Geschichte der Nordsee – Von König Artus, schaurigen Göttern und Wikingern | Ganze Folge Terra X Terra X History https://www.youtube.com/watch?v=Vmhe8vrqj_4 Transkript (automatisch erstellt) 0:00 Terra X - Mythos Nordsee - 25.10.2020 * Titelmusik * 0:28 Die Nordsee: Geografisch betrachtet nur ein "Randmeer" des Atlantiks. Doch für Europa und seine Küstenbewohner ein Schicksalsmeer. 0:38 * dramatische Musik * Seit Jahrtausenden schon leben Menschen hier von der See 0:49 und gegen die See. Die Landschaften rund um die Nordsee sind schon in der Antike 0:59 Ziel von Eroberungen und Heimat von Märchen und Mythen. Die Römer gelangen an die Nordsee und machen sich schon bald daran, 1:12 England zu erobern. Roms Macht vergeht, neue Mythen werden geboren, 1:18 wie die von König Artus und der sagenhaften Burg Camelot. Im Mittelalter versetzen Wikinger die Anrainer der Nordsee 1:28 in Angst und Schrecken. Als leibhaftige Riesen werden sie in den Chroniken beschrieben. 1:35 Doch selbst die Wikinger fürchten sie: die Nordsee. Die Nordsee bedeckt eine Fläche etwa so groß wie Frankreich. 1:54 Das ist winzig verglichen mit den Weiten der Weltmeere. Und trotzdem ist sie ein artenreiches Biotop. 2:08 Ein einzigartiges Ökosystem, mehr denn je angewiesen auf den Schutz vor der rücksichtslosen Ausbeutung durch den Menschen. 2:26 Denn die Nordsee birgt Schätze: Täglich wird hier für 150 Millionen Dollar Öl gefördert. 2:34 Wirtschaftlich ist die Nordsee ein Gigant. Fast ein Viertel aller weltweiten Schiffsbewegungen finden hier statt. 2:43 3 Millionen Tonnen Fisch werden jährlich aus dem Meer gezogen. Das sind 5 Prozent der weltweiten Fangmenge. 2:50 Und das, obwohl die Nordsee gerade mal 0,2 Prozent der Meeresfläche ausmacht. 2:59 Seefahrer aller Epochen fürchten die Nordsee: Sie ist berüchtigt, weil unberechenbar. 3:05 "Die See gibt, die See nimmt", sagt man hier seit alters her. Und in den Hafenstädten kannte jeder einen, der "für immer auf See blieb". 3:17 Niemand weiß, wie viele Wracks genau auf dem Grund der Nordsee liegen. Wahrscheinlich zehntausende. 3:25 Ich glaube, was die Nordsee zum Mythos macht, ist zum einen die Weite des Meeres, die Unberechenbarkeit der Nordsee. 3:33 Die ja wesentlich rauer ist als die Ostsee. Und vor allem auch dieser jahrhundertelange Kampf des Menschen 3:41 gegen die Natur. Wer die Nordsee kennt, weiß, dass innerhalb kürzester Zeit 3:47 das Wetter umschwenken kann von schön auf Sturm und umgekehrt. Und das ist natürlich etwas, 3:53 mit dem die Menschen auch erst mal lernen mussten, umzugehen. England und Schottland begrenzen die Nordsee im Westen. 4:01 Nirgendwo in Europa hat dieses Meer Land und Leute stärker geprägt. Hier erstrecken sich kilometerlange Strände 4:11 im Schatten eines mächtigen Kliffs. "The Wash", ein Meerbusen in der Grafschaft Norfolk. 4:23 Die Burg von Bamburgh im Nordosten Englands. Erbaut vor 1500 Jahren als Sitz von Königen, 4:30 die schon lange vergessen sind. Aufbruch in eine magische Welt. 4:38 Beeindruckendes Farbenspiel, bizarre Felsen, verwunschene Schlösser, eingebettet in eine atemberaubende Küstenlandschaft. 4:47 Die schottische Ostküste. Hoch im Norden des Meeres: die Orkneys und die Shetland-Islands. 5:00 Vier Jahreszeiten an einem einzigen Tag. Das kann man auf diesen Inseln fast täglich erleben. 5:07 195 Regentage, Dauersturm und hohe See. Aber auch Landschaften von betörend-karger Schönheit. 5:21 Die Fjorde Norwegens, wie ein geflutetes Hochgebirge. Sie bilden die Ostgrenze der Nordsee. 5:29 Malerisch und doch unwirtlich durch die langen Winter in diesen Breiten. Skagen ganz im Norden Dänemarks. 5:38 Bekannt durch Råbjerg Mile, eine riesige Wanderdüne, die sich jedes Jahr fast zehn Meter nach Westen bewegt. 5:49 Schließlich die Nordfriesischen Inseln vor der Küste Schleswig-Holsteins. 5:57 Erdgeschichtlich betrachtet ist die Nordsee ein junges Meer. Noch vor 12.000 Jahren liegt ihr Meeresspiegel 6:04 bis zu 120 Meter unter dem heutigen Niveau. Wo heute Wellen wogen, leben damals Mammute. 6:17 Die Küstenlinie verläuft 600 Kilometer weiter nördlich. Große Teile des heutigen Nordseeraums sind eine Kaltsteppe, 6:26 ähnlich der Tundra. Am Ende der letzten Eiszeit ziehen sich die Gletscher zurück 6:33 und der Meeresspiegel steigt an. Vor 8000 Jahren wird das heutige Sylt geboren. 6:39 Das Meer gibt, und das Meer nimmt, wie Karten von der Insel Sylt aus vier Jahrhunderten zeigen. 6:46 Im Verlauf der Zeit verliert das Eiland immer mehr an Fläche. Unerbittlich stiehlt die See das Land. 7:00 Das Wattenmeer, von der See geborgtes Land für wenige Stunden bei Ebbe. Die Gezeitenwechsel an den Küsten werden durch die Anziehungskraft 7:12 verursacht, die Sonne und vor allem der Mond auf die Ozeane ausüben. Im Verlauf von knapp 25 Stunden 7:19 bilden sich zweimal Hoch– und zweimal Niedrigwasser. Komprimiert auf zehn Sekunden: 7:26 Ungefähr sechs Stunden vom niedrigsten Stand bei Ebbe zum Höchststand bei Flut. 7:33 Für Menschen früherer Epochen ein rätselhaftes Phänomen. Vor allem, wenn sie das Mittelmeer gewohnt sind, 7:40 wo sich die Gezeiten nur an wenigen Orten bemerkbar auswirken. Die Küstenlandschaft der Nordsee wirkt auf sie seltsam und bedrohlich. 7:51 Die älteste Beschreibung stammt von dem altrömischen Naturforscher Plinius dem Älteren. 7:57 Er hat es beschrieben als eine Landschaft zwischen Meer und Land, weder richtig Meer noch richtig Land. 8:04 Ich glaube, das hat auch die Menschen und ihre Sicht auf diese Landschaft und auf die Nordsee nachhaltig geprägt. 8:11 Vor 2300 Jahren steigt der Meeresspiegel weiter an und schafft an der deutschen Nordseeküste winzige Inseln, 8:18 die bis heute bewohnt sind: die Halligen. Zeugen menschlicher Selbstbehauptung gegen die See. 8:25 Die Gehöfte und Ansiedlungen stehen auf künstlichen Hügeln, damit sie bei Sturmfluten nicht im Meer versinken. 8:33 Bauen zum Schutz gegen das Meer. Das hat an der Nordseeküste eine lange Tradition. 8:46 Schon vor der Zeitenwende schütten die Menschen im Mündungsgebiet der Weser Erhöhungen auf, 8:52 wie der römische Chronist Plinius zu berichten weiß: "Ein beklagenswertes Volk bewohnt dort hohe Erdhügel, 9:00 die mit den Händen nach dem Maß der höchsten Flut errichtet sind." "In ihren Hütten gleichen sie Seefahrern, wenn das Wasser 9:08 das sie umgebende Land bedeckt, und Schiffbrüchigen, wenn es zurückgewichen ist." 9:14 "Und ihre Hütten gleichen gestrandeten Schiffen." Getreidereste, Mist und Hausabfälle sind das Baumaterial 9:25 für die Erhebungen zum Schutz der Häuser vor der Flut. Doch um 12 v. Chr. zieht ein ganz anderer Sturm 9:40 über der Nordseeküste auf. Auch das Volk der Friesen gerät in den Fokus 9:47 der mächtigsten Militärmacht der damaligen Welt. Die Küsten des Mittelmeers hat sie bereits erobert. 9:55 Jetzt soll die ganze Nordsee römisch werden. Tausende von Legionären marschieren nordwärts. 10:07 Nachdem Rom die Länder westlich des Rheines erobert hat, schickt es Legionen auf die östliche Rheinseite. 10:15 Strategisches Ziel der Operation ist die Sicherung der Gebiete bis zur Elbe. 10:23 Doch in der Elbregion erwartet die sieggewohnten Soldaten Roms ein hartnäckiger Gegner: Sümpfe. 10:32 Kommandant der Truppen ist kein Geringerer als der Stiefsohn des Kaisers Augustus, genannt Drusus der Ältere. 10:39 Ein kaiserlicher Prinz und ein Erfolg verwöhnter Feldherr. Der römische Chronist Cassius Dio berichtet, 10:47 Drusus habe den Fluss überschreiten wollen. Doch seine Soldaten scheitern an Schilf, Hochwasser und Morast. 10:56 Der Vorstoß kommt zum Stehen. Die Forschung vermutet Nachschubprobleme. 11:07 Drusus freilich hat eine spektakulärere Erklärung für sein Versagen: Die Begegnung mit einer Riesin. 11:14 Eine "Frau von übermenschlicher Größe", so berichtet er nach Rom, "habe ihn zur Umkehr gezwungen". 11:22 "Unersättlicher Drusus. Es ist dir nicht vom Schicksal bestimmt, dies alles hier zu sehen", soll sie gesagt haben. 11:29 "Ziehe von dannen. Das Ende deines Lebens ist schon nahe." Wir vergessen oft, dass die Römer zutiefst abergläubisch sind. 11:40 Sie sind besessen von Aberglauben. Sie deuten Zeichen, sie opfern Tiere, 11:45 sie versuchen herauszufinden, ob sie siegen. In einer Weise, die wir heute amüsant finden. 11:50 Wenn sie versagen, kommen sie immer mit abergläubischen Argumenten. Und jeder in Rom wird sagen: Ja, das macht Sinn. 11:57 Drusus ist aus vornehmer Familie, also muss er gut aus der Sache herauskommen. 12:03 Die Götter einzubeziehen bedeutet gutes Karma, das vergessen lässt, dass man als militärischer Führer versagt hat. 12:11 Trotz seines Misserfolgs ist es Drusus gelungen, das Volk der Friesen als Verbündete zu gewinnen. 12:18 In weiser Voraussicht legt er ihnen nur einen mäßigen Tribut auf. Tacitus schreibt, sie sollten für Heereszwecke Rinderhäute liefern. 12:32 Weniger weitsichtig sind die römischen Beamten, die nach Drusus die Tributzahlungen verwalten. 12:38 Denn obwohl die Rinder der Friesen klein sind, fordern die Römer größere Häute. 12:44 Der Chronist Tacitus schreibt: "Anfangs lieferten die Friesen ihre Rinder." 12:49 "Doch dann mussten sie auch ihre Frauen und Kinder als Tribut leisten." 12:55 Daraufhin kommt es zur Rebellion. Als Rom Soldaten schickt, um den Tribut einzutreiben, 13:01 nehmen die Friesen sie gefangen und schlagen sie ans Kreuz. Die Friesen trotzen nicht nur einem Weltreich. 13:15 Sie trotzen auch der Nordsee: "Gott schuf das Meer, der Friese die Küste", 13:20 lautet ein uraltes Sprichwort. Es hat bis heute seine Gültigkeit nicht verloren. 13:31 Auch die Friesen des 21. Jahrhunderts schützen ihr Land vor dem Meer. Denn wie vor 2000 Jahren nagen die Fluten der Nordsee daran. 13:47 Das wird nirgendwo so deutlich wie an der populärsten deutschen Nordseeinsel: Sylt. 13:55 Ihre Karriere als erholsame Sommerfrische beginnt im 19. Jahrhundert. 14:00 Heute zählt man 950.000 Gäste pro Jahr. Trotzdem sind 50 Prozent der Fläche Sylts Naturschutzgebiet. 14:11 Doch Deutschland beliebteste Insel schrumpft, wird "gefressen" von der See, von Wind und Wellen. 14:20 Die Hörnum-Odde, der südlichste Zipfel der Insel, ist einem "Ablandungsprozess" ausgesetzt. 14:28 Die starken Strömungen tragen mehr und mehr Sand ab. Die Hoffnung, diesen Vorgang mit tonnenschweren Wellenbrechern 14:37 aus Beton stoppen zu können, wurde enttäuscht. Die Strände im Süden werden zunehmend schmaler. 14:43 Sylt verliert an Landmasse. Vor etwa zehn Jahre standen diese Häuser 14:53 einen Kilometer vom Strand entfernt. Heute sind es nur noch wenige hundert Meter. 14:59 Jedes Jahr verliert die Insel so rund eine Million Kubikmeter Sand. Seit 1972 holen sich die Sylter den Sand zurück. 15:13 Ein sogenanntes Spülschiff pumpt ein Sand-Wassergemisch durch eine Röhre an den Strand. 15:24 Den Sand hat das Schiff etwa acht Kilometer vor der Küste vom Meeresboden eingesammelt. 15:33 Mit Baggern und Planierraupen wird das angespülte Material verteilt. Nicht weniger als eine Million Kubikmeter pro Jahr. 15:42 Aber der Sand, der heute die Rettung Sylts ermöglichen soll, brachte jahrhundertelang auch Verderben. 15:48 Durch die gefürchteten Sandbänke. Die Nordsee ist viel unvorhersehbarer 15:56 als die großen Ozeane wegen der Sandbänke. Sie sind versteckt und stellen eine Gefahr für die Navigation dar. 16:04 Und Sand füllt die Häfen auf. Er ist immer in Bewegung. Zu Beginn der modernen hydrografischen Kartierung 16:12 fahren Schiffe endlos an den Küsten entlang und zeichnen auf, wie sich diese Sandbänke bewegen. 16:18 Denn wenn man nicht weiß, wo sie sich befinden, läuft man mit dem Schiff hinein. 16:25 Die Nordsee ist in ewiger Bewegung. Nichts ist so, wie es gestern war. Ein Drama aus Wolken und Wellen. 16:35 Es ist ihre Unberechenbarkeit, die sie zu einem gefährlichen Gegner macht. 16:44 Vor mehr als 2000 Jahren tritt einer der größten Feldherren der Geschichte an, die Nordsee zu seinem Meer zu machen. 16:54 Es ist einer der berühmten Momente der Geschichte: Cäsars Vorstoß nach England. 17:00 Mit hunderten von Schiffen wagt er die Invasion der Insel. Er will die heimischen Stämme besiegen. 17:06 England soll römisch werden. Doch dann kommt es ganz anders. 17:14 Cäsar versteht, dass er hier nicht weiterkommt. Denn er hat keine ausreichend große Armee. 17:20 Außerdem ist sein Hauptanliegen in dieser Zeit, nicht England zu erobern, sondern die Führung Roms zu übernehmen. 17:27 Mit England will er Eindruck machen. Schaut her: ich bin da gewesen, 17:32 habe mich mit diesen wilden Barbaren herumgeschlagen. Dann kam ich wieder nach Hause. Jetzt marschiere ich nach Rom. 17:39 Aber 100 Jahre nach Cäsar setzt das Römische Reich erneut eine riesige Invasionsflotte in Bewegung. 17:46 Auftakt einer Materialschlacht zur endgültigen Eroberung Englands. Die Insel mit ihren reichen Zinnvorkommen und anderen Rohstoffen 18:01 ist eine lohnende Beute für das Imperium. Doch die keltischen Bewohner Britanniens 18:06 ergeben sich nicht kampflos. 43 n. Chr. treffen Invasoren und Verteidiger 18:19 in der Grafschaft Kent im Süden Englands aufeinander. Rom ist mit sechs Legionen angerückt, 18:30 das sind nicht weniger als 20.000 Soldaten. Die römische Armee ist eine Tötungsmaschine, 18:41 die dich zerschmettert und in Stücke hackt. Griechen und Römer gehören zu den barbarischsten Völkern, 18:48 die die Welt gesehen hat. Weil sie so gewalttätig waren und so viele Menschen getötet haben. 18:54 Und genau das geschah mit den keltischen Stämmen. Mann gegen Mann waren sie in der Lage, die Römer zu besiegen. 19:01 Aber Armee gegen Armee waren sie chancenlos. Die Römer können damals auf viele Jahrzehnte Erfahrung 19:09 im Kampf gegen keltische Stämme zurückblicken. Hatte doch Cäsar in einem jahrelangen Feldzug 19:16 die Gallier auf dem Gebiet des heutigen Frankreichs unterworfen. Und Stärken und Schwächen ihrer Kriegsführung 19:24 detailliert beschrieben. Der Schlüssel zum Erfolg der Römer gegen die keltischen Stämme 19:34 besteht darin, sie auf offenes Feld zu locken, wo sie ihre überlegene Disziplin und Professionalität ausspielen können. 19:41 Die keltischen Soldaten kämpfen als Individuen. Ihr Ideal ist der heroische Zweikampf. 19:46 Die Römer wollen eine feindliche Armee zerstören. Das sind völlig unterschiedliche Kriegskulturen. 19:52 Ein keltischer Anführer versucht, seinen eigenen Ruhm zu vermehren. Der römische General, die Schlacht zu gewinnen. 20:01 Die keltischen Krieger verlieren. Doch die Eroberung der britischen Insel ist mehr 20:07 als nur ein Sieg der Waffen. Es ist der Beginn einer Kulturrevolution. 20:13 In der Mitte des 1. Jahrhunderts ist ein Drittel der britischen Nordseeküste römisches Herrschaftsgebiet. 20:20 Zur bedeutendsten Marine- und Nachschubbasis der Römer wird die Stadt Rutupiae im Südosten der Insel. 20:32 Rutupiae wird zur bedeutendsten Anlaufstelle für den Schiffsverkehr zwischen England und dem Kontinent. 20:40 Von hier aus kontrolliert die römische Flotte die westliche Nordsee. 20:46 Archäologen haben Reste eines Triumphbogens im Herzen der Anlage gefunden. 20:53 Symbol für den römischen Sieg, aber auch für die Unterjochung der einheimischen Bevölkerung. 21:03 Hoch im Norden errichten die Römer den Hadrianswall als Schutz vor den wilden Stämmen der Schotten. 21:12 Im Süden dagegen zieht der "Roman way of life" in die Nordseeregion ein, Mit Errungenschaften, von denen die keltischen Stammeskrieger 21:22 nur träumen konnten. Kopien Roms im Miniaturformat schießen aus dem Boden mit Bädern, 21:32 Tempeln und natürlich Arenen für die unvermeidlichen Gladiatorenkämpfe. Die Mode wird römisch, gegessen wird römisch, 21:41 römischer Lebensstil prägt alle Bereiche des Lebens. Die Römer machten jeden zum Römer. 21:51 Manche sagen, das ist doch großartig, die Römer schließen alle ein. 21:55 Aber es ist das genaue Gegenteil: Die Römer lassen dich nichts anderes sein als ein Römer. 22:02 Sie werden dich daran hindern, deine Sprache zu sprechen, zu deinem Gott zu beten. 22:07 Sie werden großartige Gebäude bauen, um die Herrlichkeit des Römischen Reiches zu demonstrieren. 22:13 Das ist eine sehr finstere Waffe. Und entfacht Aufstände gegen Rom, weil nicht jeder Römer werden will. 22:21 Im Jahre 117 erreicht das Imperium Romanum seine größte territoriale Ausdehnung. 22:28 Der Süden und Westen der Nordsee sind jetzt römisch. Doch bei aller Macht - und Prachtentfaltung 22:36 offenbart das Imperium auch eine Schwachstelle: Ein Großteil seiner Armee besteht aus Soldaten, 22:42 die in unterworfenen Gebieten rekrutiert werden. Was wir hier haben, ist eine Gesellschaft, 22:51 die kein eigenes Militär hervorbringt. Sie stellt Ausländer ein, um ihre Drecksarbeit zu erledigen. 22:57 Dadurch verlieren die Römer die Fähigkeit, Krieg zu führen. Und das fremde Volk erkennt, dass die Römer reich und schwach sind. 23:05 Schon bald wird es zu einer Option, den Römern zu dienen und sie dann später zu überfallen. 23:11 Es ist sehr gefährlich, sich selbst zu entwaffnen und Ausländer einzustellen, um für dich zu kämpfen. 23:18 Im 5. Jahrhundert sinkt der Stern des Römischen Reiches. Den Völkern, die von Osten und Norden seine Grenzen überfluten, 23:27 hat es nichts mehr entgegenzusetzen. Auch nicht den Jüten, Angeln und Sachsen 23:33 aus dem Gebiet des heutigen Schleswig-Holsteins, die sich in England niederlassen. 23:44 Schon in Zeiten römischer Präsenz haben sie Raubzüge an den Küsten unternommen. 23:49 Jetzt, nachdem die römischen Legionen die britische Insel verlassen haben, wollen sie Siedlungsgebiete für sich erobern. 23:59 Das Thorsberger Moor, ein unscheinbarer Teich in der Gemeinde Süderbrarup, östlich von Schleswig, 24:05 war in römischer Kaiserzeit ein Zentralheiligtum der Angeln. Archäologen machten hier zahllose Funde, 24:13 die von der Kultur und Glaubenswelt des Volkes erzählen. Die Angeln opfern ihren Göttern Kriegsbeute, auch Pferde. 24:23 Typisch für die germanische Religion sind hölzerne Stehlen in Menschengestalt, die im Freien aufgestellt werden. 24:30 Denn, so berichtet Tacitus, die Germanen glauben, "dass es der Größe der Himmel nicht würdig sei, 24:37 die Götter in Wände einzuschließen". In Britannien unterwerfen die Angeln und Sachsen 24:43 die einheimische Bevölkerung und lassen sich zwischen den antiken Ruinen nieder. 24:54 Eine bescheidene, bäuerliche Lebensweise, weit entfernt vom Niveau der römischen Zivilisation. 25:00 Während die Bauwerke der Römer zerfallen, hat sich ein anderes Erbe ihrer Herrschaft als dauerhaft erwiesen. 25:09 Viele "Romano-Briten" sind nämlich schon lange Christen. Wie der legendäre König Artus. 25:16 Ein Held, der das christliche Erbe Britanniens unerschrocken gegen die heidnischen Invasoren vom Festland verteidigt haben soll. 25:25 Er residiert, so wird erzählt, auf einer prächtigen Burg mit Namen Camelot. 25:31 Die Artus-Sage gehört zu den ganz großen Mythen der Nordseeregion. Und breitet sich im Mittelalter mit vielen Ausschmückungen 25:39 über ganz Europa aus. Doch die Geschichte des legendären Königs, 25:44 der um 500 gegen die Angeln und Sachsen kämpft und siegt, wird erst Ende des 9. Jahrhunderts aufgeschrieben. 25:51 Immer wieder hat man nach einem historischen Vorbild geforscht. Bis heute vergebens. 26:00 König Artus ist die Wunschvorstellung frühmittelalterlicher Mönche. 26:06 Es gab tatsächlich Widerstandsnester von Romano-Briten gegen die einfallenden Sachsen. 26:12 Aber es gibt keine überzeugenden Beweise dafür, dass ein bedeutender britischer und christlicher Anführer 26:19 Großbritannien gegen die Sachsen verteidigt hat. Das ist eine Geschichte, erfunden von Mönchen, die erzählt, 26:26 wie das Christentum in den dunklen Jahrhunderten überlebte. Doch im Mittelalter nimmt die Sage von Artus 26:36 und seinem Zauberschwert Excalibur Fahrt auf. Das Schwert, das Artus der Überlieferung nach 26:43 aus einem Stein zieht. Geschickt mischen die Autoren des Mittelalters 26:48 ein Heldenepos mit christlicher Mystik. Doch die historische Wahrheit ist ernüchternd. 26:59 Die wenigen Christen führen damals ein Schattendasein. Denn die Angelsachsen sind um 600 die Beherrscher der Insel. 27:11 Der mythische Sitz der nordischen Gottheiten heißt Asgard, benannt nach dem Göttergeschlecht der Asen. 27:18 Zu ihnen zählt Thor oder Donar, der Gebieter über Donner und Sturm, den die Bewohner der Nordseeregion am meisten fürchten. 27:29 Die Völker und Stämme rund um die Nordsee verehren dieselben Götter. Dank römischer Historiker sind die kultischen Handlungen der Germanen 27:38 teilweise überliefert. Zu den Opfern, mit denen sie die Götter gnädig stimmen, 27:44 zählen auch Menschen. Die Mythologie der Germanen ist detailreich ausgeschmückt. 27:59 Der einäugige Odin gilt als die höchste Gottheit. Auch um ihn ranken sich viele Geschichten. 28:06 Für die Fähigkeit, in die Zukunft zu sehen, so wird erzählt, hat er ein Auge hergegeben. 28:13 Doch der Thron des Götterkönigs wackelt. 597 beginnt die Christianisierung der Angelsachsen. 28:20 Papst Gregor der Große schickt 40 Mönche auf die Insel. Er rät ihnen, die heidnischen Kultstätten zu respektieren 28:29 und eine "Missionierung von oben" zu versuchen. Sind erst die Häuptlinge Christen, so der Plan, folgt der Rest von allein. 28:38 Man darf sich diese Missionare nicht als alte bärtige Männer vorstellen. Das waren wahrscheinlich junge Hänflinge von der Klosterschule, 28:47 die voller Charisma waren, weil sie mit Begeisterung das Christentum predigen wollten. 28:54 Weil sie ja das Martyrium gesucht haben. Diese Menschen hatten dieses Charisma, 28:59 weil ihnen der Tod egal war. Sie wollten ja in Christus sterben. 29:04 Das hat natürlich diese angelsächsisch-germanischen Könige schon überzeugt, dass hier so junge Leute kommen, 29:11 die sich aufführen wie die Berserker. Die Insel Lindisfarne, die heilige Insel vor der Küste 29:18 im Nordosten Englands. 635 gründen irische Mönche hier ein Kloster. 29:30 Die Strategie, mit den Königen auch ihre Untertanen zum Christentum zu bekehren, geht auf. 29:37 Im spirituellen "Überzeugungskrieg" gegen das Heidentum wird Lindisfarne zum Zentrum der christlichen Offensive. 29:46 Von ihrer Insel aus treiben die Mönche die Christianisierung Englands voran. 29:52 Das Kloster entwickelt sich schon bald zu einem vielbesuchten und entsprechend reich ausgestatteten Wallfahrtsort. 30:00 Denn hier liegt Cuthbert begraben, ein Mönch, der jahrelang unter großen Entbehrungen als Eremit 30:06 auf einem winzigen Eiland lebte und als Heiliger verehrt wird. Lindisfarne ist das bedeutendste geistige und kulturelle Zentrum 30:16 im Norden Englands und schickt bald sogar Missionare auf den Kontinent. Um dort die Germanen zu missionieren. 30:26 Doch am frühen Morgen des 8. Juni 793 bricht über Lindisfarne das Unheil herein. 30:33 Fremde Schiffe nähern sich der Insel. Wie aus dem Nichts tauchen sie auf. 30:42 Kein christlicher Krieger würde es je wagen, ein Kloster anzugreifen. Aber die Wikinger sind keine Christen. 30:51 Das war ein Selbstbedienungsladen an Schätzen wie auch ein königlicher Hof. Vielleicht sogar besser. 30:58 Da gab's Reliquiare, da gibt's Wein in den Weinkellern. Und da gab's alle möglichen interessanten Gewänder, 31:04 die man sich anziehen könnte. Auch dazu gibt's schöne Quellen, wie Wikinger besoffen nach dem Weinkeller 31:11 in flatternden Messgewändern herumlaufen. Das spielte überhaupt keine Rolle, 31:16 dass das ein heiliger Ort für die Christen war. Interessant war, was hier zu holen war. 31:22 Die Chronisten zeichnen Albtraumbilder fern der Wirklichkeit. 31:27 Es ist der Versuch, das Auftauchen eines Phänomens zu verarbeiten, das zum Schreckgespenst des Nordseeraumes werden sollte. 31:37 In der Wahrnehmung der Chronisten sind die Krieger, die das Kloster heimsuchen, keine Menschen, sondern Monster. 31:45 Riesige Drachenwesen, Geschöpfe des Teufels. Später wird man sie "Wikinger" nennen. 31:53 "Niemals zuvor brach ein solches Entsetzen über Britannien herein." "Die Kirche des Heiligen Cuthbert ist besudelt 32:01 mit dem Blut der Priester Gottes." "Und all ihre Schätze wurden geraubt“, 32:06 schreibt Alkuin, ein englischer Gelehrter. Die Wikinger wurden zu einer Naturgewalt hochstilisiert. 32:14 Gleichzeitig mit Drachen in der Luft und Wirbelstürmen und so. Und diese Hochstilisierung, diese Mythologisierung der Wikinger 32:23 führt dann zu einer durchgehenden schlechten Presse. Die aber mehr ist als nur eine üble Nachrede für die Wikinger, 32:32 sondern die sie zu einem Angstgegner hochstilisiert. Was militärisch gesehen auch ganz günstig ist, 32:40 wenn man den Gegner überhöht. Dann bringt man sich selbst ja in eine bessere Position. 32:48 Wenn man verliert dauernd gegen diesen Gegner. Die Wikinger verbreiten Angst und Schrecken 32:54 vor allem an Englands Ostküste. Sie gelten als ein mordendes, brandschatzendes Kriegervolk, 33:01 das die Menschen im Nordseeraum terrorisiert. Dabei ist der Name Wikinger ein Missverständnis. 33:09 Denn ein Volk der Wikinger gab es nie. In der Sprache der Nordmänner bezeichnet "Vikingr" 33:16 einen Seekrieger auf langer Fahrt, nicht das Mitglied irgendeines Stammes. 33:24 Die räuberischen Bootsbesatzungen stammen aus den östlichen Küstenregionen der Nordsee: 33:30 Aus Norwegen, Dänemark und Schleswig-Holstein. Sie gehören zu zahllosen Sippen, aber ihnen allen gemeinsam sind Lebensart, 33:38 Kultur, Religion und die hohe Seemannskunst. Und ihre Schiffe, die "Drachenboote". 33:51 Wohl vom 8. Jahrhundert an nutzen die Skandinavier das Rahsegel, eine Form der Takelung, die es ermöglicht, 33:58 gegen den Wind zu kreuzen. Mit Tierfetten machen sie das Tuch winddicht. 34:04 Bei günstiger Brise lässt sich England damit in knapp drei Tagen erreichen. 34:13 Auch beim Schiffbau erweisen sich die Nordmänner als außerordentlich geschickt. 34:19 Ihre Rumpfkonstruktionen sind filigran und ausgeklügelt. Die Boote sind robust und hochseetauglich. 34:29 Die Wikinger bestatteten ihre Anführer in Booten und bedeckten sie mit Erdhügeln. 34:35 So haben sich Reste einiger Originale erhalten. Sie beweisen den erstaunlichen technischen Standard 34:41 der manchmal mit Drachenköpfen geschmückten Segler. Mit ihnen gelangen die Wikinger nach Island, Grönland 34:48 und schließlich sogar nach Amerika - ein halbes Jahrtausend vor Kolumbus. In ihrer Vorstellung ist der Atlantik kein Ozean, sondern ein Binnenmeer. 34:58 Eine Fehleinschätzung mit Folgen. Wenn ich den ganzen Nordatlantik, vielleicht sogar 35:05 von der kanadischen Küste oder Grönland bis Norwegen und England als Binnenmeer betrachte, dann verliert der auch seinen Schrecken. 35:14 Darinnen liegen ja Inseln, Irland, Island und noch andere. Die Färöer, die Shetlands und so weiter, 35:21 die man so als "Stepping Stones" betrachten kann, um damit auch nicht aus der terrestrischen Navigation 35:28 hinauszukommen, die ja ganz wichtig ist zu diesem Zeitpunkt mangels navigatorischer Geräte. Er verliert seinen Schrecken. 35:36 Dieser Binnenozean ist mein Meer. Den Wikingern eilt der Ruf der Unbesiegbarkeit voraus. 35:43 Doch der englische König Alfred zeigt sich unbeeindruckt und verjagt sie von seinen Küsten. 35:50 Man hat sie "Erfinder des Blitzkrieges" genannt: Beute machen und schnell verschwinden. 35:55 Ihre erfolgreichste Strategie ist ein intelligentes Risikomanagement. 36:01 Denn im Gegensatz zum gängigen Klischee vom Berserker im Blutrausch meiden die Wikinger gefährliche Gegner. 36:08 Und vor allem Kämpfe, die sie verlieren könnten. Wenn es brenzlig wird, setzen sie lieber die Segel. 36:16 Die Wikinger waren sehr auf Risikominimierung und Risikomanagement bedacht. 36:22 Was ja auch verständlich ist, wenn ich mit mehreren Schiffsladungen und ein paar hundert Mann maximal ins Frankenreich einfalle. 36:30 Mit seinen großen Armeen, dann muss ich höllisch aufpassen, dass ich nicht sofort aufgerieben werde. 36:37 "Haithabu ist eine sehr große Stadt am äußersten Ende des Weltmeeres." So beschreibt der arabische Chronist At-Tartûschi 965 36:47 das wohl bedeutendste Handelszentrum der Wikinger. Damals zählte die Hafenstadt an der Schlei 36:54 im nördlichen Schleswig-Holstein 1000 Einwohner. Hier leben Menschen, die mit der Produktion, dem Kauf und Verkauf 37:03 von Gütern ihren Lebensunterhalt bestreiten. Denn die Seekrieger machen nur einen verschwindend kleinen Prozentsatz 37:11 der Gesamtbevölkerung der sogenannten Wikinger aus. Heute besteht das Museumsdorf Haithabu nur aus ein paar Hütten. 37:21 Doch der Schein trügt. In seiner Hochzeit war Haithabu eine bedeutende Handelsmacht. 37:28 Das, was heute hier unter der grünen Wiese liegt, das ist vor 1000, vor 1200 Jahren eine Metropole gewesen. 37:36 In der Handelsströme zusammengeflossen sind, in der Leute gelebt haben, die wussten, 37:41 wie man solche Netzwerke knüpft. Die auch verstanden haben, dass Haithabu zwischen Nord- und Ostsee 37:48 verkehrsstrategisch ganz privilegiert liegt. Das ist sozusagen das Betriebskapital, 37:55 das hier umgesetzt worden ist. So konnte sich Haithabu zu einem Global Player entwickeln. 38:01 Zumindest auf einem Viertel der Nordhalbkugel. Haithabu ist damals nicht nur ein Handelszentrum. 38:09 Hier stehen auch Schiffswerften. Und hier können sich die Besatzungen mit Proviant versorgen. 38:15 Etwa mit Stock- und Klippfisch, luftgetrocknetem und gesalzenem Kabeljau. 38:21 Denn der ist haltbar. Bereits vor 1200 Jahren wird in Haithabu 38:28 mit dem konservierten Fisch gehandelt. Das haben Archäologen inzwischen herausgefunden. 38:38 Bis zu 2000 Touristen besuchen täglich die Wikingermetropole zwischen Nord- und Ostsee. 38:45 Haithabu ist eine Sehenswürdigkeit, ein Museumsbetrieb. Aber auch ein Zentrum der Wikingerforschung, 38:52 in dem Fundstücke erfasst, analysiert und restauriert werden. Die Archäologen finden Indizien für Handelsgüter aus dem hohen Norden, 39:01 aus dem Mittelmeerraum ebenso wie aus dem Mittleren und Fernen Osten. Fränkisches Glas, chinesische Seide oder Quecksilber aus Spanien 39:13 wurden ebenso vermarktet wie orientalische Gewürze oder Sklaven. Die monumentale Wallanlage des Danewerks verbindet Haithabu 39:24 mit weiteren Handelszentren auf dem Weg zur Nordsee. Plötzlich sind es die Wikinger, 39:30 die ihren Reichtum gegen Überfälle schützen wollen. Das scheint nicht zum Bild der hörnerbehelmten Drachenkrieger 39:38 zu passen. Sicherlich sind das wilde Krieger gewesen, die gewusst haben, 39:44 wie Strategie und Taktik funktionieren. Die wussten ihre Waffen zu führen. 39:49 Aber an einem Ort wie Haithabu können wir lernen, dass dieser Mythos nur ein Teil der Wahrheit ist. 39:55 Hier leben risikobereite Händler, die ziemlich genau wissen, wie die Märkte am Schwarzen Meer funktionieren. 40:03 Und wie die Verhältnisse der Rohstofflieferungen am Nordkap sind. Ich denke, es sind zwei Komponenten, die man zusammentun kann. 40:11 Wobei immer die kriegerische ein bisschen mehr Feuer hat, als die, die sich mit dem Handelsgeschehen beschäftigt. 40:19 Jahrhundertelang verbreiten sie Angst und Schrecken. In der Wahrnehmung ihrer Welt 40:25 sind sie überlebensgroße Ausgeburten der Hölle. Doch hinter dem Mythos verbergen sich Krieger-Kaufleute 40:34 mit klugen Strategien und guter PR. Und Hörnerhelme trugen sie übrigens nie. 40:43 So wie für die Wikinger ist die Nordsee zu allen Zeiten Fluch und Segen für die Menschen an ihren Küsten gewesen. 40:51 Zugleich Chance und Bedrohung. Ein Meer, das Geschichte geschrieben hat. 40:58 Das Meer war immer buchstäblich im Blut der Menschen an der Nordsee. Und das ist rund um die Nordsee so. 41:05 Auch im 21. Jahrhundert bietet die See immer noch Chancen. Und wir setzen diese Tradition fort. 41:12 Wie auch immer wir uns in den kommenden Jahren entscheiden. Über 80 Millionen Menschen leben heute an den Ufern der Nordsee. 41:21 Dazu kommen jährlich Millionen Touristen. Und jeder Gast verbringt seine Zeit mit ihr 41:27 auf ganz unterschiedliche Weise. Vielfalt ist eine ihrer herausragenden Eigenschaften 41:33 Beispielsweise Southend-on-sea: Ein riesiger Rummelplatz und als Highlight der längste Pier der Welt. 41:41 Er erstreckt sich über zwei Kilometer in die Themsemündung. Eine spektakuläre Konstruktion erbaut vor 130 Jahren, 41:49 die es ermöglicht, dass auch große Schiffe bei Ebbe anlegen können. Weiter nördlich eine Symphonie aus Segeln. 41:59 Sommerimpressionen von der Mündung des Flusses Alde in die Nordsee, heutzutage ein Eldorado für Segler. 42:08 Die Wikinger machten sie zu ihrem Meer. Doch in ihrer 10.000-jährigen Geschichte 42:14 sind auch sie nur eine Episode. Die Nordsee "sah" den Untergang von Städten. 42:22 Weltmächte zerbrachen an ihr. Anderen "half" sie, die Welt zu erobern. 42:35 Die Nordsee schrieb und wird auch in Zukunft Geschichte schreiben. Sie bleibt unberechenbar, wechselhaft und mitunter tödlich. 42:49 Eine gefährliche Schönheit, die immer aufs Neue fasziniert. * dramatische Musik * 43:06 Untertitel im Auftrag des ZDF, 2020