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Der Erste Weltkrieg kompakt, Teil 1: Ursachen und Hintergründe

Dein Geschichtslehrer – Geschichte verstehen18:13 229 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

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  1. Vielen Forschern gilt der erste Weltkrieg als die Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts, als Vorbedingung nicht nur für die Doppelrevolution 1917 in
  2. Russland, sondern auch für den Zusammenbruch der großen Monarchien in Europa und die Krisen der 20er und 30er Jahre. In diesem Video möchte ich euch
  3. die historischen Vorbedingungen erläutern, vor deren Hintergrund eine von internationalen Spannungen und krisengeprägte Lage zu einem Weltkrieg
  4. eskalierte. Da das Thema natürlich sehr umfangreich und überaus komplex ist, kann ich euch hier natürlich nur eine Einführung ins Thema geben. Wer findet
  5. ihr in der Videobeschreibung hilfreiche Links zu weiterführenden Seiten sowie zu spannenden Podcasts zum Thema und ein paar Literaturtipps. Zückt also die
  6. Stifte, holt die Notizzettel raus, los geht's. Der erste Weltkrieg fiel nicht einfach so vom Himmel. Er entstand nicht aus dem
  7. Nichts heraus. Und kein einzelnes Ereignis und kein einzelner Aspekt kann erklären, warum aus einem regionalen Konflikt zwischen Österreich, Ungarn und
  8. Serbien innerhalb weniger Wochen ein europäischer und schließlich sogar ein globaler Krieg wurde. Wir müssen tiefer graben, um uns ein halbwegs
  9. differenziertes Bild von dem komplexen Ursachengeflecht zu machen, vor dessen Hintergrund der Erste Weltkrieg ausbrach. Bei der Analyse der
  10. Kriegsursachen sind zwei Grundsätze sehr wichtig. Erstens dürfen wir historische Entwicklungen und Ereignisse nicht nur auf einen einzelnen Grund zurückführen,
  11. denn ihnen liegen immer vielfältige Ursachen zugrunde. Diesen Grundsatz nennt man Multikausalität. Und zweitens müssen wir darauf achten, dass wir das
  12. Geschehen nicht nur aus der deutschen Perspektive betrachten, sondern auch andere Perspektiven einbeziehen. Diesen Grundsatz nennt man Multiperspektivität.
  13. Beides. Multikausalität und Multiperspektivität solltet ihr auf jeden Fall verinnerlichen, denn sie helfen uns historische Themen besser und
  14. wenigstens im Ansatz differenziert zu verstehen. Lass uns jetzt einen Blick auf die langfristigen Ursachen, mittelfristigen Entwicklung und die
  15. politisch militärischen Konstellation der Jahre vor 1914 werfen. Dabei sollten wir versuchen, nicht nur aus der nationalen Perspektive auf den Beginn
  16. und auf die Hintergründe des Ersten Weltkriegs zu schauen, sondern wir müssen versuchen, das komplexe Ursachengeflecht zu analysieren. Und wir
  17. dürfen auch nicht vergessen, dass wir aus einer gegenwärtigen Perspektive auf die Vergangenheit zurückblicken. Wir wissen, dass infolge der Bündnissysteme
  18. und unterschiedlichen Koalitionen in Europa 1914 ein Weltkrieg ausbrach, in dessen Folge die Weltwirtschaft in den 20er Jahren in eine große Krise
  19. schlitterte. Wir wissen, wie die Nationalsozialisten in Deutschland an die Macht kam. Den Zeitgenossen von 1914 war dies alles natürlich noch nicht klar
  20. wie uns. Sicherlich konnten einige erahnen, welche gravierenden Folgen ein großer europäischer Krieg nach sich ziehen würde, aber die konkreten
  21. Entwicklung konnte man natürlich nicht vorhersagen. In diesem Video gehe ich vor allen Dingen auf die mittelfristigen Kriegshintergründe ein und widme mich
  22. dabei insbesondere dem europäischen Imperialismus, den daraus erwachsenen Bündnissystem, den zunehmenden Militarismus in Zentraleuropa und den
  23. Krisen auf dem Balkan. Die Frage, wie sehr jeder einzelne dieser Aspekte dann zum Kriegsausbruch beitrug, ist unter Historikern umstritten und wird es wohl
  24. immer bleiben. Die von mir jetzt behandelten Aspekte gehören aber unmittelbar zur Vorgeschichte des Ersten Weltkriegs, ohne dass wir sagen können,
  25. dass jeder diese Aspekte zwangsläufig in einen großen Krieg hätte münden müssen. Gehen wir zuerst kurz auf die europäischen Bündnissysteme und den
  26. europäischen Imperialismus im Vorfeld des Ersten Weltkriegs ein. Bismark hatte nach der Reichsgründung 1871 eine Bündnispolitik betrieben, die
  27. vor allem das Ziel hatte, Frankreich zu isolieren und einen zweifenkrieg Deutschlands gegen Frankreich und Russland zu verändern. Zu diesem Ziel
  28. hatte das Kaiserreich noch unter Bissmarks Regierung ein geheimes Defensivbündnis, den sogenannten Zweibund mit Österreich-Ungarn
  29. geschlossen, das 1882 mit dem Beitritt Italiens zum Dreibund erweitert worden war. Mit Russland war Deutschland ein Rückversicherungsvertrag eingegangen,
  30. mit dem man sich gegenseitige Neutralität zusicherte. Nach dem Regierungsantritt Wilhelms des II. Entlassung Bismarks fuhr das Kaiserreich
  31. einen neuen konfrontativen außenpolitischen Kurs, der Deutschland nicht nur zur europäischen Hegemonialmacht führen, sondern seinen
  32. Anspruch als Weltmacht durchsetzen sollte. Das rief in London, Paris und St. Petersburg natürlich große Sorgen hervor, zumal das Kaiserreich den
  33. Rückversicherungsvertrag nicht verlängerte. 1893 schlossen dagegen Frankreich und Russland einen Allianzvertrag, indem sie sich
  34. gegenseitigen Beistand im Falle eines Angriffs durch den Dreibund zusicherten. 1904 ging dann Großbritannien und Frankreich an folgenreiches Abkommen
  35. ein, die Cordial, die zunächst nur die Interessensphären beider Länder in Afrika abgrenzen sollte. Das Abkommen war aber außenpolitisch insofern ein
  36. Einschnitt, als Großbritannien und Frankreich eine bis ins Mittelalter zurückreichende Feindschaft trennte, von der Deutschland zuvor profitiert hatte.
  37. Und diese Feindschaft wurde mit diesem Abkommen überwunden. Gleichzeitig gab Großbritannien mit der An cordial seine außenpolitische Maxime der Splendid
  38. Isolation auf. Als sich dann auch Russland und Großbritannien in einem informellen Abkommen annäherten, wonach die neue Konstellation zwischen
  39. Großbritannien, Frankreich und Russland Triple entantieß, hatten sich plötzlich zwei verfeindete Machtblöcke in Europa herausgebildet. Der Dreibund mit
  40. Deutschland, Österreich, Ungarn und Italien und die Triple Town mit Großbritannien, Frankreich und Russland. Vergessen dürfen wir aber nicht, dass
  41. diese Bündnisse und Abkommen zunächst als reine Defensivbündnisse bzw. nicht primär als Militärbündnisse gegründet worden waren, aber durch die
  42. bündnispolitische Verflechtung der politisch und militärisch bedeutendsten Staaten Europas und der Welt mit Ausnahme zunächst der USA drohte jeder
  43. militärische Konflikt zwischen diesen Mächten sich zu einem großen europäischen Krieg zu entwickeln. Aus Defensivbündnissen bzw. Also reinen
  44. Kolonialabkommen waren verfeindete Blöcke geworden und die Verteidigungspläne und Aufrüstungsaktivitäten des einen Landes
  45. wurden in feindlichen Staaten als offensiv und aggressiv wahrgenommen. Dabei wurde diese angespannte Lage durch den deutschen Flottenbau und die
  46. imperialistischen Ambitionen des Kaiserreichs zunehmend verschärft. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts begann die europäischen Großmächte, vor allem
  47. Großbritannien und Frankreich, große Teile Afrikas und Asiens unter sich aufzuteilen. Die Europäer beanspruchten in diesem Scramble for Africa nahezu
  48. alle noch nicht von ihnen besetzten Gebiete und fügten sie ihren Kolonialreichen zu. Aus den europäischen Großmächten wurden allmählich
  49. Weltmächte. Russland hingegen weitete seinen Einfluss in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Zentralasien und vor allem auf dem Balkan aus. Das
  50. Zarenreich verstand sich dabei im Geiste des Panslavismus immer mehr als Schutzmacht aller slawischen Völker. Das erst 1871 gegründete deutsche
  51. Kaiserreich trat dagegen vergleichsweise spät als Kolonialmacht auf, wollte aber in der Phase des Hochimperialismus Ende der 1890er Jahre ebenfalls eine
  52. führende Rolle in der Weltpolitik spielen. Damit wandte sich das Kaiserreich von Bismarks zurückhaltender und auf ausgleichzielenden Außenpolitik
  53. ab und schwenkte auf eine aggressive imperialistische Weltmachtpolitik um. Das Kaiserreich wollte in Europa zur Hegemonialmacht und global zu einer
  54. Weltmacht aufsteigen. Dabei waren die Voraussetzung einerseits durch Erfolge in der Rüstungspolitik und die Kapazitäten der deutschen Industrie
  55. günstig. Andererseits fehlte es dem Reich an Geld und an verlässlichen Bündnispartnern. Vom Zarenreich hatte man sich
  56. entfremdet. Großbritannien und Frankreich schienen, wie ihr wisst, ebenfalls als Bündnispartner aus. Was blieb? waren zunächst noch Italien und
  57. Österreich-Ungarn, dass sich für die weltpolitischen Ambitionen Deutschlands kaum begeistern konnte. Der Imperialismus jedenfalls verschärfte die
  58. Konkurrenz zwischen den Staaten und schürte gleichzeitig eine Mischung aus Angst und Bedrohung durch gegnerische Mächte. Doch diese Lage musste natürlich
  59. nicht zwangsläufig zu einem Weltkrieg führen. Koloniale Krisen wie die Marokkokrisen konnten noch diplomatisch gelöst werden. Auch Staaten, die in
  60. Übersehen miteinander konkurrierten, wie z.B. wie Frankreich und Großbritannien waren in Europa nicht automatisch militärische Gegner. Trotzdem entstand
  61. eine politische Kultur, in der internationale Beziehung zunehmend als Kampf um Macht, Einflussgebiete und Ansehen verstanden wurden.
  62. Außenpolitische Erfolge des einen Staates wurden in den öffentlichen Medien gerne als Niederlage anderer Staaten dargestellt. Hinzu kam ein
  63. gesteigerter Rassismus und die sozialdawinistische Überzeugung, dass sich im Wettbewerb der Nation nur die stärksten, das heißt vor allem
  64. außenpolitisch und militärisch überlegenen Mächte behaupten würden. Deutschland trat in dieser Hinsicht besonders aggressiv und fordernd auf.
  65. Kaiser Wilhelm II. und führende Politiker forderten für Deutschland einen Platz an der Sonne. Das Reich sollte nicht mehr nur europäische
  66. Großmacht, sondern Weltmacht sein. Ein sichtbares Zeichen dieses Anspruchs war der Aufbau einer großen deutschen Kriegsflotte, eines der Prestigeprojekte
  67. des Deutschen Kaisers. Für Großbritannien, dessen Weltmachtstellung auf der Überlegenheit seiner eigenen Flotte beruhte, stellten die deutschen
  68. Bestrebung daher eine unmittelbare Herausforderung und Bedrohung da. Die deutsche Führung hoffte, Großbritannien werde wegen der wachsenden deutschen
  69. Stärke früher oder später ein Bündnis oder zumindest eine Verständigung mit dem Reich suchen. Tatsächlich trat aber das Gegenteil ein. Der deutsche
  70. Flottenbau und die fordernde aggressive deutsche Außenpolitik trugen dazu bei, dass Großbritannien seine Konflikte mit Frankreich und Russland beilegte und
  71. sich ihnen außenpolitisch annäherte. Davon abgesehen blieb die deutsche Schlachtflotte der Britischen bis zum Ende des Ersten Weltkriegs unterlegen.
  72. Schon 1910 war deutschen Militärs klar, dass es dem Reich an finanziellen Mitteln fehlte, die britische Flotte an Größer und militärischer Schlagkraft zu
  73. übertreffen. In der Folge versuchten die militärischen Befehlshaber die Landstreitkräfte vor allem zu stärken, um immerhin zu Land der Trippelont etwas
  74. entgegensetzen zu können. Aber nicht nur der forcierte Flottenbau und die Aufrüstung der Landstreitkräfte machten die Regierung in Europa unruhig. Schon
  75. in den Marokkokrisen von 1905 und 1911 trat die deutsche Regierung außenpolitisch ungeschickt auf, indem sie versuchte Deutschlands
  76. Großmachtanspruch zu untermauern und die Zusammenarbeit zwischen Frankreich und Großbritannien und damit die kurze vorgeschlossenen Ort Cordial zu brechen.
  77. Diese Krisen endeten zwar ohne einen Krieg, Deutschland erreichte aber nicht das erhoffte Zerwürfnis seiner Gegner. Ganz im Gegenteil, die Kooperation
  78. seiner Feinde wurde enger. Während in Großbritannien das Ziel, eine deutsche Hegemonie auf dem Kontinent zu verhindern und sich dazu mit Frankreich
  79. und Russland zu verbünden in den Vordergrund trat, verstärkte sich in der deutschen Öffentlichkeit und in Teilen der politischen Führung das Gefühl von
  80. feindlichen Mächten eingekreist zu sein. Diese vermeintliche Einkreisung war dabei zu einem nicht unerheblichen Teil eine Reaktion auf die deutsche Weltmacht
  81. und Flottenpolitik. Die Zuspitzung der politischen Lage in Europa und in Kolonien war also eine direkte Folge der neuen aggressiven Politik des
  82. Kaiserreichs. Und obwohl schon zu dieser Zeit die Sorge vor einem großen europäischen Krieg in Politik und Öffentlichkeit weit verbreitet war, gab
  83. es immer noch politische Bestrebung, eine militärische Konfrontation zu verhindern. In einer Zeit, in der jedoch Politik und Gesellschaft immer stärker
  84. von Militarismus und Nationalismus durchdrungen waren, wurde es aber immer schwieriger, befürworter diplomatischer Lösung zu finden.
  85. Aufrüstung und Wettrüsten der europäischen Mächte und Militarismus in der Gesellschaft verstärkten sich Ende des 19. Jahrhunderts gegenseitig.
  86. Hochimperialismus und Hochindustrialisierung fielen historisch zusammen. Erst die Industrialisierung ermöglichte eine
  87. massenhafte Aufrüstung und die Ausstattung von Armeen nie dagewesener Größe. Die europäischen Mächte vergrößerten ihre Armeen, weiteten
  88. teilweise die Werrpflicht aus und entwickelten detaillierte Mobilmachungs und Invasionspläne, wie z.B. Deutschlands Schliefenplan oder den
  89. russischen Plan Nummer 19. Deutschland und Großbritannien konkurrierten beim Bau moderner Schlachtschiffe. Frankreich und Russland intensivierten ihre
  90. militärische Zusammenarbeit. Eisenbahnnetze wurden so ausgebaut, dass in kurzer Zeit Millionen Soldaten verlegt werden konnen. Ganz Europa
  91. bereitete sich also auf einen möglichen Krieg vor. Ganz nach der Devise: "Wenn du Frieden willst, bereite dich auf den Krieg vor." Das Militär wurde in vielen
  92. europäischen Staaten zu einer entscheidenden politischen und gesellschaftlichen Größe. Militärisches Denken und militärische
  93. Organisationsform durchdrang immer mehr Staat, Wirtschaft und Gesellschaft. Im Zusammenspiel mit nationalistischen Denken wurde vielfach die Überlegenheit
  94. der eigenen Nation propagiert und Politik und Gesellschaft auf einen möglichen Krieg vorbereitet. Die Armee sollte zur Schule der Nation werden.
  95. Jungen und junge Männer wurden von Kindheit an auf den Militärdienst vorbereitet. Selbst in Alltag und Freizeit spielte der Militarismus eine
  96. große Rolle. Auf dem Kurfürstendam z.B. in Berlin konnten Familienveranstaltung besuchen, in denen mit Modellschiffen Kriegsszenen gespielt wurden.
  97. Schokoladentafeln von Stollwerk lagen z.B. Sammelkarten mit deutschen Kriegsschiffen bei. Der Verkauf von Kriegsspielzeug nahm immer mehr zu.
  98. paramilitärische Gruppierung wurden zu einem Massenphänomen in Kaiserreich. Das heißt, dass die gesellschaftliche und politische Haltung zum Krieg vor 1914
  99. gänzlich andere war als heutzutage. Trotzdem dürfen wir nicht so weit gehen, dass die Mehrheit der Deutschen grundsätzlich absolut kriegsbegeistert
  100. war. fest steht, aber das aggressive Außenpolitik, Militarismus und Nationalismus einen festen Platz in Politik, Öffentlichkeit und Alltag
  101. hatten und bei vielen eine Haltung begünstigten, die einen Krieg nicht nur als legitimes politisches Mittel ansah, sondern ihnen teilen sogar herbeizusehen
  102. schien. Und dieses Wechselspiel aus Imperialismus und militanten Nationalismus, deutscher Weltmachtpolitik und verfeindeten
  103. Bündnisblöcken der Großmächte machte den Frieden in Europa äußerst fragil und krisenanfällig. Ausschlaggebender Anlass für die
  104. militärische Eskalation waren schließlich die multiethnischen Krisen, die schon seit langem auf dem Balkan schwählten.
  105. Denn zum gefährlichsten Krisenhert Europas entwickelte sich der Balkan, wo die langjährige Vormacht, das Osmanische Reich seit dem 19. Jahrhundert zunehmend
  106. an Einfluss verlor, was ihm den Spotnamen Krankermann am Bosporos einbrachte. Dort entstanden jetzt neue Nationalstaaten wie Serbien, Bulgarien,
  107. Griechenland und Rumänien und die erweiterten ihre Gebiete. Russland und Österreich aber versuchten im Zuge des allmählichen Niedergangs des Osmanischen
  108. Reiches ihren Einfluss auf dem Balkan auszudehnen. Besonders fragil war die Situation im Viel Völkerstadt Österreich, Ungarn und in den Gebieten,
  109. die sich vom Osmanischen Reich losgelöst hatten. In der Donaum Monarchie lebten unter anderem Deutsche Ungarn, Tschechen, Slowaken, Polen, Ukrainer,
  110. Kroaten, Slowen, Rumänen und Serben. Österreich-Ungarn grenze zudem an das junge Serbien, das erst Ende des 19. Jahrhunderts vom Osmanischen Reich
  111. unabhängig geworden war und sich als Zentrum einer möglichen Vereinigung der Südslaven betrachtete. In diesem Zusammenhang versuchte Serbien,
  112. unterstützt von Russland, seinen Einfluss auf dem Balkan auszudehen und die nationalistischen Strömungen der Serben in Österreich, Ungarn zu fördern.
  113. Die Schwäche des Osmanischen Reiches machte sich zur gleichen Zeit Österreich-Ungarn im Jahr 198 Nutze, als es Bosnien und Herzegovina, die zuvor
  114. noch zum Osmanischen Reich gehörten, aber bereits seit 1878 von Österreich-Ungarn besetzt und verwaltet wurden, schließlich annektierte. Damit
  115. brach Österreich-Ungarn nicht nur bestehende internationale Verträge, sondern heizte auch die schwelenden Krisen auf dem Balkan an. Russland und
  116. Serbien sahen diesen Schritt als Vertragsbruch und als Vertrauensverlust, mußten die Annextion aber schließlich hinnehmen. 1912 eskalierte die Lage in
  117. dieser Region, als der Balkanbund im sogenannten ersten Balkankrieg das Osmanische Reich nahezu aus ganz Europa verdrängte. Zwischen den Staaten des
  118. Balkanbundes brachen aber schnell Konflikte um Territorien und Einflussgebiete aus, die 1913 in einem zweiten Balkankrieg zwischen Bulgarien
  119. und den übrigen Staaten des Balkanbundes gipfelten, der dann mit der schnellen Niederlage Bulgariens endete. Serbiens Macht war dadurch für die benachbarte
  120. Donaum Monarchie zu einer immer größeren Bedrohung geworden. Diese Krisen und Kriege auf dem Balkan verhärteten einerseits die Feindschaft zwischen
  121. Serbien und Österreich-Ungarn. Sie verschärften aber zugleich die Rivalität zwischen Russland und der Habsburger Monarchie.
  122. Andererseits zeichneten sich hier bereits ethnische Konflikte und Formen nationalistischer Gewalt ab, die Europa während der beiden Weltkriege sowie in
  123. der Zwischen und Nachkriegszeit immer wieder prägten und teilweise bis heute nachwirken sollten. Ihr seht, dass die Lage in Europa von
  124. 1914 von erheblichen Spannungen, Konflikten, Ängsten und Bedrohungsgefühlen geprägt war. Trotzdem war ein großer Krieg nicht
  125. unausweichlich. Keine dieser Krisen musste für sich zwangsläufig in einen Weltkrieg führen. Warum dann die Situation von Juni bis Ende Juli 1914
  126. von einem regionalen Konflikt zu einem Weltkrieg wurde? Das werde ich euch im nächsten Video erläutern. Und wenn ihr Fragen zu diesem Thema habt, schreibt
  127. sie gerne in die Kommentarschap. Passt bis dahin gut auf euch und aufeinander auf und tschüss.

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