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Spurensuche nach dem legendären König Artus | Ganze Folge | Terra X

Terra X History43:34 2,3 Mio. Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

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Transkriptautomatisch erstellt · 373 Zeilen
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  1. * Dynamische Titelmusik * (Sprecher) König Artus,
  2. die Ritter der Tafelrunde und der Heilige Gral: Kein Mythos ist so lebendig
  3. wie der um den rätselhaften Herrscher der Briten. (Englisch) Die Frage, wer König Artus war, Mensch oder Mythos,
  4. beschäftigt Wissenschaftler seit Jahrhunderten. (Sprecher) Er ist der Einzige, der das magische Schwert Excalibur
  5. aus dem Stein ziehen kann. Im Kampf gegen die Sachsen entscheidet er allein die Schlacht.
  6. An seinem Hof Camelot versammelt er die edelsten Ritter und die schönsten Frauen.
  7. Von seinem Glanz und Ansehen zeugen rauschende Feste. Und sein Ruf als gerechter Regent eilt ihm voraus.
  8. Er ist natürlich eine der schillerndsten Figuren eines ideal gedachten Mittelalters überhaupt.
  9. (Sprecher) Früh steht Artus unter Verdacht, pure Erfindung zu sein. Niemand kann sagen, wo er gelebt hat,
  10. wo er gestorben ist oder begraben liegt. Er ist ein Phantom.
  11. Wer oder was also steckt hinter dem Mythos? Eine alte Geschichtschronik könnte die Lösung bringen.
  12. * Spannungsvolle Orchestermusik * (Sprecher) Die Geschichte von König Artus
  13. spielt in Britannien um 500 nach Christus. Die Zeiten sind finster, die Römer haben die Insel verlassen,
  14. die britischen Kleinkönige sind zerstritten, germanische Stämme bedrängen das Land.
  15. In jener dunklen Epoche, so die Sage, betritt scheinbar aus dem Nichts
  16. der erst 15-jährige Artus die Weltbühne und wird der neue König der Briten.
  17. Magische Kräfte und sein Lehrer, der Zauberer Merlin, machen es möglich.
  18. Mein König. Mordred.
  19. Ich freue mich über deine Rückkehr. (Sprecher) König Artus gilt als stark und unerschrocken,
  20. als kluger Stratege. In jahrelangen Kämpfen steht er an der Spitze seiner Krieger,
  21. um Britannien zu verteidigen. Er ist der neue Hoffnungsträger für das von Krisen gebeutelte Volk.
  22. Er ist ideal, ein Vorbild. Es geht darum, was einen guten König ausmacht,
  23. um Führung, Kriegsstrategie, Ritterlichkeit, Ehre, den Adel und andere Themen, warum sich Schriftsteller
  24. mit der Artus-Legende beschäftigen. (Sprecher) Zwölfmal soll König Artus in den Krieg
  25. gegen die Sachsen gezogen sein. Die Entscheidung habe er am Mons Badonicus herbeigeführt.
  26. In dieser letzten Schlacht, so erzählt es die Sage, tötet er eigenhändig viele hundert Männer.
  27. Klingt eindeutig nach Fake News. Was steckt dahinter?
  28. Der Kern der Artussage ist ein historisches Geschehen: der Abzug der Römer aus Britannien.
  29. Dann die Situation, dass sich die römisch-britische Bevölkerung gegen Usurpatoren zur Wehr setzen muss, das sind die Sachsen.
  30. Und die Sachsen rücken dann vom Osten in mehreren Wellen in das Land vor.
  31. Er ist der, der den Vormarsch der Sachsen aufhält durch mehrere große Schlachten.
  32. (Sprecher) Als siegreicher Krieger ist Artus früh eine bekannte Figur, zumindest in alten mündlichen Überlieferungen,
  33. in walisischen Sagen und Erzählungen. Schriftlich erwähnt wird er erst im 9. Jahrhundert nach Christus:
  34. in einem Text über die Geschichte Britanniens, verfasst von einem Mönch namens Nennius.
  35. Den Artus-Mythos aber begründet ein anderes Werk. Zwischen 1135 und 1138 entsteht eine Königschronik,
  36. die Artus in den Mittelpunkt stellt. Der Autor heißt Geoffrey von Monmouth,
  37. vermutlich wie Nennius ein Geistlicher. Geoffrey trägt alles zusammen,
  38. was er über seinen Helden erfahren kann. Wo die Überlieferungen schweigen, erfindet er neue Eigenschaften,
  39. Episoden und Schauplätze. Schon damals üben seine gelehrten Kollegen Kritik an seinem Werk.
  40. Sie bezeichnen einzelne Episoden als Lügen, zweifeln aber nicht an Artus' realer Existenz.
  41. Geoffreys sogenannte "Historia Regum Britanniae" versteht sich als Geschichte der frühen Könige von Britannien,
  42. mit allem, was dazugehört. Kriege, Liebe, Mord und Thronstreitigkeiten.
  43. Über 100 Namen stehen auf der Königsliste, darunter illustre Herrscher wie Brutus, König Lear,
  44. Konstantin der Große und König Artus. Er allerdings steht für einen Neuanfang.
  45. Er ist der Erste, der ein friedlich vereintes Britannien regiert. Das zumindest erzählt der Autor.
  46. Auch heute hält die Forschung Geoffreys Geschichte für zu fantastisch, um wahr zu sein.
  47. Doch im 12. Jahrhundert gehört seine Historia zu den populärsten Geschichtswerken überhaupt.
  48. Das Werk hat schnell eine weite Verbreitung gefunden. Es gibt heute noch so etwa 200 Handschriften,
  49. in denen das Werk überliefert ist. Wir haben andere Texte, die gerade mal in einer Schrift,
  50. und wir haben Texte, die nicht überliefert sind. Das heißt, 200 ist wirklich viel, und es muss mehr gegeben haben.
  51. (Sprecher) Immer wieder versuchen Wissenschaftler zu beweisen, dass es für Artus ein historisches Vorbild gibt.
  52. Eine Theorie bringt den römischen Befehlshaber Lucius Artorius Castus ins Spiel.
  53. Artorius war vermutlich im 2. Jahrhundert nach Christus in Britannien stationiert.
  54. Der nächste Römer, der infrage kommen soll, ist Ambrosius Aurelianus.
  55. Angeblich führte er im späten 5. Jahrhundert ein römisch-britisches Heer in die legendäre Schlacht
  56. am Mons Badonicus. Dabei gelang es ihm, den Vormarsch der Sachsen zu stoppen,
  57. wie es heißt. Der dritte berühmte Römer,
  58. der immer wieder in der Forschung auftaucht, nennt sich Riothamus. Auch er ein Heerführer aus dem 5. Jahrhundert.
  59. Er starb angeblich um 470 im Kampf gegen die Goten. * Spannende Orchestermusik *
  60. Ebenfalls beliebt ist die These vom Bären-Mann "Artos", keltisch für "Bär".
  61. Demnach wäre Artus ein keltischer Krieger gewesen, der als Anführer den Sachsen entgegentrat.
  62. Doch auf den Prüfstand gestellt, lässt sich keine der Theorien beweisen.
  63. Artus als realhistorische Figur ist natürlich mit vielen Fragezeichen behaftet.
  64. Es gibt auf der einen Seite die Anknüpfungspunkte über den Namen.
  65. Und die Forschung hat intensiv auch nach entsprechenden Namen in der historischen Überlieferung gesucht.
  66. Ein zweiter Weg der Identifikation ist natürlich, man sucht sich entsprechende historische Figuren,
  67. die ... eine herausragende Führungsrolle gespielt haben.
  68. Es ist eben so, dass diese Figur Artus aus verschiedensten Teilen zusammenmontiert wird.
  69. Und wir haben hier quasi mit diesen verschiedenen Elementen, den Namen und verschiedene Heerführer,
  70. genau die Zutaten, die dann zusammengemischt werden und dann ein Ganzes ergeben.
  71. (Sprecher) Fiktion ist auch der fast 2000 Jahre alte Stammbaum, den Geoffrey für Artus erstellt.
  72. Der Autor behauptet nämlich, dass Artus in direkter Linie vom mythischen Trojaner Aeneas abstamme.
  73. Weitergeführt wird die Linie über den Urenkel Brutus, der nach Britannien kommt und der Insel seinen Namen gibt:
  74. Land des Brutus. Selbst Artus' Vater ist fiktiv.
  75. Wie kann dann König Artus tatsächlich gelebt haben? Vor allem, da der Herrscher von Anfang an
  76. als mythischer Held beschrieben wird. Als übermenschlich stark,
  77. einer, der Drachen, Monster und Riesen besiegen kann. Und der einen Zauberer namens Merlin als Lehrer hat.
  78. Er ist es auch, der dem Jungen den Weg auf den Thron ebnet. Andererseits beschreibt Geoffrey Artus als mittelalterlichen Ritter.
  79. Mit goldenem Helm, einem Schild mit dem Bildnis der Jungfrau Maria, mit Lanze und Schwert.
  80. Auch für Artus' vermeintlichen Geburtsort hat der Autor offenbar eine klare Vorstellung.
  81. Die kleine Ortschaft Tintagel liegt an der zerklüfteten Westküste der Grafschaft Cornwall.
  82. Laut Geoffrey wird Artus dort gezeugt und geboren, als unehelicher Spross von König Uther Pendragon.
  83. Jedes Jahr ziehen tausende Artus-Fans auf die Burgruine direkt am Meer.
  84. Obwohl die Forschung längst belegt hat, dass Artus dort nicht gelebt haben kann.
  85. Die Anlage entsteht erst ab 1230. Archäologen haben aber Überreste einer Siedlung
  86. aus dem 5. und 6. Jahrhundert nach Christus entdeckt. Sie könnte Geoffrey inspiriert haben.
  87. Wenn es König Artus nicht gegeben hat, wer oder was verbirgt sich sonst hinter dem Mythos?
  88. Die Spur führt zum anglo-normannischen Königshaus. Als Geoffreys Werk um 1135 entsteht,
  89. steckt der Hof in einer politischen Krise. Seit rund 70 Jahren sind die Normannen an der Macht.
  90. Ursprünglich Seeräuber aus Skandinavien, die jahrzehntelang die Küsten Europas überfielen,
  91. auch Nordfrankreich. Nach einer herben Niederlage
  92. einigen sie sich mit dem französischen König und erhalten eigenes Land als Lehen.
  93. Ihr neues Siedlungsgebiet nennen sie nach ihrer Herkunft: Normandie. Die Normannen sind Nachkommen der Wikinger,
  94. die sich im 10. Jahrhundert im Nordwesten Frankreichs ansiedelten.
  95. Später vermischten sie sich mit den Franken, nahmen ihre Sprache und Religion an
  96. und schufen ein mächtiges Reich. So bewahrten sie sich eine gewisse Unabhängigkeit.
  97. (Sprecher) Es ist im Oktober 1066, als der normannische Herzog Wilhelm I.
  98. seinen Herrschaftsanspruch auf die Krone Britanniens durchsetzt. Mit einer Flotte überquert er den Ärmelkanal
  99. und besiegt in der Schlacht von Hastings die Angelsachsen. Von da an ist Wilhelm sowohl König von Britannien
  100. als auch Herzog der Normandie. Als Wilhelm der Eroberer geht er in die Geschichte ein.
  101. Er gilt als Begründer des anglo-normannischen Königshauses. Im Jahr 1135 besteigt der Normanne Stephan von Blois
  102. den britischen Königsthron. Er ist der Enkel von Wilhelm dem Eroberer.
  103. Seine Cousine Mathilda erhebt aber ebenfalls Ansprüche. Zwischen beiden tobt ein Thronstreit,
  104. der fast 20 Jahre dauern wird und der im Land zu schweren Unruhen führt.
  105. Stephan von Blois ist es, der König Artus für sich entdeckt und zum Vorfahren
  106. der anglo-normannischen Dynastie erklärt. Der mythische Herrscher der Briten ist für ihn die ideale Figur,
  107. um seine eigene Thronfolge zu legitimieren. In dieser Situation
  108. braucht man anscheinend so etwas wie eine dynastische Grundlage.
  109. Und diese dynastische Grundlage wird geliefert in der "Historia Regum Britanniae",
  110. die vermutlich im Auftrag von Stephan von Blois entsteht, der wahrscheinlich diese ganze Artusgeschichte,
  111. die schon präsent ist, einsetzt, um die eigene Herrschaft zu untermauern,
  112. die eigene Herrschaft zu sichern und vielleicht auch so etwas wie eine eigene Genealogie abzusichern.
  113. Es ist auf jeden Fall ein Werk mit einer ganz klaren Intention und einer ganz klaren Idee.
  114. Und die Idee, die könnte man mit dem Begriff Propaganda durchaus umschreiben.
  115. (Sprecher) Die Normannen als ideale Herrscher Britanniens? Forscher halten das für möglich.
  116. Zumindest lässt Geoffrey in seinem Werk die Welt des sagenhaften Artus und der normannischen Herrscher miteinander verschmelzen.
  117. Stephan hat sich womöglich als König Artus gesehen. Artus als idealer Herrscher
  118. und Vorbild für normannische Werte und Tugenden. Mit einem Hof, der Artus' Hof gleicht.
  119. In Pracht, Vornehmheit und Eleganz seiner Ritter und Hofdamen.
  120. (Sprecher) Über das Privatleben des mythischen König Artus erfährt der Leser nur wenig.
  121. Er heiratet Guinevere, die aus einer vornehmen römischen Familie stammen soll,
  122. wie Geoffrey schreibt. Die Hochzeit findet nach der Schlacht gegen die Sachsen statt.
  123. Über Guinevere kursieren unterschiedliche Geschichten, die bis in die keltische Sagenwelt zurückreichen.
  124. Als weiße Fee, als bösartige Verräterin, als schwache, aber tugendhafte Frau.
  125. Aber immer liebt Artus sie aus vollem Herzen. Wenn wir in die unmittelbare familiäre Situation
  126. von Artus hineinschauen, sieht zunächst alles sehr gut aus.
  127. Als er als Herrscher etabliert ist, bekommt er eine Ehefrau, eine ideale Ehefrau, Guinevere.
  128. Diese Frau, natürlich wie er selbst, er, strahlender Held, sie, wunderschön,
  129. es passt hervorragend. (Sprecher) Als Geoffrey das Leben am Artus-Hof beschreibt,
  130. beschreibt er eigentlich den normannischen Königshof. Geistliche lehren die jungen Adligen, die dort leben.
  131. Es geht um die Geschichte Britanniens, höfische Sitten und Religion, aber auch um Neues.
  132. Neben Latein wird jetzt auch Altenglisch gelehrt, die Sprache der unterworfenen Angelsachsen.
  133. (Mann) Meine Herren, sprechen Sie mir nach. Das Vaterunser.
  134. * Sprechen Altenglisch. * (Sprecher) Zum elitären Kreis der Schüler
  135. gehört auch Artus' Neffe Mordred. Der Sage nach ist er seinem König treu ergeben,
  136. ist ihm oft in den Kampf gefolgt. Die Muttersprache der Normannen, die sie nach Britannien mitbringen,
  137. ist Französisch. Doch Eroberer und Eroberte passen sich an.
  138. Und allmählich vermischen sich Englisch und Französisch. Schon nach wenigen Jahrzehnten entsteht eine neue Sprachform:
  139. das Anglonormannische. Wir sehen heute noch den Einfluss der normannischen Kultur.
  140. Wörter wie "court" oder "government" kommen aus dem Französischen.
  141. Die Normannen brachten ihre französische Sprache mit. Daraus entwickelte sich das Englisch von heute.
  142. (Sprecher) Geoffreys Königschronik wirkt vor allem wegen der detaillierten Schilderungen der Kämpfe
  143. so glaubwürdig. Dass sein Werk zu einem Riesenerfolg wird,
  144. liegt aber auch daran, dass er mit einem beliebten Kunstgriff arbeitet.
  145. Geoffrey lässt die Artusgeschichte zwar im 6. Jahrhundert spielen, erzählt sie jedoch als Geschehnisse des 12. Jahrhunderts.
  146. Das ist etwas Übliches, dass mittelalterliche Autoren den Stoff, den sie berichten,
  147. vor dem Hintergrund der eigenen Zeit berichten. Das heißt, wenn etwas geschildert wird,
  148. was durchaus weit in der Vergangenheit war, wird das in der Art und Weise geschildert,
  149. als würde es jetzt stattfinden. Und man kann das bei Geoffrey und bei Artus
  150. an verschiedenen Dingen festmachen, an Kleidung oder an den Festen, die geschildert werden.
  151. (Sprecher) Es gibt die Vermutung, dass Wilhelm der Eroberer das Vorbild für Geoffreys König Artus gewesen sei.
  152. Dies gelte zumindest für die Beschreibung von Artus' Herkunft. Sowohl Wilhelm als auch der sagenhafte Artus
  153. sind als uneheliche Kinder geboren. Beide werden als Bastarde verhöhnt,
  154. haben wenig Aussicht auf die Königswürde, schaffen es aber trotzdem.
  155. Auch die Schilderung der Rüstungen und der Waffentechnik in Geoffrey Werk
  156. spiegelt die Welt der Normannen im 12. Jahrhundert wider. Wie sie ausgesehen hat, zeigt der Teppich von Bayeux.
  157. Darauf verewigt ist die normannische Eroberung Britanniens in der Schlacht von Hastings 1066,
  158. detailliert dargestellt auf fast 70 Metern Länge. Eine Art Comic-Strip des Mittelalters.
  159. Die Reiterei von Wilhelm dem Eroberer in schweren Rüstungen, ausgestattet mit Lanze, Schwert und Schild.
  160. Dieses Bild hat der Autor vor Augen, wenn er von Artus und seinen kämpfenden Rittern erzählt.
  161. Die Schlacht von Hastings entscheiden die Normannen durch massive Angriffe ihrer schweren Kavallerie.
  162. Die Angelsachsen dagegen kämpfen so, wie sie es immer getan haben: zu Fuß.
  163. Den Angriffen der Reiter mit ihren langen Lanzen haben sie nichts entgegenzusetzen.
  164. Mit der Niederlage bei Hastings endet das Reich der angelsächsischen Könige in Britannien.
  165. Die Normannen übernehmen das Zepter und verändern das Land grundlegend. Die Beute wird unter den Siegern verteilt
  166. und die Ritter mit Lehen belohnt. Das Lehen verpflichtet sie, ihrem König als Vasall zu dienen.
  167. In erster Linie bedeutet das, mit und für seinen Herrn treu und unentgeltlich in den Krieg zu ziehen.
  168. Es waren erfolgreiche Zeiten. Ihr sollt nun euren gerechten Lohn empfangen.
  169. Cador, ich verleihe dir Cornwall
  170. mit all seinen Dörfern, Burgen, Feldern und Wäldern als Lehen. Ich danke Euch, mein König.
  171. Du, Gawain, erhältst Maine. Herrsche gerecht.
  172. Mein König, ich danke Euch. Das Herrschaftssystem funktioniert natürlich
  173. vor allen Dingen durch Geben und Nehmen. Also der König gibt etwas, er gibt Güter,
  174. er gibt auch Preziosen und Ähnliches. Und er erhält dafür Treue.
  175. Das finden wir im realen Herrschaftsumfeld dieses britisch-normannischen Reichs.
  176. Genau dasselbe Modell finden wir natürlich auch in der Artus-Geschichte realisiert.
  177. Auch dort ist es der König Artus, der gibt. (Sprecher) Auch die Darstellung der Burgen
  178. verweist auf die Normannen. Erst sie bringen den Burgenbau nach Britannien.
  179. Die Bollwerke sollen die Herrschaft der neuen Machthaber langfristig sichern.
  180. Bis Ende des 12. Jahrhunderts entstehen in Britannien mindestens 500 Festen.
  181. Sie dienen nicht nur als sichere Wohnorte für den Adel, sondern innerhalb der eroberten Gebiete
  182. auch als Verwaltungszentren. Zwischen den Anlagen sollten nicht mehr als etwa 50 Kilometer liegen,
  183. also genau die Strecke, die ein Ritter an einem Tag zurücklegen kann.
  184. Um viele der Burgen entstehen im Lauf der Zeit Städte, die noch heute das Gesicht Britanniens prägen.
  185. Darunter Hastings, Cambridge und auch Nottingham. Zu den prominentesten Normannenburgen
  186. gehören der Londoner Tower und nicht zuletzt Dover Castle im Südosten Englands.
  187. In Dover Castle, eine der wichtigsten Normannenburgen, haben Experten die Innenräume im großen Turm rekonstruiert.
  188. Sie geben eine Vorstellung davon, wie die Ausstattung einmal ausgesehen hat.
  189. Kostbare Wandteppiche sorgten nicht nur für Gemütlichkeit, sondern auch für eine gute Isolation.
  190. Licht und Wärme spendete ein großer Kamin. Damals ein großer Luxus,
  191. von dem die breite Masse der Bevölkerung jedoch nur träumen konnte.
  192. Auf den Burgen lebte ausschließlich die Elite des Landes. Du wirst den ganzen Tag betrunken sein.
  193. Die Beschreibung vom Leben am Königshof und speziell von Feiern nimmt in Geoffreys Chronik breiten Raum ein.
  194. Er schildert Sitten und Gebräuche, die aus Frankreich kommen und nachweislich von den Normannen eingeführt werden.
  195. Der Wein ist kein Problem für dich, Cador. (Sprecher) Wenn der König einlädt,
  196. machen sich seine Getreuen auf den Weg zum königlichen Hof. Die Festivitäten sind opulent und dauern immer mehrere Tage.
  197. Dabei wird in Turnieren gekämpft, Schach gespielt, musiziert und reichlich gegessen und getrunken.
  198. Die Hofkultur spielt in Geoffreys Geschichte eine große Rolle. Artus hält Hof und ist in Friedenszeiten
  199. Gastgeber vieler Feste. Zu ihm kommen die tapfersten Ritter und die schönsten Damen.
  200. Der Artushof ist prächtig, glanzvoll und kultiviert. All das spiegelt aber sehr stark die Hofkultur
  201. zur Zeit von Geoffrey wider. (Sprecher) In Sachen Mode
  202. sind die Mitglieder der Königsfamilie Vorreiter. Über die Kleider, die sie tragen, spricht man.
  203. (Zofe) Meine Königin. Meine Königin.
  204. Meine Königin. (Sprecher) Farbenfroh sollen sie sein, die Materialien kostbar.
  205. Trifft dieses Kleid Euren Geschmack? Oder soll es das mit dem goldenen Kragen sein?
  206. (Sprecher) Im Mittelalter besonders gefragt sind Gewänder aus Brokat, Samt oder kostbarer Seide,
  207. am besten reich bestickt und mit Goldplättchen verziert. Gürtel, Bänder und Schleier machen den Modestil der Adligen perfekt.
  208. Bringt mir noch das weiße Kleid. Das mit dem Schleier.
  209. Sehr wohl. (Sprecher) Eine strenge Kleiderordnung regelt,
  210. wer was tragen darf. Gewänder, Schmuck oder Frisur,
  211. nichts ist dem individuellen Geschmack überlassen. Das Outfit im Mittelalter ist vor allem
  212. ein Zeichen der gesellschaftlichen Stellung, besonders auf einem Königsfest.
  213. * Spricht Englisch. * Feste dienten der Machtdemonstration,
  214. aber auch dazu, um Politik zu machen. Man konnte netzwerken, wichtige Adlige oder Würdenträger treffen.
  215. Feste dienten politischen, zeremoniellen oder sonstigen Zwecken.
  216. Was ist mit mir? Habe ich dir nicht treu gedient, mich im Kampf bewährt?
  217. Warum hast du mir kein Land zu Lehen gegeben? Du bist noch nicht so weit.
  218. Aber keine Angst, deine Zeit wird kommen. Die Schotten im Norden geben keine Ruhe.
  219. Eines Tages wirst du dich bewähren und die Schotten fernhalten. Wie du meinst.
  220. Mordred, dein Platz ist hier, an meiner Seite. Lass uns über das Fest sprechen. Es kommen wichtige Gäste.
  221. Wir müssen Allianzen schmieden. (Sprecher) Damals wie heute,
  222. ohne die richtigen Allianzen und geschickte Diplomatie kann ein Herrscher nicht erfolgreich regieren.
  223. Feste am Königshof sind natürlich zentrale Elemente der Verbindung. Man zeigt dort die Macht
  224. und auch die Rolle, die man entsprechend spielt. Es gibt in der Forschung den Begriff "Spielregeln der Politik".
  225. Die gruppieren sich ganz wesentlich natürlich auch um das höfische Fest.
  226. (Sprecher) Für ein Festmahl wird alles aufgefahren, was die königliche Küche hergibt.
  227. Die Vorbereitungen dauern Tage. Mindestens fünf Gänge stehen auf der Speisekarte.
  228. Viele einheimische Lebensmittel wie Getreide oder Gemüse sind Zinsabgaben der Bauern aus dem Umland.
  229. Exotische Waren gelangen über Händler an den Hof. Weißbrot gilt als besonders edel,
  230. aber auch Fleisch, Geflügel und frische Früchte gehören zum königlichen Bankett.
  231. So wie der Herrscher die Feste dazu nutzt, sich der Loyalität befreundeter
  232. und verwandter Lehnsherrn zu versichern, so nutzen diese wiederum die Chance,
  233. lukrative Ämter zu ergattern. Geoffrey liefert einen Einblick,
  234. wie das Verwaltungssystem in Britannien um 1135 ausgesehen hat. Eingeführt hat es bereits Wilhelm der Eroberer,
  235. in erster Linie, um die Steuereinnahmen zu berechnen. Aber auch, um die Zahl der wehrpflichtigen Männer
  236. in Erfahrung zu bringen. An die Spitze der Verwaltung setzt er nur engste Vertraute.
  237. Im Britischen Nationalarchiv in London liegt ein Dokument, das im Volksmund "Buch des jüngsten Tages" genannt wird,
  238. das sogenannte Domesday Book. Es stammt aus dem Jahr 1086
  239. und gilt als das älteste Grundbuch der Welt. Darin aufgelistet ist alles,
  240. was zum anglo-normannischen Reich gehört hat. Auf knapp 900 Seiten stehen Namen und Besitztümer
  241. aus über 13.000 Ortschaften. Für Hanley in Worcestershire
  242. notieren Williams Abgesandte zum Beispiel: 20 Dorfbewohner, 17 Kleinbauern, 17,5 Landeinheiten,
  243. neun Diener, sechs Schweineherden zu 60 Schweinen, eine Mühle, Wald und einen Falkenhorst.
  244. Der gesamte Besitz geht auf den König über, ein Viertel davon vermacht er der Kirche.
  245. Ein Fünftel behält er selbst. Über die Hälfte geht an normannische Barone.
  246. Dem angelsächsischen Adel bleibt gerade mal drei Prozent. Dass die Besitzverhältnisse
  247. zugunsten der Normannen geregelt werden, ist nicht nur ein politischer Schachzug des Eroberers,
  248. sondern macht ihn auch zum reichen Mann. Und nicht nur das.
  249. Er macht damit auch den Weg frei für einen zentralisierten Staat. Alle Angaben, die im Domesday Book stehen,
  250. erklärt er für rechtlich endgültig. Die Vergabe von Ämtern und Ländereien
  251. ist auch Artus' Schlüssel zur Machterhaltung, wie Geoffrey schreibt.
  252. Privat allerdings liegt ein Schatten über seinem Glück. Nach neun Ehejahren hat das Königspaar
  253. noch immer keinen Nachwuchs. Und Mordred macht Guinevere heimlich den Hof.
  254. Anscheinend braucht man so ein Gegengewicht, eine Gegengewicht-Figur zu dem idealen Helden.
  255. Und vielleicht braucht man diese Figur auch, um zu zeigen, dass das Artusreich auch negative Aspekte hat.
  256. Man will natürlich auch das Publikum mit den entsprechenden Geschichten faszinieren und fesseln.
  257. Eine typische Situation, die wir ja haben, dass man eben auch bei der Lektüre des Textes bleibt.
  258. Also Sex and Crime, auch heute etwas, was zieht. Auch damals in der höfischen Zeit etwas, was die Menschen anlockt.
  259. Es gibt eine Zeit zum Kämpfen, und es gibt eine Zeit, um den Sieg zu feiern.
  260. Ihr habt tapfer gekämpft. Mordred, mein Neffe,
  261. du bist wie ein Sohn für mich. Du hast dich im Kampfe tapfer bewährt.
  262. Wir trinken auf dein Wohl. (Männer) Zum Wohl.
  263. Ich danke dir, mein König. Aber deine Tapferkeit stellt alles in den Schatten. Auf dein Wohl.
  264. Und auf das Wohl der Königin, und auf dass Euch bald ein Sohn und Erbe geboren werden möge.
  265. Lang lebe König Artus. (Ritter) Lang lebe König Artus. Lang lebe die Königin.
  266. (Sprecher) Den Flirt zwischen Guinevere und Mordred lässt Geoffrey in seinem Werk unkommentiert.
  267. Er kritisiert aber allgemein Wollust und Trägheit, weil sie den Frieden gefährden.
  268. Eine Vorahnung, die sich erfüllen könnte, denn Boten kommen an den legendären Artus-Hof,
  269. in die Burg, die in späteren Werken Camelot genannt wird. Der Autor verortet sie in der "Stadt der Legionen" in Wales.
  270. Die "Stadt der Legionen", walisisch Caerleon, ist bis um 300 nach Christus ein römisches Hauptquartier.
  271. Im 11. Jahrhundert bauen die Normannen dort eine Burg. Dass Geoffreys Wahl auf diesen Ort fällt, ist kein Zufall.
  272. Die Anlage liegt nur 40 Kilometer von seinem Heimatort entfernt. Er kennt die Gegend wie seine eigene Westentasche.
  273. * Spricht Englisch. * Wirklich interessant an Geoffrey von Monmouths Werk ist,
  274. dass Caerleon eine große Rolle in seiner Geschichte spielt, eine überproportional große Rolle
  275. in einer Geschichte über Britannien. Die Archäologie hat inzwischen gezeigt,
  276. dass viele der großen Bauwerke, die von den Römern errichtet wurden,
  277. das Amphitheater, in dem wir stehen, das große Turmtor im Zentrum der Festung und die Bäder,
  278. zur Zeit von Geoffrey von Monmouth noch standen. Er schreibt, dass dieser Ort hier hervorragend geeignet war,
  279. um Hof zu halten. (Sprecher) Das Amphitheater führt zu einer völlig neuen Facette
  280. des Artus-Mythos: die Tafelrunde. Das Besondere von Caerleon ist diese kreisförmige Anlage.
  281. Sehr bald wurde der Platz mit einem Runden Tisch verglichen, der dann auch als Runder-Tisch-Platz bekannt wurde.
  282. (Sprecher) Bei Geoffrey kommt der Begriff "Tafelrunde" nicht vor. Er schildert lediglich,
  283. dass sich König Artus und seine Ritter in einem runden Turmzimmer beraten.
  284. Einige Experten vermuten aber, dass die Szene spätere Dichter inspiriert hat.
  285. Noch zu Lebzeiten von Geoffrey, etwa 20 Jahre nach Erscheinen der Königschronik,
  286. übersetzt ein normannischer Autor die Geschichte ins Anglonormannische
  287. und baut die Tafelrunde mit ein. Die Idee: ein strahlender König
  288. inmitten seiner edlen Ritter an einem runden Tisch, alle von gleichem Rang und gleicher Ehre.
  289. Nur die besten und tapfersten Männer dürfen an der Runde teilnehmen.
  290. Eine eingeschworene Gemeinschaft, die im Verbund entscheidet, wie das Königreich Camelot regiert werden soll.
  291. Ein mittelalterliches Idealbild, zumindest in der Theorie. Die Tafelrunde ist ein Element,
  292. die Herrschaft breiter zu verteilen. Sie ist natürlich auch ein Element,
  293. das ein Stück weit egalitär ist oder sich gibt. Natürlich ist der Herrscher Artus
  294. immer noch "primus inter pares", aber dann: Alle anderen sind in ähnlicher Situation.
  295. Unsere Artus-Epen zeigen allerdings, dass das auch Neid und Missgunst hervorrufen kann.
  296. Wer sitzt dem Herrscher am nächsten, wer sitzt an seiner rechten Seite, wer ist der Beste der Ritter.
  297. * Bedrohliche Musik * Eine Gesandtschaft aus Rom hat mich aufgesucht.
  298. Sie bezeichnen mich als Emporkömmling. Ich solle meinen wahren Platz kennen.
  299. Und sie stellen meine Herrschaft Britanniens infrage. * Entrüstetes Murmeln *
  300. Sie fordern die Rückgabe aller eroberten Gebiete sowie unsere Unterwerfung.
  301. * Stimmengewirr * Bleibt ruhig.
  302. Wir wollen uns beraten. Wir haben lange genug gefeiert.
  303. Wir müssen in den Krieg ziehen. Wir sind keine Feiglinge.
  304. Wir sind Kämpfer. Ich sage, wir ziehen in den Krieg. (Sprecher) Auf dem Höhepunkt seiner Macht,
  305. inmitten einer Zeit des Friedens, trifft König Artus eine folgenreiche Entscheidung,
  306. im festen Glauben, Britannien zu retten. Schreib,
  307. dass ich nach Rom kommen werde. "Ich komme nach Rom,
  308. aber nicht, um mich zu unterwerfen, sondern um es zu erobern."
  309. (Ritter) Lang lebe König Artus. Lang lebe Britannien. Mordred, du wirst mich in Zeiten meiner Abwesenheit vertreten.
  310. Ich vertraue dir das Land an. Und ich gebe die Königin in deinen Schutz.
  311. (Mordred) Ich danke dir. Ich werde dich nicht enttäuschen.
  312. Du hast mein Wort, ich werde das Land und die Königin mit meinem Leben verteidigen.
  313. (Sprecher) Doch Artus ergeht es wie Wilhelm dem Eroberer. Wenn der Normanne die Insel verließ,
  314. um in Frankreich zu kämpfen, versuchten Verräter in Britannien, die Macht an sich zu reißen,
  315. meist aus dem Kreis seiner engsten Vertrauten. Bei König Artus schmiedet sein geliebter Neffe Mordred
  316. einen düsteren Plan. Als Artus dann eben außer Landes ist,
  317. dann kann er die Herrschaft übernehmen, von der er denkt, sie steht ihm zu.
  318. Aber wie gesagt, da steht eben das Erbrecht entgegen, das ihn quasi per se von der Herrschaft
  319. als Herrscher ausschließen würde. Er könnte nur teilhaben an der Macht.
  320. Teilhabe reicht ihm entsprechend aber nicht aus. Dieses Problem ist für ihn eigentlich nur lösbar mit Verrat.
  321. * Lachen * (Sprecher) Mordred ist wie Artus und Guinevere
  322. eine Figur mit rätselhafter Herkunft. In manchen Darstellungen ist er der Sohn von Artus,
  323. in anderen sein Neffe. Der Zauberer Merlin sagt ihm voraus,
  324. dass er eines Tages auf Artus' Thron sitzen werde. Auch über seine Liebschaft mit Guinevere
  325. existieren mehrere Spielarten. In manchen Sagen erwidert Guinevere Mordreds Liebesschwüre.
  326. In anderen Überlieferungen zerrt er sie vom Thron und misshandelt sie. Als Artus nach Rom aufbricht,
  327. vertraut er das Reich seinem Neffen Mordred an. Das erweist sich als großer Fehler, denn Mordred verrät ihn,
  328. nimmt ihm Krone und Thron und sogar seine Frau Guinevere. Vielleicht hätte Artus sein Reich in treuere Hände geben sollen.
  329. Die Lehre daraus: Verlasse nie dein Königreich, wenn du nicht weißt,
  330. dass dein Stellvertreter es gut für dich verwaltet. (Sprecher) Als Artus vom Verrat erfährt,
  331. kehrt er umgehend mit seinem Heer nach Britannien zurück. 542 kommt es zu einer Entscheidungsschlacht,
  332. wie es im Text heißt. Mordred wird dabei getötet,
  333. Artus von einem Getreuen Mordreds schwer verletzt, das britische Königreich droht unterzugehen.
  334. * Triste Streichmusik * Die letzten verbliebenen Getreuen, heißt es weiter,
  335. bringen ihren König auf die mythische Insel Avalon. Dort sollen seine Wunden gepflegt werden.
  336. Ob der Herrscher überlebt oder nicht, wird nicht erzählt. Was bleibt, ist die Hoffnung der Briten,
  337. dass ihr Herrscher irgendwann wiederkehrt. Mit dem Verlust des überragenden König Artus
  338. versinkt Britannien im Chaos. Geoffrey schildert, wie die Sachsen zurückkehren
  339. und endgültig die Macht an sich reißen. Aus Sicht des Hofdichters wäre das nicht passiert,
  340. wenn Artus und Mordred den inneren Frieden gewahrt hätten. Forschern zufolge ist Geoffreys Kommentar
  341. als klarer Hinweis auf die politischen Zustände in Britannien um 1135 zu verstehen.
  342. Der Autor kritisiert den Thronstreit zwischen König Stephan und seiner Cousine Mathilda.
  343. Immerhin hält die sogenannte "Anarchy" das anglo-normannische Königreich 19 Jahre lang fest im Griff.
  344. Erst nach Stephans Tod beginnt mit Mathildas Sohn, Henry II., eine neue Ära.
  345. An der Beliebtheit von König Artus ändert Geoffreys Kritik aber nichts.
  346. * Spricht Englisch. * Geoffrey von Monmouths Geschichte über Artus
  347. war enorm einflussreich. Lange nach Geoffrey, als König Stephen, Wilhelm der Eroberer
  348. und andere längst nicht mehr an der Macht waren, wurde sie immer weiter erzählt.
  349. Sie fasziniert noch immer. Der Kriegerkönig und ideale Herrscher
  350. als Sinnbild für gute und starke Führung. (Sprecher) Mit der Veröffentlichung von Geoffreys Buch
  351. gerät eine Lawine ins Rollen. Viele Schriftsteller entdecken den legendären König für sich
  352. und spinnen seine Geschichte fantasievoll weiter. * Glorreiche Orchestermusik *
  353. Schon 20 Jahre nach dem Erscheinen der Königschronik verfasst der Dichter Wace seinen "Roman de Brut"
  354. in anglo-normannischer Sprache und erfindet die Tafelrunde hinzu. Der französische Dichter Chretien de Troyes wiederum
  355. nennt die Ritter Lancelot und Parzival und baut den Heiligen Gral in die Artussage ein.
  356. Etwa um 1200 taucht bei Robert de Boron zum ersten Mal das Schwert im Stein auf.
  357. In Deutschland sind es vor allem Werke von Hartmann von Aue und der berühmte "Parzival" von Wolfram von Eschenbach",
  358. die Artus populär machen. Geoffreys anglo-normannischer König Artus
  359. wird dabei immer mehr überdeckt. * Ruhige Klaviermusik *
  360. Sein Held verändert sich unaufhaltsam, vom starken, klugen und gerechten König
  361. wird er sogar zum christlichen Heilsbringer. Viele Herrscher wollen von seinem Glanz profitieren.
  362. Richard Löwenherz, der sein Schwert Excalibur nennt, ist der Erste in der langen Reihe britischer Herrscher,
  363. die ihre Abstammung unbedingt auf Artus zurückführen wollen. Auch der habsburgische Kaiser Maximilian I.,
  364. der "letzte Ritter", lässt für sein Grabdenkmal in der Hofkirche zu Innsbruck
  365. eine überlebensgroße Artusstatue in Bronze gießen. Heinrich VIII. hat sich als Artus der Tafelrunde
  366. porträtieren lassen. Das Bild hängt in Winchester Hall.
  367. 1848 erteilt die englische Königin Viktoria den Auftrag, ihr Ankleidezimmer im Westminster-Palast
  368. mit Bildern aus der Sage zu schmücken. Und Prinz Charles trägt den Namen "Arthur" als Beinamen,
  369. das gilt auch für seinen Sohn William und seinen Enkel Louis. Bis heute wird nach Spuren von Artus' Existenz gesucht.
  370. Die meisten Forscher glauben aber nicht an einen realen Artus. Für sie ist er schlichtweg die Verkörperung
  371. eines idealen mittelalterlichen Herrschers. Jeder Autor erschafft seine eigene Artuswelt,
  372. und oft scheinen reale Ereignisse und Personen durch. Bei Geoffrey könnten es
  373. die anglo-normannischen Herrscher sein. Untertitel im Auftrag des ZDF, 2021

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