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Paulskirche und Frankfurter Nationalversammlung| EINFACH ERKLÄRT

StudioEinfach - Wissen, das Klick macht! 7:01 199 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

Das Wichtigste aus dem Video

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Transkriptautomatisch erstellt · 46 Zeilen
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  1. Stellt euch mal vor, ihr könntet ein ganzes Land einfach von Grund auf neu erfinden. Klingt verrückt, oder? Aber genau das ist 1848 in Deutschland
  2. passiert. Willkommen zu einer der spannendsten und ja auch tragischsten Geschichten unserer Demokratie, der Geschichte der Paulskirche. Also stellt
  3. euch mal die Aufgabe vor. Erfinde ein ganzes Land neu aus dem Nichts und das nicht irgendwie in Ruhe und Frieden, sondern mitten im absoluten Chaos. Eine
  4. fast unmögliche Mission, könnte man meinen. Aber genau das war der Plan im Jahr 1848. Wir schreiben das Jahr 1848.
  5. In ganz Europa brennt die Luft und die Flammen der Revolution, die schwappen auch nach Deutschland über. Wie ihr hier seht, überall kämpfen Bürger auf
  6. blutigen Barrikaden. Sie hatten einfach die Nase gestrichen voll von der alten Ordnung, von den Fürsten, die das sagen hatten. Aber genau aus diesem Chaos, aus
  7. diesem Aufruhr, da entsteht eine absolut unglaubliche Idee, eine historische Mission, die wirklich alles verändern sollte. Und die Idee war revolutionär.
  8. Zum allerersten Mal in der deutschen Geschichte sollten Männer aus allen deutschen Staaten wählen dürfen und zwar ein Parlament, eine sogenannte
  9. Nationalversammlung. Die sollte in der Frankfurter Paulskirche zusammenkommen und hatte zwei riesige Aufgaben vor sich. Erstens,
  10. endlich einen gemeinsamen deutschen Nationalstaat schaffen. Ihr müsst wissen, Deutschland war damals ein reiner Flickenteppich aus über 30
  11. Einzelstaaten und zweitens eine Verfassung schreiben, die allen Bürgern Freiheit und Rechte garantiert. Ein gigantisches Projekt. Wirklich. Okay,
  12. aber wer waren denn die Leute, die diese Mammut Aufgabe stemmen sollten? War das so eine Art Dream Team, das wirklich alle Menschen in Deutschland vertreten
  13. hat? Na ja, schauen wir mal genauer hin. Und jetzt haltet euch fest, das ist nämlich der absolute Knackpunkt. Die Zusammensetzung war extrem einseitig.
  14. Über 80% waren Akademiker und Beamte. Und die normalen Leute, die draußen auf den Barrikaden gekämpft hatten, also Handwerker, Bauern, Arbeiter, so gut wie
  15. gar nicht vertreten. Stellt euch vor, einziger Bauer und Arbeiter? Null. kein einziger. Das sollte später noch zu einem Riesenprem werden. Logisch, dass
  16. die Versammlung deswegen auch ziemlich schnell diesen Spitznamen weg hatte. Es war halt kein Querschnitt der Bevölkerung, sondern eine Versammlung
  17. der geistigen Elite des Landes. Und klar, wie heute auch, hatten diese Leute natürlich ganz unterschiedliche Vorstellungen. Sie haben sich dann in
  18. verschiedenen Kneipen getroffen und so eine Art erste Parteien gebildet. Man nannte die Clubs. Ganz rechts da saßen die Konservativen, die wollten die alte
  19. Macht der Könige erhalten. In der Mitte die Liberalen, die suchten einen Kompromiss aus König und starkem Parlament. Und ganz links die
  20. Demokraten, die wollten eine Republik, also einen Staat ganz ohne König. Aber trotz der ganzen Debatten und Streitereien ist diesem Parlament etwas
  21. wirklich bahnbrechendes gelungen. Ein Erfolg, der unser Leben bis heute prägt. Im Dezember 184 war es dann soweit. Die Abgeordneten verabschieden die
  22. Grundrechte und das heißt zum ersten Mal in der deutschen Geschichte gab es einen Katalog von Rechten, der für jeden einzelnen Bürger galt. Ein absoluter
  23. Meilenstein. Auf einmal war es erlaubt, seine Meinung frei zu sagen und zu drucken. Man durfte sich versammeln, Vereine gründen. Jeder konnte glauben,
  24. was er wollte. All diese Dinge, die für uns heute total selbstverständlich sind, waren damals eine absolute Sensation. Und diese Gegenüberstellung hier, die
  25. zeigt, was für ein Quantensprung das war. Stellt euch das mal vor. Gestern hatten Adelige noch irgendwelche Sonderrechte und heute sind auf einmal
  26. alle vor dem Gesetz gleich. Gestern gab es Zensur und Willkür, heute ist deine Wohnung geschützt. Die Welt wurde quasi über Nacht auf den Kopf gestellt. So,
  27. die Grundrechte waren also im Kasten, aber jetzt kam direkt die nächste Riesenaufgabe. Wie sollte denn dieser neue deutsche Staat überhaupt aufgebaut
  28. sein? Was war der Bauplan für Deutschland? Und da gab es eine zentrale Frage, über die monatelang gestritten wurde. Soll Österreich Teil dieses neuen
  29. Deutschlands werden? Das Problem war nur, Österreich war ein riesiger Vielfölkerstaat. Da lebten auch Ungarn, Tschechen, Italiener und viele mehr. Das
  30. passte irgendwie nicht so richtig in die Idee von einem rein deutschen Nationalstaat. Am Ende hat man sich dann auf die
  31. sogenannte kleindeutsche Lösung geeinigt. Das heißt ein Deutschland unter der Führung von Preußen, aber eben ohne das große Kaiserreich Österreich.
  32. Und das ist der entscheidende Punkt. Der jahrhundertealte Einfluss der Habsburger Kaiser aus Wien war damit Geschichte. Und so sah dieser, man muss schon sagen,
  33. geniale Bauplan aus. Es sollte zwar einen Kaiser an der Spitze geben, aber seine Macht war stark begrenzt, denn die eigentliche Macht, also die Gesetze zu
  34. machen, die lag beim Reichstag und der wurde vom Volk gewählt. Ein unabhängiges Gericht sollte das Ganze dann noch absichern. Also für die damalige Zeit
  35. war das eine unfassbar moderne Gewaltenteilung. Okay, fassen wir zusammen. Die Grundrechte sind da. Der Bauplan für den
  36. Start steht. Sieht doch eigentlich alles nach einem riesigen Erfolg aus, oder? Nach einem echten Happy End für die Revolution.
  37. Und schaut euch mal an, wie schnell das auf einmal ging. Das Tempo war echt unglaublich. Im Dezember die Grundrechte. Nur drei Monate später, im
  38. März war die komplette Verfassung fertig. Das war eine enorme Leistung. Und im April hatten schon 28 der deutschen Staaten dieser neuen
  39. Verfassung zugestimmt. 28, das war eine riesige Mehrheit. Der Plan schien also voll aufzugehen. Die Abgeordneten hatten es nach monatelanger wirklich harte
  40. Arbeit geschafft. Es muss sich angefühlt haben wie der größte Triumph überhaupt. Die Revolution hatte gesiegt. Deutschland war auf dem Weg in eine
  41. freie Zukunft. Tja, doch eine ganz entscheidende Frage war noch offen. Was sagen eigentlich die beiden größten und mächtigsten Staatten dazu? Was sagen die
  42. Könige von Preußen und Österreich, die ja im Grunde entmachtet werden sollten? Und genau hier auf der absoluten Zielgeraden, da zerplatzte der ganze
  43. Traum. Der preußische König, dem die Kaiserkrone angetragen wurde, lehnte rundweg ab. Seine Begründung. Er wollte keine Krone aus der Gosse, also eine,
  44. die ihm vom Volk gegeben wurde. Und mit dieser Ablehnung war im Grunde alles vorbei. Preußen, Österreich und die anderen großen Königreiche lehnten die
  45. gesamte Verfassung ab. Die ganze Arbeit, die ganze Hoffnung mit einem Schlag zu nichte gemacht durch die alten Mächte. Aber war damit wirklich alles umsonst?
  46. Und warum genau haben die Könige so entschieden? Tja, das ist eine andere Geschichte und die erzählen wir euch vielleicht ein anderes Mal.

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