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Warum endete die Sklaverei? | Stimmt es, dass ...? | ARTE
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Transkriptautomatisch erstellt · 161 Zeilen
- [musik] Freiheit, unser höchstes Gut. Er kämpft in Revolutionen, verankert in Verfassungen, geschützt durch Gerichte.
- Doch im selben Moment, indem Europa Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit ruft, werden auf der anderen Seite des Atlantiks Millionen Menschen verkauft
- und in Sklaverei [musik] gehalten. Die Sklaverei finanzierte die Städte, die Wissenschaft, die Märkte der Kolonialmächte. Doch dann erkannte man,
- dass sie falsch ist. und schaffte sie ab. So steht es in den Geschichtsbüchern. Heute feiern wir die Abschaffung der
- Sklaverei als moralischen Wendepunkt, als Sieg der Menschlichkeit, als den Beginn von Freiheit. Aber stimmt das eigentlich?
- Erst kam der Ansturm, dann die panische Flucht. Zwischen Ansturm und Flucht versiegte unser Lachen, verstummte das [musik] Lied der
- Ernte, erstarrte der Erntetanz unserer Ahnen. Zwischen Ansturm und Flucht rannten wir so lange, bis uns der Atem ausging, im
- feindlichen Wind. So beschreibt der Ganage Dichter Kofi Nidoho [musik] die Zeit, in der ganze
- Kontinente aus den Fugen geraten, in der Menschen zu Wre werden und ein System entsteht, das die Welt bis heute prägt. Aber Sklaverei ist kein einzelnes
- Kapitel der Geschichte, sondern eine ihrer Säulen. Hinter jeder Hochkultur stehen Menschen, die alles tragen, aber nie dazu gehören. Sie bauen Tempel und
- Straßen. Sie kämpfen, kochen, gebären Kinder. Über Jahrtausende kann jeder zum Sklaven werden. Der besiegte Feind, der Schuldner, das Kind armer Eltern. Doch
- im 16. Jahrhundert bekommt Sklaverei eine neue Logik. Es beginnt damit, dass Europa in See sticht. eigentlich auf der Suche nach einem schnelleren Weg nach
- Asien. Doch zwischen Europa und den Gewürzen liegen die Amerikas. 1492 [musik] beginnt die gewaltsame Eroberung und
- eröffnet riesige Flächen für neue Luxusgüter. Zucker, Tabak,
- Kakao, Baumwolle. In Europa bis dahin kaum bekannt. Jetzt plötzlich unentbehrlich. Der Appetit
- wächst. Doch wer soll das alles ernten? Die erste Antwort: Versklavte Indigen Gene. Was passiert? Millionen sterben an europäischen [musik] Krankheiten, an
- Hunger, an Gewalt. Die Kolonialmächte brauchen massenhaft neue, billige, ersetzbare Arbeitskräfte und sie finden sie in Westafrika.
- Die ersten Kontakte zwischen Europäern und Afrikanern reichen bis ins frühe 15. Jahrhundert zurück. Die Portugiesen waren bei ihrer Ankunft
- beeindruckt von den Gesellschaften Westzentralafrikas. Die Historikerin Mariana Kanjido erforscht, wie der Grundstein für den
- transatlantischen Menschenhandel gelegt wurde. Anfangs interessieren sich die Portugiesen vor allem für das Gold an
- der afrikanischen Küste. Doch bald erkennen sie eine weitere Ressource, Menschen. Denn Sklaverei ist
- auch in afrikanischen Gesellschaften kein unbekanntes Phänomen. Schon Jahrhunderte bevor die ersten portugiesischen Schiffe an Afrikas
- Küsten segeln, verschleppen arabische Händler Millionen Menschen über die Sahara und den indischen Ozean. Afrikanische Reiche führen Kriege,
- nehmen Gefangene, verkaufen sie weiter. Es gab lokale Kaufleute und politische Anführer, die sich mit Europäern verbündeten und Profit aus dem
- Menschenhandel schlugen. [musik] Doch jetzt wird aus einer regionalen Praxis ein weltweites Exportgeschäft,
- das vom 17. Jahrhundert bis ins frühe 19. Jahrhundert die globale Ökonomie dominiert. Es hat drei Stationen und jede wird sorgfältig kalkuliert. Küste,
- Passage, Plantage. Beim transatlantischen Wirtschaftssystem der Sklaverei spricht man meist vom
- sogenannten Dreieckshandel. Schiffe fahren von Europa nach Afrika, nehmen versklavte Menschen an Bord,
- bringen sie in die neue Welt, wo sie Waren anbauen, die dann zurück nach Europa gehen. Ein einfaches Dreieck, [musik]
- so steht es in vielen Schulbüchern. In Wirklichkeit verlaufen die Linien eher im Zickzack, sagt der Historiker Patrick Rail. Trotzdem steht dahinter ein
- hochpräzises Geschäftsmodell, abgesichert durch Banken, Versicherer und Gerichte.
- Die Sklaverei in der neuen Welt unterschied sich von früheren Formen, vor allem dadurch, dass sie in einzigartiger Weise kapitalistisch war.
- Sie diente allein dem Zweck Gewinn zu erzählen. Frühere Formen von Sklaverei hatten oft soziale, religiöse oder politische
- Wurzeln. Nun heißt es maximale Effizienz, minimale Kosten, Gewinne in Serie.
- Sogar dort, wo keine Sklavenschiffe auslaufen, fließt das Geld zurück in die Gesellschaft. Kanido erforscht das am Beispiel von
- Marseille. Der Gewinn aus dem Sklavenhandel und der Wohlstand, den die Versklaften erwirtschafteten, kam auch den Bewohnern
- von Marseille zugute. Mit anderen Worten, selbst wer keinen einzigen Menschen über den Atlantik verschleppte, konnte von der Sklavenarbeit
- profitieren. Durch Zucker im Kaffee, Baumwolle in der Kleidung, Steuern in der Stadtkasse. [musik] Die Bilanzen dazu finden sich zu Hauf in europäischen
- Archiven. Was dort seltener auftaucht, sind die Lebensgeschichten der Menschen, die in diesen Akten nur als Stücke oder Kapital erscheinen.
- Ost heißt es, Afrika hätte [musik] keine Aufzeichnungen über die Zeit der Versklavung,
- aber das stimmt nur, wenn man bei Aufzeichnungen allein an das gedruckte Wort denkt. Der Ganage Poet und
- Literaturwissenschaftler Kofi Anidoho widerspricht: "Die Archive Afrika [musik] sind nicht aus Papier, sondern aus Sprache, Gesang, Architektur.
- [musik] In unseren Traditionen sind solche Erfahrungen oft zu schmerzhaft, um offen
- darüber zu sprechen. Das heißt aber nicht, dass sie vergessen wurden. Wer verstehen will, wie Menschen Erinnerungen an die Sklaverei bewahrten,
- muss ihre Lieder kennen und die Bauwerke, die mit der Sklaverei verbunden sind. Ein Beispiel dafür sind Häuser in der
- Stadt Pager im Landesinneren von [musik] Ghana. Die Häuser sind meist kuppelartig. mit kleinen Eingängen.
- Wer hinein will, muss sich bücken und sein Gesicht zeigen. Wer freundlich aussieht, darf eintreten. Sieht die Person wie ein Feind aus, hält
- man eine Axt bereit und weiß, was zu tun ist. Architektur als Erinnerung an eine Zeit, in der Selbstschutz Überleben
- entscheidet. Und bei Akra gibt es laut mündlicher Überlieferung sogar einen Wald, dessen Name noch von der Verfolgung erzählt.
- Mot bedeutet in der Garsprache: [musik] "Nenne hier niemanden beim Namen." Heute ist es einfach ein Wald, aber einst versteckten sich [musik] hier im
- Achimot Wald Menschen, die nach Angriffen Zuflucht suchten. entstand der Nameota.
- Orte wie diese machen deutlich, die Gewalt kommt damals von allen Seiten. Überall entstehen Ketten von Zwischenhändlern, die für die großen
- europäischen Kompanien Menschen jagen. Afrikanische Gesellschaften waren dauerhaft bedroht.
- Man wusste nie, ob man sein Haus verlassen konnte. Selbst ein Weg zum Markt konnte bedeuten, dass man nie wieder gesehen
- wurde. An den westafrikanischen Küsten werden ganze [musik] Festungen errichtet, in
- denen gefangen genommene Einheimische monatelang auf das nächste Sklavenschiff warten müssen, denn die neue Welt braucht immer neuen Nachschub.
- Die meisten versklavten starben. Afrikanische Händler weiteten den Menschenhandel aus, um die europäische Nachfrage zu bedienen.
- Sklaverei wurde zur einzigen Möglichkeit, den unstillbaren Bedarf der Plantagen in der neuen Welt zu decken.
- Doch irgendwann reichen selbst die Verschleppungen aus Afrika nicht mehr aus. Die Plantagenbesitzer finden eine grausame Lösung.
- Weil Frauen neues Leben hervorbringen können, waren sie bei Sklavenhaltern besonders begehrt. Die Körper versklavte Frauen sind Kapital und werden in jeder
- Hinsicht ausgebeutet als Arbeitskraft auf dem Feld und als Gebärmaschine im Haus.
- zahlreiche Berichte Zeugen vom sexuellen Terror, dem versklavte Frauen ausgesetzt waren.
- Für Historikerinnen ist diese Gewalt jedoch schwer nachzuvollziehen, weil Täter ihre Verbrechen selten festhielten und versklavte Frauen
- konnten nichts anzeigen. Sie gehörten jemand anderem und damit gehörten auch ihre Körper jemand anderem.
- [musik] Was bleibt sind Bruchstücke, Zeugnisse, die andeuten, wie systematisch [musik]
- sexuelle Gewalt Teil der Sklavereigesellschaft war. Aber Frauen leisteten Widerstand, [musik]
- auch mit Schwangerschaftsabbrüchen, um ihren Kindern ein Leben in Gefangenschaft zu ersparen. Widerstand? selbst im intimsten Bereich
- des Lebens, manchmal im Verborgenen, manchmal ganz offen. Denn Sklaverei bedeutet nicht nur Unterdrückung, sondern auch ständigen Widerspruch.
- Überall, wo Sklaverei existierte, gab es auch Widerstand. Manchmal hatte der etwas ganz alltägliches.
- Menschen taten so, als würden sie Befehle nicht verstehen. Sie zerstörten Werkzeuge, behandelten Tiere schlecht, arbeiteten langsam oder gaben vor, krank
- zu sein. Doch viele Sklaven belassen es nicht dabei. Sie fliehen. Wenn ein versklavter Mensch von einer Plantage floh, stahl er sich
- gewissermaßen selbst. Er entzog seinem sogenannten Besitzer seiner Arbeitskraft und es gibt noch härtere Formen des
- Widerstands, Vergiftungen, Brandstiftungen. Das Paradoxe an der Sklaverei war, dass die weißen selbst zu gefangenen des
- Systems wurden, abhängig von den versklavten, die alles für sie erledigten. Wenn du jemanden brauchst, der für dich
- kocht und diese Person entscheidet, etwas ins Essen zu tun, dann musst du dir Sorgen machen. [musik] Genau diese Abhängigkeit machte die Sklavenhalter
- verwundbar. Die Kette ist ein paradoxes Objekt. Sie steht einerseits für Einschränkung,
- Verlust von Freiheit. Gleichzeitig steht die Kette für genau Bindung und zwar für wechselseitige Bindung. und Abhängigkeit nicht nur für denen, der
- die Kette trägt, auch für denen, der sie anlegt. Der Mensch in Ketten kann sich auch mal schlafen legen.
- Der Fast Sklaver kann das nicht. Ich hoffe, wir vergessen das nie. Wer andere Menschen versklavt, muss ständig wachsam sein. [musik]
- Jeden Tag rund um die Uhr, das ganze Jahr über. [musik] Sklavenhalter leben in ständiger Furcht vor dem Aufstand und sie haben Grund
- dazu. Immer wieder kommt es zu Revolten. Zwar werden die meisten blutig niedergeschlagen, doch 1791 geschieht auf Haiti unvorstellbare, eine
- Rebellion, die Erfolg hat. Eine versklavte Bevölkerung erhebt sich gegen ihre Unterdrücker, stürzt die
- Kolonialregierung, gründet eine schwarze Republik und verteidigt ihre Unabhängigkeit gegen die Armeen Frankreichs, Großbritanniens
- und Spaniens. Ein einzigartiger Moment der Weltgeschichte, der Sklavenhalter auf beiden Seiten des Atlantiks in Angst und
- Schrecken versetzte. Und dann gibt es in den USA noch das berühmte Schienennetz der Underground
- Railroad. Ein Tarname für geheime Routen, Verstecke und Helfer. Ein System, das tausende Menschen aus der Sklaverei in die Freiheit bringt. Doch
- wer sind die Anführer dieses Netzwerkes? In meinen Schulbüchern gab es nur europäische Abolitionisten.
- Afrikanische Stimmen wurden nicht erwähnt. [musik] Dabei spielen gerade die eine zentrale Rolle. Es gab Menschen wie Harriet Tman,
- eine unglaublich mutige Frau. Harriet [musik] Tman, geboren als Sklaventochter in Maryland. Sie flieht und kehrt zurück immer wieder, um andere zu befreien. Sie
- nutzt den gefrorenen Boden des Winters, [musik] um möglichst wenig Spuren zu hinterlassen. Die Sterne als Kompass und Sommernächte, wenn die Spürhunde
- schwächer [musik] wittern. Harry Tman war ein Genie der Logistik. Um diese Geschichten geht es. Menschen, die bereit waren, alles für die Freiheit
- zu riskieren. Diese Geschichten zeigen auch, die treibende Kraft gegen Sklaverei kommt nicht von oben, nicht aus Parlamenten,
- nicht von Humanisten allein. Sie kommt auch und zwar vor allem von den Versklavten selbst.
- Und es gibt Unterstützer in der breiten Bevölkerung. In Europa ist es vor allem die Glaubensgemeinschaft der Quäker, die sich gegen Sklaverei einsetzt. Mit
- Erfolg. 1807 verbietet Großbritannien als erste große europäische Kolonialmacht [musik] den Sklavenhandel. Die britischen
- Abolutionisten hoffen, dass damit auch die Sklaverei als Ganze aussterben wird. Einer Frau geht das aber nicht schnell genug. Elizabeth Harick fordert eine
- sofortige Abschaffung und organisiert den wohl ersten ethischen Konsumstreik. Beikotte von Gütern, die von Sklaven produziert werden. Als Frau ist ihr das
- Wahl recht verwehrt. Doch ihr Zuckerboikott wird zur scharfen politischen Waffe. Und auch in Amerika setzen Evolutionisten auf gewaltfreien
- Widerstand. Einzigartig an der Antisklavereibewegung in den USA war ihr Umgang mit Medien.
- Die frühen Abolitionisten nutzten die modernsten Medien ihrer Zeit, so wie Menschen heute soziale Medien nutzen.
- Sie druckten Almanache eigene Bibeln und Flugblätter. Sie hängten Plakate auf und sie schrieben. Das wichtigste Werk war Harriet Beach St Onkel Toms Hütte
- geschrieben in Brunswick Main. Also hier ein Bestseller. Der Roman ist eines der meist verkauften Bücher im 19.
- Jahrhundert. Harriet Beachers verpasst der Sklaverei ein Gesicht. Als Abraham Lincoln während des
- Bürgerkriegs die Autorin trifft, sagt er, so heißt es, sie sind also die kleine Frau, die diesen großen Krieg ausgelöst [musik] hat. Beantwortet
- Lincoln damit unsere Frage: Ist es allein das moralische Erwachen, das die Sklaverei zu Fall bringt?
- Das galt damals wie heute. Letztlich geht es immer ums Geld. Diese These vertritt Eric Williams, später [musik] Premierminister von
- Trinidad and Tobago. Aus seiner Forschung 1938 schloss er, dass die Abschaffung der Sklaverei nicht
- aus reiner Gutmütigkeit geschehen war. Erica Williams ist die Tochter [musik] des berühmten Historikers. Sie bewahrt
- sein Erbe und verteidigt seine provokanten Thesen bis heute. Er würdigte zwar die Rolle der humanitären Bewegung, sah aber auch
- andere Faktoren, vor allem sinkende Gewinne aus dem Sklavenhandel. Die gaben der humanitären Bewegung den entscheidenden Schub.
- Ihren Ausgangspunkt nimmt Williams Analyse in Großbritannien. Im 18. Jahrhundert hängt fast jede Stadt über Handel, Banken und Versicherungen an der
- Sklaverei. [musik] Die Profite aus Zucker und Sklavenhandel finanzieren die Industrialisierung, Dampfmaschinen,
- Eisenwerke, Baumwollfabriken. Genau mit dem Aufstieg der Industrie verschiebt sich der Fokus auf die
- heimische Wirtschaft. Gleichzeitig können [musik] die karibischen Zuckerplantagen nicht mehr mit wachsender Konkurrenz aus anderen
- Ländern mithalten. Die neuen Industriekapitalisten wollen das geschützte Kolonialmonopol loswerden und so fördern sie die
- Abolitionismusbewegung, [musik] um das alte koloniale Wirtschaftssystem zu schwächen. 1833 schafft [musik] das Empire die
- Sklaverei ab. Ungeachtet ihrer vorherigen moralischen Argumente handeln britische Kaufleute weiter [musik] fleißig mit
- Sklavenhaltergesellschaften wie den USA. Und auch hier ist die Wirtschaft für die weitere Entwicklung entscheidend.
- Während im Süden die Baumwollwirtschaft floriert, entwickelt sich im Norden eine neue Wirtschaftsordnung. Industrie, [musik]
- freie Lohnarbeit, ein völlig anderes Modell. Arbeiter und Arbeiterinnen mit Lohn können nicht nur produzieren, [musik] sondern auch konsumieren. Sie
- kaufen Möbel, Kleidung, später Maschinen und treiben so das Wachstum einer Binnenökonomie an. Versklavte Menschen dagegen sind nur Produktionsmittel, aber
- keine Kunden. Inmitten dieser Zerrissenheit kämpft ein Mann um das höchste Amt im Land, der uns vorhin schon einmal kurz begegnet ist, Abraham
- Lincoln. Der Mann mit dem ernsten Blick, dem schwarzen Frack, in Statuen gegossen, auf F Dollarscheine gedruckt, verewigt als der große Befreier. Doch so
- einfach ist es nicht. Lincoln und die Republikaner wollen die Sklaverei eigentlich gar nicht abschaffen, sondern nur verhindern,
- [musik] dass sie sich weiter nach Westen ausbreitet. Ihr bestes Argument dafür ist ein wirtschaftliches.
- Es war schwierig, die weißen Nordstaatler für die Abschaffung der Sklaverei zu gewinnen. Darum argumentierte man, der Westen sollle
- frei von Sklaverei bleiben. Nicht zum Wohl der Versklavten, sondern zum Vorteil der weißen Siedler, die dort ohne Konkurrenz durch die
- Sklavenwirtschaft leben sollten. Viele Abolitionisten kritisieren diese Verwässerung. Frederick Douglas [musik]
- Edward, selbst einst versklavt sagt: "Sklaverei ist falsch aufgrund dessen, was sie uns antut, nicht weil sie weißen [musik] schadet." Aber immerhin, die
- Taktik geht auf. 1861 wird Lincolen Präsident, doch dann kommt es zum Bruch. Südstaaten treten aus der Union aus, um ihre Institution zu verteidigen. Die
- Sklaverei. Die Folge: Bürgerkrieg, Nord gegen Süd. [musik] Ein Krieg, der als schneller Schlag gedacht war und sich zum Flächenbrand entwickelt. Lincoln
- muss handeln und er entscheidet sich für Eskalation. Im Herbst 1862 veröffentlichte er den Entwurf der Emanzipationsproklamation.
- Darin setzt er eine Frist. Wenn die Südstaaten binnen 100 Tagen in die Union zurückkehren, dürfen sie ihre Sklaven behalten. Wenn nicht, werden alle
- Sklaven in den rebellierenden Gebieten ab dem 1. Januar 1863 für frei erklärt. Und so tritt am 1. Januar 100 Tage später die Proklamation in Kraft. Sie
- befreit zunächst aber nur sehr weniger, denn Lincoln definiert die Sklaverei nur dortfür beendet, wo er praktisch noch keine Kontrolle hat. In den
- Grenzstaaten, die loyal zur Union geblieben waren, bleibt Sklaverei unangetastet. Er wollte diese Staaten [musik] nicht verlieren. Ein moralischer
- Widerspruch, aber politisch kalkuliert. Von diesem Moment an wurden die Armeen der Union zu Armeen der Befreiung.
- [musik] Die Botschaft richtet sich weniger an die Südstaaten als an die Sklaven selbst. Wenn ihr flieht, wenn ihr es bis zu den Linien der Union
- schafft, seid ihr frei. Die Emanzipationsproklamation diente der Rekrutierung. 189 000
- Afroamerikaner schlossen sich der Unionsarmee an. ein Zuws, der den Verlauf des Krieges entscheidend beeinflusste.
- Die Emanzipationsproklamation war also kein moralischer Schritt, sondern ein strategisches Kriegsinstrument, das gleichzeitig
- enorme symbolische Sprengkraft hatte und den Weg zum rechtlichen Ende der Sklaverei bereitete. 1865 wird die Sklaverei im gesamten Staatsgebiet
- abgeschafft. [musik] 4 Millionen Menschen sind frei, zumindest auf dem Papier. Diese Erzählung ist falsch. Natürlich.
- Die Sklaverei wurde nicht abgeschafft, sondern lediglich umgestaltet und verlagert. Mit Black Codes versuchen die Südstaaten
- die Freiheit direkt wieder einzuschränken. Bewegungsverbote, Zwangsarbeit, Strafen [musik] für Arbeitslosigkeit und sie verankern
- Rassentrennung gesetzlich in den sogenannten Jim Crow Gesetzen, benannt nach einer rassistischen Minstral Figur aus dem 19. Jahrhundert, einem weißen
- Schauspieler, der in [musik] Black Face auftritt und Schwarze als faul und einfältig karikiert. Der Name wird zum Synonym für ein System, das Rassismus
- nicht nur duldet, sondern [musik] institutionalisiert. Crow das Jim Crow System errichtet eine Art
- Kastenordnung. Sklaverei war abgeschafft, aber weiße Privilegien sollten bestehen bleiben. Selbst ein Weißer am unteren Ende der sozialen
- Leiter galt mehr als der angesehenste [musik] Schwarze. Das Mittel öffentliche Rassentrennung. Wer um 1900 als Schwarzer ins Kino
- wollte, musste hinten hinein und auf den schlechten Plätzen sitzen. Die Rassentrennung ist fast überall spürbar. im Wartezimmer, im Bus, in
- Schulen und bei folgenreichen politischen Entscheidungen. Die ehemals versklavten erhielten keine Entschädigung, aber ironischerweise
- bekamen die Sklaven Haltergeld. Besonders tragisch ist ausgerechnet das Schicksal des Landes, in dem die erste
- erfolgreiche Sklavenrebellion ihren Anfang nahm. Haiti zahlte 122 Jahre lang Entschädigungen an französische
- Sklavenhalter für deren verlorenes Eigentum, bis 1947. Heute rund 160 Jahre nach der Abschaffung der Sklaverei in den USA
- leben weltweit über 50 Millionen Menschen in moderner Sklaverei. Vor allem Frauen und Kinder, gefangen [musik] in Schuldknechtschaft,
- Zwangsprostitution, Zwangsarbeit. Sie nähen unsere Kleidung, ernten unseren [musik] Kakao, schürfen das Kobalt für unsere Smartphones.
- Die Institution ist verschwunden. Das Prinzip hat überlebt. Aber wenn Sklaverei heute noch existiert, warum erzählen wir uns dann
- so gern, sie sei überwunden? Ein afrikanisches Sprichwort sagt: "Solange die Löwen keine eigenen Geschichtsschreiber haben, wird die
- Geschichte [musik] der Jagd vom Jäger erzählt. [musik]
- Yeah.
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