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Gesellschaft im Deutschen Kaiserreich I musstewissen Geschichte

MrWissen2go Geschichte | Terra X7:17 925.041 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

Das Wichtigste aus dem Video

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Transkriptautomatisch erstellt · 67 Zeilen
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  1. Heute schauen wir uns die Gesellschaft im Deutschen Kaiserreich genau an. Ich erkläre euch, wie sich der Militarismus auswirkt,
  2. warum die Gesellschaft so gespalten ist und was sich in der Kultur tut. Eben alles, was du wissen musst.
  3. Die Gesellschaft im Deutschen Kaiserreich wird von großen Gegensätzen geprägt.
  4. Irgendwie sind das ganze Land und seine Menschen hin- und hergerissen zwischen Moderne und Tradition.
  5. Zwischen Rebellion und Gehorsam. Zwischen arm und reich, zwischen Weltoffenheit und Abschottung.
  6. Zwischen gegenseitiger Achtung und brutaler Ausgrenzung von Leuten, die anders sind.
  7. Allein schon der Gegensatz zwischen Protestanten und Katholiken ist viel krasser als heute.
  8. Zur gesellschaftlichen Oberschicht gehören der Adel, das sind Großgrundbesitzer und ranghohe Soldaten,
  9. oder die Wirtschafts- und Bildungsbürger, die Inhaber von Banken, Industriebetrieben und Handelsunternehmen.
  10. Ingenieure, Architekten, Ärzte, Rechtsanwälte, höhere Beamte, Professoren, Gymnasiallehrer, evangelische Pfarrer.
  11. Das ist die Oberschicht. Unten stehen die Lohnarbeiter in der Industrie,
  12. die Landarbeiter, Dienstboten, kleine Handwerker und natürlich das Proletariat,
  13. also die Verarmten, oft Arbeitslosen, die Elenden. Auch im Staat gibt es Widersprüche.
  14. Zum Beispiel zwischen der eigentlich schon überholten Fürstenherrschaft und dem dynamischen Staat der Unternehmer und Bildungsbürger.
  15. Einerseits ist Deutschland eine globalisierte Industrienation, andererseits ist es ein fast rückständiger Agrarstaat,
  16. wenn man nach Ostpreußen oder in Teile Bayerns schaut. Die Bürger lieben die Deutschtümelei.
  17. Aber die Forschung und die Wissenschaft sind international. Deutschland ist in dieser Zeit wissenschaftlich führend.
  18. Das zeigt schon die Liste der Nobelpreisträger. Zwei deutsche Forscher stellen das Universum auf eine neue Grundlage.
  19. Max Planck mit der Quantentheorie und Albert Einstein mit der Relativitätstheorie.
  20. Auch in der Kunst finden wir viele Neuerungen: den Jugendstil, den Impressionismus, das Kino wird zum Renner.
  21. Eine gewisse Margarete Steiff erfindet den Teddybären. Bei der Jugend steht die Wandervögelbewegung hoch im Kurs.
  22. Wandern, das ist keine langweilige Sonntagsnachmittagsbeschäftigung mit den Großeltern, sondern ein Bekenntnis.
  23. Raus aus der Stadt, rein in die Natur. Raus aus dem streng geregelten Leben, rein in das wirkliche Leben.
  24. Raus aus dem Falschen, rein in das Echte. Die gesellschaftlichen Gruppen tauschen sich aber nicht aus.
  25. Man kann auch sagen: Die Klassen leben nebeneinander her. Sogar ganze Landesteile leben nebeneinander her.
  26. Als 1870/71 das Kaiserreich gegründet wird, sind die Deutschen immer noch in erster Linie
  27. Bayern, Preußen, Sachsen und so weiter. Deshalb versucht die Regierung, eine Idee über das ganze Reich zu stellen,
  28. die sozusagen alle anderen Zugehörigkeiten überwölbt oder alle Unterschiede überdeckt:
  29. die Deutsche Nation. Weil diese Nation durch Kriege, genauer gesagt durch Siege entstanden ist,
  30. wird das Militär überall in Deutschland sehr bewundert. Alles, was mit dem Militär zu tun hat, ist in.
  31. Den Kindern zieht man Matrosenuniformen an, überall werden Paraden abgehalten, der Nationalfeiertag ist der Sedantag,
  32. an dem man an den Sieg über Frankreich erinnert. Die allgemeine Wehrpflicht sorgt dafür,
  33. dass jeder junge Mann drei Jahre zur Armee muss. Die Veteranen der Kriege und die ehemaligen Soldaten
  34. gründen im ganzen Land Militärvereine. Bei öffentlichen Veranstaltungen bekommen Offiziere Ehrenplätze.
  35. Und sie tragen auch ständig ihre Uniformen in der Freizeit. Militärische Dinge, militärische Verhaltensweisen,
  36. militärische Sprache dringt immer mehr in das Alltagsleben der Menschen ein.
  37. Wer nicht beim Militär war, der hat Nachteile im Beruf. Wenn eine ganze Gesellschaft so militärisch unterwandert wird,
  38. dann nennt man das Militarismus. Der Militarismus sieht die Welt so:
  39. Die Deutschen haben sich im Kampf gegen die anderen, gegen das böse Ausland durchgesetzt,
  40. deshalb erinnert man an Hermann den Cherusker, der die Römer besiegt hat, oder hier, das Völkerschlachtdenkmal erinnert daran,
  41. dass man die Franzosen besiegt hat, die Fremdherrschaft abgeschüttelt hat. Alles Deutsche wird nun großgeschrieben.
  42. "Die deutsche Kultur ist den anderen Kulturen überlegen", sagt man. Im Gegensatz zu Russland ist man ein moderner Staat, wirtschaftlich erfolgreich,
  43. aber im Gegensatz zu England und Frankreich hat man keine Revolutionen gebraucht,
  44. es herrscht Ordnung dank des Kaisers und der Armee. Und eines noch kann man von der Armee lernen: Gehorsam.
  45. Oben wird befohlen und unten wird gehorcht. So bildet sich in Deutschland eine Untertanenmentalität heraus.
  46. Beim Nationalismus im Kaiserreich geht es aber nicht nur um die Abgrenzung von äußeren Feinden, denen man sich überlegen fühlt,
  47. Es geht auch um die Ausgrenzung innerer Feinde. Also Minderheiten wie Juden, von denen man sagt,
  48. dass sie weniger wert sind als man selbst. Seit dem Börsencrash im Jahr 1873
  49. verstärkt sich im Kaiserreich der Antisemitismus, also die Feindschaft gegen die Juden.
  50. Denn die Juden hat man als "Handlanger des internationalen Finanzkapitals", als verantwortlich für den Crash und seine Folgen gesehen.
  51. Man meint jetzt, dass es eine jüdische Rasse gäbe, die man an bestimmten äußerlichen Merkmalen erkennen kann.
  52. Und man meint, dass die Juden wie ein Fremdkörper im deutschen Volkskörper sitzen,
  53. wie Krankheitserreger, und den Deutschen Schaden zufügen. Und da merkt ihr schon: Krankheits- erreger werden abgetötet, ausgerottet.
  54. Eigentlich sind deutsche Juden deutsche Staatsbürger wie alle anderen Deutschen auch.
  55. Solange das Kaiserreich existiert, bleiben Juden auch gleichberechtigt. Ihnen werden keine Rechte weggenommen.
  56. In der Gesellschaft diskutiert man freilich über die sogenannte Judenfrage in der Armee, die ja sehr einflussreich ist.
  57. Juden dürfen keine Offiziere werden. Juden waren vom Handwerk und von der Landwirtschaft ausgeschlossen.
  58. Sie verlegen sich auf Wissenschaft, Handel, Bankwesen und Industrie. Hier sind sie überproportional oft tätig.
  59. Mal in Zahlen: 1871 sind 1,25 Prozent der Deutschen Juden. 1918 sind es nur noch 0,95 Prozent.
  60. Und trotzdem wollen vor allem höhere Beamte, Offiziere und Adelige die Juden weg haben.
  61. Anerkennung und Kompromisse, wie sie für eine moderne demokratische Gesellschaft wichtig sind,
  62. spielen im Kaiserreich keine Rolle. Daher nehmen die gesellschaftlichen Spannungen zu.
  63. Aber dann bricht der Krieg aus. Und dieses Ereignis überlagert erst mal die inneren Konflikte des Kaiserreichs.
  64. Wenn ihr euch für das Kaiserreich interessiert, dann schaut euch die anderen Videos hier auf unserem Kanal an.
  65. Für alle, die nichts mehr verpassen wollen, hab ich einen einfachen Tipp: Abonniert diesen Kanal.
  66. Ist super entspannt und hilft euch hoffentlich weiter. Danke fürs Zuschauen, bis zum nächsten Mal.
  67. Untertitel im Auftrag des ZDF für funk, 2018

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