungen. Jeder Mensch muss entscheiden, wie er damit umgeht, in einer Diktatur zu leben. Persönliche Entscheidungen, Ängste,
  10. Gewissenscheidungen. Ähm, die Kirche insgesamt ähm hat sowohl sich arrangiert, kann man sagen, als auch äh Widerstand geleistet bis hin zu
  11. offenem Widerstand, der dann auch das Regime herausgefordert hat. Gab es denn vom Grundsatz her Schnittmengen zwischen der Ideologie des Nationalsozialismus
  12. und der Lehre der katholischen Kirche? Ähm grundsätzlich nicht. Es gab allerdings am Anfang eine gewisse Hoffnung, dass die soziale Frage etwa
  13. ähm durch die durch das neue Regime beantwortet werden könnte. In Deutschland gab es ja viele Arbeitslose. Das Problem wurde dann sehr offensiv
  14. angegangen. Das kam bei einigen sehr gut an. Übrigens auch bei Widerstandskämpfern wie den Geschwistern Schul, die hatten am Anfang auch gewisse
  15. Hoffnungen. Sicherlich ist der Antikommunismus der Nazis ein Punkt, den viele wohlwollend aufgenommen haben, weil wir wissen ja
  16. jetzt 2017 100 Jahre Oktoberrevolution, es gab ja da was, was auch Europa bedroht hat und das war sicherlich etwas, wo die Nazis sag wo die äh
  17. Katholiken sagten, da sind die Nazis vielleicht äh die besten, die uns schützen können, Europa schützen können vor dieser Gefahr. Ähm, ansonsten ähm
  18. gibt es da ähm keine Übereinstimmung oder keine Schnittmengen. Wie war denn die Haltung der Kirche zu den Nationalsozialisten,
  19. als sie noch nicht an der Macht waren? Also, es ist bereits ähm frühzeitig 1932, also vor der Mach Ergreifung klargestellt worden, dass ähm eine
  20. Mitgliedschaft in der Kirche und eine Mitgliedschaft in der NSDP unvereinbar sind. Also entweder man war Christ oder man war Nazi. Also es war ganz klar so
  21. auch äh gesagt worden. Ähm das ist vielleicht nicht bei allen durchgedrungen, aber die Kirche hat sich ja ganz klar positioniert und hat dann
  22. auch gleich nach der Machtergreifung sich mit der Ideologie näher auseinandergesetzt, vor allen Dingen mit den Schriften von Alfred Rosenberg. Das
  23. ist so ein Vordenker gewesen des NS äh Regimes. Ähm und da hat unter Federführung des Kanals von Galen, des späteren äh Bischofs von Münster, der
  24. noch wichtig werden wird, ähm hat eine Gruppe vor allen Dingen Bonner Theologen ein Papier entwickelt, ähm Studien zum Mythos des 20. Jahrhunderts, dass diese
  25. ganze diesen ganzen Versuch Rosenbergs das Christentum zu vereinnahmen eben von katholischer Seite ähm deliktimiert hat.
  26. Und das war eine ganz wichtige intellektuelle äh sousagen Schrift Beitrag zur Auseetzung mit dem NS-Rime. Ähm für die Basis war
  27. entscheidend, dass die Kirche deutlich gemacht hat, also ihr könnt nicht als Katholiken Mitglied in der Partei sein. Mhm. Sie haben den Namen Rosenberg
  28. erwähnt, ein Vordenker der Nationalsozialisten. Wie standen denn die Nationalsozialisten ähm offiziell zur katholischen Kirche?
  29. Gibt es da auch äh Dokumente? Ja, also man kann sagen, sie standen ablehnend bis spöttisch, am Ende auch gewaltsam und ähm wirklich
  30. als Verfolger gegenüber der Kirche. Ähm zunächst war es so, dass äh man versucht hat, das katholische Christentum ähm oder das Christentum insgesamt zu
  31. vereinnahmen, gleichzuschalten. Das ist bei den Protestanten gewisserweise gelungen mit den deutschen Christen. Bei den Katholiken ging das nicht so
  32. einfach. Das ist eben eine andere Konstitution, weltkirchliche Organisation und so weiter. Und da hat man dann gleich versucht, das
  33. katholische Christentum zu delektimieren, indem man also etwa ähm die Verbindung zum Judentum herausgestellt hat, das katholische
  34. Christentum als verjudet dargestellt hat und im Grunde genommen als nicht mehr zeitgemäß und für die neue Zeit, für die Zukunft, die man ja sah, nicht mehr
  35. tauglich. wentumutschen und das ging nicht mit den Katholiken und deswegen war sofort der Widerstand
  36. der Nazis auch gegen die gegen die Theologie gen die katholische Theologie, da ging Jesuiten sehr stark. Das ging ein bisschen zu Schmutzkampagnen und äh
  37. zu wirklichen äh üblen Verläumnungs Geschichten. Aber zunächst war es einfach der Versuch, den katholischen, die katholische Konversion des
  38. Christentums ähm dadurch zu delektimieren, dass man sie sehr nah an das Judentum heranführte und sagte, ist im Grunde genommen ja auch damit in
  39. einer Ecke. Es war der Versuch äh die katholische Kirche zu vereinnahmen. Und als das nicht gelang ist, halt das passiert, was
  40. Sie gerade angedeutet haben. Es kamen Schmutzkampagnen. Wie sah denn so etwas konkret aus? Ja, also zum einen gibt es ähm die
  41. typischen Karikaturen äh im Stürmer in einer Publikation der Nazis, wo eben ähm vor allen Dingen natürlich Juden ähm übelst karikiert wurden, aber eben auch
  42. katholische Würdenträger. H.

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