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Nationalversammlung in der Paulskirche I musstewissen Geschichte
Das Wichtigste aus dem Video
Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.
Transkriptautomatisch erstellt · 88 Zeilen
- In diesem Video beschäftigen wir uns mit dem ersten gesamtdeutschen Parlament, mit der Verfassung, die es ausarbeitet und mit seinem gewaltsamen Ende.
- Eben alles, was du wissen musst. Herzlich willkommen in der Frankfurter Paulskirche,
- wo sich die deutsche Nationalversammlung trifft. Dass man in einer Kirche zusammenkommt,
- sieht man nicht so unbedingt auf den ersten Blick, denn die Orgel ist mit einem Bild und mit Kränzen verhängt.
- Es handelt sich um die Reichsgöttin Germania. Vor dem Altar hängt ein Vorhang mit einem Bild des deutschen Reichsadlers.
- Hier ist das Präsidium mit dem Präsidenten, der die Sitzungen leitet, und hier steht das Rednerpult,
- von dem die Abgeordneten zu ihren Kollegen sprechen. Im halbrunden Plenum nehmen die Parlamentarier Platz.
- Hier und hier und da sitzen die Zuschauer. Ich weiß nicht, vielleicht erinnert euch das ja an irgendwas.
- Auf dem Höhepunkt der Revolution von 1848, hier der Link zu dem Video, wenn ihr oben auf das "i" klickt,
- wählen die Bürger in allen deutschen Staaten ein gemeinsames Parlament. Diese Nationalversammlung hat zwei Aufgaben:
- Erstens, die Grundrechte der Deutschen festzulegen und zweitens, eine Verfassung auszuarbeiten
- und sie zu erlassen. Die knapp 600 Abgeordneten
- schließen sich zu verschiedenen Fraktionen zusammen. Je nachdem, ob sie die gleichen politischen Ziele haben
- oder eine ähnliche Weltanschauung. Gemeinsam können sie mehr durchsetzen und mehr Arbeit bewältigen.
- Schauen wir uns mal an, welche Gruppen sich da so bilden. Übrigens: Die Fraktionen sind nach den Orten benannt,
- wo sie sich immer treffen. Also wundert euch nicht, wenn es etwas komisch klingt.
- Da gibt es die Konservativen, die eigentlich keine neue Verfassung wollen,
- sondern dafür sind, dass wie bisher souveräne Fürsten regieren und sich in bestimmten Fragen absprechen.
- Da gibt's andererseits Abgeordnete, die eine deutsche Republik gründen wollen
- und die einen Kaiser nur noch in dem Sinn haben wollen, wie es etwa die Queen heute in England ist.
- Ohne wirkliche Macht. Eine ziemlich große Gruppe Abgeordneter tritt dafür ein,
- dass das Parlament die Gesetze erlassen soll, aber nicht die Regierung wählt.
- Wieder eine andere wünscht sich eine parlamentarische Monarchie, in der der Herrscher stärker kontrolliert wird.
- Diese Fraktionen setzen sich im Parlament als ein Block zusammen. Und je nachdem, wo die Gruppe sitzt,
- wenn man vom Rednerpult auf die Versammlung schaut, nennt man sie politisch links oder politisch rechts.
- Daher kommt das, wenn man die Politik so einteilt. Kennt man ja auch heute noch.
- Am 28. Dezember 1848 einigen sich die Abgeordneten auf die künftigen Grundrechte der Deutschen.
- Zum ersten Mal wird beschlossen, dass für die deutschen Bürgerinnen und Bürger Rechte gelten sollen.
- Jeder darf zum Beispiel frei entscheiden, wo er wohnen will. Der Adel wird als Stand aufgehoben,
- für alle Leute gilt das Gesetz in gleicher Weise. Die Freiheit der Person ist unverletzlich.
- Der Staat darf einem also nicht einfach Gewalt antun. Die Todesstrafe wird tatsächlich abgeschafft.
- Und die Folter auch. Wohnungen dürfen nicht einfach so durchsucht werden.
- Es herrscht Meinungsfreiheit. Jeder darf und kann sagen, was er will.
- Jeder darf seinen Glauben frei wählen. Die Wissenschaft ist frei und der Staat darf auch nicht kontrollieren,
- was an den Universitäten gelehrt wird. Die Deutschen dürfen sich jederzeit friedlich
- und ohne Waffen zu tragen versammeln. Vereine dürfen gebildet werden,
- ohne dass der Staat etwas dagegen tun kann. Niemandem darf sein Eigentum weggenommen werden.
- All diese Grundrechte gelten heute noch in der Bundesrepublik Deutschland. Sie stehen, das wisst ihr wahrscheinlich, im Grundgesetz.
- Bei den Bürgerrechten ist man sich ziemlich schnell einig. Darüber, wie der künftige deutsche Nationalstaat aufgebaut sein soll,
- da wird viel mehr gestritten. Am Schluss einigt man sich darauf,
- dass Deutschland eine konstitutionelle Monarchie mit Gewaltenteilung wird. Das bedeutet, dass es an der Spitze des Staates
- einen Kaiser gibt, der dieses Amt von seinem Vater erbt. Der Kaiser ernennt die Regierung.
- Aber: Die Regierung kann nicht einfach machen, was sie will. Sie wird vom Reichstag kontrolliert.
- Im Reichstag, im Parlament gibt es zwei Häuser. Das Staatenhaus, wo die Vertreter der Länder sitzen
- und das Volkshaus, in dem die Abgeordneten sitzen, die jeder Mann ab 25 Jahren wählen darf.
- Gemeinsam erlassen diese beiden Häuser Gesetze und sie stellen auch das Budget auf.
- Sie bestimmen also, wieviel Geld die Regierung bekommt und was sie damit machen darf.
- Für Streitfragen, wie die Verfassung richtig angewendet werden muss, gibt es ein Reichsgericht.
- Die drei Gewalten, Legislative, Judikative und Exekutive sind also getrennt.
- Wer dazu noch mal was nachsehen will, der findet alles, was er wissen muss und wissen will,
- wenn er oben auf das "i" klickt. Also schaut da auf jeden Fall mal rein.
- Die alles entscheidende Grundfrage ist aber, welche Länder alle zum künftigen Deutschland gehören sollen.
- Man unterscheidet die kleindeutsche und die großdeutsche Lösung. "Kleindeutsch" bedeutet, dass Österreich nicht Teil des neuen Staates wird.
- "Großdeutsch" bedeutet, dass Österreich mit dabei ist. Auf der Karte kann man das Problem gut erkennen.
- Wir sehen: Österreich ist ein Land, in dem viele Völker leben. Deutsche, Ungarn, Tschechen, Italiener, Slowaken und so weiter und so fort.
- In einen deutschen Nationalstaat passt das Land nicht so wirklich gut rein. Andererseits kamen seit Jahrhunderten die deutschen Kaiser
- aus dem österreichischen Geschlecht der Habsburger. Und das Heilige Römische Reich Deutscher Nation
- wurde von Prag oder von Wien aus regiert. Am Ende wird einfach abgestimmt
- und es gibt eine ganz knappe Mehrheit für die kleindeutsche Lösung. Also bietet man dem König von Preußen, Friedrich Wilhelm IV.,
- die Kaiserkrone des Deutschen Reiches an. Die Revolution scheint am Ziel.
- Aber Friedrich Wilhelm IV. will nicht. Er sagt, Untertanen können keine Krone vergeben.
- Auf gut Deutsch: Er ist von Gottes Gnaden Herrscher und nicht, weil irgendeine Volksversammlung das so beschließt.
- Wie sehr sich der König bevormundet fühlt, sieht man daran, dass er die Krone auch als Hundehalsband bezeichnet,
- an dem man ihn herumführen will. Das ist ein ziemlicher Hammer, oder?
- Ein ganzes Jahr lang wird rumverhandelt und dann sagt der preußische König: "Nö, mit mir nicht."
- Aber die Abgeordneten geben nicht klein bei. Sie schaffen es tatsächlich, dass sich 28 deutsche Staaten
- hinter die neue Verfassung stellen. Die kleinen Staaten zwar, aber immerhin.
- Auch in den größeren und großen Staaten machen jetzt die dortigen Parlamente Druck.
- Selbst in Preußen stimmen die Abgeordnetenkammern für die Annahme der Reichsverfassung.
- Aber die Regierungen der Länder berufen die jeweiligen Abgeordneten aus Frankfurt ab.
- Zuerst Österreich, dann Preußen, Sachsen, Hannover, Baden. Die ungefähr 100 Abgeordneten, die übrig bleiben,
- müssen auch noch fliehen. Denn Preußen will das Parlament jetzt mit Militärgewalt auflösen.
- Vom preußischen Herrscher, König Friedrich Wilhelm, ist noch ein Satz überliefert, der nun grausame Wirklichkeit wird.
- Das Parlament flieht nach Stuttgart, wird aber dann dort vom württembergischen Militär aufgelöst.
- Zwar gehen Tausende Menschen auf die Straßen, um für die Verfassung zu protestieren,
- aber gegen die Gewehre haben sie keine Chance. Österreich wird wieder ein absolutistischer Staat.
- In Berlin löst der König die preußische Nationalversammlung auf, 40.000 Soldaten besetzen die Stadt.
- In Sachsen, im Rheinland, in der Pfalz und Baden schießt das preußische Militär Aufstände nieder.
- Die Armee, die die Bürger in der Pfalz zur Verteidigung der Revolution aufstellen, muss am 23. Juli 1849 in der Festung Rastatt kapitulieren.
- Tausende Liberale und Demokraten werden verhaftet oder hingerichtet. Noch mehr verlassen ihre Heimat und fliehen zum Beispiel nach Amerika.
- In einzelnen deutschen Ländern drehen die Herrscher die Uhren zurück. Parlamente werden aufgelöst oder ihrer Kompetenzen beraubt,
- Verfassungen werden aufgehoben. Auch die Grundrechte, die das Parlament in der Paulskirche beschlossen hat,
- gelten nicht mehr. Die Revolution von 1848/49 scheitert.
- Warum? Das erklären wir im nächsten Video.
- Wenn ihr zu diesem Video noch Fragen habt, dann postet sie gerne unten in die Kommentare
- und, das sag ich immer wieder, aber man kann's nicht oft genug sagen: Wenn ihr diesen Kanal abonniert, verpasst ihr künftig kein Video mehr.
- Würde mich freuen. Danke euch fürs Zuschauen, bis zum nächsten Mal.
- Untertitel im Auftrag des ZDF für funk, 2017
Zum Nachlesen
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