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Positives Christentum

Positives Christentum ist ein Schlagwort der NS-Propaganda, mit dem die NSDAP in ihrem Parteiprogramm von 1920 ihre eigene Weltanschauung als christlich, …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Kernbegriff
  2. 2. Ältere Bedeutung
  3. 3. Umdeutung im Nationalsozialismus
  4. 4. Politische Funktion
  5. 5. Hitlers Aussage 1933

Kernbegriff

„Positives Christentum“ war ein Schlagwort der NS-Propaganda. Die NSDAP benutzte es in ihrem Parteiprogramm von 1920, um ihre eigene Weltanschauung als christlich darzustellen. Diese Darstellung war konfessionell ungebunden, also nicht an eine bestimmte Kirche gebunden, und richtete sich kämpferisch gegen einen von ihr so genannten „jüdisch-materialistischen“ Geist. Zugleich sollte sie am Prinzip des Gemeinnutzes orientiert sein, das völkisch und rassistisch verstanden wurde.

Ältere Bedeutung

Vor dem Nationalsozialismus hatte der Ausdruck eine andere Bedeutung. In der Religionsphilosophie der Aufklärung bezeichnete „positive Religion“ (religio posita oder positiva) eine offenbarte und institutionalisierte Religion. Der Begriff entstand in Analogie zum Positiven Recht und grenzte das Christentum als Offenbarungsreligion von natürlicher Religion und Vernunftreligion ab.

An dieses traditionelle Verständnis knüpfte in der Kaiserzeit die kirchlich-positive Richtung an. Christliche Theologen verwiesen später in der kritischen Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus darauf, dass „positiv“ nur „schriftgemäß“ bedeuten könne: also der biblischen Offenbarung entsprechend, nicht den Vorgaben einer politischen Partei.

Umdeutung im Nationalsozialismus

Die NS-Ideologie knüpfte nicht an diese ältere Begriffstradition an. Stattdessen stellte sie „positives“ und „negatives“ Christentum einander gegenüber; diese Unterscheidung wird im Text mit Alfred Rosenberg verbunden. Als „positiv“ galten dabei Inhalte, die mit der nationalsozialistischen Ideologie vereinbar waren oder von ihr als christlich ausgegeben wurden. Dazu konnten auch Inhalte gehören, die eigentlich neuheidnisch waren.

Als „negativ“ wurden dagegen Elemente abgelehnt, die als jüdisch oder als kirchlich-konfessionell verdorben dargestellt wurden. Der Begriff diente also dazu, erwünschte Inhalte als christlich auszugeben und unerwünschte Bestandteile des Christentums auszugrenzen.

Politische Funktion

Im 25-Punkte-Programm verband die NSDAP ihre Selbstdarstellung als Vertreterin eines „positiven Christentums“ mit der Forderung nach „Freiheit aller religiöser Bekenntnisse im Staat“. Diese Freiheit wurde aber stark eingeschränkt: Sie sollte nur gelten, „soweit sie nicht dessen Bestand“ gefährdeten oder „gegen das Sittlichkeits- und Moralgefühl der germanischen Rasse verstoßen“.

Damit grenzte sich die NSDAP von marxistischen und sozialdemokratischen Parteien ab. Zugleich reagierte sie auf die öffentliche Wahrnehmung ihrer eigenen antichristlichen und antikirchlichen Tendenzen. Sie wollte den Eindruck erwecken, dem Christentum und den Kirchen kritisch, aber aufgeschlossen gegenüberzustehen. Außerdem sollte sie für Menschen attraktiv wirken, die sich von den Kirchen entfremdet hatten, sich aber weiterhin christlichen Werten verbunden fühlten.

Hitlers Aussage 1933

Hitler griff diese Selbstdarstellung auch kurz vor der Machtübernahme auf. In seinem öffentlichen Aufruf zur Machtergreifung erklärte er am 31. Januar 1933: „Sie [die Reichsregierung] wird das Christentum als Basis unserer gesamten Moral, die Familie als Keimzelle unseres Volks- und Staatskörpers in ihren festen Schutz nehmen.“

Die Aussage zeigt, wie der Nationalsozialismus christliche Begriffe und Werte öffentlich zur Legitimation der eigenen Politik verwendete.

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