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Die Wahrheit über Lobbyismus | highperformer.henning

highperformer.henning16:45 78.691 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

Das Wichtigste aus dem Video

Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.

Transkriptautomatisch erstellt · 207 Zeilen
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  1. Wie wird in Europa Politik gemacht? Wer bestimmt wirklich die Gesetze? Obwohl wir im letzten Video
  2. als "Most Based Content Creator" bei "funk" betitelt wurden, wurden vom Öffentlich-Rechtlichen gezwungen,
  3. über die Europawahl am 9. Juni zu berichten. Weil das keinen von euch interessiert
  4. und man damit kein Geld verdienen kann, reden wir lieber über das Milliardenbusiness Lobbyismus.
  5. Wir haben mit Lobbyisten gesprochen, die hinter den Kulissen unterwegs sind.
  6. Und wir wollen auch die zu Wort kommen lassen, die zum Beispiel die EU für ihre aktuellen Lobbyregeln kritisieren.
  7. Zu wenig, zu intransparent und alles irgendwie wirkungslos. Also, was machen Lobbyisten eigentlich?
  8. Wie ziehen sie im Hintergrund die Strippen? Wofür braucht man das überhaupt?
  9. Und am wichtigsten: Wie wird man Lobbyist? Und wie sieht so ein Alltag aus?
  10. Um diese Fragen zu beantworten, haben wir in den letzten Wochen mit mehr als 15 Lobbyisten
  11. anonym über das Thema gesprochen und die Antworten für euch aufbearbeitet. (Angespannte Klänge)
  12. Um irgendwo mal zu beginnen, definieren wir den Begriff vielleicht erst mal.
  13. Genau dafür, weil wir das schnell hinter uns bringen wollen, lese ich euch einfach mal den Wikipedia-Artikel vor.
  14. (Luftholen, kratzende Geräusche) Okay, ein bisschen mehr Mühe haben wir uns schon gegeben.
  15. Kevin hat nämlich ein kleines Referat für euch vorbereitet. Bei Lobbyismus geht's um alle Möglichkeiten,
  16. Politiker für seine Sache zu gewinnen und sie zu beeinflussen. Das ist wichtig, weil bei jedem Thema
  17. gibt's natürlich verschiedene Interessensgruppen und diese wollen ihre Interessen
  18. durch entsprechende Kontakte vertreten. Und diese Interessensgruppen sind genau die sogenannten Lobbys,
  19. also zum Beispiel die übermächtige Autolobby, die Techlobby, die Pharmalobby und so weiter.
  20. Also verschiedenste Player aus einer Industrie, die sich zusammentun,
  21. um ... die Weltherrschaft an sich zu reißen. Ja, und genau daher kommt Lobbyismus als Begriff. Also so weit, so gut.
  22. Es wäre jetzt aber noch mal nice zu verstehen, warum es diese Branche überhaupt gibt.
  23. Es kann nicht alles schlecht sein, sonst würde es das ja nicht geben. (Angespannte Klänge)
  24. Also, in erster Linie braucht man Lobbyisten, um für ein Thema überhaupt Sichtbarkeit zu schaffen.
  25. Wir sind ein Land mit 80 Millionen Menschen. 80 Millionen Menschen, alle mit unterschiedlichen Interessen.
  26. Da werden dann gerne mal ein paar übersehen. Und um diese Interessen irgendwo zu bündeln,
  27. gibt's halt Lobbyisten und Interessensvertretungen, die sich im Namen von Personen oder Firmen mit der Politik treffen.
  28. Da gibt's zum Beispiel den BDI, also den Bundesverband der Deutschen Industrie.
  29. Wissen zwar manche nicht, aber Deutschland ist tatsächlich eine Industrienation.
  30. Der ist Vertreter für insgesamt 39 Lobbyverbände und quasi eine Art Dachmarke für alles,
  31. was irgendwie mit Industrie zu tun hat. Beispielsweise der VDA, der Verband der Autoindustrie.
  32. Der hat sich fürs Autoland Deutschland natürlich lange gegen das Verbrenneraus ausgesprochen,
  33. damit wir alle C63 AMG Gas geben können. Aber auch der Immobilienverband,
  34. die Chemie- und Pharmaindustrie und so weiter. Und was macht der BDI?
  35. Erst mal viel Geld für Veranstaltungen, Kongresse und so weiter ausgeben,
  36. damit die Politik überhaupt erst mal checkt, dass die deutsche Industrie wachsen muss.
  37. Deswegen gibt's Leute wie ihn. Das ist Siegfried Russwurm. Der ist nicht nur Präsident des BDI,
  38. sondern sieht auch genauso aus, wie er heißt, und setzt sich dafür ein, dass der Strompreis sinkt,
  39. damit Deutschland weiter eine gute Exportnation bleibt. Leute wie er sind in der Regel auch in der Öffentlichkeit beliebt,
  40. weil, ja, Industrie ist wichtig und sichert unseren Wohlstand. Deswegen kriegt er auch easy ein Interview in der Tagesschau.
  41. Auch sonst hat er einen guten Ruf. Hier warnt er zum Beispiel davor, dass deutsche Produkte
  42. nach der Zollerhöhung in den USA besser geschützt werden sollen. Hier kritisiert er noch die Ampel und sagt quasi,
  43. seitdem die in der Regierung sind, läuft gar nix mehr. Nur, es bezieht sich nicht nur auf die Industrie oder Wirtschaft.
  44. Es gibt eigentlich für alles Lobbygruppen in Europa. Wenn man so will,
  45. sind auch Greenpeace oder Fridays for Future Lobbys. Und als seriöse Lobbyisten hat Greenpeace auch ein Büro in Brüssel,
  46. in dem nach eigenen Angaben 14 Leute arbeiten und die Politik beraten und kritisieren.
  47. Oder direkt mitten auf dem Fußballplatz bei einer EM landen. Es gibt aber natürlich auch noch wesentlich kuriosere Lobbygruppen.
  48. Zum Beispiel den Verband der Aromenindustrie. Gut, ihr fragt euch jetzt, wie euer Leben ohne Aromen aussehen würde,
  49. aber so ganz unbedeutend ist er gar nicht, denn da sind auch so ein paar kleine Firmen
  50. wie Pepsi oder Coca-Cola Mitglied. Aber schauen wir mal genauer hin, dahin, wo viel lobbyiert wird.
  51. Nämlich in die EU nach Brüssel. Spitzenreiter ist hier Big Tech.
  52. Die haben nicht nur viel Kohle, die geben auch eine Menge für Lobbyismus aus.
  53. "Hey." Nach Zahlen von LobbyControl waren es 113 Millionen Euro.
  54. Nur im letzten Jahr. Das ist eine NGO, die sich dafür einsetzt,
  55. dass einige Firmen halt nicht unverhältnismäßig viel Macht im Lobbybereich haben und generell mehr Transparenz herrscht.
  56. Und mit denen haben wir für dieses Video intensivst zusammengearbeitet. Bevor wir uns gleich anschauen, wofür das Geld ausgegeben wird
  57. und was es womöglich daran zu kritisieren gibt, schauen wir uns doch erst mal an,
  58. was man eigentlich machen muss, um selber Lobbyist zu werden. (Angespannte Klänge)
  59. Nun, jeder von uns hat ja eine gewisse Vorstellung im Kopf von einem Lobbyisten.
  60. Und wahrscheinlich ist in den meisten Fällen da auch viel Geld und Macht mit dabei.
  61. Nun, erst mal vorab: Eigentlich nennt sich kein Lobbyist wirklich Lobbyist. Die Berufe heißen dann so was wie Public Affairs bla bla bla,
  62. Public Relations XY, External Communications und so weiter, je nachdem, ob man in einem Verband,
  63. in einem Unternehmen oder in der Beratung arbeitet. Aber fangen wir von vorne an.
  64. Ihr seid gerade im Abi, extrem machtgeil und wollt später mal die Politik eures Landes lenken.
  65. Was also studieren? Laut unseren Gesprächen haben viele Geisteswissenschaften studiert.
  66. Also, so was wie Politikwissenschaften, International Relations, European Governance
  67. und so was in die Richtung. Tatsächlich haben auch viele Jura erwähnt.
  68. Wichtig ist hier aber Folgendes: Es gibt keinen konkreten Studiengang. Eigentlich ist alles relevant, was irgendwie zum Thema passt.
  69. Konkret heißt das: Wenn man zum Beispiel in der Pharmalobby arbeitet,
  70. findet man viele Leute, die Medizin oder Biologie oder Chemie studiert haben.
  71. Es gibt auch eine Art Target-Unis, also Unis, von denen man einfacher in die entsprechenden Branchen einsteigen kann als von anderen Unis.
  72. Das sind natürlich so was wie Oxford und Cambridge, aber auch die Hertie School in Deutschland in Berlin.
  73. Auch ist es üblich, während dem Studium Praktika zu absolvieren. Das macht man dann klassischerweise in kleineren PR-Beratungen
  74. oder in der International-Relations-Abteilung von Konzernen oder in Büros von Politikern.
  75. So, und danach geht's Fulltime weiter. Ein klassischer Weg läuft hier über die Beratung.
  76. Und das kann man einigermaßen mit dem BWL-Kosmos vergleichen. Hier arbeitet man dann ein bis drei Jahre
  77. bei 'ner renommierten Beratung. Beratungen, die uns da genannt wurden, sind die folgenden:
  78. Keine einzige jemals gehört. Anyways, verdienen tut man hier zum Einstieg
  79. angeblich zwischen 40 und 70 K, also quasi nix. Und weil das natürlich nicht genug ist,
  80. macht man das auch nur ein paar Jahre. Denn dann kommt der sogenannte Exit.
  81. Die coolen Stellen mit mehr Macht und Geld gibt's nämlich woanders. Beliebt sind hier große Verbände, zum Beispiel der Industrieverband
  82. oder der Verband des Deutschen Mittelstandes. Das sind mit die einflussreichsten Verbände in Deutschland.
  83. Oder man geht zu 'nem großen Konzern in die International- Relations-Abteilung.
  84. Da vertritt man dann die Interessen von nur einem Konzern. Bei all diesen großen Playern
  85. kann das Gehalt dann auch mal gerne über die 100.000-Euro-Marke gehen. Generell war das, was wir hier gerade aber dargestellt haben,
  86. so was wie der Idealweg. Ihr merkt schon, 'nen gradlinigen Prozess wie bei Jura oder BWL
  87. gibt's nicht zu 100 Prozent. Viele Leute in den Jobs sind Quereinsteiger
  88. oder wechseln als Referent oder Politiker später rüber in die Branche.
  89. (Gespannte Klänge) So, wir sind jetzt dick im Business eingestiegen,
  90. aber wie sieht eigentlich der Alltag aus? Im Endeffekt muss man ja wissen, was abgeht.
  91. Also den ganzen Tag Nachrichten lesen, gucken, hören und irgendwie an Informationen kommen.
  92. Was wichtig ist, ein essenzieller Anteil am Erfolg der Arbeit ist das Netzwerk.
  93. Und das hat folgenden Grund. Wenn man erst aus den Nachrichten erfährt, was passiert,
  94. kann man nur noch reagieren. Wenn man aber schon vorher weiß, was Sache ist,
  95. kann man im besten Falle noch mitgestalten. Das genau ist das Ziel.
  96. Daher braucht man gute Quellen, die einem im besten Fall schon vor Veröffentlichung
  97. bestimmte Gesetzesentwürfe zuschicken. Wenn man das dann hat, geht's erst mal darum,
  98. das Ganze zu analysieren. Was hat es für Auswirkungen für das Unternehmen,
  99. den Verband oder generell die Interessensgruppe, die man gerade vertritt.
  100. Nach viel Rumanalysieren wird letztendlich ein Positionspapier mit der Stellung der eigenen Interessensgruppe verfasst.
  101. Und jetzt geht's genau darum, diese Position durchzusetzen. Leider passiert das nicht so,
  102. dass man mit einem Koffer voller Geld in den Bundestag läuft. Es ist in echt viel komplizierter und leider auch langweiliger.
  103. Denn in Deutschland und Europa gibt es sehr viele Gesetze, die sagen, was man darf und was man nicht darf.
  104. Man guckt erst mal, wer für das ganze Gesetz verantwortlich ist. Und dann trifft man sich mit dieser Person oder dem gesamten Team
  105. und fängt an, zu argumentieren. Man verkauft quasi seine Position.
  106. Also so was wie: "Wenn Gesetz XY so durchkommt, verliert Ihr Wahlkreis 500 Jobs."
  107. "Oder die Steuereinnahmen werden um 20 Prozent fallen." Das Ding ist nämlich,
  108. die meisten Politiker haben selbst relativ wenig Ahnung von dem, was sie da eigentlich beschließen.
  109. Daher haben sie Teams von Experten, die sich genau damit beschäftigen. Also, kurz in vier Schritten,
  110. falls ihr die durchschnittliche Aufmerksamkeitsspanne eines TikTok-Connaisseurs habt:
  111. Eine Geheimtaktik haben wir aber noch von Lobbyisten verraten bekommen, die unglaublich einfach ist, aber angeblich fast immer funktioniert.
  112. Gerade junge Politiker fühlen sich oft selber extrem geil. Wenn sie dann Besuch von Lobbyisten,
  113. von großen Konzernen oder Verbänden bekommen, sind sie in einer gewissen Art und Weise geschmeichelt.
  114. Also, so nach dem Motto: Dieser Riesenkonzern schickt extra drei Leute vorbei,
  115. um mit mir zu reden. Das muss ja irgendwie cool sein.
  116. Bonus-Tipp hier, wenn extra der CEO oder irgendein anderer hoher Manager vorbeikommt,
  117. den man dann zum Politiker schickt, da reicht dann oft einfach ein gemeinsames Essengehen
  118. und diese ... ja, Geste, dass man irgendwie Anerkennung gibt, dass sich so ein wichtiger Mensch extra Zeit nimmt,
  119. um mit diesem Politiker zu reden. So, jetzt wissen wir, wie der Hase läuft.
  120. Aber gucken wir uns das Ganze mal an praktischen Beispielen an. Es geht um Scalable, Trade Republic und andere Neo-Broker.
  121. Diese Neo-Broker verdienen in den meisten Fällen den Großteil ihres Geldes über das Payment-for-Orderflow-Verfahren,
  122. also indem sie die Order an die Market-Maker weiterleiten. Denn die meisten Broker können viele eurer Trades nicht direkt abwickeln
  123. und müssen auf diese Mittelsmänner ausweichen, die das Ganze dann im Hintergrund abwickeln.
  124. Dafür, dass die Broker den Traffic zu diesen Mittelsmännern bringen, gibt's eine Rückvergütung.
  125. Das heißt, ja, Geld für den Broker. Ja, eigentlich recht simpel und auch eigentlich nix Schlimmes.
  126. Könnte man zumindest meinen. Eine gewisse Interessensgruppe sieht hier aber enorme Nachteile.
  127. Durch das Payment-for-Orderflow-Verfahren sollen die Broker angeblich die Order
  128. nicht an den günstigsten Handelsplatz weiterleiten, sondern an den mit der höchsten Gebühr für sie.
  129. Das kommt vor allem von einer Interessensgruppe, den Banken, die mit ihren Boomer-Brokern ordentlich Marktanteile
  130. an die viel günstigeren Neo-Broker verlieren. Und die Finanzlobby ist nun mal keine unmächtige.
  131. Und wie so oft in der Geschichte, wenn man als Feind das Unternehmen nicht mit dem besseren Produkt
  132. aus dem Markt verdrängen kann, ja, lässt man sein Produkt verbieten
  133. oder in dem Fall die Hauptmonetarisierung, die es am Laufen hält.
  134. Also, paar Kontakte spielen lassen und zack, ab 2026 ist das Payment-for-Orderflow-Verfahren
  135. in der EU verboten. Dass sich aber das Payment-for-Orderflow-Verfahren
  136. gerade in der Praxis für Kleinanleger lohnt, ist dann auch erst mal zweitrangig für die Politiker,
  137. die dafür gestimmt haben. Aber fairerweise muss man wahrscheinlich sagen,
  138. dass die Hälfte keine Ahnung hatte, worüber sie gerade da überhaupt abstimmen.
  139. "Kuchen!" Oder Beispiel Nummer zwei.
  140. Wir alle kennen diese Dinger hier. ♪ 20-2-2 in aller Munde wiе Elf Bars.
  141. Vapes. Meiner Meinung nach die maskulinste Art Lungenkrebs zu bekommen.
  142. Das Problem ist aber, auf Lungenkrebs haben eigentlich klassische Zigaretten ein Monopol
  143. und die neuen Dinger nehmen ordentlich Marktanteile ab. Also, der Deutschland-Lobbyist von Philip Morris,
  144. den Produzenten von denen hier, arbeitet an einem Plan, diese neuen Dinge zu verbieten.
  145. Einfaches Spiel, denn die Tabaklobby ist milliardenschwer und der Lobbyist auch kein geringerer
  146. als der ehemalige Ministerpräsident von Schleswig-Holstein mit sehr, sehr guten Kontakten.
  147. Es werden also Gespräche geführt, E-Mails hin und her geschickt und letztendlich, ja, klappt es doch nicht.
  148. Okay, wenn wir es nicht verbieten können, dann machen wir einfach mit, denkt sich wahrscheinlich Philip Morris
  149. und bringt ihre eigenen Vapes auf den Markt. Und er ist übrigens auch tief drin beim Thema Rauchen.
  150. So, am Ende müssen wir aber noch mal darüber sprechen, wann Lobbyismus auf EU-Ebene problematisch ist.
  151. Dazu haben wir extra mit der Organisation Lobby Control über Big Tech-Konzerne gesprochen.
  152. Wir haben in der letzten Legislatur gesehen, dass Tech-Konzerne wirklich die europäischen, demokratischen Institutionen missachten.
  153. Beispiel Amazon. Amazon hat eine Anhörung des Europäischen Parlaments
  154. nicht wahrgenommen, sondern kurzfristig abgesagt. Unter fadenscheinigen Gründen ist später herausgekommen,
  155. sie fanden das Setting nicht nett, weil da zu viele Arbeitnehmer:innen- Vertreter waren.
  156. Es sollte nämlich um die Arbeitsbedingungen in den Logistikzentren von Amazon gehen bei dieser Anhörung.
  157. Und das hat dazu geführt, auch mit unserem zivilgesellschaftlichen Druck,
  158. dass das Europäische Parlament sich entschieden hat, Amazon-Lobbyisten aus dem Parlament zu verbannen.
  159. Die Lobbyisten sind übrigens nicht für immer verbrannt, sondern nur so lange, wie sie zu den Anhörungen nicht kommen.
  160. Und das ist nicht das einzige Thema mit Big Tech in der EU. Konzerne wie Amazon, Meta oder Google
  161. sind nicht ohne Grund so groß, denn sie sind clever. Sie betreiben oft sogenannten verdeckten Lobbyismus, also solchen,
  162. die man auf den ersten Blick nicht erkennt, was die Transparenz teilweise unmöglich macht.
  163. Verdeckter Lobbyismus bedeutet für uns, dass Akteure nicht offen mit offenem Visier auftreten
  164. gegenüber politischen Entscheidungsträger:innen. Und das ist sowohl für die Öffentlichkeit ein Problem,
  165. die das gegebenenfalls nachvollziehen will, als auch für die Entscheidungsträger:innen selbst,
  166. die annehmen, bestimmten Interessen gegenüber zu stehen und das aber nicht tun.
  167. Und über genau so eine Tarnorganisation sprechen wir jetzt mal:
  168. Das ist auf den ersten Blick eine Interessensvertretung für kleine Startups.
  169. Also eigentlich was Gutes, könnte man meinen. Auf den zweiten Blick sind sie
  170. aber nicht einfach nur von Big Tech finanziert, sondern was ihre Forderungen angeht auch komplett auf Linie mit Big Tech.
  171. Vor allem beim Digital Markets Act, also dem Digitalmarktgesetz, wurde das auffällig.
  172. Das Gesetz soll ja vor allem verhindern, dass Big Tech Firmen ihre Marktmacht missbrauchen.
  173. Das ist nicht nur sus, sondern wirkt auch nicht wirklich legit. Die haben das alles nicht so stark als Problem gesehen.
  174. Also Marktzugang ist doch kein Problem, ist doch wunderbar, wenn es große Tech-Konzerne gibt, die uns später aufkaufen können.
  175. Das ist so ungefähr die Linie gewesen, die wir da erleben durften. Und gleichzeitig konnten wir tatsächlich sehen,
  176. es gibt auch wirkliche Startup-Verbände der kleinen und mittelständischen Tech-Konzerne.
  177. Und die haben ganz andere Sachen vertreten und wollten wirklich scharfen DMA,
  178. der die Marktmacht von großen Tech-Konzernen zurückdrängt. Und wenn die Tarnorganisationen nicht weiterhelfen,
  179. haben die Firmen aus dem Silicon Valley noch einen letzten Trick in der Hinterhand.
  180. Diese Unternehmen können sich nämlich teure Beratungsfirmen leisten, die für sie lobbyieren.
  181. Klingt jetzt nicht wie die innovativste Taktik, ist aber sehr effektiv.
  182. Die Berater haben dann nämlich einen besonderen Auftrag: Spammen. Und nicht, dein DHL-Paket wartet auf die Abholung SMS-Spam,
  183. sondern einfach die Behörden so lange voll Spam, bis diese nachgeben. Und das Ganze geht so.
  184. Ihr seid ne Big-Tech-Firma und wollt euch ein anderes Tech-Unternehmen für 'ne Fusion sichern.
  185. Beispiel Google, die sich Ende 2020 Fitbit sichern. Das waren diese komischen Armbänder,
  186. die aussahen wie 'ne billo Apple Watch. Jetzt muss die Fusion ja noch irgendwie durch die EU
  187. und von der Kartellbehörde abgenommen werden. Die sind aber nervig, weil ihr wisst schon, Politiker,
  188. das dauert alles ewig, es gibt Tausende Dinge, die irgendwie angepasst werden,
  189. irgendwelche komischen Gesetze, für die ihr euch nicht interessiert. An sowas könnte die Fusion platzen.
  190. Ihr seid aber schlau und habt 'ne Beratungsfirma extra dafür auf der Payroll.
  191. Denn jetzt kommt die Drecksarbeit und genau dafür bezahlt ihr sie. Die Beratungsfirmen haben nämlich einen Trumpf.
  192. Während Fusionen und so was hinter verschlossenen Türen stattfinden, also weder die Öffentlichkeit
  193. noch nervige Journalisten was davon mitbekommen, haben eure Beratungsfirmen das goldene Ticket
  194. und dürfen vor Ort am Start sein. Sie sind ja auf dem Papier Experten und damit sachdienlich.
  195. Und da ihr seriöse Top-Berater am Start habt, legen die für die Fusion eine Bewertung vor.
  196. Und dann noch 'ne Studie. Und noch 'ne Bewertung.
  197. Und noch 'ne Studie. Und noch 'ne Bewertung.
  198. Und noch 'ne Studie. Und noch 'ne Bewertung. Kurz gesagt, ihr spamt einfach die ganze Behörde voll
  199. und drängt die komplett in die Defensive. Und weil 'ne EU-Behörde ja höchst seriös ist,
  200. muss jede Sachverständigenmeinung auch geprüft werden. Und ihr könnt ja mal raten, wie viel Bock die darauf haben.
  201. Das Verfahren nennt sich "Spamming the Regulator", weil ja, ihr checkt schon wieso.
  202. Ja, und so bringen wir ganz entspannt unsere Fusion durch. Das war's zum Thema Lobbyismus,
  203. schreibt mal gern eure Meinung zu den ganzen Themen, die wir besprochen haben, in die Kommentare.
  204. Hier seht ihr noch MrWissen2go zu Gast bei Henke's Corner. Die sprechen da ganz entspannt über die EU-Wahl
  205. und was die EU uns als Bürger überhaupt bringt und wieso MrWissen2go fast gegen Kollegah ein Rap-Battle hatte.
  206. Hier ist noch ein anderes Video von uns. Bis zum nächsten Mal. Ciao!
  207. Jetzt abonnieren, damit der DAX wieder steigt. Und mit Glocke zu neuen Allzeithochs.

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