Paulskirche und Frankfurter Nationalversammlung| EINFACH ERKLÄRT StudioEinfach - Wissen, das Klick macht! https://www.youtube.com/watch?v=iETx_u5cX74 Transkript (automatisch erstellt) 0:00 Stellt euch mal vor, ihr könntet ein ganzes Land einfach von Grund auf neu erfinden. Klingt verrückt, oder? Aber genau das ist 1848 in Deutschland 0:09 passiert. Willkommen zu einer der spannendsten und ja auch tragischsten Geschichten unserer Demokratie, der Geschichte der Paulskirche. Also stellt 0:17 euch mal die Aufgabe vor. Erfinde ein ganzes Land neu aus dem Nichts und das nicht irgendwie in Ruhe und Frieden, sondern mitten im absoluten Chaos. Eine 0:27 fast unmögliche Mission, könnte man meinen. Aber genau das war der Plan im Jahr 1848. Wir schreiben das Jahr 1848. 0:37 In ganz Europa brennt die Luft und die Flammen der Revolution, die schwappen auch nach Deutschland über. Wie ihr hier seht, überall kämpfen Bürger auf 0:45 blutigen Barrikaden. Sie hatten einfach die Nase gestrichen voll von der alten Ordnung, von den Fürsten, die das sagen hatten. Aber genau aus diesem Chaos, aus 0:55 diesem Aufruhr, da entsteht eine absolut unglaubliche Idee, eine historische Mission, die wirklich alles verändern sollte. Und die Idee war revolutionär. 1:05 Zum allerersten Mal in der deutschen Geschichte sollten Männer aus allen deutschen Staaten wählen dürfen und zwar ein Parlament, eine sogenannte 1:14 Nationalversammlung. Die sollte in der Frankfurter Paulskirche zusammenkommen und hatte zwei riesige Aufgaben vor sich. Erstens, 1:22 endlich einen gemeinsamen deutschen Nationalstaat schaffen. Ihr müsst wissen, Deutschland war damals ein reiner Flickenteppich aus über 30 1:31 Einzelstaaten und zweitens eine Verfassung schreiben, die allen Bürgern Freiheit und Rechte garantiert. Ein gigantisches Projekt. Wirklich. Okay, 1:41 aber wer waren denn die Leute, die diese Mammut Aufgabe stemmen sollten? War das so eine Art Dream Team, das wirklich alle Menschen in Deutschland vertreten 1:48 hat? Na ja, schauen wir mal genauer hin. Und jetzt haltet euch fest, das ist nämlich der absolute Knackpunkt. Die Zusammensetzung war extrem einseitig. 2:00 Über 80% waren Akademiker und Beamte. Und die normalen Leute, die draußen auf den Barrikaden gekämpft hatten, also Handwerker, Bauern, Arbeiter, so gut wie 2:11 gar nicht vertreten. Stellt euch vor, einziger Bauer und Arbeiter? Null. kein einziger. Das sollte später noch zu einem Riesenprem werden. Logisch, dass 2:23 die Versammlung deswegen auch ziemlich schnell diesen Spitznamen weg hatte. Es war halt kein Querschnitt der Bevölkerung, sondern eine Versammlung 2:30 der geistigen Elite des Landes. Und klar, wie heute auch, hatten diese Leute natürlich ganz unterschiedliche Vorstellungen. Sie haben sich dann in 2:38 verschiedenen Kneipen getroffen und so eine Art erste Parteien gebildet. Man nannte die Clubs. Ganz rechts da saßen die Konservativen, die wollten die alte 2:47 Macht der Könige erhalten. In der Mitte die Liberalen, die suchten einen Kompromiss aus König und starkem Parlament. Und ganz links die 2:56 Demokraten, die wollten eine Republik, also einen Staat ganz ohne König. Aber trotz der ganzen Debatten und Streitereien ist diesem Parlament etwas 3:05 wirklich bahnbrechendes gelungen. Ein Erfolg, der unser Leben bis heute prägt. Im Dezember 184 war es dann soweit. Die Abgeordneten verabschieden die 3:15 Grundrechte und das heißt zum ersten Mal in der deutschen Geschichte gab es einen Katalog von Rechten, der für jeden einzelnen Bürger galt. Ein absoluter 3:24 Meilenstein. Auf einmal war es erlaubt, seine Meinung frei zu sagen und zu drucken. Man durfte sich versammeln, Vereine gründen. Jeder konnte glauben, 3:33 was er wollte. All diese Dinge, die für uns heute total selbstverständlich sind, waren damals eine absolute Sensation. Und diese Gegenüberstellung hier, die 3:43 zeigt, was für ein Quantensprung das war. Stellt euch das mal vor. Gestern hatten Adelige noch irgendwelche Sonderrechte und heute sind auf einmal 3:52 alle vor dem Gesetz gleich. Gestern gab es Zensur und Willkür, heute ist deine Wohnung geschützt. Die Welt wurde quasi über Nacht auf den Kopf gestellt. So, 4:02 die Grundrechte waren also im Kasten, aber jetzt kam direkt die nächste Riesenaufgabe. Wie sollte denn dieser neue deutsche Staat überhaupt aufgebaut 4:10 sein? Was war der Bauplan für Deutschland? Und da gab es eine zentrale Frage, über die monatelang gestritten wurde. Soll Österreich Teil dieses neuen 4:20 Deutschlands werden? Das Problem war nur, Österreich war ein riesiger Vielfölkerstaat. Da lebten auch Ungarn, Tschechen, Italiener und viele mehr. Das 4:29 passte irgendwie nicht so richtig in die Idee von einem rein deutschen Nationalstaat. Am Ende hat man sich dann auf die 4:35 sogenannte kleindeutsche Lösung geeinigt. Das heißt ein Deutschland unter der Führung von Preußen, aber eben ohne das große Kaiserreich Österreich. 4:43 Und das ist der entscheidende Punkt. Der jahrhundertealte Einfluss der Habsburger Kaiser aus Wien war damit Geschichte. Und so sah dieser, man muss schon sagen, 4:53 geniale Bauplan aus. Es sollte zwar einen Kaiser an der Spitze geben, aber seine Macht war stark begrenzt, denn die eigentliche Macht, also die Gesetze zu 5:02 machen, die lag beim Reichstag und der wurde vom Volk gewählt. Ein unabhängiges Gericht sollte das Ganze dann noch absichern. Also für die damalige Zeit 5:10 war das eine unfassbar moderne Gewaltenteilung. Okay, fassen wir zusammen. Die Grundrechte sind da. Der Bauplan für den 5:18 Start steht. Sieht doch eigentlich alles nach einem riesigen Erfolg aus, oder? Nach einem echten Happy End für die Revolution. 5:25 Und schaut euch mal an, wie schnell das auf einmal ging. Das Tempo war echt unglaublich. Im Dezember die Grundrechte. Nur drei Monate später, im 5:34 März war die komplette Verfassung fertig. Das war eine enorme Leistung. Und im April hatten schon 28 der deutschen Staaten dieser neuen 5:43 Verfassung zugestimmt. 28, das war eine riesige Mehrheit. Der Plan schien also voll aufzugehen. Die Abgeordneten hatten es nach monatelanger wirklich harte 5:53 Arbeit geschafft. Es muss sich angefühlt haben wie der größte Triumph überhaupt. Die Revolution hatte gesiegt. Deutschland war auf dem Weg in eine 6:02 freie Zukunft. Tja, doch eine ganz entscheidende Frage war noch offen. Was sagen eigentlich die beiden größten und mächtigsten Staatten dazu? Was sagen die 6:11 Könige von Preußen und Österreich, die ja im Grunde entmachtet werden sollten? Und genau hier auf der absoluten Zielgeraden, da zerplatzte der ganze 6:20 Traum. Der preußische König, dem die Kaiserkrone angetragen wurde, lehnte rundweg ab. Seine Begründung. Er wollte keine Krone aus der Gosse, also eine, 6:29 die ihm vom Volk gegeben wurde. Und mit dieser Ablehnung war im Grunde alles vorbei. Preußen, Österreich und die anderen großen Königreiche lehnten die 6:38 gesamte Verfassung ab. Die ganze Arbeit, die ganze Hoffnung mit einem Schlag zu nichte gemacht durch die alten Mächte. Aber war damit wirklich alles umsonst? 6:49 Und warum genau haben die Könige so entschieden? Tja, das ist eine andere Geschichte und die erzählen wir euch vielleicht ein anderes Mal.