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Josef Bordat: Die katholische Kirche und der Nationalsozialismus, Teil 1 (halb)
Das Wichtigste aus dem Video
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Transkriptautomatisch erstellt · 42 Zeilen
- Grüß Gott und willkommen zu Glaubenskompass. Die katholische Kirche insbesondere in Person, das von 1939 bis 1958
- amtierenden Papstes Pios des X, habe nichts gegen die Nazis unternommen, viel mehr mit diesen paktiert und trage daher eine Mitschuld an der Judenverfolgung
- des Dritten Reiches. Diese Vorwürfe hört man auch heute noch immer wieder. Was dran ist, erläutert uns heute der katholische Philosoph und
- Buchautor Dr. Josef Bordart. Herzlich willkommen. Vielen Dank. Herr Dr. Bordat, ich habe die Vorwürfe
- genannt, die katholische Kirche als Kollaborateur der Nazis, sozusagen als Versager auf dem Feld des Widerstandes gegen das Dritte Reich. Was ist dran an
- diesen Vorwürfen? Also in dieser Schärfe ist da nichts dran. Also man kann sagen, dass das Bild, das die katholische Kirche in Zeit
- des Nationalsozialismus abgibt, ein sehr differenziertes ist, ein ambivalentes. Zwischen zähnirschendem Arrangement und
- offenem Widerstand gab es ganz ganz viele Facetten des ja nicht so gut dokumentierten geheimen Widerstandes im Untergrund. Es gab natürlich auch
- Anpassungen. Jeder Mensch muss entscheiden, wie er damit umgeht, in einer Diktatur zu leben. Persönliche Entscheidungen, Ängste,
- Gewissenscheidungen. Ähm, die Kirche insgesamt ähm hat sowohl sich arrangiert, kann man sagen, als auch äh Widerstand geleistet bis hin zu
- offenem Widerstand, der dann auch das Regime herausgefordert hat. Gab es denn vom Grundsatz her Schnittmengen zwischen der Ideologie des Nationalsozialismus
- und der Lehre der katholischen Kirche? Ähm grundsätzlich nicht. Es gab allerdings am Anfang eine gewisse Hoffnung, dass die soziale Frage etwa
- ähm durch die durch das neue Regime beantwortet werden könnte. In Deutschland gab es ja viele Arbeitslose. Das Problem wurde dann sehr offensiv
- angegangen. Das kam bei einigen sehr gut an. Übrigens auch bei Widerstandskämpfern wie den Geschwistern Schul, die hatten am Anfang auch gewisse
- Hoffnungen. Sicherlich ist der Antikommunismus der Nazis ein Punkt, den viele wohlwollend aufgenommen haben, weil wir wissen ja
- jetzt 2017 100 Jahre Oktoberrevolution, es gab ja da was, was auch Europa bedroht hat und das war sicherlich etwas, wo die Nazis sag wo die äh
- Katholiken sagten, da sind die Nazis vielleicht äh die besten, die uns schützen können, Europa schützen können vor dieser Gefahr. Ähm, ansonsten ähm
- gibt es da ähm keine Übereinstimmung oder keine Schnittmengen. Wie war denn die Haltung der Kirche zu den Nationalsozialisten,
- als sie noch nicht an der Macht waren? Also, es ist bereits ähm frühzeitig 1932, also vor der Mach Ergreifung klargestellt worden, dass ähm eine
- Mitgliedschaft in der Kirche und eine Mitgliedschaft in der NSDP unvereinbar sind. Also entweder man war Christ oder man war Nazi. Also es war ganz klar so
- auch äh gesagt worden. Ähm das ist vielleicht nicht bei allen durchgedrungen, aber die Kirche hat sich ja ganz klar positioniert und hat dann
- auch gleich nach der Machtergreifung sich mit der Ideologie näher auseinandergesetzt, vor allen Dingen mit den Schriften von Alfred Rosenberg. Das
- ist so ein Vordenker gewesen des NS äh Regimes. Ähm und da hat unter Federführung des Kanals von Galen, des späteren äh Bischofs von Münster, der
- noch wichtig werden wird, ähm hat eine Gruppe vor allen Dingen Bonner Theologen ein Papier entwickelt, ähm Studien zum Mythos des 20. Jahrhunderts, dass diese
- ganze diesen ganzen Versuch Rosenbergs das Christentum zu vereinnahmen eben von katholischer Seite ähm deliktimiert hat.
- Und das war eine ganz wichtige intellektuelle äh sousagen Schrift Beitrag zur Auseetzung mit dem NS-Rime. Ähm für die Basis war
- entscheidend, dass die Kirche deutlich gemacht hat, also ihr könnt nicht als Katholiken Mitglied in der Partei sein. Mhm. Sie haben den Namen Rosenberg
- erwähnt, ein Vordenker der Nationalsozialisten. Wie standen denn die Nationalsozialisten ähm offiziell zur katholischen Kirche?
- Gibt es da auch äh Dokumente? Ja, also man kann sagen, sie standen ablehnend bis spöttisch, am Ende auch gewaltsam und ähm wirklich
- als Verfolger gegenüber der Kirche. Ähm zunächst war es so, dass äh man versucht hat, das katholische Christentum ähm oder das Christentum insgesamt zu
- vereinnahmen, gleichzuschalten. Das ist bei den Protestanten gewisserweise gelungen mit den deutschen Christen. Bei den Katholiken ging das nicht so
- einfach. Das ist eben eine andere Konstitution, weltkirchliche Organisation und so weiter. Und da hat man dann gleich versucht, das
- katholische Christentum zu delektimieren, indem man also etwa ähm die Verbindung zum Judentum herausgestellt hat, das katholische
- Christentum als verjudet dargestellt hat und im Grunde genommen als nicht mehr zeitgemäß und für die neue Zeit, für die Zukunft, die man ja sah, nicht mehr
- tauglich. wentumutschen und das ging nicht mit den Katholiken und deswegen war sofort der Widerstand
- der Nazis auch gegen die gegen die Theologie gen die katholische Theologie, da ging Jesuiten sehr stark. Das ging ein bisschen zu Schmutzkampagnen und äh
- zu wirklichen äh üblen Verläumnungs Geschichten. Aber zunächst war es einfach der Versuch, den katholischen, die katholische Konversion des
- Christentums ähm dadurch zu delektimieren, dass man sie sehr nah an das Judentum heranführte und sagte, ist im Grunde genommen ja auch damit in
- einer Ecke. Es war der Versuch äh die katholische Kirche zu vereinnahmen. Und als das nicht gelang ist, halt das passiert, was
- Sie gerade angedeutet haben. Es kamen Schmutzkampagnen. Wie sah denn so etwas konkret aus? Ja, also zum einen gibt es ähm die
- typischen Karikaturen äh im Stürmer in einer Publikation der Nazis, wo eben ähm vor allen Dingen natürlich Juden ähm übelst karikiert wurden, aber eben auch
- katholische Würdenträger. H.
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