Nationalversammlung in der Paulskirche I musstewissen Geschichte MrWissen2go Geschichte | Terra X https://www.youtube.com/watch?v=__rxabzOJHs Transkript (automatisch erstellt) 0:00 In diesem Video beschäftigen wir uns mit dem ersten gesamtdeutschen Parlament, mit der Verfassung, die es ausarbeitet und mit seinem gewaltsamen Ende. 0:08 Eben alles, was du wissen musst. Herzlich willkommen in der Frankfurter Paulskirche, 0:17 wo sich die deutsche Nationalversammlung trifft. Dass man in einer Kirche zusammenkommt, 0:22 sieht man nicht so unbedingt auf den ersten Blick, denn die Orgel ist mit einem Bild und mit Kränzen verhängt. 0:28 Es handelt sich um die Reichsgöttin Germania. Vor dem Altar hängt ein Vorhang mit einem Bild des deutschen Reichsadlers. 0:35 Hier ist das Präsidium mit dem Präsidenten, der die Sitzungen leitet, und hier steht das Rednerpult, 0:41 von dem die Abgeordneten zu ihren Kollegen sprechen. Im halbrunden Plenum nehmen die Parlamentarier Platz. 0:47 Hier und hier und da sitzen die Zuschauer. Ich weiß nicht, vielleicht erinnert euch das ja an irgendwas. 0:54 Auf dem Höhepunkt der Revolution von 1848, hier der Link zu dem Video, wenn ihr oben auf das "i" klickt, 1:00 wählen die Bürger in allen deutschen Staaten ein gemeinsames Parlament. Diese Nationalversammlung hat zwei Aufgaben: 1:07 Erstens, die Grundrechte der Deutschen festzulegen und zweitens, eine Verfassung auszuarbeiten 1:13 und sie zu erlassen. Die knapp 600 Abgeordneten 1:16 schließen sich zu verschiedenen Fraktionen zusammen. Je nachdem, ob sie die gleichen politischen Ziele haben 1:22 oder eine ähnliche Weltanschauung. Gemeinsam können sie mehr durchsetzen und mehr Arbeit bewältigen. 1:28 Schauen wir uns mal an, welche Gruppen sich da so bilden. Übrigens: Die Fraktionen sind nach den Orten benannt, 1:34 wo sie sich immer treffen. Also wundert euch nicht, wenn es etwas komisch klingt. 1:39 Da gibt es die Konservativen, die eigentlich keine neue Verfassung wollen, 1:42 sondern dafür sind, dass wie bisher souveräne Fürsten regieren und sich in bestimmten Fragen absprechen. 1:48 Da gibt's andererseits Abgeordnete, die eine deutsche Republik gründen wollen 1:52 und die einen Kaiser nur noch in dem Sinn haben wollen, wie es etwa die Queen heute in England ist. 1:56 Ohne wirkliche Macht. Eine ziemlich große Gruppe Abgeordneter tritt dafür ein, 2:01 dass das Parlament die Gesetze erlassen soll, aber nicht die Regierung wählt. 2:05 Wieder eine andere wünscht sich eine parlamentarische Monarchie, in der der Herrscher stärker kontrolliert wird. 2:13 Diese Fraktionen setzen sich im Parlament als ein Block zusammen. Und je nachdem, wo die Gruppe sitzt, 2:19 wenn man vom Rednerpult auf die Versammlung schaut, nennt man sie politisch links oder politisch rechts. 2:25 Daher kommt das, wenn man die Politik so einteilt. Kennt man ja auch heute noch. 2:29 Am 28. Dezember 1848 einigen sich die Abgeordneten auf die künftigen Grundrechte der Deutschen. 2:36 Zum ersten Mal wird beschlossen, dass für die deutschen Bürgerinnen und Bürger Rechte gelten sollen. 2:42 Jeder darf zum Beispiel frei entscheiden, wo er wohnen will. Der Adel wird als Stand aufgehoben, 2:48 für alle Leute gilt das Gesetz in gleicher Weise. Die Freiheit der Person ist unverletzlich. 2:54 Der Staat darf einem also nicht einfach Gewalt antun. Die Todesstrafe wird tatsächlich abgeschafft. 3:00 Und die Folter auch. Wohnungen dürfen nicht einfach so durchsucht werden. 3:04 Es herrscht Meinungsfreiheit. Jeder darf und kann sagen, was er will. 3:09 Jeder darf seinen Glauben frei wählen. Die Wissenschaft ist frei und der Staat darf auch nicht kontrollieren, 3:15 was an den Universitäten gelehrt wird. Die Deutschen dürfen sich jederzeit friedlich 3:21 und ohne Waffen zu tragen versammeln. Vereine dürfen gebildet werden, 3:25 ohne dass der Staat etwas dagegen tun kann. Niemandem darf sein Eigentum weggenommen werden. 3:30 All diese Grundrechte gelten heute noch in der Bundesrepublik Deutschland. Sie stehen, das wisst ihr wahrscheinlich, im Grundgesetz. 3:36 Bei den Bürgerrechten ist man sich ziemlich schnell einig. Darüber, wie der künftige deutsche Nationalstaat aufgebaut sein soll, 3:43 da wird viel mehr gestritten. Am Schluss einigt man sich darauf, 3:47 dass Deutschland eine konstitutionelle Monarchie mit Gewaltenteilung wird. Das bedeutet, dass es an der Spitze des Staates 3:53 einen Kaiser gibt, der dieses Amt von seinem Vater erbt. Der Kaiser ernennt die Regierung. 3:59 Aber: Die Regierung kann nicht einfach machen, was sie will. Sie wird vom Reichstag kontrolliert. 4:05 Im Reichstag, im Parlament gibt es zwei Häuser. Das Staatenhaus, wo die Vertreter der Länder sitzen 4:12 und das Volkshaus, in dem die Abgeordneten sitzen, die jeder Mann ab 25 Jahren wählen darf. 4:18 Gemeinsam erlassen diese beiden Häuser Gesetze und sie stellen auch das Budget auf. 4:23 Sie bestimmen also, wieviel Geld die Regierung bekommt und was sie damit machen darf. 4:27 Für Streitfragen, wie die Verfassung richtig angewendet werden muss, gibt es ein Reichsgericht. 4:34 Die drei Gewalten, Legislative, Judikative und Exekutive sind also getrennt. 4:40 Wer dazu noch mal was nachsehen will, der findet alles, was er wissen muss und wissen will, 4:45 wenn er oben auf das "i" klickt. Also schaut da auf jeden Fall mal rein. 4:49 Die alles entscheidende Grundfrage ist aber, welche Länder alle zum künftigen Deutschland gehören sollen. 4:54 Man unterscheidet die kleindeutsche und die großdeutsche Lösung. "Kleindeutsch" bedeutet, dass Österreich nicht Teil des neuen Staates wird. 5:03 "Großdeutsch" bedeutet, dass Österreich mit dabei ist. Auf der Karte kann man das Problem gut erkennen. 5:08 Wir sehen: Österreich ist ein Land, in dem viele Völker leben. Deutsche, Ungarn, Tschechen, Italiener, Slowaken und so weiter und so fort. 5:15 In einen deutschen Nationalstaat passt das Land nicht so wirklich gut rein. Andererseits kamen seit Jahrhunderten die deutschen Kaiser 5:23 aus dem österreichischen Geschlecht der Habsburger. Und das Heilige Römische Reich Deutscher Nation 5:28 wurde von Prag oder von Wien aus regiert. Am Ende wird einfach abgestimmt 5:33 und es gibt eine ganz knappe Mehrheit für die kleindeutsche Lösung. Also bietet man dem König von Preußen, Friedrich Wilhelm IV., 5:39 die Kaiserkrone des Deutschen Reiches an. Die Revolution scheint am Ziel. 5:45 Aber Friedrich Wilhelm IV. will nicht. Er sagt, Untertanen können keine Krone vergeben. 5:51 Auf gut Deutsch: Er ist von Gottes Gnaden Herrscher und nicht, weil irgendeine Volksversammlung das so beschließt. 5:57 Wie sehr sich der König bevormundet fühlt, sieht man daran, dass er die Krone auch als Hundehalsband bezeichnet, 6:03 an dem man ihn herumführen will. Das ist ein ziemlicher Hammer, oder? 6:07 Ein ganzes Jahr lang wird rumverhandelt und dann sagt der preußische König: "Nö, mit mir nicht." 6:13 Aber die Abgeordneten geben nicht klein bei. Sie schaffen es tatsächlich, dass sich 28 deutsche Staaten 6:19 hinter die neue Verfassung stellen. Die kleinen Staaten zwar, aber immerhin. 6:24 Auch in den größeren und großen Staaten machen jetzt die dortigen Parlamente Druck. 6:28 Selbst in Preußen stimmen die Abgeordnetenkammern für die Annahme der Reichsverfassung. 6:34 Aber die Regierungen der Länder berufen die jeweiligen Abgeordneten aus Frankfurt ab. 6:39 Zuerst Österreich, dann Preußen, Sachsen, Hannover, Baden. Die ungefähr 100 Abgeordneten, die übrig bleiben, 6:45 müssen auch noch fliehen. Denn Preußen will das Parlament jetzt mit Militärgewalt auflösen. 6:50 Vom preußischen Herrscher, König Friedrich Wilhelm, ist noch ein Satz überliefert, der nun grausame Wirklichkeit wird. 7:00 Das Parlament flieht nach Stuttgart, wird aber dann dort vom württembergischen Militär aufgelöst. 7:06 Zwar gehen Tausende Menschen auf die Straßen, um für die Verfassung zu protestieren, 7:10 aber gegen die Gewehre haben sie keine Chance. Österreich wird wieder ein absolutistischer Staat. 7:17 In Berlin löst der König die preußische Nationalversammlung auf, 40.000 Soldaten besetzen die Stadt. 7:23 In Sachsen, im Rheinland, in der Pfalz und Baden schießt das preußische Militär Aufstände nieder. 7:30 Die Armee, die die Bürger in der Pfalz zur Verteidigung der Revolution aufstellen, muss am 23. Juli 1849 in der Festung Rastatt kapitulieren. 7:40 Tausende Liberale und Demokraten werden verhaftet oder hingerichtet. Noch mehr verlassen ihre Heimat und fliehen zum Beispiel nach Amerika. 7:48 In einzelnen deutschen Ländern drehen die Herrscher die Uhren zurück. Parlamente werden aufgelöst oder ihrer Kompetenzen beraubt, 7:56 Verfassungen werden aufgehoben. Auch die Grundrechte, die das Parlament in der Paulskirche beschlossen hat, 8:02 gelten nicht mehr. Die Revolution von 1848/49 scheitert. 8:08 Warum? Das erklären wir im nächsten Video. 8:11 Wenn ihr zu diesem Video noch Fragen habt, dann postet sie gerne unten in die Kommentare 8:15 und, das sag ich immer wieder, aber man kann's nicht oft genug sagen: Wenn ihr diesen Kanal abonniert, verpasst ihr künftig kein Video mehr. 8:23 Würde mich freuen. Danke euch fürs Zuschauen, bis zum nächsten Mal. 8:26 Untertitel im Auftrag des ZDF für funk, 2017