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Josef Bordat: Die katholische Kirche und der Nationalsozialismus, Teil 1

KIRCHE IN NOT Deutschland13:44 229 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

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Transkriptautomatisch erstellt · 85 Zeilen
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  1. [musik] Grüß Gott und willkommen zu Glaubenskompass.
  2. Die katholische Kirche, insbesondere in Person, das von 1939 bis 1958 amtierenden Papstes Pios des X, habe nichts gegen die Nazis unternommen, viel
  3. mehr mit diesen paktiert und trage daher eine Mitschuld an der Judenverfolgung des Dritten Reiches. Diese Vorwürfe hört man auch heute noch
  4. immer wieder. Was dran ist, erläutert uns heute der katholische Philosoph und Buchautor Dr. Josef Bordat. Herzlich willkommen.
  5. Vielen Dank. Herr Dr. Bordart. Ich habe die Vorwürfe genannt, die katholische Kirche als Kollaborateur der Nazis, sozusagen als
  6. Versager auf dem Feld des Widerstandes gegen das Dritte Reich. Was ist dran an diesen Vorwürfen? Also in dieser Schärfe ist da nichts
  7. dran. Also man kann sagen, dass das Bild, das die katholische Kirche in der Zeit des Nationalsozialismus abgibt, ein sehr
  8. differenziertes ist, ein ambivalentes zwischen zähnschendem Arrangement und offenem Widerstand gab es ganz ganz viele Facetten des ja nicht so gut
  9. dokumentierten geheimen Widerstandes im Untergrund. Es gab natürlich auch Anpassungen. Jeder Mensch muss entscheiden, wie er damit umgeht, in der
  10. Diktatur zu leben. Persönliche Entscheidungen, Ängste, Gewissenscheidungen. Ähm, die Kirche insgesamt ähm hat sowohl
  11. sich arrangiert, kann man sagen, als auch äh Widerstand geleistet bis hin zu offenem Widerstand, der dann auch das Regime herausgefordert hat. Gab es denn
  12. vom Grundsatz her Schnittmengen zwischen der Ideologie des Nationalsozialismus und der Lehre der katholischen Kirche? Ähm, grundsätzlich nicht. Es gab
  13. allerdings am Anfang eine gewisse Hoffnung, dass die soziale Frage etwa ähm durch die durch das neue Regime beantwortet werden könnte. In
  14. Deutschland gab es ja viele Arbeitslose. Das Problem wurde dann sehr offensiv angegangen. Das kam bei einigen sehr gut an. übrigens auch bei
  15. Widerstandskämpfern wie den Geschwistern Scholl, die hatten am Anfang auch gewisse Hoffnungen. Sicherlich ist der Antikommunismus der
  16. Nazis ein Punkt, den viele wohlwollend aufgenommen haben, weil wir wissen ja jetzt 2017 100 Jahre Oktoberrevolution, es gab ja da was, was auch Europa
  17. bedroht hat und das war sicherlich etwas, wo die Nazis sag wo die äh Katholiken sagten, da sind die Nazis vielleicht äh die besten, die uns
  18. schützen können, Europa schützen können vor dieser Gefahr. Ähm, ansonsten ähm gibt es da ähm keine Übereinstimmung oder keine Schnittmengen. Wie war denn
  19. die Haltung der Kirche zu den Nationalsozialisten, als sie noch nicht an der Macht waren? Also, es ist bereits ähm frühzeitig
  20. 1932, also vor der Machgreifung klargestellt worden, dass ähm eine Mitgliedschaft in der Kirche und eine Mitgliedschaft in der NSDP unvereinbar
  21. sind. Also entweder man war Christ oder man war Nazi. Also es war ganz klar so auch äh gesagt worden. Ähm das ist vielleicht nicht bei allen
  22. durchgedrungen, aber die Kirche hat ja ganz klar positioniert und hat dann auch gleich nach der Machtergreifung sich mit der Ideologie näher auseinandergesetzt,
  23. vor allen Dingen mit äh den Schriften von Alfred Rosenberg. Das ist so ein Vordenker gewesen des NS äh Regimes ähm und da hat unter Federführung des Kanals
  24. von Gen, des späteren äh Bischofs von Münster, der noch wichtig werden wird, ähm hat eine Gruppe vor allen Dingen Bonner Theologen ein Papier entwickelt
  25. ähm Studien zum Mythos des 20. Jahrhunderts, dass diese ganze diesen ganzen Versuch Rosenbergs das Christentum zu vereinnahmen eben von
  26. katholischer Seite ähm deliktimiert hat. Und das war eine ganz wichtige intellektuelle äh
  27. sozusagen Schrift Beitrag zur Ausetzung mit dem NS-Rime. Ähm für die Basis war entscheidend, dass die Kirche deutlich gemacht hat, also ihr könnt nicht als
  28. Katholiken Mitglied in der Partei sein. Mhm. Sie haben den Namen Rosenberg erwähnt, ein Vordenker der Nationalsozialisten.
  29. Wie standen denn die Nationalsozialisten ähm offiziell zur katholischen Kirche? Gibt es da auch äh Dokumente? Ja, also man kann sagen, sie standen ablehnend
  30. bis spöttisch, am Ende auch gewaltsam und ähm wirklich als Verfolger gegenüber der Kirche. Ähm zunächst war es so, dass ähm man
  31. versucht hat, das katholische Christentum ähm oder das Christentum insgesamt zu vereinnahmen, gleichzuschalten. Das ist bei den
  32. Protestanten gewisserweise gelungen mit den deutschen Christen. Bei den Katholiken ging das nicht so einfach. Das ist eben eine andere
  33. Konstitution, weltkirchliche Organisation und so weiter. Und da hat man dann gleich versucht, das katholische Christentum zu
  34. delektimieren, indem man also etwa ähm die Verbindung zum Judentum herausgestellt hat, das katholische Christentum als verjudet dargestellt hat
  35. und im Grunde genommen als nicht mehr zeitgemäß und für die neue Zeit, für die Zukunft, die man ja sah, nicht mehr tauglich.
  36. wentumutschen und das ging nicht mit den Katholiken und deswegen war sofort der Widerstand der Nazis auch gegen die gegen die
  37. Theologie gen die katholische Theologie, da ging die Jesuiten sehr stark. Das ging ein bisschen zu Schmutzkampagnen und äh zu wirklichen äh üblen
  38. Verläumnungs Geschichten. Aber zunächst war es einfach der Versuch, den katholischen, die katholische Konversion des Christentums ähm dadurch zu
  39. delektimieren, dass man sie sehr nah an das Judentum heranführte und sagte, ist im Grunde genommen ja auch damit in einer Ecke.
  40. Es war der Versuch äh die katholische Kirche zu vereinnahmen. Und als das nicht gelang ist, halt das passiert, was Sie gerade angedeutet haben. Es kamen
  41. Schmutzkampagnen. Wie sah denn so etwas konkret aus? Ja, also zum einen gibt es ähm die typischen Karikaturen äh im Stürmer in
  42. einer Publikation der Nazis, wo eben ähm vor allen Dingen natürlich Juden ähm übelst äh karrikiert wurden, aber eben auch katholische Würdenträger hof oft
  43. auch im Zusammenhang, um eben diese These vom verjudeten Katholizismus zu stützen. Ähm, das ging soweit, dass sie sogar Sozialisten dafür eingesetzt
  44. haben, dass man also da mal drauf schaut und ähm, dass es so nicht geht, also die Kirche Schutz genommen haben, sozusagen. Ähm und es gab etwa auch den Versuch ähm
  45. mit ähm im Thema Missbrauch die katholische Kirche zu beschädigen, dass man also gesagt hat, hier sind Missbrauchsfälle äh virulent, was ähm
  46. sich nicht bewahrten konnte, aber was eben ähm ja damals ein Teil dieser Schmutzkampagne war. Und dann hat noch ähm Himler persönlich ein Auftrag
  47. gegeben, die Hexenforschung mal etwas genauer zu betreiben, um zu entwickeln, dass also die Kirche, die katholische Kirche natürlich ähm an einer ähm
  48. Verfolgung der germanischen äh Frauen beteiligt war im Mittelalter. Stimmt natürlich alles nicht. Interessant ist, dass die Listen Himmlers ähm
  49. Aufschluss geben über die tatsächlichen Opferzahlen, die liegen bei einigen 10 000 und die werden heute von der Forschung verwendet. Ähm, also Himler
  50. hat sich sozusagen eine ähm äh oder das Regime hat sich damit äh selbst ins Knie geschossen, dass sie also sozusagen Ergebnisse geliefert haben, die gar
  51. nicht mit der These ursprünglich übereinstimmten, dass also die Kirche Millionenfachen Mord begangen hätte an Frauen. Auch der der Kontext zu zur
  52. germanischen völkischen Idee ist nicht gegeben. Ähm und das war sozusagen aber auch ein Versuch ähm gegen die katholische Kirche
  53. vorzugehen, lange bevor man später äh dann anfing etwa mit dem Klostersturm 41 die Kirche also wirklich massiv auch zu attackieren. Mm. Also, sie sagen, vieles
  54. von schwarzen Legenden, die heute noch existieren, ist auch damals entstanden durch die Nazis, muss man klar feststellen.
  55. Und jetzt haben sie auch gesagt, äh die Kirche hat klar Stellung bezogen, bevor die Nazis an der Macht waren. Wie war denn das dann später? Ab 1933
  56. gab es da auch noch mutige Zeugen, die sich gegen Hitler und seine Charge gewandt haben? Auf jeden Fall. Es gab sie, es gab sie vielfach an der Basis,
  57. da wissen wir heute wenig von. Es gab sie aber auch an prominenter Stelle. Ich hatte vorhin schon Van Gallen genannt, der sich ja gegen die Utanasieaktion T4
  58. gewandt hat. T4 deswegen, weil sie in Berlin in der Tiergartenstraße 4 beschlossen wurde. Also die die Tötung sogenannten
  59. unwährten Lebens, die ab 1939 systematisch in Deutschland und in den besetzten Gebieten erfolgen, sollte und auch erfolgt ist.
  60. Ähm und dagegen hat sich die Kirche in Persona äh Kardinal von Gals Bischuss von Münster ähm gewandt. Allerdings auch mit Hilfe vieler Leihen, die etwas eine
  61. Predigten abgetippt und verbreitet haben, ohne dem jetzt keine breiten Wirkung dieser Predigten gegeben. Ähm, es gab auch in Berlin ein Hilfswerk
  62. für Juden, das vom Erz oder damals vom bischöflichen Ordinariat, da war Berlin nur noch nur Bischof, ähm Quatsch, da war Berlin nur ein Bistum, mit Erzbistum
  63. seit 96, glaube ich. ähm das äh ein Hilfswerk für Juden, das von dem Bernard Lichtenberg organisiert wurde.
  64. Äh damals war der von Prising war Kardinal, das ist übrigens ein Cousin vom von Galen, also da liegt der Widerstand quasi in der Familie.
  65. Ähm und der Lenberg B Lenberg hat tatsächlich vielen, vielen Menschen auch helfen können mit seinem äh Hilfswerk und hat dann
  66. ähm allerdings auch Stellung bezogen öffentlich ähm etwa im Zusammenhang mit der Reichprogramnacht 1938 9. November ähm und ist daraufhin
  67. eben aufgrund des sogenannten Kanzelparagraphens. Die Kirche sollte sich aus der Politik raushalten. Ähm, das hat er nicht getan.
  68. an der Stelle wurde er verhaftet nach Tegel ähm überstellt und dann ist er auf dem Weg zum oder ins KZ Dachau ja verstorben.
  69. Bernard Lenberg eine ganz wichtige Person für die Kirche auch in Berlin. Sie haben jetzt schon das Stichwort KZ Dachau genannt. Sie haben den
  70. bischöflichen Widerstand erwähnt, auch den Widerstand von ganz äh normalen Leihen. Aber wie stand es denn um den normalen Priester? Also man liest immer
  71. oder jeder der es lesen will, kann es lesen, dass so viele Priester im KZ Dachau gefangen halten wurden. Können Sie uns ein Bild machen von dem Ausmaß
  72. ähm dieser inhaftierten dort im KZ Dachau? Also muss sagen, das KZET Dachau, die Nazis sind ähm Ende Januar 33 an die
  73. Macht gekommen. Ende März 33 war das KZ darauf fertig. Also so früh. Ja, das war also zwei Monate später war
  74. das betriebsbereit sozusagen und da wurden natürlich nicht nur Priester äh hinverbracht, sondern auch politische ähm Gegner, Kommunisten,
  75. Sozialdemokraten, wie auch immer. Ähm Priester wurden dort aber dann massiv ähm hinüberführt. Es waren insgesamt über 2500 Geistliche dort ihn haftiert.
  76. Die meisten davon über 90% äh Katholiken, katholische Priester. Und es gibt wirklich, es ist hoch interessant ähm die Geschichten dieser Priester auch
  77. mal nachzuvziehen. Es gibt dazu auch Literatur. Priesterblog ist da das Stichwort Priesterblock Dachau. Ähm hoch interessant, hoch spannend, was da auch
  78. noch an geistlichem äh Leben möglich war im KZ. Vielen Dank, Herr Dr. Bodard, bis hierher mehr von Ihnen dann in einer
  79. weiteren Sendung zum Thema. Okay, liebe Zuseher, das war unsere erste Sendung zum Thema Kirche im
  80. Nationalsozialismus. mehr dann in einer neuen Folge. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. Auf Wiedersehen und bis zum nächsten Mal.
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