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Matthieu Ricard: Vom Wissenschaftler zum buddhistischen Mönch | Sternstunde Philosophie | SRF Kultur
Das Wichtigste aus dem Video
Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.
Transkriptautomatisch erstellt · 376 Zeilen
- Er hat eine glänzende Karriere als Molekulargenetiker aufgegeben zugunsten eines Kenlebens in einem Kloster in Nepal. Er landet mit seinen Büchern
- regelmäßig Bestseller. Er ist ein enger Vertrauter und Übersetzer des Dalai Lama und Neuropsychologen haben ihn zum glücklichsten Menschen der Welt erklärt.
- Matthieu Ricard. Der buddhistische Mönch nimmt sich Zeit für ein Gespräch mit mir hier in Paris, wo er aufgewachsen ist. Bonjour monsieur.
- Bonjour Monsieur R. Wenn ich so glücklich werden möchte wie Sie, womit sollte ich heute noch anfangen?
- Sie können die glücklichste Frau der Welt werden, wenn Sie das Glück dort suchen, wo es sich befindet. Das Problem ist oft, dass man ihm den
- Rücken kehrt. Man wünscht sich das Glück, aber man wendet sich von ihm ab. Man möchte nicht leiden, aber oft läuft man auf das Leiden zu.
- Doch was ihre Einleitung betrifft, es waren nicht die Neurowissenschaftler, die mich den glücklichsten Menschen der Welt nannten, es waren die Journalisten.
- Einen solchen Scherz würde sich die Wissenschaft nicht erlauben. Warum ist es ein Witz?
- Das stammt aus einem Dokumentarfilm eines australischen Fernsehsenders, der gedreht wurde, während wir in Madison mit Richard Davidson die Auswirkungen
- der Meditation auf das Gehirn studierten. Insbesondere wenn Meditierende wie ich und manche andere über die altruistische
- die nächsten Liebe meditierten. werden gewisse Bereiche des Gehirns intensiv aktiviert, viel intensiver als das, was die Neurowissenschaft bisher
- hatte messen können. Das betraf vor allem mich und ein gutes Dutzend weitere Meditierenden Männer, Frauen, Mönche und Leihen aus Ost und
- West. An mir war also nichts besonderes und es ging auch nicht ums Glück, sondern um das Mitgefühl und die altruistische
- Liebe. Und in diesem Dokumentarfilm heißt es nun im Kommentar: "Dieser Mensch ist vielleicht der glücklichste der Welt." Daraus hat eine englische
- Tageszeitung eine Schlagzeile gemacht und die hat sich dann überall verbreitet. daran ist also nichts Wissenschaftliches
- aber interessant ist ja schon, dass in diesen Studien an der University of Winconsin unter diesem Professor Richard Davidson, da wurde schon klar, dass eben
- in ihrem Hirn ganz spezielle Dinge ablaufen. Man sieht auch, dass die wirklich die Morphologie, die Struktur des Hirns sich verändert haben. Der
- Mandelkern war offenbar kleiner, der ist zuständig für die Regulierung der Angst. Also offenbar hat Meditation doch enorme Effekte auf das menschliche Gehirn.
- ganz bestimmt und die ist nicht nur bei mir, sondern bei allen, die ihren Geist trainieren. Am Anfang wurden diese Studien natürlich
- an Personen gemacht, die zwischen 10 000 und 60.000 Stunden meditiert hatten. Da sieht man tatsächlich funktionale und strukturelle Veränderungen in
- Hirnregionen, die ihr Volumen und ihre Dichte verändern. Man stellt auch physiologische Veränderungen fest, etwa eine Stärkung
- des Immunsystems. Was aber vielleicht für die Menschheit noch interessanter ist, ist der Umstand,
- dass man gesehen hat, dass vier ja sogar schon zwei Wochen Meditation von täglich 30 Minuten, z.B. will über das Mitgefühl bereits das soziale Verhalten stärken,
- Entzündungsreaktion vermindern und auch, wie sie gesagt haben, bereits nach zwei Wochen ein wenig die Größe des Mandelkerns verringern, der mit Angst
- und Zorn mit Angriffs und Fluchtreflexen, also mit instinktiven Regungen zu tun hat.
- Man sieht also, dass es keine 50.000 Stunden Meditation braucht. Man stellt sehr schnell Veränderungen fest. Aber trotzdem ist es Arbeit. Man müsste
- also doch meditieren. Sie sagen jetzt vielleicht nicht so lange wie sie, aber man müsste meditieren. Nehmen wir mal an, man könnte diese Veränderung des
- Gehirns auch erreichen mit einer kleinen Operation. Würden Sie sagen, das ist auch zulässig oder gilt hier der Weg ist das Ziel?
- Das wäre eine zu starke Vereinfachung. Eine Operation von was? Einen Teil des Gehirns amputieren. Es ist nur ein Gedankenspiel.
- Wenn sie einen Teil des Gehirns herausschneiden, kommt das nicht gut heraus. Im Allgemeinen sind die Folgen katastrophal.
- Es geht ja nie nur um einen kleinen Teil des Gehirns. Die wichtigste Eigenschaft des Gehirns ist, dass zwischen seinen Regionen ein
- ständiger, durchgehender und synchroner Austausch stattfindet. Es gibt im Gehirn keinen Kontrollposten. Es gibt kein Ich als Kommandostelle.
- Es gibt nicht eine Region für das Mitgefühl oder für das Glück. Alles ist miteinander vernetzt. Für jeden Gemütszustand, für jede Art
- des Denkens, für die Angst, den Torn, die Überraschung, die Freude, die Traurigkeit, das Mitgefühl, der Empathie, ist es immer ein Zusammenspiel
- von Regionen, die miteinander in eine entsprechende Beziehung treten. Darum ist die Idee, dass man da Elektroden einsetzen könnte, unmöglich.
- Es braucht ein umfassendes Einüben der Funktion des gesamten Bewusstseins. Man merkt, wenn man ihnen zuhört, dass sie die Materie ganz genau kennen, sie
- sind ja eigentlich auch ursprünglich Naturwissenschaftler und wenn wir über Ihren Weg sprechen, dann ist es ja tatsächlich so, dass sie eine große
- Karriere aufgegeben haben als Molekulargenetiker. Sie haben am Institut Pasteur studiert, promoviert bei einem Nobelpreisträger
- und irgendwann war es soweit, dass sie gesagt haben, jetzt ist hier fertig. Mein Weg geht hier nicht weiter, sondern mein Weg geht weiter in Nepal und sie
- haben ihre Sachen gepackt. Wie ist es dazu gekommen? Ja, ich spreche lieber vom Kofferpacken als von Verzicht,
- denn verzichten, das bedeutet so etwas w eine Tür zu knallen in Bettel hinschmeißen. Mir gefällt das Bild von der Reise besser. Man ist in einem Tal,
- steigt auf einen Hügel, entdeckt ein neues Tal und steigt dahinter. Man entdeckt etwas Neues. Es ist aber nicht so, dass man das vorherige Teil negiert,
- gering geschätzt oder darauf verzichtet hätte. Es folgt einfach eine neue Etappe im Leben. Was mich zu meinem Schritt bewegte, war
- folgendes: In meiner Jugend hatte ich viel Glück, dank meinem Vater, einem Philosophen, und meiner Mutter, einer Malerin, sowie
- meinem Onkel, einem Entdecker. Ich selbst machte klassische Musik. Es gab die Wirkungsstätten bedeutende Wissenschaftler. So lernt sich eine
- Reihe von Persönlichkeiten kennen, die eine jede in ihrem Bereich große Kapazitäten waren. Große Mathematiker, große Künstler.
- Doch merkwürdigerweise gab es keine Entsprechung in dem Sinne, dass z.B. ein großer Mathematiker auch ein guter Mensch sein musste. Unter 100 Gärtnern,
- 100 Musikern und 100 Philosophen fand man überall gleich viel äußerst warmherzige, sympathische wie auch sehr schwierige Menschen. Da gab es keinen
- Zusammenhang. Als ich hegen nach Indien aufbrach, um den großen spirituellen Lehrern zu
- begegnen, die aus dem besetzten Tibet geflohen waren, kam es mir vor, als gäbe es da 20 Sokrates, 20 Franz von Asis, die in unserer Zeit lebten. Da fand ich
- die vollkommen Übereinstimmung zwischen dem, was sie lehren und dem, was sie leben. Ein großer spiritueller Lehrer, der
- wütend ist, das geht nicht. Der Botschafter muss gleichzeitig die Botschaft sein. Zu jeder Zeit muss diese Person das verkörpern, was sie vertritt
- und was sie lehrt. Das ist inspirierend. Man bemüht sich nicht einfach, Klavier zu spielen wie eine bestimmte Person.
- Man strebt danach möglichst das zu werden, was diese Person ist. Das heißt, gerufen hat sie eigentlich nicht eine Theorie oder die der Wunsch
- auszusteigen, sondern es waren Personen, die sie begeistert haben. Aussteigen. Das tut man aus einer Welt, in der man keine Befriedigung findet, wo
- man das tägliche Streben nach Reichtum, Macht und Ruhm satt hat, weil es keine Erfüllung bringt.
- Bei mir war es viel mehr eine positive Inspiration. Ich fand Menschen, welche die Weisheit, das
- Mitgefühl, die innere Freiheit und eine Wachheit verkörperten. Und das hat mich mehr inspiriert als das Studium der bakteriellen Zellteilung.
- Nichts gegen die bakterielle Zellteilung. Aber mir schien ein besserer Mensch zu werden, dass er ein besserer Gebrauch
- meiner Existenz und ihr Vater, sie haben ihn schon erwähnt, er war Philosoph, er war in
- Frankreich eine ganz wichtige intellektuelle Stimme. Jean François Rövel ist gestorben 2006. Sie haben mit ihm zusammen auch ein Buch geschrieben,
- das ein fulminanter Erfolg in Frankreich und später in vielen anderen Ländern war. der Mönch und der Philosoph, ein Dialog zwischen Vater und Sohn, auch ein
- Dialog zwischen Buddhismus und Abendland und dieser Vater schreibt hier im Vorwort, sie erwähnen es später auch in ihren Büchern, dass er eigentlich am
- Anfang auch enttäuscht war, bis sogar ein klein bisschen verärgert. War das schwierig für sie als Sohn damit umzugehen, dass ihr Vater von der
- großartigen Karriere seines Sohnes geträumt hat? Er war nicht böse, aber enttäuscht und traurig.
- Er fand, das sei eine Verschwendung, aber er hatte die Größe daraus, kein Drama zu machen, denn ich mag keine Dramen. Er war also
- überhaupt nicht glücklich. Er hat sich sogar bei einem Freund ausgeweint. Er glaubte, dass ich daran sei, mein Leben zu verpfuschen. Doch sehr bald sagte er,
- du bist 26, du kannst dein Leben selber wählen. Wenn man daran denkt, was Eltern sich für ihre Kinder wünschen. Man sieht
- heute so viele Eltern, die beunruhigt oder traurig sind, weil ihre heranwachsenden Kinder nicht wissen, was sie mit ihrem Leben anfangen sollen und
- sich in alle möglichen Exzesse stürzen oder unmotiviert sind. Doch bald hat mein Vater begriffen, dass ich erfüllt war von einer großen Freude
- und Begeisterung für das, was ich machte. Er sah, dass ich mich mit der Erhaltung von Texten beschäftigte und in meinem neuen Leben aufblühte.
- Was können sich wohlwollende Eltern besseres wünschen? Von nun an war er sehr beruhigt und wir waren nie böse aufeinander.
- Er schreibt es auch im Vorwort des Buchs. Die einzigen Wolken, die über unsere Beziehung hinwegzogen, waren jene des
- indischen Monséon und ihre Mutter. Ihre Mutter war, sie haben schon erwähnt, Künstlerin. Andre
- Bröton hat sie erwähnt in gewissen Manifesten. Sie sind überhaupt in einer sehr künstlerischen Familien aufgewachsen. Sie haben Igor Strawinski
- persönlich kennengelernt. Viele Louis Buuel ging in ihrem Haus ein und aus. Viele ganz ganz berühmte Persönlichkeiten, die sie auf ihrem Weg
- angetroffen haben. Wenn wir jetzt überlegen, Sie hätten ein anderes Leben gehabt, denken Sie, das alles hat eigentlich dazu geführt, dass Sie diesen
- Weg gegangen sind? War das hilfreich für Sie? sich so zu entwickeln oder denken sie ganz egal wie sie aufgewachsen wären, dieser innere Ruf hätte sie
- sozusagen zu ihrem Entscheid gebracht. Es heißt ja, der Flügelschlag eines Schmetterlings in Brasilien kann das
- Wetter in Europa verändern. Jedes Ereignis im Leben rüttelt am Gleichgewicht oder ist eine Wegkreuzung.
- Nachdem ich nun 40 Jahre im Himalaya gelebt habe, ist es äußerst schwer zu sagen, ob ich da wäre, wo ich bin, wenn damals etwas anders gelaufen wäre. Das
- war nicht vorauszusehen. Ich weiß nur, dass mich damals die Dokumentarfilme über die großen tibetischen Meister, die ich als
- 20-jähriger sah, außerordentlich inspirierten. Ich glaube nicht, dass meine Vergangenheit dabei eine große Rolle
- spielte. Vielleicht lag es in meiner Natur, dass mich diese Bilder unglaublich inspirierten und ich den Wunsch verspürte, diese Meister
- kennenzulernen. Welchen Einfluss die Bekanntschaft mit Philosophen und Künstlern hatte, da gibt
- es nicht zwingend einen Zusammenhang. Ich hätte ein Arbeitersohn sein können. Ich wollte Medizin studieren, habe dann aber Naturwissenschaften studiert. Ich
- glaube, es lag an der Kraft dieser Bilder, dass ich Mönch geworden bin, unabhängig von meiner sozialen Herkunft. Wenn ich die gleichen Gene und die
- gleiche mentale Veranlagung gehabt hätte, hätten mich diese Bilder auf jeden Fall inspiriert. Aber das sagt sich jetzt so. Doch hätte
- ich dann auch die Gelegenheit gehabt in einem bestimmten Augenblick diese Bilder zu sehen? Jedes Ereignis hat seinen Platz im Leben. Man kann die Geschichte
- nicht umschreiben. Ich weiß nicht, was geschehen wäre. Der Buddhismus und sie sind heute buddhistischer Mönch, kennt ja die Idee
- der Reinkarnation. Gibt es auch so etwas wie die Idee der Vorherbestimmung oder sind wir überhaupt frei darin, was aus uns wird?
- Die Frage ist viel komplexer, als es den Anschein macht. Das Wort Reinkarnation ist kulturell sehr befrachtet.
- Es herrscht die Vorstellung, dass eine Persönlichkeit ein Ego von einer Existenz zur anderen springt. Im Buddhismus gibt es das Ego im Jetzt
- nicht. So kann es sich auch nicht reinkarnieren. Das Bewusstsein ist ein dynamischer
- Fluss von mentalen Ereignissen. Es gibt keine Wesenheit im Zentrum dieses Flusses, das einzelnes losgelöstes Ich wäre.
- Da gibt es also kein Individuum, das sich reinkarniert. Die eigentliche Frage ist folglich, die nach dem Wesen des Bewusstseins.
- Das anerkennen heute sogar Philosophen, Phänomenologen und Neurowissenschaftler, auch wenn sie durchaus ihre eigenen Hypothesen und Vorstellungen haben. Das
- Bewusstsein als eine Tatsache, die aber von einer rein reduktionistischen physikalischen Warte aus kaum zu erklären ist.
- Sie stehen da im Clinch mit jeden Philosophen, die sagen, dass dies eine unzulässige Vereinfachung sei.
- Die Frage ist sehr offen und weilreichend. Der Buddhismus sagt, dass das Universum ohne Anfang und Ende ist und die Erscheinungen nicht aus dem
- Nichts kommen können, dass eine stetige Transformation stattfindet und nicht eine Schöpfung aus dem Nichts.
- Desgleichen, was das Bewusstsein betrifft, kann dieses nicht aus dem Nichts entstehen und auch nicht ins Nichts zurückfallen.
- Alles befindet sich in einer Kontinuität. Das ist alles recht kompliziert. Ich wollte gerade sagen, ich kann das
- eigentlich gar nicht denken. Wir sind doch gar nicht in der Lage etwas zu denken, was nie angefangen hat und nie aufhört.
- Im Gegenteil, sogar der Philosophont Russell sagt, dass ein Universum ohne Anfang zwar eine schwierige Vorstellung, aber durchaus nicht unvereinbar sei mit
- der Logik. Was logisch schwer vorstellbar ist, ist ein Universum, das angefangen hat. Komm drauf an, ob man einen Gott setzt.
- Ja, aber woher soll der kommen? Gottes Im Buddhismus heißt es auch eine Million von Ursachen kann nicht zur Existenz bringen, was nicht existiert. Denn mit
- dem Begriff des Nichts versucht man zu fassen, was die Abwesenheit der Welt der Erscheinungen wäre. Das ist eine intellektuelle
- Betrachtungsweise. Die Abwesenheit der Welt der Erscheinungen ist eine Vorstellung. Das Konzept der Abwesenheit kann nicht eine
- Ursache sein. Man kann also sagen, eine erste Ursache kann es logisch nicht geben, denn eine Ursache ohne Ursache macht keinen Sinn.
- Eine Ursache, die alle Ursachen enthält, müsste dauernd die Gesamtheit der Welt erschaffen.
- Die Buddhisten führten, als sie noch keine Beziehung zum Christentum und zum Islam hatten, eine große logische Diskussion mit der hinduistischen
- Metaphysik, um diesen Begriff der ersten Ursache zu dekonstruieren und seine Unlogik zu beweisen. Und Logiker wie Bertrand Russell sind der gleichen
- Ansicht. Der Buddhismus geht noch weiter, weil er sagt, das Problem ist nicht vom nichts zu etwas wirklich existierendem
- überzugehen. Der Buddhismus sagt ähnlich wie die antike Physik: "Die Welt der Erscheinungen sind Ereignisse, nicht
- Dinge, sondern Beziehungen." Die Welt tritt wohl in Erscheinung. Sie ist aber in Wahrheit nicht so festgefügt, wie wir sie wahrnehmen. Sie entbehrt der
- eigentlichen Existenz, aber sie erscheint. Das ist gar nicht so unvereinbar mit der antiken Physik. Denn in der antiken Physik gibt es die
- Dualität zwischen Partikel und Welle. Eine Welle ist überall. Ein Partikel hat ihren Ort. Eine Erscheinung kann also nicht
- wesensmäßig Partikel und Welle sein, weil die beiden unvereinbar sind. Die Erscheinung erscheint als dieses und erscheint als jenes, aber es entbehrt
- der eigentlichen Existenz. Das mag etwas kompliziert sein, aber der Buddhismus kennt das Problem der Schöpfung nicht, weil die Welt der
- Erscheinungen keine feste Realität besitzt. Sie sind ein enger Vertrauter und Übersetzer seiner Heiligkeit des Dalai
- Lama. Er wird in diesen Tagen 80 Jahre alt werden und der Dalai Lama giltet ja als erleuchtete ein sogenannter Bodisatwa.
- Was heißt es erleuchtet zu sein? Ich bin nicht sein Berater, sondern sein Schüler und sein Übersetzer.
- Erleuchtet oder erweckt, es heißt, der Buddha war kein Prophet und kein Heiliger, sondern ein Erweckter. Es heißt, er sei aus dem Schlaf der
- Unwissenheit erwacht. Die Unwissenheit bedeutet nicht etwa, das Telefonbuch nicht auswendig zu kennen. Die Unwissenheit ist eine
- Verzerrung der Realität, nämlich zu denken, dass die unbeständigen Erscheinungen beständig
- sein, dass sie eine eigentliche Existenz besäßen, zu denken, dass es ein einzelnes selbständiges Ich im Fluss des Bewusstseins gäbe.
- Dies alles ist eine Verzerrung der Realität. Diese Verzerrung kann allmählich zum Leiden führen. Die Erweckung oder Erleuchtung ist auch
- ein vollkommenes Wissen und dieses geht einher mit einer Ausmerzung der sogenannten geistigen Gifte. Warum Gifte?
- Weil sie unser Leben und jenes der anderen vergiften. Hass, Habsucht, Neid und Eifersucht, Hochmut und Arroganz, Gedankenlosigkeit,
- all dies führt unvermeidlich ins Leiden. Die Erweckung bedeutet also vom Zustand des Schlafes, wo man der Sklave all dieser negativen Gemütszustände ist, zur
- inneren Freiheit zu gelangen. Freiheit der Erkenntnis, des vollkommenen Freiseins von Hass, von Harbsucht, Neid und so weiter.
- Das ist Erweckung, der Zustand vollkommenen Wissens von Klarheit und Erleuchtung, die nicht getrübt ist von Wolken des Unwissens.
- Und wie merkt man, dass man erleuchtet ist? Man sagt, das sei offenkundig. Nehmen wir an, der Himmel seit 100 Jahre
- lang von Wolken bedeckt. Und eines Tages fegt der Wind die Wolken weg. Blauer Himmel, Sonnenschein. Das ist offenkundig.
- Wenn keine Spur von Hass herrscht, von Hochmut, von Neid, dann sind das die Zeichen. Daran ist nichts geheimnisvolles. Es ist
- der Höhepunkt der Ausmerzung von Unwissenheit und geistigen Giften. Und wir alle haben ja die Gelegenheit im Buddhismus unser Karma äh zu verbessern.
- Also in dieser ganzen in diesem Leben, in dem wir drin stecken, sie mich an diesem Karma zu arbeiten, so dass wir eigentlich dann im nächsten
- Leben vielleicht auf einer höheren Stufe reinkarniert werden. Wobei es ist nicht das nächste Leben, weil sie ja eben sagen, es ist keine Seelenwanderung.
- Aber korrigieren Sie mich, wenn ich es falsche. Sie haben auch die Vorbestimmung angesprochen, damit es nicht ein
- Schicksal gemeint, das von einem göttlichen Wesen beschlossen wurde. Das Karma ist lediglich das Gesetz von Ursache und Wirkung.
- Wenn ich etwas in die Luft werfe, fällt es wieder herunter. Werfe ich einen Stein in die Höhe, fällt er mir auf den Kopf.
- Wenn ich vergesse, dass ich den Stein geworfen habe, frage ich, warum ist mir ein Stein auf dem Kopf gefallen?
- Das Karma ist das Gesetz von Ursache und Wirkung von Intentionen, also ob ich eine böse Absicht habe oder eine gute. Es gibt die gewöhnlichen Gesetze von
- Ursache und Wirkung, die Schwerkraft z.B. Wenn ich etwas fallen lasse. Beim Karma geht es um Ursache und Wirkung im Zusammenhang mit Glück und Leid. Diese
- Zustände werden größtenteils durch unsere guten oder bösen Absichten verursacht. Es geht also um einen Teilbereich der Gesetze von Ursache und
- Wirkung, der mit Glück und Leid und deren Ursachen zu tun hat. Es handelt sich also nicht um eine Vorbestimmung, sondern um die Folgen der Vergangenheit.
- Von allem, was ich in der Vergangenheit getan habe, trage ich heute die Folgen. Aber nichts ist mir auf immer vorbestimmt. Ich selbst bin der
- Architekt meiner Zukunft. Jeden Tag stehe ich am Scheideweg. Gehe ich hinauf, hinunter, nach rechts oder nach links?
- Die Frage ist also nicht die nach all den künftigen Leben, sondern nach diesem Leben. Ein besserer Mensch zu werden bedeutet in erster Linie das Wohl der
- anderen zu gewährleisten und deren Leiden zu lindern durch Altruismus und Mitgefühl. Und es ist auch das beste Mittel, dass wir selbst in unserem
- Dasein aufblühen, denn die Jagd nach einem egoistischen Glück funktioniert nicht. Sie haben in diesem Buch ähm übers Glück
- stellen Sie sehr schön da, was es alles braucht, um eine glücklichere Existenz zu leben vor einem buddhistischen Hintergrund. Wobei es kein Buch ist, bei
- dem es allein um den Buddhismus geht, sondern es soll auch eine Anleitung sein, etwas zum zum von Buddhismus zu lernen, wenn man selber nicht Buddhist
- ist. Aber wenn man dieses Glück jetzt im heutigen Leben für sich realisieren möchte, dann ist es eigentlich gar nicht mehr so sehr das Ziel sozusagen für
- spätere Existenzen das Karma zu verbessern, sondern es geht immer auch um unser Leben, dass wir heute glücklich sind.
- Es geht um beides. Wenn Sie die Ursachen des Leidens vermeiden wollen, gilt dies heute, für morgen, für ein ganzes Leben. [Musik]
- Und wenn Sie sich vorstellen, dass es noch weitere Leben geben wird, so gilt das auch für alle kommenden Leben. Es ist immer eine Frage von Ursache und
- Wirkung. Die einen Handlungen, Gedanken oder Worte bringen Leiden für andere oder für uns selbst. Die anderen bringen Glück. Das ist ein ewiges Gesetz.
- Ich bin buddhistischer Mönch und bin damit glücklich und ich halte mich an meine
- geistigen Lehre. Und dieses Buch, wie auch das neue Buch über den Altruissmus, an dem ich 5 Jahre
- gearbeitet habe und das demnächst auch auf Deutsch herauskommt, hat ein Mensch geschrieben, der sowohl Wissenschaftler als auch buddhistischer
- Mönch ist. Ich habe dabei versucht, ein möglichst breites Spektrum abzudecken und alles zu prüfen, was über das Glück geschrieben wurde aus philosophischer,
- naturwissenschaftlicher, soziologischer, psychologischer Sicht. In diesem Buch über den Altruismus führe ich an einer Stelle auch die Sichtweise
- des Buddhismus an, aber es ist kein Buch über den Buddhismus. Es wurde von einem Menschen geschrieben zu einem großen Thema, das Glück oder der Altruismus.
- Ich habe mich in allen Disziplinen umgesehen nach den interessantesten Elementen über die Ursachen des Glücks. Eines der größten Missverständnisse
- scheint mir zu sein, das Glück sei identisch mit dem Vergnügen. Vergnügen ist gut und recht, aber es gewährt keineswegs das Glück. Nehmen wir
- eine überaus angenehme Situation, etwa eine heiße Dusche nach einer Bergtour. äußerst angenehm, aber stünden wir 24 Stunden unter einer heißen Dusche, wäre
- das überhaupt nicht mehr angenehm. Das Vergnügen wechselt, ist flüchtig, nützt sich ab und es ist nicht dasselbe wie das Glück. Das Glück ist eine
- Seinsweise, die sich aus einem Zusammenspiel von Eigenschaften ergibt, der altruistischen Liebe, der inneren Freiheit, der Seelenstärke, dem inneren
- Frieden. Etwas, was schon John Stewart Mill im Vergleich zu Jeremy Bentham immer herausgestrichen hat, dass es beim Glück oder beim Wohlergehen diese
- verschiedenen qualitativen Abstufungen gibt. Aber was mich sehr interessiert ist, sie haben sich ja immer auch für die Tiere eingesetzt und gesagt, sie
- haben dazu auch Bücher geschrieben. Ähm, der Umgang mit den Tieren ist ihnen wichtig, dass wir fair umgehen mit Tieren, dass wir Tiere das Wohl der
- Tiere auch mit einbeziehen. Müssen denn die Tiere in dieser ganzen Kette des wiedergeboren werden, zuerst auch ein Mensch werden oder kann ein Tier direkt
- auch erleuchtet werden oder steigen alle auf langsam in diesem Radia die Menschen?
- Alle Lebewesen mit einem Bewusstsein sind aus der Sicht des Buddhismus bese Wesen und sie sind wesensmäßig gleich wie Buddha.
- Es gibt keinen Unterschied. Sie haben lediglich mehr oder weniger Möglichkeiten, dieses Wesen zur Geltung zu bringen.
- Es ist wie mit einem Goldklumpen, der im Boden vergraben liegt. Man muss ihn ausgraben, waschen und polieren, damit er in vollem Glanz erstrahlt.
- Dafür braucht es eine Unterweisung. Man muss darüber nachdenken, meditieren, sie verinnerlichen. Tiere sind Lebewesen, die diese
- Eigenschaft besitzen, aber nicht die Möglichkeit haben, sie zur Geltung zu bringen.
- heißt also, dass die menschliche Existenz außerordentlich wertvoll ist, weil sie möglich macht, dass man dank der intellektuellen Fähigkeiten einen
- Weg der Verwandlung gehen, Unterweisungen umsetzen und die Erleuchtung erlangen kann. Dabei ist aber zu sagen, dass die Tiere keineswegs
- untergeordnete Wesen sind, mit denen man machen kann, was man will. Hier stoßen wir auf einen enormen ethischen Zwiespalt in unserer Zeit. Wir
- haben zwar beachtliche Fortschritte auf dem Gebiet der Menschenrechte erzielt, der Wert des Menschenlebens ist praktisch unbegrenzt, weil
- unverhandelbar. Das menschliche Leben darf man nicht vermarkten, wie zu Zeiten der Sklaverei. Und auch wenn solches noch vorkommt, ist
- es weltweit verboten. Die Achtung der Menschenrechte ist also nicht verhandelbar.
- Hingegen weiß man aus der Evolutionslehre, dass es eine kontinuierliche Entwicklung gibt und dass diese Lebewesen Schmerz empfinden
- und am Leben bleiben und nicht leiden wollen. Trotzdem messen wir den Tieren keinerlei Wert an sich zu, außer einem
- kommerziellen. besteht also ein enormer ethischer Widerspruch zwischen der totalen Achtung
- vor dem menschlichen Leben und der Abwertung des tierischen Lebens zur bloßen Handelsware.
- Es werden jedes Jahr 65 Milliarden Tiere zu Land und tausend Milliarden Meerestiere getötet. Zu unserem Verzehr, zu unserem Vergnügen für unsere
- Bekleidung. Von daher dürfen wir uns wohl kaum als eine Zivilisation mit einer kohenten Ethik betrachten, wenn wir diese Frage nicht lösen. Sie leben
- gänzlich vegan. Gewiss. Welche Regeln gibt es sonst, die Sie als Mönch befolgen müssen?
- Der Grund, warum ich vegan lebe, ist, weil ich kein Leiden essen will. Ich will mich nicht ernähren vom Leiden und vom Tod anderer. Umso weniger als dies
- gar nicht nötig ist und allen schadet. zuerst in Tieren, dann aber auch der Umwelt. Die Fleischproduktion ist mit 15% die
- zweitgrößte Quelle von Treibhausgasen, die zur Klimaerwärmung beitragen, gleich nach den Behausungen und noch vor dem Verkehr.
- Sie verschärft die Armut, weil 700 Millionen Tonnen Getreide aus Südamerika und Afrika in die reichen Länder verfrachtet werden.
- Sie schadet auch der menschlichen Gesundheit. Wir sehen also alle verlieren dabei.
- Aber es würde mich interessieren, welche anderen Regeln befolgen Sie als als Mönch? Was gehört für Sie dazu? Wie ist Ihr Leben ausgestaltet? Nach welchen
- Regeln müssen Sie ihren Alltag gestalten? Vegetarier oder Veganer zu sein ist keine monastische Regel, sondern eine
- persönliche Entscheidung. In unserem Kloster verwenden wir zwar keine tierischen Produkte, aber das ist keine Vorschrift.
- Hingegen gibt es grundlegende Regeln nicht nur für Mönche, sondern für jeden Buddhisten, z.B. nicht zu töten, nicht zu lügen, wie auch sonst jede einfache
- und natürliche ethische Regel. [Musik] Ich
- persönlich habe das Mönchsleben gewählt, um die Freiheit zu finden. Wenn ich eine Familie hätte, könnte ich mich nicht für Jahre in die Berge zurückziehen, weil
- ich den meinen Unrecht hätte. Ich habe also diese Freiheit gewählt, aber das ist eine sehr besondere Wahl. Man braucht überhaupt nicht Mönch zu werden,
- um den geistigen Pfad zu beschreiten. Zwei meiner wichtigsten Lehrer waren keine Mönche und hatten Familie. Das Mönchsleben ist zwar keine Kleinigkeit,
- aber es ist eine persönliche Entscheidung. Man kann den buddhistischen Weg in seiner Gesamtheit gehen, bis zur Erleuchtung, ohne Mönig
- zu werden. Die meisten meiner Freunde im Westen, die sich drei, sechs oder 9 Jahre zurückgezogen haben, sind im Allgemeinen keine Mönche oder Nonnen.
- Der Buddhismus ist für mich so etwas wie auch ein Blick ins Innere, eine Vertiefung und es gibt immer auch einen anderen Blick, den sie interessiert hat,
- nämlich der Blick durch die Linse. Sie sind nämlich auch Fotograf und sie sind ein so guter Fotograf, dass einer der ganz großen Fotografen des 20.
- Jahrhunderts Henri Cartier Brüöson sie schlussendlich eigentlich zu seinem Freund auch gemacht hatte, hat Ihnen auch ein Buch gewidmet.
- Wie ist dieser Blick durch die Linse entstanden für Sie? Weshalb sind Sie Fotograf geworden und was bedeutet Ihnen das Fotografieren?
- Zuerst ging es mir vor allem darum, die Schönheit dessen zu dokumentieren, was ich sah. Die Schönheit derer, denen ich begegnete, die innere Schönheit meiner
- geistigen Lehre, um sie zu dokumentieren, aber auch die Schönheit der Natur, um in Bezug auf die menschliche Natur
- etwas Hoffnung zu verbreiten. Wir tendieren sehr dazu, nur die Schattenseiten der menschlichen Natur zu sehen und zu sagen, wie grundschlecht
- und egoistisch der Mensch sei. Das ist natürlich reine Ideologie, denn keine wissenschaftliche Studie hat jede Hypothese des universellen Egoismus
- gestützt. Um also die Hoffnung zu verbreiten, dass wir in uns das Potenzial zur Güte und
- zum Altruismus haben, muss man Gesichter zeigen, welche diese Liebe und dieses Mitgefühl ausdrücken. Und auch um die Harmonie der Natur zu zeigen, weil ja
- die große Herausforderung unserer Zeit das Umweltproblem ist. Wir entscheiden heute über das Schicksal der künftigen Generationen. Bei der Geschwindigkeit,
- mit der wir heute vorangehen, werden bis 2050 30% der Arten verschwunden sein, die Menschen zu inspirieren und zu entzücken
- von der Schönheit der Natur und von der Schönheit derer, die dieses Mitgefühl und diese Weisheit ausstrahlen. Das bedeutet Hoffnung zu geben. Dafür habe
- ich diese Bilder gemacht. Ich möchte gerne ein Bild mit Ihnen ansehen, das mich sehr berührt hat. Sie ist aus ihrem Klosteren
- in Nepal. Was sehen wir hier? Was machen diese Mönche? Das ist der Schluss einer großen Feier, die a Tage und acht Nächte ohne
- Unterbrechung dauert. Also diese Mönche schlafen nicht dazwischen.
- Tagsüber von 7 Uhr morgens bis 7 Uhr abends sind alle 500 Mönche des Klosters zugegen und in der Nacht wechseln sie sich gruppenweise ab. Man schläft jede
- Nacht etwa 3 Stunden. Am letzten Tag gibt es draußen vor dem Kloster eine Prozession, wie man hier sieht. Leider wurde jetzt dieses Kloster durch das
- Erdbeben in Nepal stark beschädigt. Man wird es größtenteils wieder aufbauen müssen.
- Das wollte ich Sie auch noch fragen. Dieses furchtbare Erdbeben oder die mehreren Erdbeben, die sich ergeben haben in Nepal fast 9000 Todesopfer
- gefordert haben, viele Dörfer sind zerstört. Wie ist das für Sie als Buddhist? Im Christentum war das immer ein großes Thema, das sogenannte
- Theodeproblem. Wie kann man Gott rechtfertigen? Angesichts so furchtbare Ereignisse, wenn Gott doch allmächtig, allgütig und allwissend ist, müsste er
- das verhindern können. Wie geht ein Buddhist mit solchen furchtbaren Ereignissen um?
- Ein Buddhist hat kein Problem mit dieser Frage. Das ist das natürliche Gesetz von Ursache und Wirkung. Da ist niemand, der beschlossen hat, dass diese Wesen leiden
- sollten. Das ist ein Naturereignis. Leider geschehen Erdbeben oft. Hingegen wird der Buddhist sein Mitgefühl in die Tat umsetzen.
- Ich selbst habe insgesamt 5 Jahre Einsamkeit in Einederlein verbracht und versucht mich in Mitgefühl zu üben. Nun könnte man sagen, diese fünf Jahre
- bringen der Menschheit nicht viel. Aber wenn man dann das, was man eingeübt hat, versucht in den Dienst der anderen zu stellen, dann ist das doch von Nutzen.
- Ich habe vor etwa 15 Jahren zusammen mit dem Ab des Klosters die Organisation Karuna Sechen ins Leben gerufen. Karuna heißt Mitgefühl und wir pflegen heute
- 120.000 Patienten pro Jahr in verschiedenen Kliniken, die wir in Tibet, Nepal und Indien gebaut haben. 25 000 Kinder gehen in Schulen, die wir
- gebaut haben. Wir haben in Nepal eine Klinik mit 50 Personen und dazu noch Mönche, die sich ihnen angeschlossen haben. Und beim Erdbeben konnten unsere
- Leute 178 000 Personen in 450 Dörfern Hilfe leisten. Jede dieser rund 180.000 Personen erhielt Nahrungsmittel für zwei Wochen,
- ärztliche Hilfe und Schutzzelte. Als nächstes gehen wir nun an den Wiederaufbau der Schulen und andere Einrichtungen.
- Wir handeln also auch langfristig, um den Erdbebenopfern in den Dörfern rund um Katmandu zu helfen.
- Sie haben mich jetzt mehrere mal darauf aufmerksam gemacht, dass in vielerlei Hinsicht der Buddhismus im Grunde genommen den anderen Religionen
- vielleicht vorzuziehen ist, weil es dieses Gottes Problem nicht gibt. Es gibt kein Theodise Problem. Es gibt kein Problem mit dem Anfang und dem Ende des
- Universums. Tatsächlich haben ja viele Philosophen das auch so gesehen. Schopenhauer war einer, der den Buddhismus als bessere Religion sich
- vorgestellt hat, dem Christentum vorzuziehen. Und Nietzsche schlussendlich hat auch gesagt, Gott ist tot. Deswegen ist eigentlich die
- Religion des Buddhismus eine Religion ohne Gott und eine bessere Religion. Ist für sie der Buddhismus überhaupt eine Religion oder ist es eine Philosophie?
- Auch Einstein sagte, dass ihn unter den Religionen der Buddhismus am meisten anziehe. Ich finde es einen großen Irrtum zu behaupten, dass eine Religion
- den anderen überlegen sei. Wie auch der Dalai Lama sagt, keine Religion und keine Spiritualität wird je alle zufriedenstellen.
- Wenn alle Restaurants der Welt das gleiche Gericht anbieten würden, gingen die Leute nicht oft ins Restaurant. Die verschiedenen Spiritualitäten und
- Religionen entsprechen den verschiedenen Bedürfnissen und Veranlagungen der Menschen. Man soll seinen eigenen Weg gehen in vollem Respekt für die anderen
- Menschen und deren Religionen, die ihren Veranlagungen besser entsprechen. Ist der Buddhismus eine Religion oder nicht?
- Der Dalalama pflegt zu sagen, die Philosophen nennen den Buddhismus eine Religion, welche die Philosophie ausschließt. Und die Religionen sagen,
- der Buddhismus ist eine Philosophie, welche die Religion ausschließt. Der Buddhismus befindet sich also vielleicht weder da noch dort, aber das
- erlaubt ihm eine Brücke zu schlagen. Der Buddhismus ist ein Weg der Verwandlung. Er führt vom Leiden zur Befreiung, vom Leiden, vom Unwissen zur Erleuchtung,
- vom Egoismus zum Mitgefühl. Wenn wir mal bei diesem Bild der Speisekarte bleiben und sagen, es gibt sowas wie eine Speisekarte der
- Religionen, dann werden die Gerichte des Buddhismus zur Zeit sehr oft konsumiert. Ein gutes Beispiel dafür ist die sogenannte Achtsamkeitsbewegung
- Mindfulness. Das ist ein großer Trend, unter anderem inspiriert von John Kabat Zin, dem Amerikaner, der diese ganze Bewegung eigentlich losgetreten hat oder
- transformiert hat. Und in vielen Firmen werden mittlerweile Achtsamkeitskurse angeboten, unter anderem beim IT-Unternehmen SAP. Wir sehen einen
- Ausschnitt aus dem Film Die neue Achtsamkeit, den die Sternstunde Religion heute morgen gezeigt hat. Die Besonderheit des Kurses, den wir
- hier eingeführt haben, ist, dass der halt das sehr gut erklärt. Warum ist es im Business Kontext hilfreich? Und der neue Punkt hier ist, dass mit diesen
- Trainings, die wir anbieten, basierend auf Mindfulness, die emotionale Intelligenz gesteigert wird und daraus leitet sich der Business Case ab. Warum
- ist das fürs Unternehmen gut und warum ist es gleichermaßen für den Mitarbeiter gut? Achtsamkeit bei SAP hier in Deutschland,
- ich meine, der Peter hat es in den USA angefangen. Mir war das wichtig nach Deutschland zu bringen, weil es mehrere Merkmale hat, die uns sehr helfen werden
- in der Zukunft. Ähm, ich will nicht sagen, dass hier eine schlechte Stimmung ist, aber es ist doch eine Umbruchssituation, die Stress und
- Druck bei den Leuten verursacht. Und da verspreche ich mir von diesen Achtsamkeitstrainings einen anderen Umgang mit dieser
- Situation. Wenn die Leute über diese Achtsamkeitstrainings in der Lage sind in Konfliktsituationen oder
- Stresssituationen auf ihr gesamtes Potenzial zuzugreifen, weil sie nicht mehr blockiert sind, dann sind sie effektiver im Berufsalltag. Sie können
- mehr erreichen, sie können mehr leisten, dass wir das auch mit diesem Argument verkaufen können und nicht nur sagen, wir machen irgendwie was Gutes, was
- schönes, was edles, sondern es ist auch knallhart betriebswirtschaftlich sinnvoll. Da bin ich felsen fest davon überzeugt. Mirika, hat das für Sie noch
- etwas zu tun mit dem Kern des Buddhismus, mit dieser Idee der Meditation, die so wichtig ist?
- John Kabazin, einer meiner Freunde, hat mit diesen Übungen der Stressminderung durch Achtsamkeit im Krankenhausmilieu angefangen.
- Vor 35 Jahren stellte er in Spitern fest, die Leute litten sehr unter Stress und zwar sowohl Patienten wie Pflegepersonal.
- Er glaubte, diese Art von Intervention könnte ihr Leiden lindern. Das Programm dauerte 8 Wochen. Gemeinsam entspannten sich die Leute, machten etwas Yoga und
- atmeten in Achtsamkeit. Das löste ihre Ängste und ihren Stress. Da herrschte natürlich immer auch die gute Absicht, das Leiden zu lern.
- Das wurde zu einem weltweiten Erfolg und es ist sicher von großem Nutzen. Aber natürlich kann niemand behaupten, dass dies die Essenz des Buddhismus sei. Es
- ist eine sehr nützliche Technik, die aus dem Buddhismus stammt, die aber nicht für den ganzen Buddhismus steht. Im Krankenhausmilieö ist das
- unproblematisch, denn es geht ja darum, Leiden zu lindern. Wenn sie nun in einem Unternehmen das lindern, was diese Leute nannten, nämlich Stress, Spannungen,
- gut, aber er sprach auch von Effizienzsteigerung. Sie sehen, das kann verschiedenen Zwecken dienen.
- Ich habe einen Freund, der etwa 100 führende Leute von großen Firmen befragte, die sich zu einer Achtsamkeitsmeditation begeben hatten.
- Zu Beginn sagten sie, sie fürchteten, Zeit zu verlieren und weniger effizient zu sein, aber dann geschah, was sie nicht erwarteten. Ihre menschlichen
- Beziehungen verbesserten sich und ebenso ihre Urteilskraft, weil sich ihr Horizont weitete. Nun riskiert aber die Achtsamkeit, die
- einfach im Dienste der Firma steht, ihrer Komponente der rechten Gesinnung beraubt zu werden. Man kann sich ja auch einen achtsamen
- Söldner vorstellen, der mit seinem Gewehr schießt. Er ist voll und ganz bei sich. Er hat seine Gefühle unter Kontrolle. Er urteilt nicht, denn er
- tötet alle. Er kann auch ein Psychopath sein. Man muss also unbedingt von der Achtsamkeit in der rechten Gesinnung
- sprechen. Denn einen Söldner mit rechter Gesinnung, das gibt es nicht und auch einen Psychopathen mit rechter Gesinnung
- nicht. Ich habe neulich bei großen amerikanischen Firmen gesprochen, welche die
- Achtsamkeit praktizieren und ich sagte ihnen: "Bitte führt von Anbeginn weg diese Komponente der rechten Gesinnung ein und denkt nicht, dass ich diese
- automatisch einstellen wird." Ja, machen. Das heißt, es geht eigentlich nicht darum, einfach ein bisschen ruhig zu werden und effizienter zu sein,
- vielleicht besser schlafen zu können, sondern sollte immer gekoppelt sein an altruistische Momente. Das wiederum ist für mich steht für mich
- in einer gewissen Spannung zur Interpretation des Buddhismus, wie wir ihn auch immer wieder hier diskutieren in unseren breiten Graden. Max Weber,
- der große Soziologe, hat mal gesagt, Buddhismus ist eine Theorie der Weltverneinung. Er ist zwar sehr edel, aber ist
- eigentlich sehr apolitisch. Würden Sie sagen, er hat den Buddhismus vollkommen falsch verstanden? Das ist eine Verdrehung.
- Wer hat das gesagt? Max Weber. Im 19. und am Anfang des 20. Jahrhunderts herrschte ein totales
- Missverständnis in Bezug auf den Buddhismus. Weber fand ih nihilistisch, gleichgültig der Welt gegenüber. Dabei betrachet der Buddhismus den Nilismus
- als einen schweren Irrtum, also eine totale Verzehrung dessen. Buddhism.
- Nun, er war sicher sehr klug auf seinem Gebiet, aber er hat den Buddhismus nicht verstanden. Der Buddhismus spricht ja von der Realität als etwas, das
- erscheint, das also nicht das Nichts ist, das aber der eigentlichen Existenz entbehrt. Er ist also auch nicht der nackte Realismus, denn die Erscheinungen
- manifestieren sich, entdehren aber der eigentlichen Existenz. Es ist also weder Nichelismus noch Realismus. Andererseits gibt es auch niemals die
- Gleichgültigkeit gegenüber der Welt, denn der Kern, das Herz des Buddhismus, ist nicht die Achtsamkeit, sondern das Mitgefühl. Es ist die Weisheit und die
- altruistische Liebe. Wie die beiden Flügel eines Vogels. Wissen und Weisheit und die altruistische Liebe, das ist doch keine Gleichgültigkeit der Welt
- gegenüber. Mhm. Für sie ist das ja auch sehr wichtig, weil Sie glauben, man kann tatsächlich auch ein Stück weit die Welt, die Ökonomie, die Politik
- verändern zum Guten hin, wenn wir gewisse Ideen des Buddhismus übernehmen. Das ist eine Initiative auch des Mein anderen Life Institutes, eine
- Initiative, die auch seine Heiligkeit der Dal Lama gegründet hat. Sie sitzen da im Beirat. Es gibt ein neues Buch Mitgefühl in der Wirtschaft. Das haben
- Sie zusammen mit Tanja Singer herausgegeben. Da kann man nachlesen, was das für Sie heißt, in einem altruistischen Sinn äh wirtschaftlich
- tätig zu sein. Glauben Sie tatsächlich, das ist sozusagen ein Weg, mit dem wir die ganze die ganze Art und Weise wir zusammenlebend transformieren können?
- Es ist nicht der Buddhismus, es ist das Mitgefühl. Das Mitgefühl ist nicht das Eigentum des Buddhismus. Mitgefühl und Altruismus sind viel grundlegender. Die
- Religionen, der Buddhismus, das Christentum, der Islam, das Judentum, sie alle propagieren die Liebe auf einer zweiten Ebene. Auf der ersten Ebene
- wendet sich die Liebe an alle Menschen. Sein sie Buddhisten oder nicht, Christen oder Agnostiker oder Atheisten. Wir alle haben das Bedürfnis, Liebe und
- Mitgefühl zu geben und zu bekommen. Das ist an keine Religion gebunden. ist ein Grundbedürfnis jedes Menschen.
- Müsste man nämlich die wirtschaftlichen Probleme mit dem Buddhismus lösen, käme man nirgendwohin. Der Altruismus ist etwas ganz anderes. Das ist ganz einfach
- die rechte Gesinnung. Die rechte Gesinnung ist selbstverständlich der Kern des Buddhismus, aber auch des Christentums und jeder anderen Religion.
- Lassen wir also die Religion beiseite. Warum ist der Altruismus heute so wesentlich? Weil wir Mühe haben, drei Zeitvorstellungen unter einen Hut zu
- bringen. Die Kurzfristigkeit der Wirtschaft. Alles geht schnell, Tage, Monate, der Abschlüsse am Jahresende. Dann die Mittelfristigkeit, die
- Lebensqualität. Was mache ich aus meinem Leben? Wie erlebe ich meine Lebensqualität als Frustration oder als Entfaltung? Und schließlich die
- Langfristigkeit. Sie ist eine neue Herausforderung für die Menschheit, weil es um das Schicksal der kommenden Generation geht.
- Vor 10 000 Jahren gab es zwischen einer und 5 Millionen Menschen auf der Welt. Das war unproblematisch. Heute sind wir 7 Milliarden und unsere wissenschaftlich
- und technischen Möglichkeiten auf die Umwelt einzuwirken, haben sich verzehnfacht. Wenn aber Umweltexperten mit Ökonomen reden, sprechen sie nicht
- die gleiche Sprache. Was in 50 Jahren geschehen wird, interessiert der Ökonom nicht. Es braucht also ein Konzept, um das Kurz, das Mittel und das
- Langfristige miteinander zu verbinden. Das einzige funktionierende Konzept ist der Altruismus. Wenn wir die Mitmenschen vermehrt in
- unsere Erwegungen einbeziehen, schaffen wir die sogenannten Caring Economics, das heißt eine solidarische Wirtschaft der rechten Gesinnung. Wir können die
- Armut aus dem Reichtum herausbekämpfen und uns den gemeinsamen Gütern widmen der Qualität der Luft, der Meere und der Umwelt.
- Der Homoökonomikus, der nur seine eigenen Interessen verfolgt, kann dies nicht mehr tun. Mit mehr Altruismus verbessern wir das Zusammenleben, die
- Gerechtigkeit, vermindern das soziale Gefälle und kümmern uns vermehrt um die kommenden Generationen. Mhm. Diese Vision, die Sie haben, teilen
- Sie auch ein Stück weit mit Ernst Fair, der eben dieses Homoökonomikus Modell immer wieder kritisiert hat und für den Altruismus einsteht, der forscht an der
- Universität Zürich. Aber wie kriegen sie die Leute zu diesem Umdenken, von dem sie träumen?
- Es ist ganz anders. Ernst fair hat ja gezeigt, dass dreiviertel der Menschen bereit wären mitzumachen. Das Problem ist, wenn es keine Regulierung gibt,
- werden die Profiteure das System missbrauchen. Auch wieder Menschen, die das wir müssen also ein geeignetes Klima
- schaffen, damit die Menschen, die bereit sind mitzumachen und einander zu vertrauen, dies tun können. Es braucht also Regulierungen und Leitplanken.
- Ein anderer deutscher Ökonom Dennis Snower, Präsident des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel, spricht von diesen Caring Economics. Er sagt, dass
- der Homo Economicus die Armut niemals aus dem Reichtum heraus besiegen kann. Das große Problem aber ist nun einmal das soziale Gefälle. Dieses hat in den
- letzten 30 Jahren in allen OECD-Ländern zugenommen. Der Altruismus ist auch der einzige Weg, um der Umweltproblematik zu begegnen. Der Egoismus kann dieses
- Problem nicht lösen. In 100 Jahren werden weder sie noch ich mehr hier sein. Wenn uns die künftigen Generationen egal sind, gibt es freilich
- kein Umweltproblem. Es ist eine reine Frage von Egoismus oder Altruismus. Die großen Ökonomen wie Josef Steiglitz, der von der Ungleichheit spricht, pläieren
- für eine humanere, altruistischere Wirtschaft. Das ist nicht nur ein nobler Gedanke, sondern eine Notwendigkeit. Die egoistische Wirtschaft kann die Probleme
- unserer Zeit nicht lösen. Und trotzdem beginnt es ja bei jedem Individuum und ich habe kürzlich von Ihnen auf Twitter dieses diesen Tweet
- gesehen. Da sagen Sie 10 Sekunden einer Meditation ist so etwas wie 10 Sekunden Parfüm zu riechen. 10 Sekunden Meditation pro Tag, das wird
- ja wahrscheinlich nicht reichen. Was empfehlen Sie den Menschen, wenn sie jetzt eine Empfehlung abgeben können? Was sollen sie in ihrem Leben ändern,
- damit sich die Welt schlussendlich verändert? Idealerweise sollte man täglich 5 se Stunden meditieren. Diese 10 Sekunden
- sind nicht meine Erfindung. Das sagt einer meiner Freunde. Er heißt Jade Meng, arbeitet bei Google und hat das Projekt Search Inside yourself
- aufgebaut. Er ist Meditationslehrer im Google Unternehmen bei diesen gehetzten Leuten, wie man sich vorstellen kann. Er hat sich gefragt, was man da machen
- könne. 10 Sekunden. Das hört sich ja idiotisch an, aber es ist viel schlauer als es aussieht. Stellen Sie sich vor, jede Stunde halten Sie für 10 Sekunden
- inne, nur 10 Sekunden. Sie fallen niemandem um den Hals, weil es ja nicht immer gut ankommt, besonders auf der Straße. Aber während 10 Sekunden fragen
- Sie sich, ist dieser Mensch wohl glücklich? Ist jener gesund? Hat eher ein erfülltes Leben? Ist eher frei von Hürden und Leiden? Und auch jene, die
- ihm teuer sind. Das denken Sie aufrichtig 10 Sekunden lang und eine Stunde später wieder dasselbe.
- Sie sagen 10 Sekunden, das wirkt doch nicht. Doch öffnen Sie mal eine Parfumflasche 10 Sekunden lang und verschließen Sie sie dann wieder. Der
- Duft bleibt 10 Minuten lang in der Luft. Wenn Sie es oft genug wiederholen, bleibt der Duft vielleicht für immer. Es löst in ihnen eine andere Geisteshaltung
- aus, wohlwollender, altruistischer. Wenn Sie 10 Sekunden lang aufrichtig das Wohl eines Mitmenschen gewünscht haben, werden sie ihn danach nicht gleich
- urfeigen. Sie werden ein wenig in diesem Wohlwollen verharen. Es ist also eine Methode, einen Fluss in Gang zu halten, der den ganzen Tag
- andauert. Wer das ausprobiert hat, hat festgestellt, dass man das während der Arbeit machen kann und dass man die
- anderen anders wahrnimmt und sich die Beziehungen verbessern. Das ist etwas für die hektische moderne Welt. Wenn man aber ernsthaft meditieren will, ist eine
- halbe oder eine ganze Stunde besser und bisweilen auch eine Zeit des Rückzugs. Da verändert man sich viel tiefgreifender.
- Es gibt etwas anderes, was mich sehr interessiert, dass Sie auch an verschiedenen Stellen beschreiben. Sie sagen, man soll auch aufhören dauernd
- seine Gefühle rauszulassen. Buddha spricht ja davon, dass die Gefühle wie eine Affenhade herumtanzen, wenn wir uns nicht bemühen, die Gefühle irgendwie zu
- zähmen. Und sie sagen an einer Stelle auch, wir sollten uns irgendwie überlegen, ob es eigentlich so eine gute Sache ist, immer zu sagen, Streit ist
- klärend. Wir müssen auch mal unsere Gefühle rauslassen. Wie genau ist ein achtsamer Umgang mit den eigenen Gefühlen?
- Buddha und der Buddhismus haben nie gesagt, dass man Gefühle unterdrücken soll. Wir müssen unterscheiden zwischen destruktiven Gefühlen, die uns betrüben
- und leiden schaffen und den Gemütszuständen, welche glücklich machen. Z.B. der Zorn, die Animosität, die Eifersucht. Sie schaffen Leiden für
- sich selbst und für die Mitmenschen. Sie sollen also nicht zulassen, dass die Eifersucht ihren Geist erfasst. Wenn sie aber altruistische Liebe
- empfinden, soll diese im Gegenteil ihren ganzen Geist erfassen. Man sollte also unterscheiden zwischen Emotionen, welche das eigene
- Wohlbefinden und das der anderen fördern und jenen, die das Wohlbefinden zerstören. Die Gift sind für das eigene Wohlbefinden und das der anderen. Diese
- Emotionen müssen wir eliminieren. In der Tat hat es eine Zeit lang geheißen, wenn man eine große Wut hat,
- soll man sie nicht unterdrücken, man soll sie rauslassen. Nun haben Wissenschaftler gezeigt, dass dies nicht stimmt. Man wird dadurch viel
- jellzorniger, öfter und stärker. Man steigert sein zorniges Verhalten. Man soll es auch nicht unterdrücken wie eine Zeitprojekte.
- Der Buddhismus empfiehlt, wie etwa auch die kognitive Verhaltenstherapie, einen intelligenten Dialog mit den Emotionen.
- Was kann ich tun, damit die Emotion aufsteigt und dann verfliegt? Ein Vogel ähnlich, der am Himmel vorbeizieht, ohne eine Spur zu hinterlassen?
- Wir haben damit die Emotion weder unterdrückt noch explodieren lassen, sondern es verstanden, dass sie sich in dem Augenblick löst, da sie aufkommt,
- anstatt unseren Geist zu stürmen. Es ist eine viel intelligentere Art mit den Gefühlen umzugehen, indem wir sie verfliegen lassen, bevor sie uns zum
- Sklaven machen. Ich habe sie am Anfang unseres Gesprächs gefragt, was ich mit womit ich anfangen kann, wenn ich so glücklich werden
- möchte wie Sie. Zum Schluss, Monsieur Rickard, womit soll ich heute noch aufhören, wenn ich glücklich werden möchte?
- Im besten Fall sollten sie ihre Mitmenschen glücklich machen. Das ist der beste Weg mit dem Glück der anderen auch uns selbst glücklich zu machen.
- Zuallererst aber vermeiden sie es unter allen Umständen die anderen leiden zu lassen. Vielen Dank, Monsieur Rica, für dieses
- Gespräch. Merci. Merci. Ja, und mit diesem Gespräch verabschieden wir von der Sternstunde Philosophie uns in die
- Sommerpause. In den nächsten 7 Wochen öffnen wir für Sie unsere Schatztruhe und zeigen Ihnen unsere tiefgründigsten und aufregendsten Gespräche der letzten
- 12 Monate noch einmal. Am 30. August begrüße ich Sie wieder in unserem Zürcherstudio zu neuen Sternstunden. Ihnen allen jetzt aber einen schönen
- Sommer. [Musik]
- Scheiße. M.
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MeditationMeditation ist ein zentrales Element in verschiedenen Religionen, insbesondere dem Buddhismus, wie auch im Hinduismus, Konfuzianismus und Christentum. Seit dem …
BuddhaEin Buddha hat, auch wenn er zugleich eine menschliche Existenz führt, Nirvana verwirklicht und ist damit nach buddhistischer Überzeugung nicht mehr an den …
Spiritualität„Plastikwörter“ seien, so Poensgen, dadurch gekennzeichnet, dass „sich die Konnotationen bei weitem gegenüber der Denotation durchsetzen“.