Zum Inhalt springen
L

Das Video kommt von YouTube: erst beim Abspielen verbindet sich die Seite mit YouTube (Google).

Der Mauerfall: Die friedliche Revolution in der DDR | neuneinhalb | WDR

WDR10:00 26.780 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

Das Wichtigste aus dem Video

Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.

Transkriptautomatisch erstellt · 97 Zeilen
Herunterladen
  1. Ich treffe gleich jemanden, der bei einer Revolution mitgemacht hat. Eine Revolution, die Deutschland verändert hat.
  2. Long Story Short 1989 gibt es in vielen Städten der Deutschen Demokratischen Republik,
  3. kurz DDR, große Demonstrationen. Tausende Menschen protestieren auf den Straßen gegen ihre Regierung.
  4. Damals ist Deutschland bereits seit 40 Jahren geteilt und viele sind extrem unzufrieden, wie es in der DDR läuft.
  5. Ihnen fehlt es, frei, reisen zu dürfen, denn die DDR ist in Richtung Westen abgeriegelt, die Grenzen werden schwer bewacht.
  6. Freie Wahlen gibt es nicht. Dafür eine große Partei, die über alles bestimmt.
  7. Die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands, kurz SED. Wer die Partei und ihre Entscheidungen kritisiert, bekommt Probleme.
  8. Auch die schlechte wirtschaftliche Lage des Landes trägt dazu bei, dass Menschen beginnen,
  9. sich gegen das politische System der DDR aufzulehnen. Und das, obwohl sie sich damit in Gefahr bringen.
  10. Denn Demos sind in der DDR streng verboten. Michael ist nicht nur zu Demos gegangen, sondern hat selbst welche organisiert.
  11. Das Ergebnis war. Ja, unbedingt. Ich hatte selber und habe natürlich.
  12. Ich habe uns diesen alten DDR Trabi gemietet, um mit Michael durch seine revolutionäre Vergangenheit zu düsen.
  13. Aber meinst du du kriegst diesen Trabi zum Fahren? Ja, und das schaffe ich unbedingt.
  14. Los geht die Reise. Ich kann das noch. Eindeutig.
  15. Ja. Ich fühle mich hier sicher. Gut. Und während wir fahren, ist Zeit, euch Michael etwas genauer vorzustellen.
  16. Michael wächst in einer Pastorenfamilie in Frankfurt an der Oder auf, weil die Kirche vom DDR Regime nicht gern gesehen ist.
  17. Hat Michael schon als Kind mit Ausgrenzung zu tun? Zum Beispiel darf er kein Abitur machen.
  18. Mit 17, etwa acht Jahre vor dem Mauerfall wird er das erste Mal verhaftet wegen eines Aufnäher aus der Friedensbewegung auf seiner Jacke.
  19. Zwei Jahre später zieht Michael nach Berlin und beginnt, bei der evangelischen Kirche zu arbeiten.
  20. Jetzt nimmt sein politisches Engagement richtig Fahrt auf. Wir fahren zu Michaels erstem Arbeitsort.
  21. Hier in der Erlöserkirche ist er mit vielen Menschen in Kontakt gekommen, die dem DDR Regime kritisch gegenüberstanden.
  22. Und mit wem oder mit was für Menschen hattest du hier damals am meisten zu tun?
  23. Na mit allen, die in der DDR sonst nicht so richtig wussten, wo sie hin sollen. Das waren teilweise Musikbegeisterte, es waren Punks, es waren Skins.
  24. Wir hatten hier auch die friedensbewegten Umweltgruppen. Es ging ja immer darum, Wir wollten den offenen Raum schaffen
  25. dafür, dass Menschen das ausdrücken können, was sie sowieso machen wollen und sonst in der DDR keine Möglichkeit dafür hatten.
  26. Deswegen waren hier Blueskonzerte. Oder wir haben auch politische Aktionen hier gemacht.
  27. Mit dieser alten Druckerpresse hat Michael damals zum Beispiel Flugblätter für anstehende Demonstrationen gedruckt
  28. und dann kann man die so drehen und dann geht es los. Aber was ich nicht so ganz verstehe das klingt ja alles wie Dinge,
  29. wo die Polizei oder die Stasi sich dachte, Da können wir einschreiten, Die kommen alle in Knast.
  30. Warum hat es geklappt, dass ihr das hier machen konntet? Ja, die Kirche hatte so eine wirklich eigene Rolle in der DDR
  31. von der DDR überhaupt nicht gewollt, aber irgendwie auch gebraucht, weil alle Unzufriedenen waren ja dann in geschlossenen Räumen und
  32. dann hat man die draußen nicht gesehen, dann war das für die DDR wieder okay. Dann sind wir rausgegangen und dann kamen die Polizei und dann ja
  33. teilweise 50 Mannschaftswagen oder so, die standen hier vor der Tür, die hat noch richtig eine Wohnung
  34. schräg gegenüber in der ersten Etage, wo sie immer raus gefilmt haben, um zu identifizieren, wer hier rein und rausgeht.
  35. Das war so, da gibt es auch im Stasiunterlagenarchiv gibt es da ganz viele Filmaufnahmen.
  36. Stasi steht für das Ministerium für Staatssicherheit. Diese Institution
  37. soll in der DDR sicherstellen, dass niemand gegen die Regierung vorgeht oder deren Weltanschauung kritisiert.
  38. Dafür baut die Stasi ein System der Kontrolle auf. Sie lässt Tausende von Menschen
  39. überwachen, die in ihren Augen Schwierigkeiten machen könnten. Sie bringt sogar Nachbarn und Familienmitglieder dazu,
  40. sich gegenseitig zu bespitzeln, oft durch Erpressung. Zu jeder überwachten Person wird eine Akte angelegt.
  41. Hat die Stasi Verdacht auf staatsfeindliche Tätigkeiten? Bestraft sie diejenigen, lässt sie verhaften
  42. und oft für mehrere Jahre einsperren. Die Zentrale der Stasi gibt es immer noch.
  43. Heute ist sie allerdings ein Museum. Michael wurde in einem dieser Gebäude einmal festgehalten.
  44. Vorne auf dem Bild Und da ist die Kirche, die wir kennen das ja, Das Bild ist quasi ein Schnappschuss.
  45. Ich würd sagen, so zehn Sekunden nach Aufnahme dieses Bildes waren wir alle festgenommen.
  46. Und das ist ja nicht nur einmal passiert, sondern siebenmal sieben Mal richtig. Hast du da nicht mal überlegt Boah,
  47. vielleicht höre ich mal auf mit dem, was ich hier mache? Keineswegs.
  48. Nachdem ich das erste Mal im Knast war, damals 17, da ich ja überlegt Zwei Jahre nehme ich den Kauf
  49. und der war immer bei jeder Demonstration oder was auch immer ich angezettelt habe oder mitgemacht habe, habe ich immer überlegt
  50. kriege ich dafür mehr als zwei Jahre? Wahrscheinlich nicht. Dann kann ich es machen.
  51. Das ein krasser Gedanke in dem Alter. Hier in der Zentrale sammelte die Stasi
  52. alle Informationen über die Menschen, die sie ausspionierte. In Akten wie dieser finden sich unzählige persönliche Informationen,
  53. zum Beispiel auch Briefe und Postkarten. Aber wie ist die Stasi denn dahin gekommen?
  54. Ich gehe davon aus, die hatten Briefkastenschlüssel und nicht nur Briefkasten. Schlüssel.
  55. Mir ist es ja auch passiert. Ich bin in meine Wohnung und da steht in meinem Wohnzimmer vor einem Regal
  56. ein Mann, der sagt Na, ich wollt mal ihr Bücherregal angucken. Echt?
  57. Ja, ich war ein bisschen komplex und sagte Ich habe einen Schlüssel. Und wenn Sie jetzt hier sind, dann würde ich jetzt auch gehen
  58. und es gegangen. Ich hatte richtig Angst.
  59. Wenn mir so was passieren würde, ich würde mich ja nirgendwo mehr sicher fühlen. In den eigenen vier Wänden.
  60. Nicht mal wenn ich Michael so höre, finde ich es umso beeindruckender, das Ende der 80er Jahre immer mehr Menschen in der DDR den Mut
  61. finden, ihre Kritik offen auszusprechen. 1989 fordern immer mehr von ihnen mehr demokratische Rechte.
  62. Sie wollen freie Wahlen, Reise und Meinungsfreiheit. Gleichzeitig fliehen immer mehr Menschen in den Westen.
  63. Als rauskommt, dass es Fälschungen bei Kommunalwahlen gibt, steigt die Wut im Land noch weiter.
  64. In Leipzig starten im September die ersten Montagsdemos, die sich in weitere Städte ausbreiten und immer größer
  65. und mächtiger werden. Wie hat sich das denn damals für dich angefühlt?
  66. Plötzlich wurden immer mehr, auch auf der Straße. Wie war das für dich?
  67. Einerseits beruhigend, weil es wurde nach und nach deutlich So ganz spinnen tun wir offenbar nicht.
  68. Auf der anderen Seite war klar Der Staat wird sich das jetzt nicht mehr gefallen lassen.
  69. Irgendwas wird jetzt passieren, aber das Ding ist ja, ich habe mich ja,
  70. ich frage mich echt, wie konntet ihr demonstrieren, wenn der Staat sich das auch nicht gefallen lässt?
  71. Also das war doch alles nicht erlaubt. Wir waren einfach viele und dann sind die Polizisten Stück für Stück zurückgewichen
  72. und haben sie einfach so Wir haben nichts gemacht. Wir haben Lieder gesungen und Kerzen gehalten.
  73. Das war einfach die Überwältigung der staatlichen Gewalt durch, durch Frieden, durch einfach friedliche Revolution.
  74. Die standen da mit ihren Knüppeln und wir standen ihnen gegenüber auf Armeslänge mit, mit.
  75. Mit Kerzen in der Hand. Mit Gewalt kann die DDR Regierung nichts gegen den Protest der Menschen ausrichten.
  76. In einer Pressekonferenz am 9. November 1989 folgte dann die Reaktion auf die Proteste.
  77. Deshalb haben wir uns dazu entschlossen, heute eine Regelung zu treffen,
  78. die es jedem Bürger der DDR möglich macht, über Grenzübergang Spunkt
  79. der DDR auszureisen. Michael hört an diesem Tag im Autoradio von den Reiseerleichterungen
  80. und fährt sofort zu dieser Brücke. Damals war hier noch ein streng bewacht Grenzübergang.
  81. Also als ich kam, war das tatsächlich überhaupt noch nicht so aus. Ich war ja einer der Ersten hier.
  82. Da waren außer mir vielleicht zehn, zwölf andere Menschen, die an der Mauer an der Grenze standen.
  83. Und dann bin ich da hin und keiner wusste, was jetzt ist. Dann sagte ein Polizist Ausweis her.
  84. Und da macht er einen dicken Stempel auf mein Foto, so dass man das Foto nicht mehr sehen konnte.
  85. Was machen Sie da? Sie kommen doch sowieso nicht wieder.
  86. Ich sage, ich will gar nicht wissen. Ich wollte nur mal fragen, was hier los ist.
  87. Und dann waren hinter mir Leute, die haben geschubst, haben gesagt, wir wollen aber da hin,
  88. und dann haben die mich raus geschubst. Und dann stand ich auf der Brücke und war in Westberlin
  89. und da hielt ein Ford Fiesta an, da hab ich gesagt Ja, ich bin aus dem Osten, ich bin hier gerade rüber, hat er gesagt, Du hast da.
  90. Super. Vielleicht machen wir eine Feier. Ich gesagt Ja, super.
  91. Wo feiert man denn hier, hat er gesagt, Am Kudamm. Dann sind wir zusammen zum Ku'damm gefahren und ab da war Party.
  92. Als bekannt wird, was gerade passiert, strömen immer mehr Menschen zu den Grenzübergängen und feiern.
  93. Das erste Mal seit 28 Jahren sind die Grenzübergänge der Berliner Mauer offen. Dank vieler mutiger Menschen, die sich dafür eingesetzt haben, die bei.
  94. Für Michael ist ganz klar Sich einzumischen lohnt sich immer und erst recht in der heutigen Zeit.
  95. Er habt es gehört. Und dieser Mann weiß, wovon er spricht.
  96. Schaut doch auch mal vorbei, wenn ihr mehr über diese Zeit wissen wollt. Oder in der ARD Mediathek.
  97. Da gibt es auch ganz viel dazu. Siehst bis zum nächsten Mal. Tschüss.

Zum Nachlesen