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Josef Bordat: Die katholische Kirche und der Nationalsozialismus, Teil 1
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Transkriptautomatisch erstellt · 85 Zeilen
- [musik] Grüß Gott und willkommen zu Glaubenskompass.
- Die katholische Kirche, insbesondere in Person, das von 1939 bis 1958 amtierenden Papstes Pios des X, habe nichts gegen die Nazis unternommen, viel
- mehr mit diesen paktiert und trage daher eine Mitschuld an der Judenverfolgung des Dritten Reiches. Diese Vorwürfe hört man auch heute noch
- immer wieder. Was dran ist, erläutert uns heute der katholische Philosoph und Buchautor Dr. Josef Bordat. Herzlich willkommen.
- Vielen Dank. Herr Dr. Bordart. Ich habe die Vorwürfe genannt, die katholische Kirche als Kollaborateur der Nazis, sozusagen als
- Versager auf dem Feld des Widerstandes gegen das Dritte Reich. Was ist dran an diesen Vorwürfen? Also in dieser Schärfe ist da nichts
- dran. Also man kann sagen, dass das Bild, das die katholische Kirche in der Zeit des Nationalsozialismus abgibt, ein sehr
- differenziertes ist, ein ambivalentes zwischen zähnschendem Arrangement und offenem Widerstand gab es ganz ganz viele Facetten des ja nicht so gut
- dokumentierten geheimen Widerstandes im Untergrund. Es gab natürlich auch Anpassungen. Jeder Mensch muss entscheiden, wie er damit umgeht, in der
- Diktatur zu leben. Persönliche Entscheidungen, Ängste, Gewissenscheidungen. Ähm, die Kirche insgesamt ähm hat sowohl
- sich arrangiert, kann man sagen, als auch äh Widerstand geleistet bis hin zu offenem Widerstand, der dann auch das Regime herausgefordert hat. Gab es denn
- vom Grundsatz her Schnittmengen zwischen der Ideologie des Nationalsozialismus und der Lehre der katholischen Kirche? Ähm, grundsätzlich nicht. Es gab
- allerdings am Anfang eine gewisse Hoffnung, dass die soziale Frage etwa ähm durch die durch das neue Regime beantwortet werden könnte. In
- Deutschland gab es ja viele Arbeitslose. Das Problem wurde dann sehr offensiv angegangen. Das kam bei einigen sehr gut an. übrigens auch bei
- Widerstandskämpfern wie den Geschwistern Scholl, die hatten am Anfang auch gewisse Hoffnungen. Sicherlich ist der Antikommunismus der
- Nazis ein Punkt, den viele wohlwollend aufgenommen haben, weil wir wissen ja jetzt 2017 100 Jahre Oktoberrevolution, es gab ja da was, was auch Europa
- bedroht hat und das war sicherlich etwas, wo die Nazis sag wo die äh Katholiken sagten, da sind die Nazis vielleicht äh die besten, die uns
- schützen können, Europa schützen können vor dieser Gefahr. Ähm, ansonsten ähm gibt es da ähm keine Übereinstimmung oder keine Schnittmengen. Wie war denn
- die Haltung der Kirche zu den Nationalsozialisten, als sie noch nicht an der Macht waren? Also, es ist bereits ähm frühzeitig
- 1932, also vor der Machgreifung klargestellt worden, dass ähm eine Mitgliedschaft in der Kirche und eine Mitgliedschaft in der NSDP unvereinbar
- sind. Also entweder man war Christ oder man war Nazi. Also es war ganz klar so auch äh gesagt worden. Ähm das ist vielleicht nicht bei allen
- durchgedrungen, aber die Kirche hat ja ganz klar positioniert und hat dann auch gleich nach der Machtergreifung sich mit der Ideologie näher auseinandergesetzt,
- vor allen Dingen mit äh den Schriften von Alfred Rosenberg. Das ist so ein Vordenker gewesen des NS äh Regimes ähm und da hat unter Federführung des Kanals
- von Gen, des späteren äh Bischofs von Münster, der noch wichtig werden wird, ähm hat eine Gruppe vor allen Dingen Bonner Theologen ein Papier entwickelt
- ähm Studien zum Mythos des 20. Jahrhunderts, dass diese ganze diesen ganzen Versuch Rosenbergs das Christentum zu vereinnahmen eben von
- katholischer Seite ähm deliktimiert hat. Und das war eine ganz wichtige intellektuelle äh
- sozusagen Schrift Beitrag zur Ausetzung mit dem NS-Rime. Ähm für die Basis war entscheidend, dass die Kirche deutlich gemacht hat, also ihr könnt nicht als
- Katholiken Mitglied in der Partei sein. Mhm. Sie haben den Namen Rosenberg erwähnt, ein Vordenker der Nationalsozialisten.
- Wie standen denn die Nationalsozialisten ähm offiziell zur katholischen Kirche? Gibt es da auch äh Dokumente? Ja, also man kann sagen, sie standen ablehnend
- bis spöttisch, am Ende auch gewaltsam und ähm wirklich als Verfolger gegenüber der Kirche. Ähm zunächst war es so, dass ähm man
- versucht hat, das katholische Christentum ähm oder das Christentum insgesamt zu vereinnahmen, gleichzuschalten. Das ist bei den
- Protestanten gewisserweise gelungen mit den deutschen Christen. Bei den Katholiken ging das nicht so einfach. Das ist eben eine andere
- Konstitution, weltkirchliche Organisation und so weiter. Und da hat man dann gleich versucht, das katholische Christentum zu
- delektimieren, indem man also etwa ähm die Verbindung zum Judentum herausgestellt hat, das katholische Christentum als verjudet dargestellt hat
- und im Grunde genommen als nicht mehr zeitgemäß und für die neue Zeit, für die Zukunft, die man ja sah, nicht mehr tauglich.
- wentumutschen und das ging nicht mit den Katholiken und deswegen war sofort der Widerstand der Nazis auch gegen die gegen die
- Theologie gen die katholische Theologie, da ging die Jesuiten sehr stark. Das ging ein bisschen zu Schmutzkampagnen und äh zu wirklichen äh üblen
- Verläumnungs Geschichten. Aber zunächst war es einfach der Versuch, den katholischen, die katholische Konversion des Christentums ähm dadurch zu
- delektimieren, dass man sie sehr nah an das Judentum heranführte und sagte, ist im Grunde genommen ja auch damit in einer Ecke.
- Es war der Versuch äh die katholische Kirche zu vereinnahmen. Und als das nicht gelang ist, halt das passiert, was Sie gerade angedeutet haben. Es kamen
- Schmutzkampagnen. Wie sah denn so etwas konkret aus? Ja, also zum einen gibt es ähm die typischen Karikaturen äh im Stürmer in
- einer Publikation der Nazis, wo eben ähm vor allen Dingen natürlich Juden ähm übelst äh karrikiert wurden, aber eben auch katholische Würdenträger hof oft
- auch im Zusammenhang, um eben diese These vom verjudeten Katholizismus zu stützen. Ähm, das ging soweit, dass sie sogar Sozialisten dafür eingesetzt
- haben, dass man also da mal drauf schaut und ähm, dass es so nicht geht, also die Kirche Schutz genommen haben, sozusagen. Ähm und es gab etwa auch den Versuch ähm
- mit ähm im Thema Missbrauch die katholische Kirche zu beschädigen, dass man also gesagt hat, hier sind Missbrauchsfälle äh virulent, was ähm
- sich nicht bewahrten konnte, aber was eben ähm ja damals ein Teil dieser Schmutzkampagne war. Und dann hat noch ähm Himler persönlich ein Auftrag
- gegeben, die Hexenforschung mal etwas genauer zu betreiben, um zu entwickeln, dass also die Kirche, die katholische Kirche natürlich ähm an einer ähm
- Verfolgung der germanischen äh Frauen beteiligt war im Mittelalter. Stimmt natürlich alles nicht. Interessant ist, dass die Listen Himmlers ähm
- Aufschluss geben über die tatsächlichen Opferzahlen, die liegen bei einigen 10 000 und die werden heute von der Forschung verwendet. Ähm, also Himler
- hat sich sozusagen eine ähm äh oder das Regime hat sich damit äh selbst ins Knie geschossen, dass sie also sozusagen Ergebnisse geliefert haben, die gar
- nicht mit der These ursprünglich übereinstimmten, dass also die Kirche Millionenfachen Mord begangen hätte an Frauen. Auch der der Kontext zu zur
- germanischen völkischen Idee ist nicht gegeben. Ähm und das war sozusagen aber auch ein Versuch ähm gegen die katholische Kirche
- vorzugehen, lange bevor man später äh dann anfing etwa mit dem Klostersturm 41 die Kirche also wirklich massiv auch zu attackieren. Mm. Also, sie sagen, vieles
- von schwarzen Legenden, die heute noch existieren, ist auch damals entstanden durch die Nazis, muss man klar feststellen.
- Und jetzt haben sie auch gesagt, äh die Kirche hat klar Stellung bezogen, bevor die Nazis an der Macht waren. Wie war denn das dann später? Ab 1933
- gab es da auch noch mutige Zeugen, die sich gegen Hitler und seine Charge gewandt haben? Auf jeden Fall. Es gab sie, es gab sie vielfach an der Basis,
- da wissen wir heute wenig von. Es gab sie aber auch an prominenter Stelle. Ich hatte vorhin schon Van Gallen genannt, der sich ja gegen die Utanasieaktion T4
- gewandt hat. T4 deswegen, weil sie in Berlin in der Tiergartenstraße 4 beschlossen wurde. Also die die Tötung sogenannten
- unwährten Lebens, die ab 1939 systematisch in Deutschland und in den besetzten Gebieten erfolgen, sollte und auch erfolgt ist.
- Ähm und dagegen hat sich die Kirche in Persona äh Kardinal von Gals Bischuss von Münster ähm gewandt. Allerdings auch mit Hilfe vieler Leihen, die etwas eine
- Predigten abgetippt und verbreitet haben, ohne dem jetzt keine breiten Wirkung dieser Predigten gegeben. Ähm, es gab auch in Berlin ein Hilfswerk
- für Juden, das vom Erz oder damals vom bischöflichen Ordinariat, da war Berlin nur noch nur Bischof, ähm Quatsch, da war Berlin nur ein Bistum, mit Erzbistum
- seit 96, glaube ich. ähm das äh ein Hilfswerk für Juden, das von dem Bernard Lichtenberg organisiert wurde.
- Äh damals war der von Prising war Kardinal, das ist übrigens ein Cousin vom von Galen, also da liegt der Widerstand quasi in der Familie.
- Ähm und der Lenberg B Lenberg hat tatsächlich vielen, vielen Menschen auch helfen können mit seinem äh Hilfswerk und hat dann
- ähm allerdings auch Stellung bezogen öffentlich ähm etwa im Zusammenhang mit der Reichprogramnacht 1938 9. November ähm und ist daraufhin
- eben aufgrund des sogenannten Kanzelparagraphens. Die Kirche sollte sich aus der Politik raushalten. Ähm, das hat er nicht getan.
- an der Stelle wurde er verhaftet nach Tegel ähm überstellt und dann ist er auf dem Weg zum oder ins KZ Dachau ja verstorben.
- Bernard Lenberg eine ganz wichtige Person für die Kirche auch in Berlin. Sie haben jetzt schon das Stichwort KZ Dachau genannt. Sie haben den
- bischöflichen Widerstand erwähnt, auch den Widerstand von ganz äh normalen Leihen. Aber wie stand es denn um den normalen Priester? Also man liest immer
- oder jeder der es lesen will, kann es lesen, dass so viele Priester im KZ Dachau gefangen halten wurden. Können Sie uns ein Bild machen von dem Ausmaß
- ähm dieser inhaftierten dort im KZ Dachau? Also muss sagen, das KZET Dachau, die Nazis sind ähm Ende Januar 33 an die
- Macht gekommen. Ende März 33 war das KZ darauf fertig. Also so früh. Ja, das war also zwei Monate später war
- das betriebsbereit sozusagen und da wurden natürlich nicht nur Priester äh hinverbracht, sondern auch politische ähm Gegner, Kommunisten,
- Sozialdemokraten, wie auch immer. Ähm Priester wurden dort aber dann massiv ähm hinüberführt. Es waren insgesamt über 2500 Geistliche dort ihn haftiert.
- Die meisten davon über 90% äh Katholiken, katholische Priester. Und es gibt wirklich, es ist hoch interessant ähm die Geschichten dieser Priester auch
- mal nachzuvziehen. Es gibt dazu auch Literatur. Priesterblog ist da das Stichwort Priesterblock Dachau. Ähm hoch interessant, hoch spannend, was da auch
- noch an geistlichem äh Leben möglich war im KZ. Vielen Dank, Herr Dr. Bodard, bis hierher mehr von Ihnen dann in einer
- weiteren Sendung zum Thema. Okay, liebe Zuseher, das war unsere erste Sendung zum Thema Kirche im
- Nationalsozialismus. mehr dann in einer neuen Folge. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. Auf Wiedersehen und bis zum nächsten Mal.
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