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Warum musste Jesus sterben? | Ostern | Terra X
Das Wichtigste aus dem Video
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Transkriptautomatisch erstellt · 99 Zeilen
- Jerusalem, um das Jahr 30 unserer Zeitrechnung. Es war mitten am Vormittag, als sie ihn kreuzigten. Als Grund für seine Hinrichtung hatten sie auf ein Schild geschrieben: INRI – Jesus Nazarenus Rex Iudaeorum. Jesus von Nazareth – König der Juden.
- Jesus von Nazareth soll Kranke geheilt haben und hat Hungrige gespeist. Er predigte Nächstenliebe und Barmherzigkeit. Warum musste er den gewaltsamen Tod eines Schwerverbrechers sterben? Jerusalem ist eine der ältesten Städte der Welt. Vor fast 2000 Jahren soll hier ein Mensch namens Jesus von Nazareth einen grausamen Tod am Kreuz gestorben sein.
- Über der Stelle, die in der Bibel Golgatha genannt wird, ragt heute die Grabeskirche in den Himmel. Christen aus aller Welt verehren diesen Ort als historischen Schauplatz des Leidens und der Auferstehung Jesu.
- Doch was sind Tatsachen, was ist Glaube? Was geschah damals wirklich in Jerusalem? Als gesichert gilt, dass Jesus seit etwa 3 Jahren als Wanderprediger in Galiläa in Erscheinung getreten ist,
- bevor er zu Pessach, dem bedeutendsten jüdischen Pilgerfest, seine Anhänger vor die Tore Jerusalems führt – eine Woche vor seinem Tod. Was dann geschieht, lässt sich zwar rekonstruieren. Eine einzig wahre Geschichte gibt es nicht. Aber es gibt Annäherungen, die historisch plausibel sind.
- Dies ist eine davon. So fängt man keine Fische, Jakob!
- Sie sind eben keine Fischer wie Du, Petrus. Sondern Söhne eines Fischhändlers, die sich fein machen für den Gang zur Stadt! Hör nicht auf sie, Jakob.
- Unser Meister hat es selbst gesagt, dass wir Aufsehen erregen sollen bei unserem Einzug nach Jerusalem. Jesus will mit dem Einzug nach Jerusalem ein Zeichen setzen, Jakob. Und wir, wir müssen daraus ein Spektakel machen!
- Wie soll das gehen, ohne Jesus zu gefährden? Der Hohepriester wartet nur auf eine Gelegenheit, um ihn zu ergreifen. Und dann sind da auch noch die Römer. Die wollen, dass Ruhe herrscht und ihr plant hier den Aufruhr.
- „Über die Ziele von Jesus wird man schon einiges sagen können. In jedem Fall war er ein jüdischer Reformer. Er war dazu angetreten, den Glauben einfach besser zu machen, ihn mehr vom Herzen als vom formalen Tun her zu bestimmen.
- Und insofern glich er auch anderen, die in dieser Zeit aufgetreten sind, wie zum Beispiel Johannes dem Täufer, der ähnliche Ziele hatte. Aber, der wichtigste Punkt ist ja wohl der, dass er Leute hinter sich hatte, dass er Leute begeistern konnte und dass man ihn auch wirklich als Aufwiegler ansehen konnte.“
- Den Evangelien zufolge erreichen Jesus und seine Anhänger die Stadt von Osten her, über den Ölberg kommend. Dann gehen sie in die Senke des Kidrontals zu einem groß angelegten Wasserbecken, dem Schiloach-Teich.
- Hier reinigen sich die Pilger, bevor sie sich auf den Weg hinauf zum Tempel machen. Das Becken und die antike Prachtstraße hat man erst vor kurzem ausgegraben.
- Wollte Jesus größtes Aufsehen bei seinem Einzug erregen, wird er mit seinen Anhängern wohl über diese Stufen und Steine in die Stadt gezogen sein. Die einstige Prachtstraße liegt heute tief unter dem Straßeniveau verborgen.
- Sehr her, wer da kommet im Namen des Herrn! Hoshia na! Hoshia na, hoshia na, hoshia na, hoshia na, hoshia na!
- Er ist unser Retter! - Er ist unser König, der Sohn Davids! - Jesus von Nazareth! Hoshia na! Hoshia na, hoshia na, hoshia na, hoshia na, hoshia na, hoshia na!
- „Der Einzug nach Jerusalem ist nicht nur eine spontane Aktion, das ist eine Inszenierung, eine Inszenierung, die auch funktioniert hat. Denn es geht darum, möglichst viel Aufmerksamkeit zu erregen. Aber wir dürfen uns keinerlei Illusionen hingegeben. Die allermeisten, die damals in Jerusalem waren, haben überhaupt nichts von diesem Ereignis mitbekommen.
- Aber diejenigen, die dabei gewesen sind, ja, die können auch davon erzählt haben und werden auch davon erzählt haben.“ Und Longinus, besondere Vorkommnisse?
- Keine besonderen Vorkommnisse, aber das wird nicht so bleiben. Es wird jeden Tag voller. Einer unserer Leute berichtet, der Heiler aus Galiläa sei in der Stadt. Der, der Tote erwecken soll? - Ja, angeblich. Mit einem Dutzend seiner Anhänger. Er ritt auf einem Esel. Seine Leute hießen ihn König.
- Auf einem Esel? Ein bescheidener König! Hat er denn viele Anhänger in Jerusalem? Er hat hier Unterstützer, wenn auch nicht sehr viele. Wir behalten ihn im Auge.
- Jesus ist zwar Jude, hält sich aber nicht immer an die strengen Gesetze seiner Landsleute. Die Höhlen von Qumran, 30 Kilometer östlich von Jerusalem. Hier entdeckten Forscher über 15.000 Textfragmente, die gottgefälliges Verhalten in Gesetze fassen.
- Und Strafen für diejenigen vorsehen, die von ihnen abweichen. Heilige Schriften, göttliches Gesetz. Einige Fragmente sind heute im „Shrine of he Book“ in Jerusalem ausgestellt. Einem Ort, der deutlich macht, wie besonders die Einhaltung dieser Gesetze im jüdischen Glauben ist.
- Jesus aber ruft dazu auf, etwa gegen das Ruhegebot am Shabbat zu verstoßen, als er predigt: „Wenn Du am Sabbat Gutes tun kannst, dann tue es." Die Gesetze seien für die Menschen da, nicht die Menschen für das Gesetz. Es ist ein revolutionärer Ansatz, und ein Affront gegen die Wächter der Gesetze, allen voran der Hohepriester.
- Der Jerusalemer Tempel ist das Zentrum des jüdischen Glaubens, er gehört zu den größten Bauwerken der Antike. Im Innern des Tempels, dem Allerheiligsten, brannte zur Zeit Jesu nur ein kleines Altarfeuer.
- Die Römer werden nie begriffen haben, warum die Juden solch ein aufwändiges Bauwerk errichteten, in dessen Zentrum nichts zu sehen war. Hüter des Feuers und der Gesetze ist der Hohepriester Kaiphas. Er ist auch Vorsitzender des Hohen Rates, der die Reinheit des Tempelkultes überwacht.
- Nur Kaiphas kann die Zeichen deuten, in denen Gott seinen Willen offenbart. Beim Kult des bevorstehenden Pessachfestes trägt er ein kostbares Gewand, das sich in der Obhut der Römer befindet.
- Kaiphas treibt auch die jährliche Tempelsteuer ein, die jeder Pilger in Münzen oder Naturalien entrichten muss, um am Tempel – zur Vergebung seiner Sünden – opfern zu dürfen. Fett und Fell der Tiere werden rituell verbrannt, das Fleisch an die Pilger verteilt, die es in der Nacht des Pessachfestes in Gemeinschaft verspeisen.
- Ein archaischer Ritus, aber auch ein einträgliches Geschäft für Priester und Händler. Jesus aber wiegelt die Menschen dagegen auf und fordert, den Tempel wieder zu einem Haus des Gebets für alle zu machen. Damit stößt er den Hohepriester und viele Gläubige vor den Kopf.
- „Wir sind in Jerusalem, damals wie heute nie in einem Raum, der so ganz vergleichbar ist mit anderen Städten. Wir sind mitten im Zentrum einer Religion und hier sind mehrere Schulhäupter, sowohl Rabbinen, Pharisäer,
- aber auch natürlich die Hohenpriester und natürlich auch politisch Interessierte, daran, einfach die Deutungshoheit zu haben. Das heißt, Jesus kommt in ein Wespennest. Es geht nicht einfach nur um die Religion schlechthin, sondern es geht natürlich um ganz viel Eitelkeit.“
- Mit der dem triumphalen Einzug nach Jerusalem und seinen Predigten will Jesus die jüdischen Gläubigen für seine Sache gewinnen. Petrus aber zweifelt. Wie fandest du es gestern? - Es ist besser gelaufen, als ich dachte. Aber ich bleibe dabei: Wir bringen Dich und uns unnötig in Gefahr.
- Das war längst noch nicht alles, Simon Petrus! Wir haben noch mehr vor. Eine Aktion gegen die Priester - gegen die Tierhändler und die Geldwechsler. Hier, direkt am Tempel.
- Seid ihr bei Sinnen?! Die Römer, die werden davon erfahren. Die Tempelwache, das ist eine Sache, aber gegen die Übermacht hinter jenen Mauern sind wir verloren! Was reden die denn so lange? - Petrus, er hat Angst um ihn.
- Er war der Erste von uns. Er hat mehr aufgegeben, als wir alle und hat am meisten zu verlieren. Seid ihr bereit? - Ja! - Ja! - Ja!
- Unser Vater - du in den Himmel, geheiligt werde dein Name! Kommen soll dein Reich, geschehen soll dein Wille - wie im Himmel, so auf Erden. Gib uns das Brot, das wir brauchen. Vergib uns, wenn wir vergeben haben und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Amen.
- Sein Wille geschehe! - Na dann los. Die römischen Besatzer respektieren den Glauben der Juden, so auch das Pessachfest. Auch wenn sie viele der Gebräuche nicht verstehen.
- Die Burg Antonia erhebt sich im Norden der Stadt, direkt hinter dem Tempelberg und ist das Hauptquartier der römischen Garnison. Der Hohepriester Kaiphas ist gekommen, um sein Brustkleid vom römischen Präfekten Pontius Pilatus in Empfang zu nehmen.
- Es ist alles für euch vorbereitet. - Alles verhüllt? - Ja! Folgt mir. Der Levit, der ranghöchste Tempeldiener, weicht Kaiphas nicht von der Seite, um sicherzugehen, dass die rituellen Reinheitsgebote eingehalten werden.
- Kaiphas! - Präfekt. „Ohne das Gewand konnte der Hohepriester sein Amt gar nicht ausüben und wir wissen, dass die Römer dieses Gewand aushändigen konnten oder eben auch nicht.
- Also sie mussten das gewähren und sie konnten das eben auch verzögern, oder sie konnten das auch verweigern oder sie knüpften Bedingungen daran.“ Was sucht ihr hier im Tempel? In der ganzen Stadt ist Platz für eure Geschäfte.
- Was willst du von mir? Dies ist der Platz der Taubenhändler und der Geldwechsler. Solange der Tempel steht. Und daran wirst du nichts ändern. Dies soll ein Bethaus sein. Und ihr macht eine Räuberhöhle daraus! Verschwindet!
- Du willst uns vertreiben? Wir bleiben! Ist das klar? Präfekt! Das solltet Ihr sehen!
- Eigentlich soll der Hohepriester Kaiphas dafür sorgen, dass die Juden den römischen Kaiser und seine Gesetze achten. Auch rebellische Aufrührer soll er in Schach halten. Wie kann so etwas passieren, drei Tage vor dem Fest? - Also, wenn Ihr es nicht schafft, an Festtagen für Ordnung zu sorgen, tun wir das.
- Klärt den Vorfall, und setzt die Verantwortlichen fest! - Bis dahin selbstverständlich bleibt euer Gewand hier. Jesus und seine Jünger haben die Obrigkeit aufs Äußerste provoziert, dennoch bleibt eine Reaktion zunächst aus.
- Was dann geschieht, ist historisch nicht mehr eindeutig zu klären. Es wäre jedoch plausibel, dass die Jünger nach neuen Wegen suchen, Aufsehen zu erregen. Ich frage mich, warum uns keiner für den Aufruhr am Tempel zur Rechenschaft zieht? Es kann doch nicht sein, dass uns niemand gesehen hat.
- Es kann auch sein, dass sie uns absichtlich ignorieren. Einfach um offenes Gerede über unsere Sache zu vermeiden. Dann müssen wir sie eben zwingen. Geht zu Kaiphas und sorgt dafür, dass ich vor dem Hohen Rat komme. Egal wie! - Du weißt, was das bedeutet?
- „Nachdem die Tempel-Austreibung als prophetische Zeichenhandlung wohl offensichtlich beim Hohen Rat nicht mit dieser Botschaft angekommen war, berichten die Evangelien, dass Judas den Hohenpriester traf. Sie berichten, dass dieses Treffen Verrat bedeutete. Judas verriet Jesus bei diesem Treffen.
- Wenn man überlegt, wie man es auch anders deuten könnte, dann könnte das eine Fortsetzung dessen sein, dass nochmal ein Versuch gestartet wird, von Judas Jesu Tempel-Kult Kritik als Anhörung zu organisieren beim Hohen Rat.
- Judas würde dann den Hohen Rat oder den Hohenpriester treffen, um nochmal um ein Gespräch zu bitten, um eine Diskussion anzustoßen.“ Wie ist es gelaufen? - Scheint zu klappen. - Wird er Jesus anhören?
- Es wird eine Anhörung geben, bei der Jesus seine Botschaft vori Kaiphas und dem Hohen rat vortragen kann. Eine Anhörung? Wir liefern Jesus aus? - Er wollte es so.
- Judas! Die Übergabe muss vor Sonnenaufgang sein. - Warum so früh? - Später. Am Abend vor dem Pessachfest versammelt Jesus seine Jünger zum gemeinsamen Mahl.
- Diese jüdische Tradition, bei der man das Fleisch der am Tempel geschlachteten Lämmer zusammen isst und feiert, wird später als „Abendmahl“ zum christlichen Sakrament. Mehr Wein!
- Wenn also die These stimmt und Jesus und Judas einen gemeinsamen Plan hatten, wie die jüdische Obrigkeit doch noch von Reformen überzeugt werden kann, wird Jesus diesen Plan hier seinen Jüngern offenbart haben. Einer von euch wird mich übergeben! Judas wird zu Kaiphas gehen und sagen, wo ich die Nacht verbringe. Sie werden mich abholen und anhören.
- Wenn wir dich dem Hohepriester übergeben, haben wir nichts mehr in der Hand. Und du bist seinem Wohlwollen vollkommen ausgeliefert. Er ist ein Fuchs. Ich bin dagegen. Ich werde gehen. - Und wenn wir Zeugen aller Zeichen und Wunder, die Jesus vollbracht hat, zum Tempel bringen, dann können sie Zeugnis ablegen.
- Wir wollen mit Worten überzeugen und nicht mit Wundern. Ich werde gehen und mich ihnen stellen. Deswegen sind wir gekommen. - Haben wir überhaupt Fürsprecher im Hohen Rat? So gesehen brauchts nur einen. Gesetzt den Fall, dass die Anhörung zum Prozess wird, so muss ein Urteil über Jesus einstimmig sein.
- Und um ein Urteil fällen zu können, müssen sie sich zwei Tage Zeit nehmen. Wenn es also schief geht, dann haben wir noch genügend Zeit, um zu reagieren. Dein Wort in Gottes Ohr.
- Geh jetzt. Der Bibel zufolge führt Jesus seine Anhänger nach dem Pessachmahl in den Garten Gethsemane.
- Wenn es aber keinen Verrat des Judas gegeben hat, sondern Jesus und Judas einen gemeinsamen Plan zur Übergabe hatten, was hat sich dann im Garten Gethsemane zugetragen? Petrus, sie sind da. - Was? Jetzt schon? Hey wacht auf, es geht los.
- Was tragt ihr Stöcke bei euch? Wollt ihr einen Verbrecher fangen im Schutz der Finsternis? War ich nicht jeden Tag bei euch im Tempel? Lass mich los. Was geht hier vor Judas? - Es war nichts zu machen. Sie haben uns überrascht.
- Als wir gemerkt haben, dass sie uns täuschen, da wollten wir euch warnen, aber sie hielten uns fest. Wer? - Gladius stringite! - Das ist alles deine Schuld.
- Von den römischen Soldaten wird Jesus zum Haus des Hohepriesters gebracht. Es sieht so aus, als hätten Jesus und seine Jünger die Reaktion der Obrigkeit unterschätzt. Römer und Juden machen jetzt gemeinsame Sache, um den Störenfried vor dem Pessachfest unschädlich zu machen.
- Ist er das? Wir übernehmen ihn Oberst, ihr dürft hier nicht rein. Der Zutritt ist nur für Juden. - Ich weiß. Bleibt es dabei, dass Pilatus heute morgen Gericht halten wird? - Gewiss. Wenn auch seine Sache noch verhandelt werden soll, müsst ihr euch beeilen. - Bringt ihn rein.
- Ich informiere den Präfekten. Wenn Euch das Gesetz so teuer ist, warum tagt Ihr jetzt, nachts im Geheimen?
- Ihr dürft nachts nicht verhandeln. Ebenso wenig an Festtagen. Beruft den Hohen Rat ein, so wie es vereinbart war und auch üblich ist. Wenn Du das Gesetz kennen würdest, dann wüsstest Du dass es uns entbindet, wenn dieser da ein Verführer ist, ein Zauberer, ein falscher Prophet, der mit seinen Lügen Israel abspenstig macht.
- Mich nennt ihr einen falschen Propheten, und Euch selbst von Gott erwählt! Dabei war es niemand anderes als der römische Statthalter, der euch erwählt hat! Ihr tut gut daran Euch hinter dem Gesetz zu verstecken - und den Römern, hinter den Mauern des Tempels - und euren glänzenden Gewändern. Damit das Volk Eure Anmaßung und Euren Hochmut nicht erkennt.
- Halt's Maul! Sollte ich unwahr gesprochen haben, so beweise es mir. Ist es aber wahr, warum schlagt Ihr mich dann? Willst du mich so zum Schweigen bringen? - Lass ihn.
- Das Gesetzt sagt uns jedenfalls, wie wir falsche Propheten erkennen. Wenn einer redet im Namen des Herrn und es wird nichts daraus und tritt nicht ein, dann redet er falsch. Du lehrst das Ende des Tempels und dass kein Stein auf dem anderen bleiben wird. Hast du das gesagt oder willst du widerrufen?
- Du sagst es, das sind meine Worte. Himmel und Erde werden vergehen, auch der Tempel! Aber meine Worte werden nicht vergehen. So beweise uns doch, dass deine Worte wahr sind. Heißt es nicht, Du könntest Tote erwecken, wenn du es willst?! So lass auch den Tempel fallen, vor unseren Augen - jetzt und hier.
- Was versucht ihr mich? Ich sage Euch, jetzt und hier: der Tempel wird fallen. Aber keiner kennt die Stunde. Auch ich nicht. Dann soll der Himmel entscheiden, ob du wahr redest oder falsch und wir werden Zeuge sein und sehen, ob der Tempel fällt, bevor der neue Tag anbricht.
- Kaiphas hatte Jesus mit der vorgeblichen Anhörung eine Falle gestellt, die jetzt zuschnappt. Es ging ihm nicht um eine Diskussion, es ging darum, einen Unruhestifter auszuschalten. Er soll an einem Holz hängend sterben, dem Holz der Schande, verflucht bei Gott, gefallen vor dem Gesetz, und verlassen von denen, die ihm folgten.
- Kaiphas, Ihr dürft Jesus nicht verurteilen, nicht ohne den Hohen Rat, nicht ohne Anhörung. - Nicht wir. Überstellt ihn dem Statthalter. Ich werde unsere Leute zusammentrommeln. Ich führe sie zum Prätorium. - Tu es nicht. Bring sie nicht auch noch in Gefahr! Rettet euch, dann rettet ihr auch unsere Sache!
- Noch am selben Morgen beginnt der Prozess im Prätorium, dem Sitz des römischen Statthalters Pilatus. Wenn Jesus und seine Jünger wirklich geplant hatten, mit ihren Provokationen eine Anhörung zu erreichen,
- um den Hohen Rat der Juden für ein religiöses Umdenken zu gewinnen, dann ist dieser Plan jetzt endgültig gescheitert. Ist er das? - Ja. - Wo ist Kaiphas?
- Der Hohepriester wartet draußen an der Außentür. Er sagt, er dürfte das Palastgelände nicht betreten. Es sein unrein. Wie soll ich unter solchen Bedingungen einen ordentlichen Prozess abhalten? - Cognito extra ordinem. - Extra ordinem. - Ein außerordentliches Verfahren eben. - Barbaren!
- „Das Ziel der Hohepriester vor allen Dingen besteht ja darin, Jesus möglichst nicht vor den Augen der Öffentlichkeit dann verurteilen zu lassen. Und jetzt kommt es zu einer Situation, in der er auf einmal in Anführungszeichen „Volkes Stimme“ laut wird. Und die war natürlich inszeniert, die war inszeniert von den Hohepriestern.
- Und das ist ganz schwierig und ganz wichtig zu betonen, dass aber jetzt hier keine Kollektivschuld-These begründet werden kann, die Juden hätten die Schuld am Tode Jesu gehabt.“ Was für eine Klage bringt ihr gegen diesen Menschen vor? - Wäre er kein Verbrecher hätten wir ihn nicht hergebracht. Ihr selbst habt seine Auslieferung verlangt.
- Ich habe seine Festsetzung verlangt. Meine Männer haben Euch dabei geholfen. Und ich habe mir ausbedungen, dass sich der Vorfall nicht wiederholt. Also: was hat er getan, dass Ihr ihn nicht selbst richten könnt, nach Eurem Gesetz?
- Nach unserem Gesetz müssten wir ihn töten, nachdem was er gesagt und getan hat. Aber Ihr erlaubt uns ja nicht zu töten. - Aber was hat er denn getan, dass er sterben soll? Präfekt! Dieser Jesus von Nazareth verbreitet eine Irrlehre, gefährdet die öffentliche Ordnung, fordert nach seinem Gesetz zu leben, seinem Gesetz zu folgen, sagt, er wäre unser König. Der König der Juden.
- „Kaiphas hat gesagt: Das ist ein Widerstandskämpfer, der lässt sich hier als König, der als König feiern. Wer sich als König bezeichnet hat, der war tatsächlich des Todes. Und damit hat Kaiphas es geschafft, Pilatus auf seine Seite zu ziehen und einen interreligiösen Streit, einen Streit innerhalb des Judentums zu einer politischen Sache zu machen.“
- Was sagst du zu den Klagen, die gegen sich vorgebracht werden? Nennst Du Dich König der Juden? - Wer sagt das? Stammt das von Euch Präfekt, oder von denen? Ich bin Dein Richter, Nazarener. Dein Leben liegt in meiner Hand. Sie klagen Dich an. Erkläre Dich: Wirst du König der Juden genannt?
- Es ist wahr. Man nennt mich König der Juden. Aber mein Reich ist nicht von dieser Welt. Mein Reich ist nicht von dieser Welt. Ich verstehs nicht. Was soll das heißen? Ich bin kein Jude.
- Ich will, dass Menschen auf mich hören und mir folgen. Ich bin dazu geboren. Bin ich deswegen ein König? Man sagt du seist der Sohn eines Handwerkers. - Stimmt das?
- In dieser Welt bin ich der Sohn eines Bauzimmerers aus Nazareth. Aber das Reich, dass ich mit denen, die mir folgen, errichten will, ist nicht von dieser Welt. “Es ist die Frage an Pontius Pilatus. Hätte er nicht Jesus freisprechen müssen? Das ist ja die tiefe Überzeugung, in der das Neue Testament geschrieben worden ist.
- Es ist auch, soweit ich das beobachten kann, die tiefe Überzeugung Jesu. Jesus spricht und schweigt. Er schweigt. Sein Schweigen ist beredt. Meines Erachtens passiver Widerstand, weil er schnell durchschaut hat, dass es hier nicht darum geht, der Wahrheit zum Sieg zu verhelfen, sondern eben halt dieses Machtspielchen zu gewinnen.
- Aber er redet auch und bekennt sich zu seiner Position. Und damit ist er in einer Lage, wie Märtyrer in dieser Lage sind. Ob sie jetzt nun Märtyrer des Gottesglaubens sind oder ob sie bestimmte Werte für heilig halten.
- Sie kommen in Situationen hinein, die sie nicht selber gesucht haben, in denen sie mit ihrem Leben Zeugnis abgeben müssen. Und dieses Zeugnis hat Jesus abgegeben.” Gibt es weitere Zeugnisse, dass der Angeklagte vorgibt, König der Juden zu sein? Haltet Ruhe, haltet Ruhe. - Ich, ich bin Zeugin. Ich bin Zeugin.
- Haltet Ruhe, sonst lass ich räumen. Ich will aussagen. Ich habe ihn vor fünf Tagen gesehen. Ich sah ihn auf der neuen Straße, die von der Unterstadt zum Tempel führt.
- Seine Anhänger trugen Palmzweige und sie priesen ihn als Retter Israels und sie riefen "Hoshia na, hoshia na" Wie viele folgten ihm? - Vielleicht ein Dutzend. - Wie reagierte die Menge?
- Mit Begeisterung. Manche nannten ihn einen Sohn Davids. Er ritt auf einer Eselin in die Stadt. So, wie es ein König der Juden tun würde. Was entgegnest Du diesem Zeugnis? - Es ist wahr.
- Dann bekenne Dich: "ich bin König der Juden". - Du sagst es. „Du sagst es. Wer hat es dir gesagt?, heißt es im Johannesevangelium. Sagst du das von dir selbst aus oder haben es dir andere gesagt?
- Und dahinter steckt jetzt, dass die Evangelien sagen: Jesus ist zwar der Angeklagte, aber letztendlich unterwirft er sich nicht diesem Verfahren. Sondern aus dieser absolut verlogenen Situation heraus, behält er seine Würde, bleibt er bei Gott und seinem Reich und verkehrt die Rollen.
- Pontius Pilatus wird sich vor Jesus zu verantworten haben und nicht umgekehrt.“ Cum consilio collocutus dico sententiam. Mit der Macht, die mir von Kaiser Tiberius verliehen, verkünde ich:
- Jesus von Nazareth, der sich zum König der Juden ernennt, wird zum Tod am Kreuz verurteilt. Warum musste Jesus sterben? - Jesus von Nazareth war Jude und er wollte den jüdischen Glauben reformieren.
- Eine Koalition aus jüdischem Establishment und römischen Besatzern wird ihm zum Verhängnis. Für die einen ging es um ihre Autorität als Glaubensführer. Für Pilatus, den Vertreter Roms in Judäa, ging es darum eine Rebellion zu verhindern.
- Ob er Jesus eigentlich für unschuldig hielt? Man weiß es nicht. Jesus Tod am Kreuz wird zum Ausgangspunkt der größten Religionsbewegung in der Geschichte der Menschheit.
- „Also, wenn man den Evangelien glaubt, ist er nach Jerusalem gekommen, um zu sterben. Das war sein Plan. Dass er das vorhatte von Anfang an, davon bin ich überzeugt. Also, er dachte, dass er seiner Botschaft den größten Impetus verleiht, wenn er sie mit seinem eigenen Tod beendet. Und das ist ja auch ein Vorbild für viele, die ihm nachgefolgt sind im Geiste.
- Also, ob das jetzt Martin Luther King war oder Mahatma Gandhi oder ein Alexej Nawalny, die den Tod in Kauf genommen haben oder vielleicht sogar provoziert haben und provozieren, dafür, dass ihre Botschaft maximale Wirkung entfaltet. Und ich glaube, das wollte er.
- Und deswegen hat er nicht nur nicht verhindert, dass man ihn ergreift und tötet, sondern er hat es regelrecht heraufbeschworen.“ Das Kreuz findet unter den frühen Christen übrigens keine Verwendung. Es dauert fast drei Jahrhunderte bis aus dem Symbol der Schande ein Symbol der Hoffnung werden wird.
- Was ist Jesus für euch? Ein Revolutionär, ein Verrückter, ein Prophet? Schreibt es gerne in die Kommentare und wenn ihr den Film "Inri - Warum musste Jesus sterben?" in ganzer Länge sehen wollt, hier ist der Link in die Mediathek.
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