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Der Investiturstreit | EINFACH ERKLÄRT
Das Wichtigste aus dem Video
Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.
Transkriptautomatisch erstellt · 49 Zeilen
- Wer hatte im Mittelalter eigentlich wirklich das sagen? Der Kaiser, Herrscher über ein riesiges Reich oder der Papst als Oberhaupt der Kirche? Tja,
- genau diese Frage hat zu einem der heftigsten Machtkämpfe in der Geschichte geführt und die Antwort, die ist, na ja, echt überraschend. Also stellt euch das
- mal bildlich vor. Der mächtigste Mann der damaligen Welt barfuß im Schnee und er fleht um Vergebung. Wie bitte konnte es denn dazu kommen? Das ist kein Witz,
- das ist wirklich passiert. Ein Kaiser Heinrich. 3 Tage lang in so einem einfachen Büßergewand vor einer Burg in Italien
- und wartete. Und drinnen da saß der Papst. Um zu verstehen, wie es zu dieser, na ja, echt unglaublichen Szene kommen konnte, müssen wir zum Kern des
- Problems vordringen. Worum ging es denn da eigentlich? Der ganze Streit dreht sich um ein einziges, zugegebenermaßen etwas sperriges Wort, die Investitur.
- Klingt jetzt vielleicht kompliziert, aber keine Sorge, das ist es überhaupt nicht. Und genau dieses Wort, das ist der Zündstoff für alles, was danach
- kommt. Also, was heißt Investitur jetzt genau? Ganz einfach. Das ist der offizielle Akt, mit dem ein Bischof in sein Amt eingesetzt wird. Die
- entscheidende Frage war nur, wer darf das? Wer hat das Recht zu bestimmen? So, du bist jetzt der neue Bischof von Köln oder von Mainz. Und das war mehr als nur
- eine nette Geste. Dem neuen Bischof wurden ganz symbolisch ein Ring und ein Stab überreicht. Der Ring, der stand quasi für die Verbindung zur Kirche und
- der Stab für seine Aufgabe als, na ja, als Hirte für seine Geweinde. Und jetzt kommt's. Wer diese Symbole übergeben durfte, der hatte die Macht. Und genau
- darum um diese Kontrolle ging es in diesem Riesenstreit. Tja, und hier prallten eben zwei komplett unterschiedliche Ansichten aufeinander.
- Auf der einen Seite der Kaiser, der dachte sich: "Moment mal, die Bischöfe sind ja nicht nur Kirchenleute, die sind auch Fürsten. Die verwalten riesige
- Gebiete in meinem Reich, also ist doch klar, dass ich da Leute einsetzen will, die mir gegenüber loyal sind." Und auf der anderen Seite der Papst, der sagte:
- "Nichts da." Das ist ein geistliches Amt, darüber hat nur die Kirche zu entscheiden. Und das bin am Ende ich. Ihr seht schon zwei absolute
- Machtansprüche, die hier frontal kollidiert sind. Und dieser ganze anfangsjahr eher abstrakte Konflikt, der wurde dann ganz schnell zu einem richtig
- persönlichen Duell, ein Machtkampf zwischen zwei, sagen wir mal, extrem sturen und mächtigen Typen. Auf der einen Seite Kaiser Heinrich VI, auf der
- anderen Papst Gregor VI. Und schaut euch mal an, wie schnell das dann eskaliert ist. Das ging Schlag auf Schlag. 1075. Der Papst verbietet dem Kaiser Beschöfe
- einzusetzen. Bum. Anfang 1076. Der Kaiser schlägt zurück und erklärt den Papst einfach für abgesetzt. Und nur wenige Monate später zückt der Papst
- seine schärfste Waffe. Er exkommuniziert den Kaiser. Und das müsst ihr euch mal klar machen, Exkommunikation, also der Rauswurf aus der Kirche, das war im
- Mittelalter quasi das politische Todesurteil. Plötzlich musste ihm kein einziger Untertan mehr gehorchen. Jeder war von seinem Treueid entbunden. Und
- sofort haben seine eigenen Fürsten gedroht, einen neuen König zu wählen. Der Kaiser stand also plötzlich komplett ohne Macht da. Er musste handeln und
- zwar verdammt schnell. Und genau das führt uns jetzt zum absoluten dramatischen Höhepunkt der ganzen Geschichte. Ein Moment, der so berühmt
- geworden ist, dass wir ihn heute sogar noch als Sprichwort kennen. Wir sind im Jahr 1077. Heinrich steht politisch mit dem Rücken
- zur Wand, aber er schmiedet einen ebenso verzweifelten wie genialen Plan. Seinen Plan, der hatte drei Schritte. Erstens, die Reise. Er zieht los nach Kanossa,
- aber eben nicht mit seiner Armee, sondern quasi allein. Zweitens, die Buße. Er stellt sich vor die Burg, barfuß in diesem Büsergewand und wartet
- drei Tage lang. Und drittens die Vergebung. Der Papst war ja auch Seelsorger und als Priester musste er einem reigen Sünder vergeben. Das war
- ein absolut genialer Schachzug. Heinrich hat den Papst damit in seine Rolle als Priester gezwungen. Gregor wusste genau, dass das eine politische Falle ist, aber
- er hatte keine andere Wahl. Er musste die Exkommunikation aufheben. Und dieser Moment war so krass, so prägend, dass wir nach Kanossa gehen, heute noch als
- Redewendung benutzen. Immer dann, wenn jemand, z.B. ein Politiker einen schweren Fehler gemacht hat und dann demütig um Verzeihung bitten muss. So,
- jetzt könnte man ja denken, okay, der Kaiser wurde gedemütigt, der Papst hat nachgegeben. Fall erledigt, Frieden. Aber Pustekuchen, Kanossa war nur eine
- Runde in einem Kampf, der jetzt erst so richtig losging. Kaum war Heinrich wieder zu Hause in Deutschland, ging der Stress erst richtig los. Die deutschen
- Fürsten hatten in der Zwischenzeit nämlich einfach einen Gegenkönig gewählt. Der Papst hat Heinrich dann direkt noch mal exkommuniziert. Und
- Heinrich, der ist daraufhin mit seiner Armee nach rummarschiert und hat einfach seinen eigenen Gegenpapst ernannt. Es war ein einziges Chaos, ein richtiger
- Krieg, der noch Jahrzehnte weiterging, sogar als Heinrich und Gregor schon längst tot waren. Nach all diesen Jahrzehnten voller Streit und
- Bürgerkrieg hatten die Leute einfach die Nase voll. Das ganze Reich war zerrissen. Und langsam wurde allen klar, einen klaren Sieger wird es hier nicht
- geben. Man musste eine Lösung finden, einen Kompromiss. Und dieser Kompromiss, der kam erst im Jahr 1122.
- Stellt euch das mal vor. Fast 50 Jahre, nachdem der ganze Streit angefangen hat. Geschlossen wurde er in der deutschen Stadt Warms und deshalb kennt man ihn
- heute als das Wormser Konkordat. Und die Lösung war eigentlich ziemlich clever. Im Grunde war es eine frühe Form der Gewaltenteilung. Man hat das Amt des
- Bischofs einfach in zwei Bereiche aufgeteilt. Alles, was geistlich war, also die religiösen Aufgaben, das war ab jetzt Sache des Papstes und alles was
- weltlich war, also Ländereien, Verwaltung und so weiter, darüber durfte der Kaiser entscheiden. Der springende Punkt war, der Kaiser verzichtete
- darauf, diese symbolischen Dinger, also Ring und Stab, zu übergeben. Und das war ein riesiger Sieg für den Papst. Im Gegenzug durfte der Kaiser aber bei der
- Wahl des Beschufs dabei sein. Es war also wirklich ein Kompromiss, bei dem beide Seiten etwas bekommen haben. Okay, was solltet ihr aus dieser ganzen
- Geschichte also mitnehmen? Erstens, das war ein knallharter Machtkampf zwischen Kaiser und Papst um die Frage, wer ist hier der Boss? Zweitens, der Gang nach
- Kanossa war der krasse Höhepunkt, der allen gezeigt hat, welche Macht die Kirche haben kann. Und drittens, das Wormser Konkordat war am Ende ein
- schlauer Kompromiss, der die Macht aufgeteilt hat. Und damit kommen wir zurück zur allerersten Frage. Wer hat denn nun wirklich gewonnen? Klar, es war
- ein Kompromiss, aber wenn man genau hinschaut, war es ein riesiger Sieg für das Papstum. Die Kirche war danach viel mächtiger und unabhängiger als je zuvor.
- Zum ersten Mal in der Geschichte stand der Papst auf Augenhöhe mit dem Kaiser, wenn er nicht sogar die Nase vorn hatte. Dieser Konflikt hat die Machtposition
- des Papstes für die nächsten Jahrhunderte zementiert. Ziemlich faszinierende Wände in der Geschichte. Findet ihr nicht auch?
Zum Nachlesen
InvestiturstreitJahr 1077 erfolgten Bußgang nach Canossa. Die weitere Entwicklung der Auseinandersetzung vom Bußgang nach Canossa an bis zu Tod Gregors VII. Gang nach Canossa …
Gang nach CanossaAls Gang nach Canossa bezeichnet man den Bitt- und Bußgang des römisch-deutschen Königs Heinrich IV. von Dezember 1076 bis Januar 1077 zu Papst Gregor VII.
Wormser KonkordatDas Wormser Konkordat, auch als Pactum Calixtinum sive Heinricianum bezeichnet, ist ein am 23. September 1122 in Worms öffentlich ausgetauschtes Konkordat …
Heinrich IV. (HRR)Der Gang nach Canossa 1077, wo sich der König unterwarf und vom Bann gelöst wurde, gilt als Höhepunkt der Auseinandersetzung mit dem Papsttum.